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15.07.14Kommentieren

payleven und die Kooperation mit PayPal: Keine Angst vor Kannibalisierung

Der Berliner Anbieter eines mobilen Kartenlesegeräts, payleven, macht gemeinsame Sache mit PayPal. Händler und Gastronomen können über payleven kontaktlose PayPal-Zahlungen entgegennehmen. Das zu Rocket Internet gehörende Startup zeigt, dass es vor Kannibalisierung keine Angst hat.

paylevenpayleven, das von Rocket Internet vorangetriebene Fintech-Startup aus Berlin, das Privatpersonen, Händler und Kleinunternehmen mit einem mobilen Geldkarten-Lesegerät ausstattet, ist schon länger ein Sonderling innerhalb der Samwer-Copycat-Schmiede: Während die Philosophie des Inkubators es ist, erfolgreiche Webkonzepte aus den USA mittels eines perfektionierten Systems in möglichst vielen Märkten nachzubauen, fielen payleven häufiger mit originellen und innovativen Vorstößen auf. payleven agiert in der von einer Vielzahl von Startups bevölkerten Kategorie mobiler Cardreader eher als Innovationsführer statt als Nachahmer.

Dieser Linie bleibt der Dienst auch im Jahr 2014 treu: Gestern gaben die Hauptstädter eine Zusammenarbeit mit der eBay-Tochter PayPal bekannt - unseres Wissens nach ein Novum in dem Segment. Im Rahmen der Kooperation werden Nutzer des Kartenlesers von payleven in die Lage versetzt, neben Kartenzahlungen auch kontaktlose Zahlungen per Smartphone zu akzeptieren. Voraussetzung ist, dass Kunden die PayPal-App auf ihrem iOS- oder Android-Gerät installiert haben und im jeweiligen Geschäft vor dem Bezahlvorgang per PayPal "einchecken". In Folge des Check-Ins erscheint das PayPal-Profilbild des jeweiligen Kunden in der Payleven-App des Ladenpersonals. Durch den "Gesichtsabgleich" verifizieren diese, dass es sich um die gleiche Person handelt, und autorisieren die Transaktion.

Mit PayPal im Geschäft "einchecken"

PayPal feilt derzeit fleißig am Ausbau seiner Mobile-Payment-Dienstleistungen. Die Einchecken-Funktionalität ist dabei eine von mehreren Optionen. Sie steht nicht nur Händlern und Gastronomen offen sondern auch externen Anbietern von Payment- und Kassensystemen, wie einem Handelsblatt-Beitrag zu entnehmen ist. payleven gehört zu den ersten Payment-Startups, die sich für die Funktion öffnen. Aktuell läuft laut payleven-Pressemitteilung (PDF) ein Betatest in Deutschland.

Aus Sicht von payleven bietet die Kooperation mit PayPal Chancen und Risiken. Auf der einen Seite steigert das Unternehmen um die drei Macher Konstantin Wolff, Rafael Otero und Alston Zecha mit dem Schritt die Attraktivität seines Produkts. PayPal ist insbesondere in Deutschland eine ziemliche Macht. 2012 wurden gemäß einer Studie 30 Prozent aller hierzulande abgewickelten Onlinekäufe über PayPal bezahlt. Der Dienst hat über 20 Millionen Nutzer in Deutschland. Auch wenn bislang nur ein geringer Teil davon von den Einsatzmöglichkeiten PayPals im stationären Handel Gebrauch macht, bietet payleven seinen Kunden durch die Integration Zugang zu einer mutmaßlich demnächst stark wachsenden Zielgruppe.

Gleichzeitig aber nimmt payleven auch eine Kannibalisierung in Kauf. Denn je mehr kontaktlose Zahlungsprozesse Händler oder Gastronomen durchführen, desto geringer ist ihr Bedarf an paylevens Kernprodukt, nämlich Kartenzahlungen. Schon Steve Jobs wusste aber, dass die Bereitschaft zur Kannibalisierung einen Wettbewerbsvorteil darstellen und eine Firma dazu zwingen kann, sich stetig neu zu erfinden. payleven-Geschäftsführer Konstantin Wolff beschreibt die strategische Ausrichtung des Startups daher wie folgt: "Nachdem wir die Demokratisierung von Kartenzahlungen vorangetrieben haben, stärken wir nun auch die Verbreitung kontaktloser Bezahlmethoden wie Wallets. Unser Ziel ist es, kleinen und mittelständischen Unternehmen die breiteste Akzeptanz von bargeldlosen Zahlungsmethoden zu ermöglichen".

Bisher ist die Landschaft mobiler Zahlungsdienste unglaublich fragmentiert, mit Nachteilen für alle Marktteilnehmer. Ein Plattformansatz, bei dem verschiedene Verfahren in einer App vereint werden, könnte einen Dammbruch herbeiführen. Der Weg, den payleven jetzt einschlägt, wirkt daher wahrlich nicht unklug. /mw

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