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28.11.12

opentabs: Digitaler Bestellzettel für die Gastronomie

Das Münchner Startup opentabs hat ein System entwickelt, das die mobile Bestellung von Speisen und Getränken in der Gastronomie erlaubt.

Diverse Startups versuchen sich mittlerweile daran, die Prozesse in der Gastronomie mit Hilfe von digitalen Apps und Tablets oder Smartphones zu verbessern. Bisher lag der Fokus dabei aber vor allem auf Werkzeugen für Restaurant- und Cafébetreibern. Denen haben sich unter anderem die deutschen Jungunternehmen Orderbird und  pepperbill sowie auch Schnäppchengigant Groupon verschrieben. Zwar hat Orderbird schon vor einiger Zeit verkündet, auch eine an Endkunden gerichtete Bestell-App veröffentlichen zu wollen, dies jedoch noch nicht in die Tat umgesetzt. Das Müncher Startup opentabs kommt den Berliner nun mit seinem digitalen Bestellzettel zuvor. Die in diesem Jahr entstandene Firma hat ein aus einer mobilen iOS- und Android-App für Endkunden sowie einem persönlichen Browser-Dashboard für Gastronomen bestehendes System entwickelt, das Kellnern einen Teil ihrer Arbeit abnimmt und Gästen das Warten auf die Bedienung erspart, um ihre Bestellung aufgeben zu können. Restaurants, Cafés und Bars, die sich für opentabs entscheiden, positionieren auf jedem Tisch einen gut sichtbaren QR-Code, entweder in Form eines Aufstellers oder direkt auf der Tischplatte befestigt. Nachdem Gäste Platz genommen haben, scannen sie mit der opentabs-App auf ihrem iOS- oder Android-Gerät den Code und erhalten anschließend Zugriff zur aktuellen Speise- und Getränkekarte, von dieser aus sie direkt ihre Bestellung aufgeben können.

Das Personal nimmt die Wünsche des jeweiligen Tisches über eine personliche Admin-Oberfläche entgegen und veranlasst wie gewohnt die Zubereitung. Ist das leibliche Wohl der Gäste gestillt und die Zeit zum Bezahlen gekommen, können sie aus der App die Rechnung anfordern. Dank eine Kooperation mit dem Starnberger Zahlungsdienstleister Masterpayment besteht die Möglichkeit, mittels der Kreditkartendaten direkt über die App zu bezahlen. Das Warten auf die Rechnung erübrigt sich dann. Alternativ kann über die opentabs-Anwendung auch der Kellner gerufen werden, um ganz konventionell zu bezahlen.

Ab Januar wird das System in einer Münchner Filiale der Kaffeehauskette San Francisco Coffee Company (SFCC) erstmals getestet. In diesem Fall ist nicht einmal der Scan eines QR-Codes erforderlich: Stattdessen erlaubt die opentabs-App auch von Orten in der Umgebung den Abruf des Kaffee- und Snackangebots sowie die Bezahlung. Anschließend müssen Kunden nur noch in der Filiale vorbeischauen und sich ihre Bestellung abholen, ohne dazu lange in der Schlange stehen und auf die Zubereitung warten zu müssen.

Neben der klassischen Gastronomie richtet sich das Angebot des bayerischen Startups auch an die Betreiber von Arenen und Stadien, die ihren Besuchern eine Bestellung von Erfrischungen direkt vom Sitzplatz aus ermöglichen wollen. Drei Standorte in Ulm, Frankfurt und Bamberg nutzen bisher das System. Nutzer wählen dazu in der opentabs-App den "Sitzplatz-Checkin", geben ihren Platz an, wählen von der Speisekarte ihre Wünsche aus und warten darauf, bis ein mobiler Getränke- oder Würstchenverkäufer mit der Bestellung erscheint. Bezahlt wird wie gewöhnlich in bar - bisher beschränkt sich die Kartenzahlungsmöglichkeit auf das Pilotprojekt in München.

Eine drittes Einsatzgebiet, auf das sich das Gründertrio aus Nicolas Plögert, Dirk Röder und Sebastian Heise konzentrieren will, sind Hotels, die Gästen die bequeme, Smartphone-basierte Bestellung von Erfrischungen oder Speisen aus dem Zimmer anbieten möchten.

Für Restaurant- oder Cafégäste sowie Stadionbesucher ist die Nutzung und Bestellung über die opentabs-App kostenfrei. Gastronomen, Arenen und Hotels zahlen eine einmalige Einrichtungsgebühr in Höh von 29,99 Euro für die Speisekarte sowie Lizenzkosten abhängig von verschiedenen Kriterien.

Finanziert wurde die Entwicklung bisher aus den Mitteln einer "Family & Friends"-Kapitalrunde. Im Dezember wollen die Süddeutschen erneut Geld zur weiteren Expansion aufnehmen. Auch wenn die "Point of Sale"-Lösung abseits der Stadien erst im Januar ihr Debüt feiert und das zu Beginn nur in einem Café, unterstreicht Co-Founder Dirk Röder, dass das System weiteren Kunden offen steht. Nach dem Pilot werden sukzessive auch die anderen Filialen der SFCC die Bestellung und Bezahlung via opentabs implementieren.

Die Idee von opentabs, die auf internationaler Bühne auch von anderen Akteuren verfolgt wird, etwa 365cups, erfüllt sowohl für Gäste als auch Gastronomen einen eindeutigen Nutzen. In einigen Jahren wird mobiles Bestellen und Bezahlen in der Gastronomie eine Selbstverständlichkeit darstellen. Die Entwicklungschancen für opentabs sind damit gut. Auf Konkurrenz muss sich das Startup einstellen. Nicht zuletzt daher noch ein abschließender Ratschlag: Das optische Erscheinungsbild lässt arg zu wünschen übrig und würde eine grundsätzliche Überarbeitung gut vertragen.

Link: opentabs

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