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01.11.11

Ohne Not abgespeckt: Der neue Google Reader ist eine große Enttäuschung

Google hat wie angekündigt seinen RSS-Reader überarbeitet und dabei die integrierten Social-Features entfernt. Das Resultat ist enttäuschend.

 

Zehn Tage nach seiner Ankündigung, dem Google Reader einen frischen Anstrich zu verpassen und einige der existierenden Social-Features zu entfernen, hat der Internetgigant Nägel mit Köpfen gemacht und die neue Version seines RSS-Readers lanciert.

Meinen damaligen Artikel zu der Meldung schloss ich mit erzwungenem Optimismus: Immerhin bestand ja tatsächlich die Chance, dass der Wegfall der von mir und anderen Viellesern geliebten Funktion zum Sharing von Beiträgen innerhalb des Readers und zum Abonnieren der von anderen Nutzern geteilten Texte durch die in Aussicht gestellte Verknüpfung des Google Readers mit Google+ gar kein Drama werden würde sondern ein ähnlich effektives oder noch besseres Informationsmanagement ermöglicht hätte.

Leider scheint dem nicht der Fall zu sein. Denn die Integration von Google+ in den optisch an andere Google-Dienste angepassten und um besagte Sharing-Features erleichterten neuen Reader beschränkt sich lediglich auf einen prominent platzierten +1-Button unterhalb eines jeden aufgeklappten Artikels.

Dort wo bisher der Google-Reader-Like-Button platziert war, prangt nun das +1 und schreit nach einem Klick. Dieser zieht ein öffentliches +1 nach sich und erlaubt zudem das Teilen des Beitrags mit ausgewählten Google+-Kreisen - analog zu dem +1-Button für externe Websites, der auch unterhalb der netzwertig.com-Artikel zu finden ist.

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Der entscheidende Vorteil der Sharing-Funktionen war nicht das Teilen an sich sondern die Fähigkeit, die von anderen auf diese Weise hervorgehobenen Beiträge in einem separaten Stream innerhalb des Google Reader oder der an diesen angeschlossenen RSS-Apps wie Reeder zu konsumieren. Dies ist nun nicht mehr möglich.

Angenommen, alle von mir bisher im Google Reader abonnierten Nutzer gehen zum Teilen ihrer Beiträge über den +1-Button über (was nicht garantiert ist), würde dies bedeuten, dass ich jeweils bei Google+ vorbeischauen müsste, um nachzuschauen, welche Artikel sie empfohlen haben. Zumal dies auch voraussetzen würde, dass sie Inhalte nicht nur mit einem +1 versehen sondern aktiv mit ihren Circles teilen. Die Gefahr, dass diese Artikel dann im schnell fließenden Contentstream untergehen, ist groß.

Doch selbst wenn die in ihrer Zahl zugegebenermaßen kleine Google-Reader-Gemeinde es schafft, das bestehende Vernetzungsbild und den bisherigen Sharing-Prozess in Google+ nachzubilden, ändert dies nichts daran, dass diese Inhalte nur noch über Google+ selbst bezogen werden können und nicht mehr über den Google Reader oder dessen 3rd-Party-Anwendungen.

Für Google existiert derzeit ein wichtiges strategisches Ziel: Google+ Omnipräsenz zu verleihen. Alles, was diesem Bestreben auch nur theoretisch im Weg steht, wird platt gemacht. Dieser grundsätzliche Ansatz ist nachvollziehbar (wenn auch traurig).

Trotzdem wäre es wünschenswert gewesen, wenn Google bei der Integration einen Schritt weiter gegangen und das Darstellen der von einzelnen User via Google+ empfohlenen Artikel innerhalb des Google Readers (und damit auch über Google-Reader-Apps) erlaubt hätte - zum Beispiel indem es die persönliche Google+-Profilseite mit den +1-Empfehlungen mit einem Button "im Google Reader abonnieren" versehen hätte.

In seiner neuen Form ist der Google Reader eine ohne große Not deutlich beschnittene Fassung des Vorgängers, die statt einem Like-Button nun eine +1-Schaltfläche beinhaltet.

Was für eine Enttäuschung (wenn auch mit Ansage)!

In den nächsten Tagen werden Google-Reader-Freunde mit Sicherheit intensiv Alternativen diskutieren - die leider rar gesät sind . Karsten Werner empfahl jüngst Twitterlisten als Ausweichlösung zum klassischen RSS-Reader.

Reaktionen zum neuen Reader gibt es beispielsweise in den Kommentaren zu diesem Google+-Post. Falls ihr Vorschläge habt, wie man die jetzt weggefallene Sharing-Funktionalität anderweitig nachbilden kann, lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Für die inoffizielle Google Reader API wurde "Shared Items" momentan noch nicht deaktiviert. Über Reeder konnte ich heute früh Beiträge teilen, die anschließend auf meinem ebenfalls noch erreichbaren Google-Reader-Profil auftauchten. Von Dauer wird dieser Zustand aber sicher nicht sein.

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