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25.10.13

Status quo Bezahlsysteme: Wie Startups und Händler heute Zahlungen abwickeln können

Im Payment-Markt hat sich in den letzten Monaten viel getan. Junge Startups versuchen etablierten Anbietern wie PayPal den Rang abzulaufen und Kunden für sich zu gewinnen. Aber was können sie wirklich? Und werden sie dem Sicherheitsbedürfnis der Deutschen gerecht?

Leadership_flickr Studien sehen im Online- und Mobile-Payment-Markt ein riesiges Potenzial. Allein in Europa wird das Umsatzvolumen ohne Payment-Lösungen auf rund 75 Milliarden geschätzt. Die Umsatzprognosen sind entsprechend hoch. Dabei ist für Unternehmen die Gewinnung von Verkäufern als Nutzer der Systeme der ausschlaggebende Punkt, um den Käufern diese Bezahloptionen anbieten zu können.Die einfachste Bezahlvariante für Kunden im Web ist immer noch PayPal, welches vor ein paar Jahren den Online-Payment-Market revolutionierte und überholte Modelle wie Vorauskasse, Zahlung per Rechnung oder sogar Nachnahme oftmals komplett ablöste. Daneben kann man natürlich meist auch mit Kreditkarte zahlen, doch selbst da muss man mühselig Karteninformationen eingeben, dafür auch noch als Käufer Gebühren zahlen und kann sich nicht wie bei PayPal schnell durch den Prozess klicken und mit Angabe der eigenen E-Mail-Adresse zahlen.

Neben PayPal existieren andere ähnliche Integrationen wie ClickAndBuy oder Amazon Payments, die Online Shop-Betreiber die Möglichkeit geben, ihren Kunden den Online-Kaufprozess zu erleichtern. Die Plattformen arbeiten alle nach dem gleichen Schema: Zwischen 1,9 und 2,9 Prozent der Transaktionssumme sowie etwa 30 bis 35 Cent müssen die Verkäufer bei der Transaktion an den Payment-Anbieter abgeben. Das kann bei größeren Summen für den Verkäufer richtig teuer werden.

Die neue Form des Mobile Payments

Square, das aktuelle Startup des Twitter-Gründers Jack Dorsey, gilt seit 2010 als Innovator des Mobile-Payment-Marktes und als Wegbereiter vieler Startups, die sich heute diesem Thema widmen. Wie der Name schon sagt, nutzt Square einen quadratischen Kreditkarten-Reader, der beim Zahlen an der Kasse auf das Smartphone aufgesteckt wird und den Geldtransfer veranlasst. Die Kreditkarte wird durch den Reader gezogen, woraufhin die Zahlung ausgelöst wird. Vor allem für kleine Shops und Cafés ohne stationäre Kartenterminals ermöglicht dieses Verfahren Kunden das bargeldlose Bezahlen. Hinzu kommt eine App, die die Umsätze aufschlüsselt und somit für Verkäufer Transparenz über die Kaufgewohnheiten ihrer Kunden schafft. Square leiht den eigenen Kunden bei Bedarf auch Geld, etwa wenn die Banken keine Kredite ausgeben möchten. Die Verkäufer zahlen Square einen Festpreis von 275 US-Dollar pro Monat oder pro Swipe 2,75% der Transaktionskosten, das Scan-Gerät kostet nichts. Square ist bisher nur in den US, Kanada und Japan vertreten. Dies lässt Wettbewerbern großen Handlungsspielraum in den noch unerschlossenen Märkten.

Mit SumUp, eine direkte Square-Kopie, können Kunden neben der Kreditkarte auch mit EC-Karte zahlen. Gerade die kreditkartenscheuen Deutschen dürfte das freuen. Das Smartphone oder Tablet dient als Kartenterminal, der mobile Kartenleser wird über den Kopfhörer-Anschluss eingesteckt. SumUp hat die komplizierten deutschen Lizenzierungsprozesse umgangen und sich direkt in Irland zertifizieren lassen. Preislich liegt SumUp dabei seit kurzem deutlich hinter dem Wettbewerber Payleven (zu diesem gleich mehr). Nur 0,95% Transaktionskosten fallen bei EC-Kartenzahlungen an, der üblichsten Form der Kartenzahlung in Deutschland. Für Kreditkarten-Zahlungen, bisher nur mit MasterCard und Visa möglich, fallen 2,75% an. Fixkosten gibt es dabei keine. Als Ergänzung zum mobilen Terminal bietet SumUp außerdem eine so genannte Sale Box an, mit der den Händlern ein komplettes Kassensystem für 69,95 Euro zur Verfügung steht. Große Teile Europas deckt SumUp schon ab. Außerdem auch Russland, an dessen Payment-Markt sich bisher nur wenige internationale Startups herangewagt haben.

Payleven aus dem Hause Rocket Internet kopiert ebenfalls Square und bietet Mobile Payment mit Hilfe eines Chip & Pin Kartenlesegeräts an, alternativ in manchen Ländern wie Deutschland auch mit Chip und Unterschrift. Beim Bezahlen ziehen die Kunden ihre Visa- oder MasterCard-Karte durch ein externes Lesegerät und geben anschließend ihren Pin ein oder unterschreiben. Einen Unterschied zu Square gibt es: Das Gerät wird nicht auf das Smartphone aufgesteckt, sondern verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet des zahlenden Kunden. Sobald nämlich die Eingabe eines Pin erforderlich ist, muss gemäß dem PCI-Standard der Kreditkartenindustrie ein separates Gerät genutzt werden. Bei Payleven kostet das Chipkarten-Lesegerät für den Verkäufer etwa 99 Euro. Die Transaktionskosten belaufen sich auf 2,95% des Einkaufswerts.

