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01.02.09Leser-Kommentare

Offener Brief: Vom Neid auf die Festangestellten

Anonym wurde uns ein offener Brief geschickt. Darin beschreibt offenbar ein freier Journalist seine berufliche und finanzielle Situation. Er gibt zu: Auf die angestellten Kollegen ist er neidisch.

Über unser Kontaktformular erreichte uns am Sonntag folgender offener Brief, der offenbar an Redaktion und Verlag von derWesten.de, dem Internet-Portal der WAZ-Gruppe, gerichtet ist. Das beschriebene Schicksal eines freien Journalisten erscheint uns schlüssig, die beispielhaften Rechnungen nicht besonders unter- oder übertrieben. Ob die Angaben stimmen, ob dahinter tatsächlich eine Person steht – oder ob es sich um eine zugespitzte Verdichtung handelt – können wir nicht nachprüfen. Das Kontaktformular erlaubt uns keinerlei Rückschlüsse auf die Identität des Absenders. Da wir den Brief noch nicht andernorts im Internet gefunden haben, dokumentieren wir ihn hier in voller Länge.

"Liebe Geschäftsführer, Chefredakteure, Redakteure und Community-Manager des Westens (und anderer Internetportale),

ich bin die E-Mail in eurer Mailbox, die Stimme an eurem Ohr und die Tinte unter dem Vertrag für freie Autoren. Ihr kennt mich nicht, denn ihr wollt mich nicht kennen, ihr wisst nichts über mich, denn ihr wollt nichts wissen. Solange ihr mich nicht kennt und nichts von mir wisst, als das, was ihr zu kennen glaubt und zu wissen meint, solange könnt ihr euch weiter in euren aerodynamischen Bürostühlen zurück lehnen, den Kaffee trinken, den ihr kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt und die Füße auf die Heizung legen, deren Wärme euch nichts kostet.

Ich schreibe euch aus meinem Büro, das aus einem Schreibtisch und einem wackligen Drehstuhl besteht, die im kalten Schlafzimmer stehen. Wir heizen nur das Kinderzimmer, denn wir müssen den Strom dafür ebenso selbst bezahlen wie die Miete, das Telefon, das Handy, den Computer, Stifte und Papier, heißes Wasser und Kaffeepulver. Dabei kommt es selten vor, dass ich am Schreibtisch sitze, die Hälfte der 60-70 Stunden, die ich pro Woche arbeite, verbringe ich mit Recherche und damit, das von mir Geschriebene an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Ich habe keinen, der mich vermarktet, der meine Steuererklärung erstellt oder meine Themen sucht, ich sitze allein vor meinem Laptop, von dem aus ich euch meine Artikel schicke, die ihr mir wie verabredet abkauft – oder auch nicht.

Im Durchschnitt verdiene ich damit ca. 1000 bis 1500 Euro im Monat. Meine Frau verdient mit ihrem Job als freie Fotografin etwa noch einmal so viel dazu. Nach Abzug der Steuern bleiben uns im Schnitt 2100 Euro im Monat. Ich führe ein Guthabenkonto, wir haben keine Schulden, wir zahlen nichts auf Raten ab, borgen kein Geld von Bekannten und kommen mit dem aus, was wir verdienen. Da die Fixkosten leider ständig steigen, die Honorare jedoch nicht, bleibt mir immer weniger, das ich fürs tägliche Leben ausgeben kann. Meinen letzten Urlaub habe ich während des Studiums verbracht. Für Essen gehen, Theater, Konzerte, Bücher, Filme, CDs, Kino oder fürs Schwimmbad ist einfach kein Geld da. Wir kochen zuhause und nehmen uns Brote mit, treffen uns mit Freunden im Park und gehen joggen statt in den Fitnessclub.

Für unsere enge Drei-Zimmer-Wohnung in einem 60-er-Jahre-Hochhaus in einer Großstadt zahlen wir 730 Euro, fast ein Viertel davon sind Nebenkosten. Dazu kommen 80 Euro für Strom, 50 Euro für Telefon und Internet, 40 Euro für die beiden 9 Jahre alten Handys, die wir vor allem beruflich nutzen, 350 Euro für Versicherungen (KFZ, Berufsunfähigkeit, Rente). Auch unsere Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 380 Euro müssen wir als Freiberufler selbst bezahlen. Meine Frau und ich teilen uns ein Auto, einen 13 Jahre alten Fiat Cinquecento, den ich mir während des Studiums gekauft habe, die Mehrzahl unserer Möbel und technischen Geräte stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

Vor drei Jahren betrugen die monatlichen Fixkosten noch 1200 Euro, inzwischen sind die Miete, die Versicherungsbeiträge und Stromkosten ständig gestiegen und heute sind es 1500 Euro. Bei durchschnittlich 2100 Euro Einkommen im Monat bleibt uns immer weniger zum Leben, geschweige denn zum Sparen. 500 bis 600 Euro für drei Personen sind nicht viel, wenn man davon Essen und Trinken, Kindergarten, Benzin, Kleidung, Schuhe, Friseur, Reparaturen, Drogerieartikel, Praxisgebühren und alles andere, was so anfällt bezahlen muss. Werden Geschäftsreisen nötig, übernachten wir im Auto, in Jugendherbergen oder bei Freunden, wir verzichten auf Urlaub, Kino, Zoobesuche, Schwimmbad, Haustiere, Ausflüge und Restaurantbesuche ebenso wie auf eine moderne Garderobe und aufwendige Feiern und Geschenke zu Weihnachten oder an Geburtstagen.

Wenn neidisch sein bedeutet, sich etwas zu wünschen, was andere haben, ja, dann bin ich neidisch auf euch. Neidisch auf alle fest angestellten Kollegen, die zwischen 4000 und 6000 Euro pro Monat verdienen, die ein 13. Monatsgehalt und Urlaubsgeld bekommen, denen der Verlag die Hälfte ihrer Sozialabgaben zahlt plus Essensmarken für die Kantine und Tickets fürs Parkhaus und die auch dann weiter bezahlt werden, wenn sie krank sind und deren Partner Gymnasiallehrer, Unternehmensberater, Ärzte und Apotheker sind, die über ein hohes, sicheres Gehalt verfügen.

Bitte missversteht mich nicht. Ich missgönne euch das alles nicht. Wir möchten es nur auch gern haben.

Ich darf mir das aber auf keinen Fall anmerken lassen, meinen Neid nicht und meinen Zorn nicht über euer Unverständnis und die Art, wie ihr es als selbstverständlich hinnehmen, dass euer Arbeitgeber mir für einen Artikel, in den ich eine Woche harte Arbeit gesteckt habe, gerade mal 88 Euro zahlt, um ihn dann zusätzlich online zu veröffentlichen oder für ein Mehrfaches an ein Werbeblatt eines namhaften Unternehmens zu verkaufen – ohne dass ich auch nur einen Cent davon sehe. Ich darf auch nicht empört oder zurückweisend reagieren, wenn ich von euch gefragt werde, kostenlos zwei oder drei Beiträge für ein Blog zu schreiben, kostenlos ein Interview mit mir führen zu lassen oder kostenlos ein Podcast oder Video zu erstellen, denn Ruhm und Ehre sind doch Belohnung genug für diese Art Ausbeutung, die ihr anscheinend tatsächlich für die Wertschätzung haltet, als die ihr sie mir verkauft. Ich darf auch nicht telefonisch nachfragen oder gar Mahnungen verschicken, wenn das vereinbarte Honorar nach viereinhalb Monaten noch immer nicht auf meinem Konto eingegangen ist, weil sich bei euch nur eine Person vier Stunden in der Woche um die Buchhaltung kümmert, die die freien Autoren betrifft.

