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18.04.12Leser-Kommentare

Open-Graph-Applikationen: On-Demand-Musikstreaming erlebt seinen Durchbruch - dank Facebook

Facebook forciert die Integration von On-Demand-Musikdiensten in seine Plattform - und trägt damit nicht unerheblich zum Durchbruch dieser Form des digitalen Musikkonsums bei.

Spotify, der weltweit in Bezug auf (geschätzte) Mitgliederzahlen führende On-Demand-Dienst für Musikstreaming, wird zwar mittlerweile deutlich mehr Anwender haben, kommuniziert aber nach wie vor zehn Millionen als offizielle Benutzerzahl - drei Millionen davon legen für den Service Geld auf den Tisch. Konkurrenten wie Rdio, Mog, oder Deezer rangieren bezüglich der Popularität hinter dem seit kurzem auch in Deutschland verfügbaren Angebot. simfy, der einzige relevante Dienst aus dem deutschsprachigen Raum, besitzt mehr als zwei Millionen registrierte Mitglieder.

Obwohl On-Demand-Musikstreaming mittels Werbefinanzierung oder einer monatlichen Pauschale seit Jahren ein viel diskutiertes Thema der Digitalwirtschaft darstellt und es an entsprechenden Diensten wirklich nicht mangelt, beträgt die Gesamtzahl derjenigen, die tatsächlich Musik "on Demand" über einen der spezialisierten Dienste anhören (YouTube einmal ausgenommen), daher geschätzt wohl kaum mehr als 50 Millionen. Im Sommer vergangenen Jahres illustrierten auch zwei Studien die teilweise noch vorhandenen Berührungsängste vieler User mit dem Thema Musikstreaming als Ablösung von MP3-Downloads und lokalen Musiksammlungen.

Die mit teilweise enormen Mengen an Risikokapital ausgestatteten Streaming-Startups müssen also noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Doch seit einigen Monaten bekommen sie dabei äußerst tatkräftige Unterstützung: Denn dank des neuen Open-Graph-Protokolls können sie sich eng mit Facebook verbinden und sich über Newsfeed, Ticker und Chronik die Viralität des 850 Millionen aktive Nutzer zählenden sozialen Netzwerks zunutze machen.

Anwender der Streamingdienste, die das sogenannte "Frictionless Sharing" (reibungsloses Teilen) aktiviert haben, informieren ihre Facebook-Kontakte damit stetig über aktuell und besonders oft gehörte Songs. Sehen Freunde einen Titel im Ticker, Feed oder in der Chronik, können sie diesen direkt über einen der unterstützten Streamingservices (alle der oben genannten) anhören - sofern sie die jeweilige Software installiert haben, die von Facebook gleich mit angeboten wird.

Über die Sinnhaftigkeit von Frictionless Sharing kann man gespaltener Ansicht sein ( bei Musik halte ich es für eine schlechte Idee ). Für Spotify, simfy & Konsorten sind die dabei von Facebook eingeräumten Distributionswege ihrer Streaminglösungen aber ein Geschenk des Himmels. Schon wenige Woche, nachdem Spotifys Open-Graph-App bei dem Social Network online ging, schossen die Mitgliederzahlen in die Höhe.

Neuer "Anhören"-Knopf auf Musiker-Seiten

Facebook ist damit momentan die treibende Kraft hinter der Etablierung des On-Demand-Musikstreamings (was iTunes-Besitzerin Apple überhaupt nicht gefallen wird) und unterstreicht diesen Status mit einer aktuelle Neuerung abermals: Seit heute prangt auf vielen Fanpages von Musikern und Bands an zentraler Stelle neben dem "Gefällt mir"-Knopf ein "Anhören"-Button (Beispiel). Ein Klick auf selbigen öffnet das jeweilige Interpretenprofil im bevorzugten, Open Graph unterstützenden Streamingdienst, von wo aus sämtlichen bei selbigem verfügbaren Titeln des Künstler gelauscht werden kann.

Enorme Unterstützung für Streaminganbieter

Die Anhören-Schaltfläche ist damit nicht nur eine nette Möglichkeit für Interpreten, Besuchern der Facebook-Page die eigenen Werke zu präsentieren, sondern erneut eine enorme Gefälligkeit an alle mit Facebook verbundenen Streamingdienste. Denn wer auf den Anhören-Knopf klickt, ohne zuvor einen der Musikservices bei Facebook autorisiert zu haben, dem empfiehlt das soziale Netzwerk direkt einen der im jeweiligen Land verfügbaren und bei den eigenen Facebook-Kontakten populären Anbieter.

Das neue Feature ist somit primär eines: Werbung für Spotify, Rdio, simfy & Co und damit auch Werbung für On-Demand-Musikflatrates. Facebook wiederum erhöht die Abhängigkeit der Musikstartups von seiner eigenen Plattform, die den Diensten mit den zahlreichen Integrationspunkten im Laufe der Zeit viele Millionen neue Nutzer beschert. Für Facebook selbst existiert keine bessere Lebensversicherung als eine attraktive, von vielen Anwendungen genutzte Plattform.

