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25.04.08Leser-Kommentare

One Laptop Per Child in ernsten Schwierigkeiten

One Laptop Per Child (OLPC), die Non-Profit-Initiative, die Laptops zu Kindern in der dritten Welt bringen will, gerät immer mehr in Probleme. Heute wurde bekannt, dass auch noch Software-Direktor Walter Bender die Organisation verlassen hat.

OlpcWalter Bender genoss hohes Ansehen in der Open-Source-Community rund um das OLPC-Projekt. Er war der geistige Vater der Linux-basierten Architektur, die die kleinen grün-weissen Laptops antreibt. In seinem Rücktrittsschreiben begründet Bender sein Ausscheiden damit, dass er nach zwei intensiven Jahren eine Denkpause einlegen wolle.

Schon seit längerem war aber bekannt, dass Bender und OLPC-Gründer Nicholas Negroponte einen internen Konflikt austrugen, weil Negroponte zunehmend der Meinung war, dass auf den OLPC-Geräten auch Windows statt nur Linux laufen sollte. Als Negroponte diese Haltung in den letzten Wochen vermehrt öffentlich publizierte und zudem verstärkt die Nähe zu Microsoft suchte, ist Bender möglicherweise der Kragen geplatzt.

Walter Bender ist nicht der erste OLPC-Manager, der die Organisation verlässt. Vor einigen Monaten schied die Technologiechefin Mary Lou Jepsen aus dem Projekt aus, kurze Zeit später auch noch Sicherheitschef Ivan Krstic. OLPC kam ausserdem in die Schlagzeilen aufgrund der von schweren Logistikproblemen beeinträchtigen Spendenaktion "Give One Get One". Aufgrund der Kritik gab Nicholas Negroponte kürzlich bekannt, dass ein neuer CEO für die Organisation gesucht werde.

So verdienstvoll die Ziele der OLPC-Organisation auch sind, so wenig konnte bisher die Umsetzung überzeugen. Weiterhin fehlen dem Projekt die Abnehmer für grosse Stückzahlen an Laptops. Viele grosse Länder, die sich ursprünglich interessiert gezeigt hatten, sprangen wieder ab. Ein Grund dafür lag sicher in den Aktivitäten von Intel und Microsoft, die eine Ausbreitung der Linux-basierten OLPCs mit Windows-basierten Konkurrenzgeräten und reichlich Geld verhindern wollten. Aber auch die anhaltenden technischen Probleme der OLPC-Software, die unter Benders Leitung erstellt wurde, gehören sicher zu den Ursachen.

Viel der Arbeit im OLPC-Projekt wurde von der Open-Source-Community geleistet, und die reagiert auf Negropontes neue Windows-Orientierung äusserst empfindlich. Mit diesem Gegenwind und mit einer kaum mehr existenten Führungsmannschaft ist das Projekt nun in sehr ernsten Schwierigkeiten.

Ohne Zweifel war der OLPC-Laptop eine wichtige Inspiration für die derzeit rollende Welle der Kleinst-Notebooks -- allen voran ist der Asus EEE zu erwähnen. Ausserdem bewegte die OLPC-Idee Microsoft und Intel zu ziemlich dramatischen Preissenkungen für die Kunden in ärmeren Ländern. Aber es sieht leider nicht so aus, als ob bald Millionen von Kindern in der dritten Welt mit grün-weissen OLPC-Geräten lernen würden.

Kommentare

  • Martin

    25.04.08 (09:03:55)

    In welchen Sphären muss man leben, um eine solche Aktion zu starten. Was sollen Kinder in der Dritten Welt mit Laptops? Essen?

  • David

    25.04.08 (18:19:53)

    @Martin: Nein, lernen und arbeiten. Denkst du, essen genügt? Denkst du, ganz Afrika und Südamerika hungert?

  • Hannes

    26.04.08 (02:32:10)

    Sehr traurig, ein vielversprechendes Projekt so zugrunde gehen zu sehen. Und einmal mehr eine Bestätigung der abgedroschenen Phrase, dass Geld die Welt regiert. Ciao Johannes

  • taiga

    26.04.08 (15:36:54)

    @Johannes ....und/oder die (Software)Politik.

  • Hardy Villwock

    28.04.08 (21:28:47)

    Hallo Martin! Gib einem Menschen einen Fisch - er hat einen Tag zu essen. Gib einem Menschen viele Fische - er hat viele Tage zu essen. Lehre ihn fischen - und er wird nie hungern. [Chinesisches Sprichwort]

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