Ich darf nie böse werden, ich darf mir nie anmerken lassen, wie sehr ich auf das Geld angewiesen bin, ich darf keine Rückmeldungen einfordern für abgelieferte Artikel oder erwarten, dass ihr mich rechtzeitig über wichtige Dinge informiert - oder von euch aus an mich denkt, wenn ihr einen Auftrag rausgebt.

Täte ich es doch, wäre ich meine Aufträge schnell los, denn hinter mir stehen hundert andere, die es noch nötiger haben als ich, die vielleicht noch schneller sind, noch billiger, noch entgegenkommender. Das sind nicht nur andere freie Journalisten wie ich, das sind auch Lehrer, Professoren, Schiedsrichter, Profisportler und andere Leute mit festem Job und gutem Einkommen. Leute, die auf das Geld nicht angewiesen sind und aus Spaß an der Freude Artikel und Fotos und Blogbeiträge abliefern, aus Eitelkeit oder um die eigene Karriere voranzutreiben. Meine Artikel gehören zu den Besten, einige sind preisgekrönt, doch das nutzt mir nicht viel, denn das sind andere auch: im Print und Online steht den Verlagen ein scheinbar unerschöpflicher Pool äußerst preiswerter Mitarbeiter zur Verfügung, das wisst ihr sehr gut und das nutzt ihr Tag für Tag für eure Arbeit aus.

Wenn euch also nun Angst erfasst vor dem was kommt, wenn etliche von euch entlassen werden sollen, dann besinnt ihr euch plötzlich auf mich. Dann sollen wir euch zur Seite stehen und uns mit euch solidarisch zeigen.

Nein, es freut mich nicht, denn dann werdet ihr mir zusätzlich zum Heer der anderen im Nacken sitzen und nein, ich wünsche euch nicht die Verhältnisse in denen ich lebe. Ihr werdet dann nämlich noch jahrelang nicht dort sein, wo ich schon bin, denn ihr habt Häuser und Eigentumswohnungen, Geldanlagen, neue Autos, schicke Möbel, Markenkleidung. Ihr werdet weich fallen. Es mag falsch sein, aber manchmal wünsche ich mir, damit ihr endlich versteht, wie es uns geht. Damit ihr nicht nur fordert, dass wir für euch kämpfen, sondern damit ihr auch für uns kämpft. Damit es uns allen gut geht. Oder zumindest besser. Dafür waren Gewerkschaften doch mal gedacht, oder?

Kollegiale Grüße..."

[box align="right"]Vom Glück eines freien Journalisten: Die Freiberuflichkeit hat viele Vorteile – findet Don Dahlmann und hat gute Argumente gegen eine Festanstellung. Außerdem gibt’s fünf Tipps für angehende freie Journalisten.[/box]Im November 2007 erschien in Der Zeit ein ähnlicher Text von einer freien Journalistin. Ihr bitteres Fazit: "Schreiben macht arm." Der Artikel wurde anschließend durchaus kontrovers diskutiert – unstrittig jedoch ist, dass freie Journalisten meist gut ausgebildet, aber schlechter bezahlt sind. Ende vergangenen Jahres gründeten sich deshalb die "Freischreiber", eine neue Vereinigung freier Journalisten, die für bessere Honorare und faire Verträge kämpfen will.

Die WAZ-Gruppe will unterdessen im Internet bis 2010 schwarze Zahlen schreiben – und sich von 300 von 900 Redakteuren trennen, wie Geschäftsführer Bodo Hombach zum Beispiel der Wirtschaftswoche sagte.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Aussum, Jutta

    01.02.09 (20:43:51)

    Sehr deprimierend, was der freie Journalist da schreibt. Er tut mir leid. So ist die heutige Zeit, jeder gegen jeden. Warum sollte ein fest angestellter Kollege sich für den freien einsetzen, wenn es nur eine begrenzte Zahl an festen Stellen gibt und die Verlage immer mehr sparen müssen? Ja, stärkere Gewerkschaften wären besser. Aber solange Laien freiwillig umsonst Texte verfassen, wundert man sich, dass es überhaupt noch fest angestellte gut bezahlte Journalisten gibt. Ich als interessierter Laie merke durchaus, dass viele Texte in Zeitungen und Zeitschriften wie von alten Texten abgeschrieben wirken, nicht neu recherchiert, ungenau und hingeschlurt. Geschrieben von angestellten Schreibern, unter starkem Zeitdruck, oder von freien Schreibern, arm und schlecht bezahlt? (Ich glaube eher das erstere). Hinter jedem Text sollte nicht nur der Name des Autors stehen, sondern auch ob fest oder frei. Ich weiß, eine Utopie. Ich wünsche, dass man über den offenen Brief des anonymen Schreibers mal nachdenkt.

  • .andi

    01.02.09 (22:14:21)

    Hm, also der Journalist tut mir leid, aber im Endeffekt finde ich sein Schreiben auch sehr schlecht, weil er gleich mit einer sehr subjektiven Kritik und Emotionalisierung anfängt (aerodynamischer vs. wackliger Bürostuhl). Und man sollte auch nicht vergessen dass es auch gute und schlechte Journalisten gibt, dazu auch gute und schlechte Fotografen und auch gute und schlechte Freie. Ich kenne keinen Artikel von dem Autor des offenen Brief, aber mir gefällt die Schreibweise des Textes und sein Aufbau nicht und dann darf man doch nicht erwarten, dass man vielleicht mit nicht so guten Artikeln gutes Geld verdient. Sorry, aber der Anspruch sollte immer sein: der Beste zu sein. Das wird man aber nicht, wenn man "neidisch" auf Andere schaut. Sollte der Journalist so gut sein, dann wird er vielleicht auch ein Angestellter oder verdient als Freier mehr, aber wenn nicht, dann halt....nicht. Irgendwann entscheidet die Qualität und die sehe ich in dem offenen Brief nicht.

  • Selbständiger

    02.02.09 (07:42:15)

    So unschön der geschilderte Unterschied zwischen Freien und Festen ist (da hat der Freie ja recht), so sehr ist das Gejammer über seine individuelle Situation bzw. vielmehr die darin implizierte Anspruchshaltung unangemessen: Man mag das System der Marktwirtschaft und seine Auswirkungen kritisieren, gleichzeitig aber lebt man in ihm und muss damit zurecht kommen. Anders gesagt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn es als freier Journalist so schlecht läuft und so wenig Perspektive da ist, dann muss man sich was anderes überlegen, statt weiter die Ergebnisse von einer Woche Arbeit für 88 Euro zu verkaufen wie beschrieben. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen und die Preise für einzukaufende Leistungen richten sich nach Angebot und Nachfrage. Ist mein Angebot nicht ausreichend nachgefragt, lohnt es nicht diesen Umstand zu beklagen. Ich muss mein Angebot verändern. So geht es jedem Selbständigen. Und ja, vielleicht muss ich dann etwas tun, was mir nicht so gut gefällt, was aber meine Lebenshaltung finanziert. So ist es eben, hilft ja nüscht. Für Millionen Mitglieder anderer Berufsgruppen, die den Anspruch auf Selbstverwirklichung nie hatten oder sich abgeschminkt haben, klingt dieser Brief einfach nur lächerlich.