Überraschend ist dabei, dass das Startup nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien zertifiziert ist. Diese Ausweichmöglichkeit wird mittlerweile von vielen jungen Unternehmen genutzt, um die strengen und langwierigen Zertifizierungen der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zumindest zu Beginn zu umgehen. Das Startup bietet seinen Service neben Deutschland und Großbritannien auch in den Niederlanden, Polen, Italien und Brasilien an. Ein großer Wurf gelang Payleven vor ein paar Monaten mit einer Vertriebspartnerschaft mit Apple. Seitdem werden die Payleven-Lesegeräte in Apple Stores vertrieben.

Der schwedische Anbieter iZettle setzt genauso wie Payleven auf beide Bezahlvarianten: Chip und Unterschrift oder Chip und Pin. iZettle bietet originär eine kostenlose iOS-App und einen kleinen Kartenleser, mit dem die Kunden von Geschäften und Restaurants jederzeit per Karte zahlen können. Damit befindet sich auch iZettle in direkter Konkurrenz zu Square. Neben 2,75% Provision je Transaktion entstehen für den Händler keine Kosten, weder für Software noch Hardware. Die Verkäufer bekommen außerdem eine Übersicht zu den Verkaufsstatistiken. iZettle hat sich mittlerweile in insgesamt neun Ländern etabliert, neben Skandinavien auch in Großbritannien, Deutschland, Spanien, Mexiko und sogar Brasilien.

Online-Payment leicht gemacht

Über den Dienst des deutschen Startups Payever, das seit kurzem am ProSiebenSat.1-Accelerator-Programm teilnimmt, können die Kunden per Vorkasse in Online-Shops bezahlen, ohne das für den Händler eine IT-Integration notwendig ist. Sowohl Rechnungs- als auch Ratenkauf sind möglich. Mit der zweiten Option hebt sich Payever deutlich von den anderen Payment-Anbietern ab. Dabei müssen Händler bei Rechnungskauf 3,6% des Warenwerts abgeben, beim Ratenkauf sind es 6 Euro Fixgebühr und 9,9% des effektiven Jahreszinses. Diese Gebühren können Verkäufer natürlich entsprechend auf die Käufer umlegen.

Payevers klares Ziel ist es, Abbruchquoten in Onlineshops zu senken, ohne dass die Verkäufer aufwendige Integrationen und Module nutzen müssen. Laut Payever reicht es aus, einen HTML-Schnipsel zu generieren und in die eigene Shop-Software einzufügen. Auch lange Vertragslaufzeiten fallen weg. Ohne diese kommen übrigens mittlerweile die meisten Payment-Anbieter aus. Neben der einfachen Handhabung für Händler ist bei Payever zudem interessant, dass die Bezahlung auch über Links in E-Mails oder Rechnungen funktioniert. Das Team plant die Integration von Kreditkartenzahlungen und Lastschrift 2014. Die Verkäufer können Payever relativ schnell nach einmaliger Identifizierung und Bonitätsprüfung nutzen. Dabei werden die Daten mit der Schufa abgeglichen und unterliegen nach Aussage von Payever "hohen Sicherheitsansprüchen".

Der US-amerikanische Anbieter Stripe bietet im Gegenzug Web und Mobile Payment-Integrationen für Software-Entwickler, die diese unkompliziert anhand von APIs und Tools in die Checkout-Prozesse ihrer Online-Shops integrieren können. Stripe spricht Unternehmen jedweder Größe an. Die Entwickler müssen die Bezahlprozesse nicht komplett neu definieren und erfinden, sondern können einfach Stripes Integrationen für Web- und Mobile-Lösungen nutzen. Neben den USA operiert Stripe mittlerweile auch in Kanada, Irland und Großbritannien. Weitere Länder sollen folgen.

Das Münchner Startup Paymill, ebenso ein Rocket Internet Ableger, hat sich Stripe zum Vorbild genommen und bietet seit 2012 speziell auch für kleinere Unternehmen die Integration von Kreditkartenzahlungen und elektronischen Lastschriftverfahren an. Die API steht für Entwickler zur Verfügung und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Programmierer können sich den Code für den Checkout- und Formular-Prozess herunterladen und direkt loslegen. 38 Länder profitieren von Paymills Angebot mit insgesamt 100 unterstützten Währungen. Die Kosten für die Online-Händler betragen jeweils 2,95% Transaktionskosten plus 0,28 Cent Fixkosten pro Transaktion. Es fallen keine weiteren festen Kosten oder monatlichen Gebühren an. Wie bei allen anderen Payment-Anbietern laufen die Zahlungen direkt auf der Website ab. Das Startup schreibt sich außerdem auf die Fahnen, umfangreiche Maßnahmen gegen Finanzbetrug parat zu haben.

Neben den oben genannten Lösungen gibt es mittlerweile viele weitere vielversprechende Startups im Payment-Bereich. Auch Plattformen wie Streetpay oder Klarna möchten den Payment-Markt revolutionieren. Orderbird bietet beispielsweise für Restaurants und Cafés ein Bezahlsystem mit iPads an. Flattr hingegen widmet sich als Spenden- und Micropayment-Plattform den kleinen Transaktionen und macht derzeit vor allem Blogger und Podcaster mit großer und dankbarer Fangemeinde zufrieden, die damit eine Einnahmequelle für ihre Online-Texte erschließen können.

Bild: Joe Ross unter CC-Lizenz BY-SA 2.0

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