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17.04.14Leser-Kommentare

On-Demand-Kultur: Breather vermittelt Rückzugsorte auf Stundenbasis

Das kanadisch-amerikanische Startup Breather vermittelt Büros, die kurzfristig und auf Stundenbasis per Smartphone gebucht werden können. Derzeit funktioniert das in New York und Montreal, weitere Städte sollen folgen.

BreatherGründer und Investoren, Geschäftsreisende, digitale Nomaden und Freelancer kennen folgende Situation: Bis zum nächsten Termin oder der geplanten Abreise sind es noch einige Stunden, aus der Unterkunft hat man bereits ausgecheckt, oder man ist nur für den Tag da. Es stellt sich die Frage, wie man sich am sinnvollsten die Zeit vertreibt oder ungestört ein wenig Arbeit erledigen kann. Cafés, Parks, Flughäfen-Lounges oder Bahnhöfe kommen als Optionen in Frage, haben aber alle gewisse Nachteile. Der Idealfall wäre etwas anderes: eine Art Kurzzeit-Büro inklusive Sofa, nahegelegenem WC und schnellem WLAN, um entweder in Ruhe produktiv sein zu können oder mit einem Nickerchen frische Energie zu tanken. Breather, ein seit Anfang des Jahres existierender, bislang in Montreal und New York präsenter Dienst, bietet dies. Der Kanadier Julien Smith hat mit dem von ihm gegründeten Startup eine Art Stundenhotel 2.0 konzipiert - ohne dass es dabei aber um Intimitäten geht. Sexuelle Aktivitäten sind in den in Blöcken von 30 Minuten über eine Smartphone-App buchbaren Büro-Apartments untersagt. Das Fehlen von Vorhängen und die Beschränkung auf Mieten abseits von Nachtzeiten sollen dafür sorgen, dass Breather für die vorgesehenen Zwecke genutzt wird, nämlich als temporärer Rückzugsort vom Alltagsstress oder als spontanes Büro ohne laute Geräuschkulisse, Steckdosenmangel, Small-Talk- und Konsumzwang. Auch als Besprechungsort eignen sich die Räume von Breather.

BreatherDas Geschäftsmodell des Unternehmens ist klar und simpel: Breather mietet Büroräume und Immobilien in zentralen Innenstadtlagen, stattet diese mit den notwendigen Möbeln und Einrichtungsobjekten aus, installiert ein digitales, per Breather-App zu öffnendes Schloss und erlaubt Usern dann, diese On-Demand-Büro-Apartments auf Stundenbasis kurzfristig oder auch einige Tage oder Wochen im Voraus zu reservieren. Die Mindestdauer beträgt eine halbe Stunde. Ein Kalender informiert jeweils über die Verfügbarkeit. Bezahlt wird nach dem Check-Out, anschließend verfällt der von Breather bereitgestellte Zugangscode für die Räumlichkeit. Die Öffnungszeiten der nach jeder Miete gereinigten Büros variieren, manche sind auch am Wochenende geöffnet.

In New York kostet die Stunde umgerechnet rund 18 Euro, in Montreal zirka zehn Euro. Das ist etwas mehr als ein Espresso, der einem mindestens eine Stunde in einem Café "erkauft", dafür erhält man jedoch Privatsphäre, stabiles Internet und die Gewissheit, dass einem nicht die Tasche gestohlen wird, falls man einmal die Augen schließt oder die Toilette aufsucht. Für Selbstständige dürfte es außerdem kein Problem sein, Breather-Gebühren von der Steuer abzusetzen, sofern sie das Angebot geschäftlich nutzen.

Ich halte das Konzept von Breather für großartig. Ehrlich gesagt hat mich schon lange eine Idee nicht mehr so begeistert, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ich mich selbst regelmäßig in Situationen wiederfinde, in denen ich sofort von Breather Gebrauch machen würde. Dazu werde ich auch bald die Gelegenheit bekommen, denn der Service plant die Expansion nach San Francisco, wo ich mich derzeit aufhalte. Angesichts der hohen Dichte an "mobilen" Digitalarbeitern und des Mangels an erschwinglichen Immobilien ist zwar hier mit einer hohen Stundenpauschale zu rechnen, allerdings ist die erste Stunde kostenfrei. Dem Ausprobieren steht damit nichts im Weg.

Ich glaube, dass Breather ein richtiger Hit werden kann. Gründer Julien Smith, der bislang 1,5 Millionen Dollar Seed-Finanzierung erhalten hat, löst ein Problem, das Menschen überall auf der Welt erleben. In Anbetracht der sich verändernden Arbeitsverhältnisse und -formen ist für die nächsten Jahre mit einer stetigen Zunahme von Personen zu rechnen, die nicht über ein festes Büro verfügen, sondern stattdessen "on Demand" einen Schreibtisch oder ein "Stundenbüro" beziehen. Manchmal mag ein Platz in einem Co-Working-Space genügen. Wer aber ungestört sein möchte, für den ist Breather die bessere Wahl.

Mittelfristig könnte das Startup als mögliches Akquisitionsziel ins Visier von Airbnb geraten. Dessen CEO Brian Chesky erklärte kürzlich, künftig alle Dienstleistungen des Gastgewerbes aus einer Hand anbieten zu wollen. Aber zu erst einmal muss Breather-Macher Smith zeigen, dass noch mehr Menschen meine Begeisterung für das Modell teilen, und dass sich ein derartiger Dienst kostendeckend betreiben lässt, ohne dass dabei die Stundenpauschale durchs Dach schießt. /mw

Link: Breather

Kommentare

  • Thomas Landgraeber

    17.04.14 (10:28:33)

    Gute Idee, aber rechnet sich das? 18 Euro dürfte in NYC doch schon der Gig der Putzfrau kosten. Lohnt sich wahrscheinlich nur, wenn der Kunde länger bleibt (und entsprechend mehr pro Aufenthalt zahlt). Ich wünsche Breather jedenfalls viel Erfolg. Auf so etwas hat die Welt eigentlich gewartet. Mir sind Airport-Lounges und Shared Spaces meistens auch zu unruhig.

  • Georg

    17.04.14 (13:25:22)

    In so einer vollen Stadt dürfte das funktionieren

  • Susanne

    17.04.14 (14:11:23)

    Scheint ein gutes Konzept zu sein. Kann mir vorstellen das es in den USA auch klappen kann, aber habe Zweifel dass es bei uns in Deutschland sich durchsetzen würde...

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