  • Herminator

    02.02.09 (07:46:09)

    Lieber .andi, sei mir nicht böse, aber Du hast wirklich keine Ahnung. Weder von dem Geschäft, noch von dem, was man eine "Gute Schreibe" nennt. Dich würde ich eher in die von Dir oben genannte Kategorie der "schlechten Journalisten" einordnen. Anders als den Verfasser des offenen Briefes, der den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

  • Quovadis

    02.02.09 (08:05:08)

    Interessanterweise kommt das Geschwätz, Freie wären halt nicht gut genug gewesen, um einen Vertrag "abzubekommen" immer von den Angestellten... Schaut euch mal um, in zehn Jahren wird es kaum noch welche von euch geben – weil ihr alle so schlecht geworden seid? Oder weil in den Verlagen die Controller das Sagen haben und den Zahlen den Vorrang vor Qualität geben? Ich habe ein Studium und eine renommierte Journalistenschule erfolgreich abgeschlossen. Meine Artikel haben mehrere Preise gewonnen. Ein kurze Zeit lang war ich als Chefredakteur auch dafür zuständig, Artikel von Freien einzukaufen. Dann wurde ich "dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt" und mir wurde vom Verlag ein Vertrag als Freier angeboten. Mehr Arbeit für weniger Geld und keine Sozialleistungen. Nicht schwer zu erraten, für wen sich das lohnt, oder? Jeder ist seines Glückes Schmied? Dann schmiedet euer Eisen fein selbst. In zehn Jahren sehen wir uns am Amboss wieder.

  • Andrea

    02.02.09 (08:10:03)

    Ach Andi, bist du Journalist? Du glaubst wirklich, dass die individuelle Qualität ALLEIN über die Laufbahn entscheidet? Dass die, die "drin" sind, gut sind? Und die, die "draußen" sind, schlecht? Mit Verlaub - dann hast du einfach keine Ahnung von der Struktur in modernen Medienhäusern. Und noch weniger von journalistischen Karrieren. Weniger als die Qualität entscheidet heute über den beruflichen Status (und ich meine Status in diesem Zusammenhang arbeitsrechtlich und ausdrücklich nicht materiell), welche Art von Arbeit ein Journalist machen möchte. Wer überwiegend als Reporter oder Autor arbeiten möchte, muss in den meisten Medienhäusern fast zwangsläufig die Freiberuflichkeit wählen - denn fest angestellt werden immer weniger und zwar immer häufiger nur noch in dem Umfang, der nötig ist, um die Verwaltung journalistischer Arbeit zu gewährleisten. Die Inhalt werden dann von "flexibel einsetzbaren", also freien Kollegen geliefert. Im Fernsehen gibt es kaum noch Redaktionen, in denen die Festangestellten Beiträge machen. Die kannst du an einer Hand abzählen. Und bei den anderen Medien sieht es nicht ähnlich aus. Wenn deine einfache Gleichung gut=fest und schlecht=frei richtig wäre, dann müsstest du das täglich in allen Medien merken. Deine Feststellung ist von ebenso viel Sachkenntnis und Reflexion geprägt, wie die Aussage "wer Arbeit will, der findet auch welche". So simpel ist das nicht. Richtig ist allerdings, dass der Journalismus wie kaum eine weitere Branche seine eigene Deprofessionalisierung voran treibt - durch die Beschäftigung von Laien selbst bei wichtigen Themen. Denn schreiben - das liest sich ja auch zwischen deinen Zeilen - können wir doch alle. Haben wir doch in der Schule gelernt. Und mehr macht so ein Journalist doch nicht, oder? Glücklich all' jene, die über Fähigkeiten verfügen, von denen sich nicht die halbe Republik anmaßt, dass sie das auch könne. Denn darum können Ärzte, Anwälte, Fliesenleger usw. ihre Dienstleistungen teuer verkaufen. Und Journalisten eben nicht. Dass sich immer wieder und immer mehr willfährige Helfershelfer in Redaktionen finden, die ahnungslose Schüler, Hausfrauen und Rentner sogar zu politischen Terminen schicken (müssen), ruiniert die Branche weiter. Aber, lieber Andi, das sind ja die Guten, gell?

  • Inge

    02.02.09 (08:13:03)

    @andi ist es wirklich fair, vom Aufbau des Briefes auf die Qualität der Artikel des anonymen Schreibers zu schließen? Jeder weiß, dass man anders reagiert, wenn man emotional betroffen ist. So ist dies doch eher ein Ausdruck der Verzweiflung als eine Pulitzerpreis verdächtige Abhandlung... Glauben wir doch einfach dem Schreiber seine Ausage "Meine Artikel gehören zu den Besten, einige sind preisgekrönt". Hier ist offensichtlich jemand mit Leidenschaft Journalist, der versucht, Qualität abzuliefern. @Selbständiger: ich halte einen solchen Brief durchaus nicht für lächerlich

  • hape

    02.02.09 (08:16:34)

    @Selbständiger: Ihre Aussagen treffen nicht den Kern. Die Festangestellten leben in einer Schutzzone der Marktwirtschaft, durch Tarifverträge und Gesetze gesichert. Jetzt wachen sie auf, wo ihnen dieser Schutz verloren zu gehen droht. Frage ist: Warum dürfen die einen diesen Schutz genießen, die anderen nicht? Und dahinter steckt dann die grundsätzliche Frage: Ist der Arbeitsmarkt ein Markt der streng marktwirtschaftlich organisiert sein sollte oder nicht? Produkte, die nicht verkauft werden, landen auf dem Müll. Was ist mit Menschen?

  • freiberufler

    02.02.09 (08:19:03)

    Ja, es ist schade, dass die Welt sich so dreht. Festangestellter Journalist wollte ich aber nie sein, also habe ich mir andere Felder gesucht, berate heute, arbeite nur noch wenig als Schreiberling, selten mehr als 30 Stunden und bekomme dafür etwa 3000 Euro. Geht auch - da ist halt der journalistische Anspruch weg. Trennen würde ich: Ja, freie Journalisten werden meist unterirdisch behandelt und bezahlt. Ja, man sollte versuchen seinen Zustand zu ändern. Noch ein Tipp: Wenn ich es richtig verstanden habe, wünscht der Freie sich die Übernahme von 50 Prozent seiner Sozialabgaben. Entweder hat er da schlecht recherchiert oder ich bin schief gewickelt - genau dafür ist doch die Künstlersozialkasse da oder?

  • hcwtaz

    02.02.09 (08:30:56)

    Die nackten Zahlen kann ich so bestätigen - ich arbeite ebenfalls als freie Fotografin. @freiberufler: der Verweis auf Versicherung über die Künstlersozialkasse ist berechtigt. Die letzte Honorarerhöhung in dem Gebiet in dem ich arbeite, datiert nebenbei noch aus DM-Zeiten.