Alles deutet darauf hin, dass On-Demand-Musikstreaming im Jahr 2012 endlich seinen Durchbruch erlebt. Verantwortlich dafür ist auch Facebook.

Kommentare

  • Jürgen Vielmeier

    18.04.12 (11:29:02)

    Für mich immer noch eine Hürde zu hoch. Wer erst irgendwas installieren muss, bevor er etwas hören kann, der tut das weit weniger gerne. Eine Zeitlang bot doch Simfy zum Beispiel mal die Möglichkeit, Songs ohne Anmeldung direkt im Facebook-Player zu hören. Das wurde aber wieder abgeschafft, obwohl es rechtlich möglich wäre. Das heute ist also ein wichtiger Schritt, aber noch lange nicht der Durcbruch. Auch wenn die Werbung den Diensten natürlich in der Tat sehr viel weiterhelfen wird. :)

  • Marcel Weiß

    18.04.12 (13:28:31)

    "Spotify, der weltweit führende On-Demand-Dienst für Musikstreaming," Das stimmt so nicht. Allein in den USA ist Rhapsody größer als Spotify. (siehe u.a. http://evolver.fm/2011/12/22/1-in-307-americans-pays-for-rhapsody-thanks-to-invisible-drm/ ) Es gibt keine konkreten Zahlen aber sogar Rdio, das schon länger auf dem US-Markt ist, dürfte dort noch größer sein als Spotify. Hierzulande würde es mich überraschen, wenn Spotify bereits Simfy überholt hat. Möglich, aber bei weitem nicht gegeben. Davon abgesehen ist Spotify nach wie vor in vielen Ländern noch nicht verfügbar. Dazu gehören auch große westliche Länder wie etwa Kanada. "weltweit führend" würde ich deswegen nicht unterschreiben.

  • Jürgen Vielmeier

    18.04.12 (13:35:51)

    @Marcel @Martin: Interessant finde ich aber, dass es den Anschein hat, als wäre Spotify die Nummer 1. Vielleicht, weil sie die beste Presse bekommen. Aber warum? Sie waren nicht einmal die ersten mit einem On-Demand-Abo.

  • Martin Weigert

    18.04.12 (13:39:36)

    Du hast recht - eine offizielle Statistik dazu gibt es nicht, insofern ist das eine Schätzung oder Spekulation. Aber es sprich doch sehr viel dafür: Spotify ist in zwölf Ländern mit einer Gratislösung verfügbar. Kein Konkurrent bietet dies. Zudem gehörte es zu den frühzeitigen Open-Graph-Partnern. Hinzukommt, dass Spotifys offizielle Zahl ("10 Millionen") sich schon seit mindestens einem halben Jahr nicht verändert hat. Die Zahl der Paid User wird aber stetig aktualisiert (wahrscheinlich, um eine besonders hohe Konversionsrate vorzugeben). Die Gesamtzahl von Spotify-Mitgliedern (Free + Paid) liegt nach meiner Schätzung bei mindestens 20 Millionen. In jedem Fall wird sie sich aber nicht in einem halben Jahr gar nicht vom Fleck bewegt haben. Zu Rhapsody: Einer Million zahlenden Nutzer. Das mag mehr sein, also Spotify dort Paid User hat. Aber schon kurz nach dem US-Launch hatte Spotify 1,4 Millionen Nutzer dort (http://allthingsd.com/20110808/spotifys-u-s-score-so-far-1-4-million-users-175000-paying-customers/) . Die meisten Free, aber diese sollte nicht einfach ignoriert werden. Insofern würde ich konstatieren: 100 prozentig sicher sein kann man nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Spotify tatsächlich der On-Demand-Dienst mit der größten Mitgliederzahl ist. Eben schon wegen der signifikanten Gratis-Komponente in allen Märkten. Oder ging es dir primär darum, von "weltweit" zu sprechen, wenn der Dienst in einigen Ländern der Welt nicht verfügbar ist? Wäre "international" besser?

  • Marcel Weiß

    18.04.12 (14:22:13)

    Ich weiß nicht, ich halte "weltweit führend" für irreführend, weil Spotify nur in Schweden und vielleicht in UK der größte Dienst. In den anderen Märkten sieht es zumindest noch anders aus. Aufgrund der Lizenzsituation muss aber jeder Markt gesondert betrachtet werden, weil die Dienste eben nicht einfach überall verfügbar sein können. Und jeder Markt eigen ist, auch was die verfügbare Musik angeht. (Was Free angeht: Rdio z.B. bietet btw. kostenfreies Streaming auch in den USA an http://neumusik.com/2011-10-rdio-bietet-jetzt-kostenfreies-streaming-ohne-werbung/ )

  • Martin Weigert

    18.04.12 (14:28:29)

    Ich hab's in "der in Bezug auf (geschätzte) Mitgliederzahlen führende...." geändert. Trifft es dann hoffentlich besser.

