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31.05.11

Onlinespeicher: Wuala will ein großes Stück vom Dropbox-Kuchen

Wuala hat einen überarbeiteten Desktop-Client veröffentlicht und bietet Sync- und Backup-Funktionen ab sofort auch Nutzern der Gratis-Version. Der führende Speicherdienst Dropbox hat damit einen echten, ernstzunehmenden Konkurrenten.

 

Bei jeder schlechten Nachricht gibt es jemanden, der von ihr profitiert. Das gilt auch im Bezug auf die Negativschlagzeilen, die der Sync- und Onlinespeicherdienst Dropbox in den vergangenen zwei Monaten produzierte.

Zuerst führte eine Ergänzung der Geschäftsbedingungen des kaSchlüssel der Dateien für alle sichtbar auf dem Server hinterlegtlifornischen Startups zu einem Aufschrei bei Usern und Medien, weil ein (bei vielen Services üblicher) Passus aufgenommen wurde, der die Weitergabe von Nutzer-Daten auf Nachfrage der US-Regierung nicht ausschließt. Dies wiederum sorgte für die allgemeine Einsicht , dass Dropbox die von Usern hochgeladenen Daten weniger umfangreich verschlüsselt als bisher angenommen (und von dem Unternehmen kommuniziert). Und nebenbei machte sich der bisher sehr populäre Dienst auch noch durch ein juristisches Vorgehen gegen ein Open-Source-Filesharing-Tool für Dropbox Feinde.

Es ist unklar, inwieweit die letzten Wochen dem Ruf und der Glaubwürdigkeit des Cloudservices aus San Francisco nachhaltig geschadet haben. Mindestens ein Profiteur der kritischen Dropbox-Berichterstattung steht aber bereits fest: der Zürcher Cloudspeicher-Dienst Wuala. Dessen Name fiel in den Kommentarspalten in letzter Zeit oft, wenn über Dropbox-Alternativen diskutiert wurde.

Der Grund dafür: Anders als die meisten kommerziellen, für den Massenmarkt gedachten Speicherlösungen verschlüsselt Wuala Dateien direkt auf den Endgeräten. Die Mitarbeiter des Unternehmens haben damit keinen Zugriff auf die von Usern abgelegten Dateien.

Der Preis, den Anwender bisher dafür bezahlen mussten, war ein etwas gemächlicheres Innovationstempo. Schließlich muss bei jeder Neuerung die Ver- und Entschlüsselung berücksichtigt werden, was zum Beispiel auf mobilen Geräten eine zusätzliche Herausforderung ist. Seit Mitte März bietet Wuala jedoch endlich eine kostenfreie iPhone-App , Ende April kam eine Android-Anwendung hinzu.

Ein Blick auf die jüngsten Beiträge im Wuala-Blog zeigt, dass die Schweizer die einmalige Möglichkeit erkannt haben, die sich durch die zumindest temporär abgeflaute Dropbox-Begeisterung bietet. Gleich in mehreren Texten im Unternehmensblog wurde in letzter Zeit die Wuala-Verschlüsselungstechnologie beleuchtet. Durch diese wird technisch ausgeschlossen, dass Nutzerdaten extern weitergegeben werden können.

Doch Wuala will nicht nur einen Biss vom Dropbox-Kuchen, sondern ein richtig großes Stück. Seit wenigen Tagen stehen auch Gratis-Nutzern drei Funktionen bereit, die bisher nur Teil des Pro-Angebots waren, bei Dropbox jedoch seit jeher kostenfrei angeboten wurden und dessen Herzstück ausmachen: ein automatisches Backup lokaler Ordner, eine Sync-Option, um Dateien zwischen verschiedenen Computern und Betriebssystemen aktuell zu halten, sowie eine Versionsverwaltung für Dateien.

Wualas überarbeiteter Desktop-Client

Seit heute gibt es Wualas Desktop-Client dazu passend in einer überarbeiteteren Fassung. Um einen lokalen Ordner online abzulegen und mit anderen Rechnern zu synchronisieren, muss dieser lediglich links zur Verzeichnisliste hinzugefügt und für den Sync-Modus aktiviert werden. Sämtliche Dateien, die im jeweiligen Ordner platziert werden, landen automatisch im persönlichen Wuala-Cloudspeicher und werden mit anderen angeschlossenen PCs synchronisiert.

Wer möchte, kann einzelne Verzeichnisse oder Dateien auch mit anderen Wuala-Usern oder öffentlich im Web teilen (was natürlich die Verschlüsselung deaktiviert wodurch der Schlüssel zu der Datei für alle sichtbar auf dem Server hinterlegt wird).

Wuala macht damit den Schritt von einem herkömmlichen Onlinespeicher-Dienst hin zu einem vollwertigen Dropbox-Konkurrenten, der anders als der US-Anbieter gleichzeitig die sichere Verwahrung der hochgeladenen Dateien garantieren kann.

Als bisher treuer Dropbox-Anwender muss ich mich etwas intensiver mit dem Schweizer Kontrahenten auseinandersetzten, um einen detaillierten Vergleich anstellen zu können. Zumindest spontan aber erscheint mir Wuala nunmehr wirklich als ein ernstzunehmender Konkurrent, der selbst überzeugte Dropbox-Anwender vor die Frage stellen könnte, ob sich ein Wechsel (der durch die Integration beider Dienste mit dem lokalen Betriebssystem nicht gerade aufwändig ist) vielleicht lohnen würde.

Was mich momentan daran noch hindert: Bei Dropbox habe ich dank des "Freunde-Werben"-Systems mittlerweile neun GByte kostenfreien Speicher. Wuala bietet gratis lediglich einen GByte. Andererseits erlaubt mir Wuala, lokalen Festplattenplatz für die verschlüsselten und in Einzelteile zerlegten Dateien anderer Nutzer freizugeben und so mein Speichervolumen in der Cloud zu erhöhen.

Was habt ihr für Erfahrungen mit Wuala gemacht?

Update: In den Kommentaren findet ihr Erfahrungsberichte und Tipps, wie man sich mehr Speicherplatz sichert.

Link: Wuala

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