  • na und

    02.02.09 (08:46:39)

    der arme Poet... http://de.wikipedia.org/wiki/Der_arme_Poet Trotzdem hält sich mein Mitleid in Grenzen. Die Journaille nimmt sich sowieso zu wichtig. Seit 3 Jahren habe ich keine Zeitung mehr gekauft und werde es auch in Zukunft nicht tun. Internet + Blogs sind besser.

  • Jueha

    02.02.09 (08:52:05)

    Ein junger Mann fragte mich (30 Jahre Zeitungsjournalist) kürzlich, ob er Journalist werden solle. Iach antwortete: Nein. Er fragte: Soll ich denn eine Kneipe aufmachen? Antwort: Ja.

  • Vasco

    02.02.09 (09:00:05)

    Es mag anmassend klingen - aber probiert(damit meine ich die freien Journalisten, die 88€ für einen Artikel bekommen, an dem sie 1 Woche gearbeitet haben) endlich Blogs aus! Turi hat´s vorgemacht (+250.000€ mit Textanzeigen), Blogvermarktung professionalisiert sich (mokono, glam, adnation) und man kann endlich schreiben, was man will! Der Weg bis zum Umsatz ist hart, man muss mindestens ein Jahr durchhalten und jeden Tag die auf die Zielgruppe passende Qualität bringen - aber danach hat man wenigstens ein eigenes Format & Marke. Ich kann berichten, dass bei uns (mokono/blog.de) immer mehr Journalisten anklopfen und wir, wenn wir ihre Anfragen für ernst halten, sie auch als Technologiepartner und Vermarkter unterstützen: turi-2.blog.de gehört da ebenso dazu wie ein enduro.blog.de oder ein windelfrei.blog.de. Nutzt die Chancen des neuen Mediums. Über den Erfolg entscheiden nur die Inhalte und deren Frequenz! Und darüber hat man als Autor schliesslich die Kontrolle.

  • Quovadis

    02.02.09 (09:08:22)

    250.000 Euro?! Sorry, aber wovon träumst du nachts? Ich habe 350 Euro bekommen für drei Blogeinträge pro Woche und musste dafür wie bei meinen Artikeln sämtliche Rechte abtreten.

  • Vasco

    02.02.09 (09:12:41)

    @Qouvadis: Ich träume nicht - http://tinyurl.com/aoe2ms

  • freiberufler

    02.02.09 (09:15:05)

    @quovadis - erstmal auf turi2 klicken, gucken was das ist, versuchen das zu verstehen und dann wahrscheinlich so Sätze wir "Wovon träumst du nachts" stecken lassen. So machen wir das doch hoffentlich alle als Journalisten: Erst recherchieren, dann schreiben. Oder? ;-)

  • Quovadis

    02.02.09 (09:17:14)

    Behaupten kann man viel.

  • Inge

    02.02.09 (09:32:26)

    Gratulation an turi2, wenn das stimmen sollte...

  • Tim

    02.02.09 (09:44:02)

    Da sieht man auch, warum es so schlecht läuft. Journalisten können nicht rechnen. 250000 Euro sind ja nicht das Einkommen vom ollen Turi, sondern der Werbeumsatz. Was davon übriggeblieben ist, nachdem Autoren, Büro, Investitionen, Betriebsausgaben wie Dienstreisen, usw. bezahlt worden sind, lässt Onkel Turi im Dunkeln. Meines Wissens muss er seine Familie nicht selbst alleine von seinem Einkommen ernähren. Ob es dafür gelangt hätte, verschweigt er lieber. Mal abgesehen davon, dass Turi gerade das ist, was Journalisten nicht machen wollen. Zum Brief und den Reaktionen: Im Hintergrund schwingt die Klage mit, dass es da draußen Leute gibt, die kostenlos schreiben und veröffentlichen. Da wird sich dran nichts ändern. Im Gegenteil. Draußen warten Horden von Experten, die eben nicht zu recherchieren brauchen, weil sie den Gegenstand ihrer Berichterstattung kennen. Das ist die Bedrohung, die mit jedem Tag wächst, mit dem journalistisches online-Schreiben zum festen Teil des nötigen Berufskompetenz wird.

  • Ben

    02.02.09 (09:55:14)

    Ja, die Arbeit als freier Journalist kann schwierig sein. Aber: Hat er noch nie etwas von der Künstlersozialkasse gehört? Dort müsste er keine 380 Euro für die Krankenkasse bezahlen. Macht ihm die Arbeit wirklich Spaß? Warum tut er sich das an? Ich glaube, wenn ich so drauf wäre und diesen Leidensdruck hätte, würde ich nicht als freier Journalist arbeiten. Ich bin selbst kein freier Journalist.

  • Jonny

    02.02.09 (10:52:20)

    Das Gejammere eines gesunden Menschen ueber seine eigene - wohlgemerkt - finanzielle Situation, der das Glueck hatte, im drittreichsten Staat der Erde eine Ausbildung zu absolvieren, ist Besorgnis erregend, und im Verhaeltnis zu vielen wirklich Beduerftigen, Kranken oder Behinderten beschaemend. Genauso wenig wie die Verleger die Leser verpflichten koennen, ihre Zeitungen zu kaufen und zu lesen, genauso wenig hat der Freie Journalist ein Recht auf Abnahme seiner Recherchen zu einem bestimmten Preis. Dass unsere Buerger, wenn es ihnen finanziell schlecht geht, zu Papa Staat rennen, sind wir ja gewohnt. Aber das gleiche von privaten Unternehmen oder gar von Kollegen zu fordern (Motto: "Schaemst Du Dich nicht fuer Deine Gier? Gib mir was von Deiner Arbeit ab!") ist noch nicht einmal marktwirtschaftlich-logisch. Welches Gesetz, staatliche oder verfassungrechtlich verankerte Institution soll denn hier helfen? Soll etwa eine Mindestabnahmequote von Beitraegen Freier festgelegt werden, die lediglich eine gesetzliche erzwungene Kostenstruktur verursacht und den Verleger dann dazu zwingt, angestellte Journalisten zu entlassen. Dann bin ich gespannt wieviele aus dem Heer der uebrigen Selbstaendigen zum Verfassungsgericht gehen werden: ein Frisoer wird dann darauf klagen, dass jeder Buerger mindestens einmal pro Monat zum Friseur gehen muss. Und ein Anwalt wird vom Gesetzgeber fordern, dass Unternehmen selbstaendigen Anwaelten mehr Beratungsauftraege zu Lasten der internen Rechtsabteilung zu erteilen haben. Auch die inhaltliche Ausgestaltung des Beitrages fand ich nicht ueberzeugend. Statt ueber die eigene Situation zu lamentieren (die nun wirklich auf vielen Orten dieser Welt deutlich schlimmer ist), waere eine detaillierte Recherche zum Markt interessanter gewesen, etwa welchen Anteil haben Freie an den Produktionskosten eines Verlages, wie ist Verguetung geregelt, wie bilden sich Angebot und Nachfrage, wie organisiert sich der Vertrieb und das Marketing fuer das journalistische Produkt, evtl eine Umfrage mit leitenden Redakteuren, welchen Stellenwert Freie in ihrem Budget und in der journalistischen Qualitaet der Zeitung haben, welche gesetzliche Absicherung oder Anspruch auf Sozialleistungen haben Freie, etc) Ab einem bestimmten Zeitpunkt muss ich mir einfach Gedanken ueber mich und meine Rolle in der Gemeinschaft machen, und nicht immer nur darueber, was ich von der Gemeinschaft fordern kann. Ich denke es gibt viele Dinge im Leben, die man gerne machen wuerde. Ob man dafuer auch bezahlt wird, ist eine andere Sache. Die Karriere eines Menschen ist eine Balance zwischen Faehigkeiten, der Nachfrage nach diesen Faehigkeiten und manchmal einfach nur Glueck. Just get on with it!