  • Karsten Werner

    18.04.12 (16:16:11)

    Hatte nicht unbedingt die beste, aber die meiste Presse. Auch außerhalb der Blogs. Ursachen, imo. "Aufreger": - Facebook-Zwang - Bereits ohne GEMA-Einigung gestartet und - Martin (der schon "ewig" darüber schreibt) Neben den bereits genannten, sind die Vorteile von Spotify gegenüber anderen Anbietern aus meiner Sicht: - "Drängt" sich auf: Desktop-Client setzt sich auf Win-PCs direkt per Autostart fest - größere Auswahl als bei allen anderen kostenpflichtigen Diensten, die in D regulär verfügbar sind. Sehr viel Klassik, relativ viel Electro. Da natürlich nicht vergleichbar mit der Tiefe bei den kostenlosen DJ-Plattformen Soundcloud und Mixcloud, aber in Relation zu direkten Wettbewerbern Simfy und Rdio doch sehr gut. - Bessere mobile Clients. Sowohl unter iOS als auch Android. App-Ökosystem dank API. Einige Hilfsprogramme im App-Store sind vielversprechend. Was der Spotify-Client selbst nicht bietet, reichen andere nach. Wichtigster Punkt: Funktioniert unterwegs tadellos, auch mit schwachen UMTS-Verbindungen. Das hat z.B. Simfy nie richtig hinbekommen, obwohl schon damals Radio-Apps wie TuneIn vorgemacht haben, wie es geht. Da konnten Nutzer sogar die Bufferlänge manuell festlegen, um auch bei relativ schlechter Netzqualität noch Streamen zu können. Bin der Meinung, dass die Qualität der mobilen Clients mittlerweile das wichtigste Differenzierungsmerkmal in diesem Markt darstellt. Da ist bei allen Anbietern noch Luft nach oben. Zum Beispiel beim Sharing: Die Verbindung native App->Browser, die man dazu, auch bei Spotify, noch findet, nervt. Ist - zumindest auf iOS-Devices - sehr zäh und das killt den Sharingimpuls. Sharing aus nativen Apps geht mittlerweile längst besser. Shazam macht's vor, oder - wenn man editieren will - dann wären auf Iphone die FAZ-App oder der Newsaggregator DeutscheZeitungen imo technische Referenzen.

  • Andreas Von Gunten

    18.04.12 (17:48:15)

    Ich mag solche Dienste wie Spotify im Grundsatz ja schon, aber dass das System nur über einen eigenen Client funktioniert finde ich blödsinn. Wir fallen wieder zurück in die Zeiten des Real Players, die älteren Semester mögen sich vielleicht noch erinnern. Wollen wir das wirklich?

  • Martin Weigert

    18.04.12 (17:52:32)

    Gewissermassen entscheiden ja die Nutzer, was sie wollen. Indem sie Diensten mit Desktop-Client-Ansatz (wie Spotify) den Vorzug gegenüber Konkurrenten mit Weboberfläche geben. Persönlich kann ich gar nicht genau sagen, wieso, aber ich finde Desktopclient bei Musikstreaming auch besser als Browser-App. Könnte damit zu tun haben, das zumindest noch ein wenig das Gefühl existiert, man hätte die Musik lokal auf der Platte.

  • Andreas Von Gunten

    18.04.12 (18:00:21)

    Natürlich entscheiden die Nutzer, keine Angst, ich will keine Client Polizei :-) Ich finde den Spotify Ansatz vor allem dann doof, wenn sie beginnen im Web Browser so zu tun, als seien sie eine Web Applikation. Dieser Play Button ist doch ein Mist. Auf einer Website sollten keine Links platziert sein, die eine eigene Applikation brauchen, ausser du machst das wirklich klar. Und innerhalb von Facebook ist das dasselbe Problem. Ich poste keine Spotify oder iTunes Links, weil ich ja nicht davon ausgehen kann, dass die Leser diesen Client haben, darum würde ich auch den Spotify Play Button nirgends einbinden. Ich mag in dieser Frag puristisch sein, aber es ist nun mal so, dass wir uns nur Probleme schaffen, wenn wir wieder in die Zeiten zurückfallen in denen wir davon ausgehen müssen, dass die Leser eine bestimmte Software ausserhalb des Browser installiert haben müssen, um einen Link zu nutzen oder einen Inhalt zu konsumieren.

  • DJ Nameless

    19.04.12 (23:36:49)

    Ich habe bis vor wenigen Wochen immer Napster als Musikstream-Software genutzt (für 9,95 im Monat), aber dann haben die von einer Software, die 6 Jahre ohne Probleme lief, auf eine neue umgestellt, die nur Müll ist (Suche findet fast nichts mehr, Suchergebnisse lassen sich nicht mehr alphabetisch sortieren). Infolge dessen habe ich mich bei der Konkurrenz umgesehen und bin auf Spotify gestoßen, das wieder einen ordentlichen Eindruck macht. Ich hatte dem Napster-Kundenservice einen Monat Zeit gegeben, die Bugs zu fixen, dann wäre ich da auch weiter geblieben. Aber da die Probleme immer noch nicht ansatzweise behoben wurden, habe ich dort nun meine Mitgliedschaft gekündigt; das Programm fliegt wieder von der Festplatte runter. Für mich aber völlig unverständlich: Warum ersetzen die eine seit 6 Jahren einwandfrei laufende Software durch den letzten Müll?

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