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18.05.11Leser-Kommentare

Open Data: Wieso wir Daten lieben lernen sollten

Daten können missbraucht werden, aber auch Menschen helfen und die Lebensqualität aller erhöhen. In der öffentlichen Debatte spielen die positiven Aspekte bisher nur eine untergeordnete Rolle.

 

Wenn in der öffentlichen Diskussion in Deutschland das Wort "Daten" fällt, ist der Ruf nach deren Schutz oft nicht weit. Daten sollte man möglichst für sich behalten, so die häufig verbreitete Sichtweise. Denn was nicht öffentlich gemacht wird, kann auch nicht missbraucht werden.

Das stimmt natürlich. Aber Daten nicht für andere zugänglich zu machen, bedeutet auch, dass diese nicht zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt werden können. Und wer Informationen lieber für sich behält, als sie öffentlich bereitzustellen, verpasst die Gelegenheit, durch sie anderen zu helfen.

Dass der Datenbegriff bei vielen zu negativen Assoziationen führt und fast automatisch eine Abwehrhaltung hervorruft, ist eine bedenkliche Entwicklung. Potenzial für die konstruktive, zukunftsorientierte und sinnvolle Nutzung von Daten werden so an ihrer Entfaltung gehindert. Eine differenziertere Sichtweise als die von Politikern, Datenschützern und einigen Medien propagierte tut Not.

Um diese zu erzielen, benötigen wir Beispiele von Situationen, in denen das Öffentlichmachen von Daten und persönlichen Erfahrungen zu gesellschaftlich, wirtschaftlich oder sozial wünschenswerten Veränderungen führt. Raul Krauthausen hat gestern im Rahmen der Next Konferenz in Berlin ein solches Beispiel geliefert.

Auf dem Event, dessen übergeordnetes Thema in diesem Jahr die Chancen des Einsatzes von Daten sind, sprach Krauthausen über sein Projekt Wheelmap. Dabei handelt es sich um einen Webdienst, der rollstuhlgerechte sowie weniger rollstuhlgerechte Orte dokumentiert und als OpenStreetMap visualisiert. Markus hatte den Service vor einigen Wochen vorgestellt .

Wheelmap-Initiator Krauthausen, selbst Rollstuhlfahrer, eröffnete seine Präsentation mit einer klaren Aussage: "Why I fell in love with data" ("Wie ich Daten lieben lernte"). Anders als die, die sich vor allem dafür engagieren, Daten so weit wie möglich wegzusperren, weiß Krauthausen, dass der Zugriff auf frei zugängliche Daten für ihn und alle anderen weltweit über 100 Millionen Menschen im Rollstuhl enorm positive Auswirken hat.

Wheelmap setzt auf die Partizipation von Personen, die zu Geschäften, gastronomischen Einrichtungen, Bildungseinrichtungen, Bahnhöfen und anderen Orten Angaben über Barrierefreiheit machen. Je mehr Daten zugänglich sind, desto stärker profitieren die Besucher von Wheelmap. Und dabei müssten die auf den Karten verzeichneten Informationen nicht unbedingt von Usern kommen. Auch Städte und Kommunen könnten Daten in maschinenlesbaren Formaten verfügbar machen.

In manchen Fällen ist eine Begrenzung des externen Zugriffs auf Daten sicherlich wünschenswert. Doch in zahlreichen Lebens- und Alltagsbereichen gilt das Gegenteil: Datengeiz verhindert tatsächliche, dem Wohle aller Menschen dienende Innovationen. Innovationen, die in der analogen Welt nicht realisierbar waren, sich jetzt aber erstmalig anbieten.

Solange chronische Skeptiker wie Andrew Keen pauschal für eine Limitierung der Veröffentlichung von persönlichen Daten eintreten, ohne diesen Begriff wenigstens einmal genau zu definieren, solange wird es sehr schwierig sein, die Öffentlichkeit für die mannigfaltigen Chancen von Open Data zu sensibilisieren. Daten sind mehr als Informationen zu persönlichen Hobbys oder Partyfotos bei sozialen Netzwerken.

Schlussfolgerungen wie die von Wheelmap-Initiator Krauthausen gestern auf der Next sind deshalb umso gewichtiger: "I fell in love, because data helps" - mit diesen Worten beendete er seinen Vortrag. Er lernte Daten lieben, weil sie helfen.

(Illustration am Artikelanfang: stock.xchng)

Kommentare

  • John

    18.05.11 (10:03:02)

    Ja, schön,keine Frage, aber wo ist hier der Bezug zur vermeintlichen Datenparanoia-Debatte, die sich nun einmal um *personenbezogene* Daten dreht? Gebäudekonfiguration gehört da kaum dazu und natürlich lässt sich mit Aussagen über Infrastruktur sehr gut etwas anfangen. Ihr wert Leuten eine undifferenzierte Sicht auf die Datenfrage vor, macht aber exakt dasselbe.

  • Martin Weigert

    18.05.11 (10:12:20)

    Es geht darum, dass Daten nicht grundsätzlich und pauschal als etwas Negatives hingestellt werden, das geschützt werden muss. Genau das passiert aber. Das Mahnen der Datenschützer hört man überall. Open-Data-Evangelisten finden weit weniger Gehör (sie existieren kaum). Jedes Bundesland hat seinen Datenschützer, aber keinen Open-Data-Evangelisten. Risiken mit teils plakativen, populistischen Mitteln verhindern statt Chancen nutzen, das ist die derzeitige Stoßrichtung. Ich halte das für falsch.

  • Tanja Handl

    18.05.11 (12:29:13)

    Datenschutz ist ja speziell im deutschsprachigen Raum eine heilige Kuh... Wenn keiner seine Daten teilen will, dann gibt's aber auch null Informationen. Ein bisschen entspannter darf man das ruhig sehen. Dass in der öffentlichen Diskussion keine Trennung zwischen personenbezogenen und anderen Daten vorgenommen wird, ist allerdings tatsächlich ein großes Problem, das zu vielen Missverständnissen führen kann.

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