  • Mark S

    02.02.09 (10:56:52)

    Ich kann die Angaben des offenen Briefes gut nachvollziehen, weil es mir ganz ähnlich geht bzw. ging. Vor Jahren freiwillig in den freien Journalismus gegangen, habe ich im Laufe der Zeit feststellen müssen, dass die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden. Höherer Druck, steigende Erwartungen, aber stagnierende bzw. schrumpfende Honorare. Ich habe mir deshalb einen zweiten, gänzlich anderen Job gesucht und arbeite daran, das bezahlte Schreiben ganz aufzugeben. Briefe wie dieser und die Gleichgültigkeit der Auftraggeber gegenüber der Situation "ihrer" Freien bestärken mich darin. Bloggen ist übrigens auch nicht die Lösung, die Werbeeinnahmen sind einfach zu niedrig für einen Hauptberufler. Und das Beispiel Turi ist albern. Denn wie viele knapp kommentierende Linksammlungen braucht denn die Welt?

  • Jürgen

    02.02.09 (11:05:53)

    Drei Gedanken dazu: 1. Als freier Journalist nur für Tageszeitungen zu arbeiten ist seit jeher hartes Brot, nicht erst seit der Medienkrise und dem Turbokapitalismus. Davon rät aber auf einschlägigen Seminaren praktisch jeder Dozent ab. Dabei landet man wirklich im Armenhaus. Es muss aber nicht sein, wenn man sich umorientiert und spezialisiert. 2. Der Text ist imho maßlos und absichtlich übertrieben und vielleicht sogar - wie häufig - von einer Gewerkschaft platziert worden. Es ist ihr gutes Recht - die Gegenseite macht es genauso, und die Zustände freier Zeitungsjournalisten sind wirklich katastophal. Allerdings: Ich BIN freier Journalist und ich kann mir ein aktuelles Handy, den Schwimmbadbesuch, die Heizung und Kneipenbesuche leisten. Es geht längst nicht allen schlecht - Qualität hin oder her. 3. Ja, Peter Turi und sein Team haben vergangenes Jahr 275.000 Euro verdient. (Ich kann's bezeugen ;). Das meiste davon allerdings nicht im Blog (sofern man das überhaupt so nennen kann, es ist eher ein Medienmagazin), sondern über die Werbung in seinem Newsletter (20.000 Empfänger, thematisch begrenzer Leserkreis). Peter und sein ganzes Team arbeiten aber auch jeden Tag sehr hart dafür.

  • Peter Gabatuhler

    02.02.09 (11:15:49)

    Liebe festangestellten Journis, Euch geht es bald gleich und das ist gut so. Mit Eurem Gesinnungsjournalismus ist es zum Glück langsam vorbei. Und zum Brief: dieser arme Sau ist wahrscheinlich auch nicht mehr wert. Recht so!

  • Vasco

    02.02.09 (11:38:33)

    @Mark S Natürlich sind Blogs kein Wundermittel. Ohne Knochenarbeit geht da gar nichts und lange hält man es ohne Unterstützung bzw. Ausweitung auf 2-5 Co-Autoren nicht aus. Dennoch finde ich das Beispiel Turi2 nicht albern - ersten gibt es in der Tat noch Platz für andere Branchenblogs, zweitens zeigt es, dass man damit in Geld verdienen kann. Dies wird meiner Ansicht nach in Zukunft leichter werden. Aber jetzt werden die Claims abgesteckt und in Deutschland ist noch Land frei! Da finde ich es eher albern, die Möglichkeiten des Formates von der Hand zu weisen oder zu ignorieren.

  • Holger

    02.02.09 (11:40:18)

    Ich fand, im Gegensatz zu einigen Kommentatoren, den Text des Anonymus recht gut geschrieben. Und ich muss leider feststellen, dass die Texte - egal ob als Zeitung oder via Internet/Blog publiziert - immer schwächer werden. Reportagen beispielsweise sind beinahe ausgestorben, die Wirklichkeit draußen wird der selbst referentiellen Beobachtung von sich und anderen Schreibern geopfert. Und das ist ein Problem, das freie und fest angestellte Autoren betrifft. Was hier gar nicht thematisiert wird, auch nicht vom Autor des offenen Briefes, ist die Frage, wie man "Fester" wird. Ob das tatsächlich von Qualitäten des Texters abhängt oder von dessen Beziehungen (Vernetzungen) oder von anderen sozialen Komponenten? Reinhard Jirgl hat das in einem seiner Bücher sehr treffend beschrieben.

  • Claudia W.

    02.02.09 (11:41:51)

    Es handelt sich sicher nicht um eine zugespitzte Verdichtung, denn es gibt freie Journalisten, die schlechter verdienen, obwohl sie auch locker in Vollzeit arbeiten, wenn man den ganzen bürokratischen Mist dazu zählt, den die Freiberuflichkeit erfordert. Deshalb sind Kinder für die Betroffenen oft gar keine Option.

  • Frank Biermann

    02.02.09 (12:17:47)

    ich bab zu dem Thema vor einiger Zeit auch mal ein paar Gedanken in Richtung WAZ-Mediengruppe zu Papier gebracht, wenn es interessiert... http://mmm.verdi.de/archiv/2008/04/kolumne/qualitaet_zu_fairen_preisen mit freundlichen Grüßen, Frank Biermann

  • Ernst Hoppel

    02.02.09 (12:18:50)

    Deprimierend, in der Tat. Auf der einen Seite frage ich mich, war es die freie Entscheidung des Autors, frei zu sein, oder hat er jemals eine Festanstellung in Erwägung gezogen? Und dann schießt mir durch den Kopf: Das geschilderte ist nolens volens wohl die Zukunft des Journalismus. Der kostenlos bloggende, immer zur Verfügung stehende, finanziell klamme, freie Journalist, der sehr gut ausgebildet ist, aber kaum die Butter auf dem Brot verdient, zumindest nur so wenig, dass er davon beileibe keine Familie ernähren kann. Entsteht also eine Art Medienproletariat, dank der Kostenloskultur des Internet? Ich befürchte es fast und ich befürchte, dass es weder dem Journalismus, noch der Gesellschaft besonders gut tut.

