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08.10.08Leser-Kommentare

Online-Start-up: Das tägliche Biest ist da

Bunte News und ernste Themen: Das neu gestartete The Daily Beast präsentiert alles, was den Redakteuren wichtig scheint. Nur 30 Prozent der Inhalte steuern sie selbst bei – der große Rest besteht aus Links.

Es soll der ganz große Erfolg werden. Erst machte sie das britische Luxus-Magazin Tatler groß, dann verhalf sie der amerikanischen Vanity Fair zur Millionenauflage und entstaubte anschließend den New Yorker – Tina Brown kennt sich aus mit Zeitschriften. Jetzt versucht sie es im Web, mit Online-Journalismus.

The Daily Beast heißt ihre Seite, zwölf Mitarbeiter hat sie rekrutiert – von Washington Post, Slate, Sun, USmagazine.com und Nerve. Seit dieser Woche präsentieren sie einen schnellen, intelligenten und subjektiven Nachrichtenmix. Die aktuellen Aufmacher sind Islands bankrotte Banken, der offene Brief eines Irakkriegs-Veteranen, welche Politiker für die Krise verantwortlich sind – und Jennifer Lopez.

Wenig nackte Haut und viele ernste Themen für eine Netz-Publikation, die sich als unterhaltsamer Wegweiser durch das Informations-Wirrwarr versteht. Am Tag der Premiere, Montag dieser Woche, präsentierte Bill Clinton eine Auswahl von lesenswerten Texten. "Buzz Board" nennt sich die Rubrik, neben dem Ex-Präsident durften ein Ex-Supermodel und ein Professor Tipps geben.

Mehr Geschmack, weniger Inhalt

Auf der Seite werden vor allem News zusammengefasst, 30 Prozent sind eigener Inhalt, berichtet paidContent.org. Was die Macher von The Daily Beast natürlich von sich weisen würden, zusammenfassen treffe es nicht: "The Daily Beast doesn't aggregate. It sifts, sorts, and curates", heißt es in der Selbstdarstellung, man siebt aus, sortiert und stellt vor.

Also bestreitet The Daily Beast 70 Prozent der Seite in etwa mit dem, was der Perlentaucher macht und sich dafür von Old-Media-FAZ eine Klage einfängt – schließlich steckt da ja wenig eigenes Schaffen hinter, die Zusammenfasser bereicherten sich am geistigen Eigentum anderer Leute. (Ob die FAZ eigentlich ihre hervorragende Presseschau "Stimmen der Anderen" endlich ins Netz hebt, wenn der Zwist mit dem Perlentaucher ausgestanden ist?)

Kein Wunder, auf der Seite die Polit-Seiten Huffington Post und Drudge Report als geliebte Netz-Nachbarn aufgeführt werden – auch sie kommentieren und verlinken zu einem großen Teil andere Angebote. Zusammen mit der pointierten, ironischen Schreibe und eigenen Scoops eine erfolgreiche Mischung.

Monster in der Peppel-Phase

Noch blinkt keine Werbung auf der Seite, erst sollen Leser sich für das Biest begeistern, damit man den Werbekunden gleich eine große Zielgruppe präsentieren kann. Um die Klickzahlen richtig anzukurbeln, will man den Content syndizieren und ein paar "aggressive traffic deals" einfädeln, berichtet paidContent.org. Wie es sich für ein Start-up gehört, befindet sich die Seite noch im Beta-Stadium.

Trotzdem: Der erste Eindruck stimmt, die Seite lässt sich gut bedienen – und sie sieht hervorragend aus. Tina Browns Print-Vergangenheit sorgt für eine elegante Seite. Die Aufteilung in die Rubriken "Big Fat Story", einem aktuellen Thema mit Links zu verschiedenen Aspekten, der Linkschleuder "Cheat Sheet", dem schon erwähnten "Buzz Board" und den "Blogs & Stories", den Kolumnen und Artikeln der Daily-Beast-Autoren, ist gut gewählt, schön betextet und machen die Seite einzigartig.

Viele nette Details funktionieren jetzt schon – in der Rubrik "Cheat Sheet" können die Nutzer Artikel bewerten, die Beiträge einzelner Autoren lassen sich per RSS-Feed abonnieren. Das so etwas längst nicht Selbstverständlich ist, zeigt ein Blick auf deutschsprachige Online-Publikationen – die sich beim Daily Beast ruhig inspirieren lassen könnten.

Brown bloggt mit

Nach ihrem Erfolg in Großbritannien – sie vervierfachte die Auflage des Tatlers, der 1983 zum Magazin des Jahres gewählt wurde, holte Condé Nast sie nach Amerika. Erst als Beraterin, dann als Editor in Chief der Vanity Fair, die zu der Zeit eine Auflage von rund 200.000 Exemplaren hatte. Unter ihrer Führung verfünffachte sich die Auflage, mit Fotos von Helmut Newton und neuen Autoren, mit Celebrity-Quatsch und mit ernsten Kriegsreportagen.

Nächste Station: Der New Yorker, bei dem sie von 1992 bis 1998 arbeitete und der angesehenen Intellektuellen-Postille zu 250.000 neuen Lesern verhalf. Ihr nächstes Projekt, das Talk-Magazin verkaufte sich zwar gut – trotzdem häufte die Celebrity-Zeitschrift mit angeschlossenem Buchverlag während ihres Bestehens 1999 bis 2001 Verluste in Höhe von über 50 Millionen Dollar an. Dann kam die Anzeigenkrise nach dem 11. September und Talk wurde eingestellt.

Nach Ausflügen ins Fernsehen ist sie nun Online – mit eigenem Blog auf The Daily Beast.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Beobachter

    09.10.08 (09:59:42)

    Gefälligkeit? Begeisterung? PaidContent? Wie auch immer, danke für den Hinweis - schaun wir doch mal eine Woche lang da rein. Und wenn's nichts ist, bekommt ihr's zu hören.

  • Beobachter

    13.10.08 (16:44:14)

    Den Artikel über Gordon Brown von Peter Osborne von der britischen Daily Mail fand ich schon mal ganz lesenswert und das Cheat Sheet ("must reads from all over") schau ich mir auch jeden Tah mal kurz an.

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