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29.05.08Kommentieren

Paparazzi: Die dreckige Jagd nach dem goldenen Schuss

Die "Paps" sind ständig auf der Jagd nach den Stars – und dem ultimativen Foto, das fantastische Mengen Geld verspricht. "Keiner mag sie", titelt die aktuelle Ausgabe der Galore.

Britney Spears (Bild Keystone)Das Interview-Magazin Galore widmet den Paparazzi die Titelseite, im Gespräch sind Kurator Matthias Harder ("Man muss vielen Paparazzi-Bildern zugestehen, dass sie authentisch sind, und diese Authentizität macht sie jenseits ihres dokumentarischen Gehalts durchaus künstlerisch wertvoll.") und Paparazzo Frank Griffin ("Gewichtsprobleme stehen hoch im Kurs. Das ist in der heutigen Kultur eine ganz entscheidende Perspektive: Hat ein Prominenter zugelegt? Ist jemand erschreckend dünn geworden?"). Die Interviews kommen zu einem passenden Zeitpunkt: Die modernen Glücksritter Paparrazi sind derzeit Medienthema. "Verbrecher oder Künstler" fragt Galore und bringt den Konflikt auf den Punkt. Die Bilder gucken alle an, vom Entstehungprozess grenzt man sich empört ab.

 

Vom Paparrazi-Business berichtet David Samuels in The Atlantic – wie in den vergangenen Jahren die Szene immer größer wurde, die Preise für Bilder explodieren, wie über 30 Fotografen Tag und Nacht Bitney Spears verfolgen und wie das Geschäft funktioniert. Er hängt mit den harten Hunden ab und spricht mit dem angeblichen Schützen des Fotos, auf dem Britney Spears ihre Haare verliert.

A great shot is almost never an accident. You need luck, skill, timing, good information, a sense of how to frame a shot, and the ability to make the right decisions under pressure. The margin for error is so small that the best paparazzi generally get the best shots.

The Atlantic, David Samuels: "Shooting Britney"

Samuels epische Paparrazi-Geschichte – "How a French journalist recruited a posse of Brazilian parking attendants and pizza-delivery guys and helped create Hollywood?s most addictive entertainment product" – liefert einen schonungslosen Blick auf die Branche. Wer diesen Text nicht kennt und vom wilden Paparazzi-Leben träumt, ist ungefähr so clever wie jemand, der über Tiefseekabel schreibt und "Mother Earth, Mother Board" nicht gelesen hat. Das stundenlange Warten auf Paris Hilton sieht man den Fotos eben nicht an.

Längst sind die Paparrazi selber auf dem Weg zum Popstar-Ruhm, Protagonisten langer Artikel und Tellerwäscher-Aufsteiger-Mythen. Sie umgibt die Aura ruchloser Outlaws – von den Stars gehasst und gefürchtet, von den Lesern der Klatschpresse verachtet und nur insgeheim bewundert. Klar, dass die Haudegen als Titelthema taugen:

Lindsay LohanKnarre und Flammenwerfer im Anschlag, Füße und Kamera des offensichtlich getroffenen Paparazzo am unteren Bildrand: "It's War!" Drastische Fotos illustrierten im vergangenen Jahr eine Geschichte in dem amerikanischen Magazin Radar. Für Fotos und Cover stand Lindsay Lohan Modell, selbst beliebtes Opfer der Paparazzi. Früher oder später werde wieder jemand sterben, so die Schauspielerin, die Fotos seien eine ernste Warnung. Persönlich habe sie natürlich rein gar nichts gegen die fiesen Fotografen – konsequent anlegen möchte sich mit dem Pressemob dann lieber doch nicht.

Now, on any given day, 300 to 400 paps (the term is also a verb, as in, "Jessica is in Hawaii this week, let's pap her") roam the streets of L.A. on behalf of 20 or so agencies. Together they generate more than 120,000 images per week, which are pumped directly to the computer screens of tabloid photo editors via password-protected websites.

Radar, John Conolly und John Cook: "Hollywood vs. The Paparazzi: It's War!"

Ein Film zeigt genau diesen konsequenten nächsten Schritt: Ein Schauspieler, dem Fahrlässige und Aufdringliche Paparazzi die Familie zerstören, beläßt es nicht bei ein paar Faustschlägen ...

Der Titel des Actionfilms aus dem Jahr 2004: "Paparazzi".

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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