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26.02.14

OvulaRing: Leipziger E-Health-Startup entwickelt intelligenten Vaginalring

Ein Leipziger Startup hat mit OvulaRing einen intelligenten Vaginalring auf den Markt gebracht. Er liefert Daten, die Paaren bei der Schwangerschaftsplanung und natürlichen Verhütung helfen sollen.

OvulaRingMänner sind beim Thema Verhütung, zumindest in vielen festen Beziehungen und Ehen, fein raus. Sie können sich entspannt zurücklehnen, während Frauen ihrem Körper mit Antibabypille oder anderen Verfahren konstant Hormone zuführen, um nicht ungewünscht schwanger zu werden. Auch wenn man sich als Mann schwer vorstellen kann, wie die Hormone sich auf Wohlbefinden und Psyche auswirken, so hört man doch von vielen Frauen, dass die Stimmungslage merklich beeinflust wird. Hinzu kommen die zahlreichen körperlichen Nebenwirkungen. So erfolgreich die Geschichte von hormonbasierten Verhütungsverfahren auch ist - es besteht augenscheinlicher Bedarf an verträglicheren Methoden. Das Leipziger Startup VivoSensMedical sieht Technologie als nächste Evolutionstufe in der Handhabung des weiblichen Zyklus.

Das 2011 gegründete Unternehmen vertreibt seit Ende 2012 einen intelligenten Vaginalring namens OvulaRing. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ringen, die wie die Pille hormonbasiert sind, beinhaltet der OvulaRing einen Biosensor, der bis zu 288 Mal pro Tag die Körperkerntemperatur misst. Diese spiegelt laut Firmenangaben die hormonelle Entwicklung während des Zyklus wieder, woraus sich Rückschlüsse auf die fruchtbaren Phasen ziehen lassen. Zur Bestimmung des aktuellen Status wird der Ring mit einem Lesegerät verbunden, das die Daten an OvulaRings webbasiertes Auswertungsportal myovularing überträgt. Dort erhalten Nutzerinnen Zugriff auf ein breites Spektrum an Daten zur Auswertung ihres Eisprung-Zeitpunktes. Die Erfinder des OvulaRing und Gründer des Startups, der Frauenarzt Prof. Dr. Henry Alexander, Holger Runkewitz sowie Sebastian Alexander, bezeichnen die Hauptaufgabe des OvulaRings als "Empfängnisoptimierung für Frauen mit Kinderwunsch". Aber da sich mit dem OvulaRing auch die nicht-fruchtbaren Tage bestimmen lassen, eignet sich der Ring ebenfalls zur "natürlichen Verhütung", wie das Unternehmen erklärt.

Der weibliche Zyklus im Überblick

Nicht jede Frau wird sich damit wohlfühlen, einen mit einer kleinen Batterie und einem Sensor ausgestatten Vaginalring den ganzen Tag in ihrem Körper zu tragen. Das Leipziger Unternehmen versichert aber, dass der Sensor keine Strahlung absondert. Die Bestandteile seien luftdicht umschlossen in einer Keramikverkapselung untergebracht, die sich nicht öffnen lässt. Hergestellt werde der OvulaRing in Deutschland.

Als Team bestehend aus "führenden Reproduktionsmedizinern der Universitätsklinik Leipzig" mit vielen Jahrzehnten Arbeitserfahrung sieht sich VivoSensMedical in einer guten Position, "Diagnostika für die komplette fertile Phase der Frau von Empfängnisoptimierung über Verhütung bis hin zur Detektion von Frühgeburten und der exakten Prognose für den Geburtstermin" zu entwickeln. Im Sommer 2011 investierte der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) einen Betrag in nicht genannter Höhe in das Startup. Aktuell will das Unternehmen im Rahmen einer Crowdinvesting-Kampagne frische Mittel einsammeln.

Auf eine Beurteilung darüber, inwieweit der OvulaRing seine monatlichen Kosten zwischen 34,10 Euro und 73 Euro (je nach Laufzeit) Wert ist, und ob er sich tatsächlich zur effektiveren Schwangerschaftsplanung beziehungsweise sicheren Verhütung eignet, verzichten wir an dieser Stelle. Letztlich werden Frauen beziehungsweise Paare, die auf der Suche nach effektiveren als den bisherigen Ansätzen sind, darüber entscheiden. Die Idee, mit einer technologiebasierten Lösung dem Rätselraten über den perfekten Zeitpunkt für die Reproduktion oder der künstlichen, nicht immer angenehmen Hormonzufuhr ein Ende zu bereiten, klingt erst einmal vielversprechend.

Bislang ist das Produkt in Deutschland und der Schweiz erhältlich. In diesem Jahr soll auch der Vertrieb in Österreich beginnen. Laut Unternehmensangaben verwenden derzeit über 500 Nutzerinnen den Ring. Auf der Roadmap steht für 2014 unter anderem die Einführung eines Systems auf Funkbasis, das die Datenübermittlung ohne Entnahme aus dem Körper ermöglichen soll.

Neben VivoSensMedical beziehungsweise OvulaRing hat sich derzeit noch mindesten ein weiteres Startup aus Deutschland der Fruchtbarkeitsanalyse verschrieben: Clue aus Berlin beschränkt sich allerdings auf einen App-Ansatz. Frauen können die App nutzen, um Merkmale und Erscheinungen ihres Zyklus festzuhalten, und um so eine bessere Planungsgrundlage zu erhalten. Als Mittel der natürlichen Verhütung eignet sich Clue allerdings nicht. /mw

Link:  OvulaRing

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