  • Jürgen Bräunlein

    02.02.09 (12:36:01)

    Der Artikel ist sehr treffend. Quatsch ist zu behaupten, jeder Journalist, der wirklich gut ist, "schafft es". Nicht in Zeiten des galoppierenden Stellenabbaus, natürlich trifft das auch andere Branchen. Internetjournalismus ist tatsächlich ein Ausweg, doch turi2 kein Konzept, das beliebig wiederholbar ist. Bis man mit einem eigenen Blog Geld verdient hat, ist man schon verhungert oder siecht dahin samt Kind und Hund. Noch immer klafft in Deutschland eine große Kluft zwischen den fest Angestellten und den Freien bzw.den nur Projekt bezogen Beschäftigten. Zwar wird überall behauptet die lebenslange oder zumindest sehr lange Festanstellung gehört der Vergangenheit an, doch vom Kopf her fühlen und denken die meisten noch anders. Von wegen digitale Bohème! Herzlichst jueb

  • Journalistin

    02.02.09 (13:07:12)

    Wer als freier Journalist für 88 Euro eine Woche lang recherchiert und textet, sollte sich entweder schleunigst mit Betriebswirtschaft befassen oder alsbald einen anderen Beruf suchen. Denn als „Freier“ bin ich UNTERNEHMER und muss kalkulieren. Dazu gehört auch, sich von Auftraggebern zu trennen, die schlecht zahlen. Wer sich als Journalist für so wenig Geld verdingt, leistet der angeprangerten Misere ja noch Vorschub! Der Ruf nach der Gewerkschaft ist in diesem Zusammenhang ein Witz. Was soll die erreichen? Den Verlagshäusern vorschreiben, wie viel sie einem „Freien“ bezahlen? Vielleicht noch staatlich geregelt, durch ein Gesetz? Ist das noch Marktwirtschaft? Es gibt auch etliche Kollegen, die recht gut vom freien Journalismus leben. Doch die arbeiten nicht für schlecht zahlende Tageszeitungen, kleine Internetdienste oder den x-ten Blog sondern besitzen Redaktionsbüros, texten ganze Special Interest Magazine oder betreiben Nachrichtenagenturen. Steinreich wird man damit sicherlich nicht, aber das Geld reicht zum Leben. Wer sich „Häuser, Eigentumswohnungen, Geldanlagen, neue Autos, schicke Möbel und Markenkleidung“ wünscht, sollte mit seinen Schreibkenntnissen besser in der Werbung oder PR-Branche anheuern! Übrigens kann ein Blick aus der „Neid-Gesellschaft“ Deutschland ins Ausland oder zurück auf das Leben unserer Urgroßeltern und Großeltern nicht schaden: Uns geht’s immer noch ziemlich gut! Solange der Verzicht auf „Zoobesuche“, „aufwendige Feiern“, „Kino“ und „Restaurantbesuche“ die einzige Sorge sind… P.S. Ich arbeite seit 14 Jahren als freie Journalistin.

  • Thomas Knüwer

    02.02.09 (13:13:02)

    Mal alle Online-Themen beiseite gestellt, so ist doch eines auffällig: Es gibt eben auch jene freien Journalisten, die hervorragend verdienen. Im Endeffekt sogar besser, als die meisten fest angestellten. Warum schaffen es die einen, sich eine Existenz zu schaffen und die anderen nicht? Aus meiner Sicht ist dabei nicht nur die "gute Schreibe" das (ent)scheidende Kriterium. Es geht eben auch darum, Themen treffsicher zu vermarkten. Wie oft riefen mich schon Freie an, die nicht in der Lage waren, in ein, zwei Sätzen ihr Thema auf den Punkt zu bringen. Auch kennen viele Freie nicht die richtigen Ansprechpartner oder haben die Blätter bei denen sie anbieten selten bis gar nicht gelesen. Der nächste Punkt ist die Zuverlässigkeit. Pünktliche Ablieferung, Einhalten von angegebenen Längen oder geringe Fehlerzahl sollten selbstverständlich sein - sind es aber nicht. Als Tiefpunkt mag sich mancher nicht einmal redigieren lassen - auch wenn sein gelieferter Artikel weit von dem entfernt ist, was abgesprochen war. Damit will ich nicht sagen, dass ALLE Freien so sind. Aber auch nicht gerade wenige. Jene, denen es gut geht, kann man die beschriebenen Makel aber nicht anheften, sie arbeiten so, dass man gern mit ihnen arbeitet. Und vielleicht ist das der ganze Haken an der Sache.

  • SoIsRealityGuys

    02.02.09 (13:21:32)

    Ja, die Auswahl ist groß - und das ist gut so. Konkurrenz belebt das Geschäft, so funktioniert Wirtschaft. Ja, wir sichern uns vertraglich ab, dass der Inhalt eines Artikels der Wahrheit entspricht. Müssten wir jeden Artikel selbst überprüfen, würde die Zeitung zehn Euro kosten. Ja, ein Freier bekommt keine Arbeitsmittel von uns zur Verfügung gestellt, aber mal ehrlich, bei den meisten sind diese doch ohnehin schon vorhanden. Wenn freie Journalisten und Fotografen ein Leben in Elend und Misere führen, dass ihnen nicht einmal erlaubt die Wohnung anständig zu beheizen, weshalb bitte gibt es dann so viele, die sich dafür entscheiden? Weil der Job ein sehr befriedigender ist, weil ein unkontrolliertes Arbeiten bei freier Zeiteinteilung ist. Mit großer Freiheit kommt große Verantwortung. Die können wir keinem abnehmen. Nicht jeder ist dafür geschaffen, die anderen suchen sich eben eine Festanstellung. Wir zwingen niemanden für uns zu arbeiten! Offensichtlich verdient man bei uns aber gut genug, um es zu tun und hat auch noch Freude an der Arbeit dabei.

  • Journalist

    02.02.09 (13:27:20)

    Ach, Herr Knüwer, da hat Ihnen also schon nach Stunden einer getwittert, dass hier diskutiert wird! Schön, dass Sie in Ihrer gut bezahlten Arbeitszeit auch hier vertreten sind und das Klagelied der Redakteure absondern. Als wenn alle Freien unqualifiziert, unpünktlich und Legastheniker wären! Ich kenne nur einen sehr gut verdienenden, hart arbeitenden, aber auch seine Microsoft-Bücher perfekt vermarktenden Freien: Jörg Schieb. Der kann sich sogar leisten, Häppchen für das Handelsblatt zu schreiben, wie man mit schlechten Microsoft-Programmen besser klarkommt. Natürlich objektiv und unabhängig. Apple findet er aber generell ziemlich doof. Das ist Journalismus. Viele Freie sind nicht weniger qualifiziert als Sie, Herr Knüwer, haben aber nur ein Zehntel bis ein Viertel Ihres Nettogehalts. Wahrscheinlich, weil sie nicht twittern.

