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08.08.13

Onlinevideos: Facebook baut Instagram zum YouTube-Konkurrenten um

Facebook fehlt ein erfolgreiches Videoangebot. Noch. Sukzessive verwandelt das soziale Netzwerk seine mobile App Instagram in einen YouTube-Konkurrenten.

Auch wenn Google nach wie Umsatz- und Gewinnrekorde einfährt, fühlt sich das Unternehmen seit einiger Zeit von Facebooks ungebrochenem Aufstieg bedroht. Die Folge: Der Internetgigant orientiert sich in einigen seiner Produktinitiativen an dem sozialen Netzwerk und versucht, seinen Such- und Onlinediensten mit Google+ ein eigenes Social Network überzustülpen. Doch so wie Google den blau-weißen Konkurrenten um seine zunehmend für Werbekunden attraktive, reichweitenstarke Plattform beneidet, ist auch Facebook das Gefühl von Missgunst im Bezug auf den mächtigen Wettbewerber nicht fremd. Denn Google hat etwas, was Facebook in seinem Portfolio fehlt: YouTube. Videos als Besuchermagnet

Videos sind eines der besten Mittel, um Anwender auf einer Site zu halten. Je länger User sich innerhalb eines Webangebots bewegen, desto mehr Gelegenheit bekommt der Betreiber, diese Aufmerksamkeit zu monetarisieren. Eine Milliarde Menschen besuchen YouTube monatlich, über 100 Stunden Video laden Nutzer pro Minute hoch. 25 Prozent des gesamten nordamerikanischen Internetdatenverkehrs läuft über Googles-Server - der Löwenanteil davon via YouTube.

Facebook selbst hat im Videosegment bisher wenig zu bieten. Sicherlich können Mitglieder neben Fotos auch Clips in ihr Profil laden. Als zentrale Anlaufstelle für Hobbyvideos und Premium-Bewegtbildcontent hat sich das soziale Netzwerk bisher aber nicht gerade ins Gespräch gebracht. Viele von Nutzern gepostete Videos stammen von YouTube und unterstützen damit das weitere Wachstum des Google-Videportals, anstatt Facebook voranzubringen.

Instagram wird zum YouTube-Widersacher

Doch jüngste Ereignisse deuten darauf hin, dass Facebook dabei ist, diesen Misstand zu beheben und einen ernsthaften Vorstoß in den Videobereich zu unternehmen: Firmenchef Mark Zuckerberg und seine Kollegen sind dabei, die akquirierte Foto-Sharing-App Instagram in eine Art YouTube-Widersacherin zu verwandeln.

Seit Ende Juni können Instagram-Nutzer nicht nur mit Filtern verschönerte Fotos, sondern auch bis zu 15 Sekunden lange Clips innerhalb der App publizieren. Wenige Wochen später lancierte Facebook eine Funktion, mit der sich Videos und Fotos aus Instagram auf beliebigen Websites einbetten lassen - so wie mit YouTube-Clips seit vielen Jahren verfahren werden kann. Jetzt folgt der nächste Streich: Mit der heute erschienenen neuen Version der Instagram-App für iPhone und Android sind User nicht mehr länger gezwungen, Videos innerhalb der Anwendung aufzunehmen. Stattdessen können sie Clips nun auch einfach vom lokalen Speicher ihres Smartphones importieren, um sie in ihrem Stream zu publizieren. Privatnutzer und Instagram einsetzende Organisationen und Firmen sind damit erstmalig in der Lage, vorproduzierte Clips per Instagram der Öffentlichkeit zu zeigen - auch wenn sie auf eine Dauer von maximal 15 Sekunden getrimmt werden müssen.

Auch wenn durch die fortgesetzte (aber nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeiselte) Beschränkung auf höchstens 15 Sekunden eine klare Grenze zwischen Instagram und YouTube bestehen bleibt, gibt es an Facebooks mittelfristiger Intention keinen Zweifel: Nutzer sollen für das Veröffentlichen kurzer Clips vom Mobiltelefon aus die hauseigene Anwendung verwenden, nicht YouTube. Die reibungslose, großformatige und damit bevorzugte Veröffentlichung von Instagram-Schnappschüssen im Facebook-Stream liefert hierfür einen zusätzlichen Anreiz.

Videokonsum wird mobil 

Wer will, findet natürlich auch neben der radikal begrenzten Dauer von Instagram-Videos viele weitere Unterschiede zwischen dem Facebook-Service und YouTube. Doch dabei gilt es zu bedenken, dass das seit 2005 im Web befindliche YouTube ursprünglich für den Desktop konzipiert wurde. Instagram verfolgt seit jeher einen erst in den letzten Monaten leicht abgeschwächten Mobily-Only-Ansatz. Wer im Jahr 2013 YouTube Marktanteile streitig machen möchte, der baut keine 1:1-Kopie von YouTube, sondern antizipiert die weitere Evolution des Videkonsums. Denn dieser erfolgt zunehmend über mobile Geräte.

Mit der Verlagerung des Instagram-Schwerpunktes von Fotos auf Videos nimmt Facebook in Kauf, dass der App ein Teil seines bisherigen Charmes und der ein oder andere aktive Amateurfotograf verloren geht. Aus Sicht von Facebook ist dies jedoch ein verkraftbares Opfer, wenn am Ende dem Widersacher YouTube haufenweise monetarisierbare Stunden an Nutzerengagement und Videouploads abgenommen werden können.

Zumindest wenn es nach Facebook geht, ist die Ära der im Prinzip unangefochtenen YouTube-Dominanz vorbei. /mw

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