  • Kai Schächtele

    02.02.09 (14:14:54)

    Hach, es ist so herrlich einfach, den Kollegen Thomas Knüwer im Schutz der Anonymität anzuschießen – dafür, dass er darauf hinweist, dass es manche freie Journalisten gibt, die sich nicht an die essentiellen Regeln der Zusammenarbeit halten. Was diese Diskussion wieder mal eindrucksvoll unter Beweis stellt: Es gibt einen grundsätzlichen Mangel an Verständnis für die Notwendigkeiten einer professionellen Zusammenarbeit, und zwar auf beiden Seiten. Das gilt sowohl für diejenigen, die auf eine differnzierte Darstellung mit der Pauschalkeule schlagen, als auch für so vermeintlich abgebrühte Typen wie SoIsRealityGuys, der den Satz "Wir zwingen niemanden, für uns zu arbeiten" sogar noch fettet, ungeachtet der Tatsache, dass er mal besser sein eigenes Korrektorat gebeten hätte, den Eintrag auf die richtige Kommasetzung zu überprüfen. Zur Erinnerung: Wir arbeiten alle gemeinsam jeden Tag aufs Neue daran, lesenswerte Zeitungen und Magazine zu machen, hörenswerte Radiosendungen und sehenswerte Fernsehstücke. Wenn sich aber gerade jetzt diejenigen in ihre Ecken verkriechen und vor sich hinspucken, die eigentlich zusammenarbeiten müssten – für guten Journalismus, für ordentliche Arbeitsbedingungen, für eine professionelle Zusammenarbeit -, dann ist es an der Zeit, sich wirklich Sorgen um unsere Medienlandschaft zu machen. Dass die Sender- und Verlagsmanager uns diese Vermittlungsarbeit abnehmen, darauf können wir alle zusammen lang warten.

  • Haarspalter

    02.02.09 (14:30:38)

    Trotzdem könnt ihr noch froh sein, nicht als Haarabschneider eure Brötchen zu verdienen: "Man muss ständig am Platz sein und arbeiten bis zum Umfallen", sagt eine hessische Friseurin verzweifelt. Mittags- und Toiletten-Pausen seien bei ihr nicht erlaubt. Viele ihrer Bekannten würden zu einer Beschäftigung auf 400 Euro-Basis gedrängt, zusätzlich erhalten sie einige hundert Euro schwarz auf die Hand. Damit betrügen die Chefs gleich doppelt: Die Friseurinnen um ihr reguläres Einkommen und spätere Rentenzahlungen, den Staat um Sozialabgaben." (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,602932,00.html) Die Zeiten sind harte und werden durch Lamento nicht besser.

  • Che Guvara

    02.02.09 (14:57:21)

    [Edit: Gelöscht, vgl. Kommentarregeln. F.S.]

  • Roland Panter

    02.02.09 (15:03:13)

    Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Ich finde ihn gut und treffend geschrieben und kann die dort beschriebenen Nöte sehr gut nachvollziehen. Was ich nicht verstehe, ist der eigene Standpunkt des Autors. Mit dem Resümee, das ich aus diesem offenen Brief ziehen kann, hielte ich es für angemessen meine Situation zu verbessern. Dazu würde ich sehr zielgerichtet arbeiten. So, wie gute Unternehmer das tun. Die überprüfen regelmäßig ihr Geschäftsmodell. Stellen sie dabei fest, dass das Geschäft stagniert, wird überlegt, welche der vielen Stellschrauben eine positive Veränderung ermöglichen. Die Qualität des Autoren scheint zu stimmen, der Einsatzwille auch, nur der "Kunde" passt wohl nicht ganz ins Bild. Hier kann man ansetzen. Dazu kommt: Die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit werden überhaupt nicht berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem sehr flexible Arbeitszeiten, freie Kleidungswahl etc. Es gibt Unmengen an Möglichkeiten, mit guter journalistischer Schreibe Geld zu verdienen. PR-Agenturen, Kommunikationsagenturen und unzählige freie Redakteure machen das vor. Daran kann man sich orientieren und etwas verändern. Aber auch der Weg in die Festanstellung ist nicht grundsätzlich verbaut, sei denn man glänzt durch ausgeprägte soziale Inkompatibilität. Mit Ehrgeiz, Beharrlichkeit und dem Glück des Tüchtigen geht viel. Dazu gehört natürlich Disziplin, aber an der kommt man auch als Freiberuflicher nicht vorbei. Zumindest, wenn man etwas bewegen möchte. Bei allem Mitgefühl für die aktuelle Situation kann ich nur sagen: Machen Sie was draus! Sie haben alle Möglichkeiten. Entwickeln Sie sich weiter und suchen Sie gezielt Wege zu besserer Bezahlung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei. Aus ganzem Herzen. Hilfestellungen finden Sie dafür im Internet zu hauf. Unter anderem kann ich Ihnen meine Gruppe Pressearbeit, PR & Medienkommunikation (https://www.xing.com/net/presse/) im Xing-Netzwerk empfehlen. Dort können Sie im offenen Dialog mit vielen anderen "Schreibern" Ideen für Ihre Zukunft erfahren.

  • Haarspalter

    02.02.09 (15:03:59)

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,604894,00.html

  • mds

    02.02.09 (15:36:26)

    Jeder ist seines Glückes Schmied? Dann schmiedet euer Eisen fein selbst. In zehn Jahren sehen wir uns am Amboss wieder. Genau. Und für alle anderen ein Buchtipp: «Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind -- und andere nicht» von Malcolm Gladwell.

  • saunabiber

    02.02.09 (16:30:12)

    @Che Guvara(sic!): Sie sind Herr Thomas Peng Deng Mahmoud Schumann, oder?

  • Kein Mitleid

    02.02.09 (16:47:10)

    Das Problem ist doch, daß die selben freien Journalisten ebenfalls der Mär aufsitzen, die von - oftmals festangestellten - Kollegen verbreitet wird: daß es "unjournalistisch" sei, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Beispiel: "Ich habe keinen, der mich vermarktet, der meine Steuererklärung erstellt oder meine Themen sucht, ich sitze allein vor meinem Laptop" Wie so viele andere, kann Journalist Anonymus offenbar nur eine Sache wirklich gut, hoffentlich: sein eigenes Handwerk. Was also hindert ihn daran, die Sachen, die andere besser können, zu delegieren? Entweder gegen Bares, oder arbeitsteilig in einem Redaktionsbüro? Ich war vielleicht zwei, drei Jahre freiberuflich tätig, da habe ich meine Steuererklärung an eine Steuerberatung abgegeben, die sich auf Freiberufler spezialisiert hatte. Das hat sich damals schnell amortisiert. Der Hinweis einer (ehemaligen, was mich betrifft) Kollegin, freien Journalisten in anderen Ländern gehe es so viel schlechter, ist bestenfalls zynisch und totaler Kappes. Selbst in den USA, wo sich die Printmedien im Moment im beschleunigten Niedergang befinden, geht es dem durchschnittlichen "Freien" weit besser als in Deutschland, finanziell und rechtlich. Das wichtigste Wort vielleicht, was "Freie" lernen können, ist "Nein" - um der Gefahr des Sich-Verzettelns zu begegnen, aber auch zu möglichen Kunden, die sie nötigen wollen, sich "unter Wert" zu verkaufen. Ein schmaler Grat, aber überlebenswichtig für freie Journalisten.

  • saunabiber

    02.02.09 (17:28:23)

    @Kein Mitleid: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Kein Geld zum Heizen, aber für einen Steuerberater? Meine Steuererklärung hat mich über 2000 Euro gekostet. Und was das "Nein"-Sagen angeht, da gilt immer noch: got no moral, need the money. Auf deutsch: erst kommt das Fressen, dann die Moral. Im Deutschunterricht nicht aufgepasst, als Brecht dran war?

  • Bunte

    02.02.09 (17:55:11)

    leider hat der Anon-Kollege rechter als recht Im übrigen gilt auch hier der Promieffekt im besonderen udn der Matthäuseffekt im allegemeinen: Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er Füplle habe ... wer aber nuicht hat, dem wird das genomme, was er hat, Gruß Bunte

  • Ugugu

    02.02.09 (18:17:40)

    @Che Guvara(sic!): Sie sind Herr Thomas Peng Deng Mahmoud Schumann, oder? *szenenapplaus* und credit to saunabiber!

  • base rate

    02.02.09 (18:24:44)

    Stimmt schon sehr traurig, wenn man nach diesem mehr als nachdenklich stimmenden Text auch noch ausfallenden Trolldreck wie von #24 lesen muss: "dieser arme Sau ist wahrscheinlich auch nicht mehr wert. Recht so!" (Dieser arme Sau ist nicht mehr wert, recht so? Löscht ihr eigentlich gar nichts bei der medienlese?!) Oder Psychotikerkommentare wie #37. Bisschen Bloghygiene wäre nicht schlecht.

  • saunabiber

    02.02.09 (18:29:37)

    @Ugugu: Danke, danke *verbeug*. @base rate: Wieso, ist doch selbstentlarvend.

  • hiram7

    02.02.09 (18:56:03)

    Schreiben muss inhaltlich und stilistisch interessant sein, und vor allem dem "Schreiber" Spass machen. Daher kann der Leser auf eine Menge Artikel von Journalisten getrost verzichten.. Oder wie Oscar Wilde einst schrieb: "Der Unterschied zwischen Literatur und Journalismus besteht darin, daß der Journalismus unlesbar ist und die Literatur nicht gelesen wird."

  • Kein Mitleid

    02.02.09 (19:01:41)

    @saunabibber: 1) Wer rechnen kann, ist noch klarer im Vorteil: Wenn die Steuerberatung ihr Geld wert ist, d.h. auf die Situation von Freiberuflern spezialisiert, holt sie genug für den Freien heraus, daß sich das selbst trägt. Erfahrung aus etwa 20 Jahren freier Tätigkeit. 2) Sehr gut aufgepaßt im Deutschunterricht, als Brecht dran war. Gelernt, daß seine größten Fans diejenigen waren, die außer diesem einen Satz betreffend Fressen und Moral sich nichts von ihm gemerkt hatten. Außerdem gelernt, daß der große B.B. im Zweifelsfall nicht meine Rechnungen bezahlt und es in Wirtschaftssachen bessere Lehrer gibt.

  • base rate

    02.02.09 (19:11:16)

    @saunabiber: Selbstentlarvend, aber deshalb nicht weniger widerwärtig. Ich glaube auch nicht, dass die Autoren beim Blogwerk Kommentare stünden ließen, in denen sie selbst nach einer ehrlichen Offenbarung so angepupst werden.

  • Allen Jay

    02.02.09 (19:32:40)

    Der Brief ist echt der Hammer! Probleme haben noch keinen Menschen weiter gebracht wenn er nicht entschprechende Lösungen entwickelt hat! Ein Prominentes Beispiel ist gerade Präsident der Vereinigten Staaten geworden.

  • ingeborch

    02.02.09 (19:45:38)

    Wie? Watt? Herr Busch is' wieder in Amt und Unwürden? (Schöne Stilblüte, Herr Jay.)

  • Eva Schweitzer

    03.02.09 (01:26:27)

    "Ja, wir sichern uns vertraglich ab, dass der Inhalt eines Artikels der Wahrheit entspricht. Müssten wir jeden Artikel selbst überprüfen, würde die Zeitung zehn Euro kosten." Nice try. Man kann grundsätzlich keine Verträge zu Lasten Dritter schließen. Wenn Sie als Zeitung etwas drucken, was eine Schadensersatzforderung nach sich zieht, können Sie zwar versuchen, sich hinterher an den Autor zu halten (wenn da was zu holen ist), erst einmal sind Sie aber selber dran. Und das ist nur die zivilrechtliche Seite. Die strafrechtliche Verantwortung im Sinne des Presserechts können Sie überhaupt nicht abwälzen. Was den klagenden Autor angeht, muss ich aber sagen, der wäre wohl in einem anderen Beruf besser aufgehoben.

  • Bernd

    03.02.09 (06:33:26)

    Sagt emal, gehts nicht noch tiefer im Niveau? Dieser Schreiber mag mit seinen Klagen was die Finanzen betrifft ja recht haben. Aber was haben denn bitte die festangestellten Redakteure damit zu tun? Zahlen die die Freien so schlecht, weil ihnen das Honorar vom Gehalt abgezogen wird? Nein, also. Was soll die alberne Diskussion um einen Bürostuhl? Hat dieser Mensch jemals gesehen, mit was für altem Gerümpel, ob Stuhl, Tisch oder IT-Hardware, eine Redaktion üblicherweise so bestückt ist, wenn es nicht gerade der TV-bekannte Bild-"Balken" ist, der aber sowas von eklig ist - alle Redakteure ständig unter Beobachtung des Chefs? Würde dieser Schreiber das machen wollen? In so einem Hühnerstall arbeiten? Oder doch lieber anonym seinen angestellten Kollegen das Leben schwer machen? Würde er in einer Redaktion sich auch über seinen Stuhl beschweren? Und das läner als drei Tage überleben? Wohl kaum. Was ist das nur für eine eklige Branche, in der die Leute sich ständig gegenseitig zerfetzen, obwohl die Leser das schon mehr als genügend tun? [Edit: Weitere Auslassungen an dieser Stelle gelöscht, vgl. Kommentarregeln. F.S.] Hier werden Kommentare moderiert, sehe ich. Na nachdem ihr diesen ätzenden Psycho freigeschaltet habt, traut ihr euch das mit mir auch?

  • Florian Steglich

    03.02.09 (08:55:34)

    » Bernd (54.): Kommentare werden hier nicht freigeschaltet, sondern nur ggf. nachträglich moderiert (Update: wie jetzt geschehen). Ansonsten: Nimm nie eine komplizierte Erklärung an, wenn es auch eine einfache tut. Den Rest Deiner Verschwörungstheorie muss ich, glaube ich, nicht weiter kommentieren.

  • Case

    03.02.09 (08:56:15)

    Wenn es wirklich so schlimm ist, dann frag ich mich, warum er es sich dann antut. Es gibt viele andere tolle Jobs, die auch sehr viel Spass machen, aber deutlich besser bezahlt sind. Niemand wird doch gezwungen, als freier Journalist zu arbeiten. Oder er könnte ja versuchen, eine Stelle als festangestellter Redakteur zu bekommen - auch wenn es nicht leicht und auch kein Zuckerschlecken ist

  • Thomas

    03.02.09 (09:14:30)

    Die Argumente sind mir ein wenig zu einfach. Lern einfach nen anderen Job, werd einfach Fester, verdien einfach mehr oder lern rechnen. Nein nein. Das, was die freien Journalisten (übrigens seit Jahren schon) durchmachen, passiert doch in allen anderen Branchen auch. Willkommen in der Marktwirtschaft. Immer weniger Leute arbeiten immer mehr für immer weniger Geld. Ihr, die Journalisten, stellt euch dem gleichen Arbeitsmarkt wie alle anderen auch. Ihr schreibt nicht als 4. Macht im Staate. Ihr "produziert" Inhalte, die um jeden Preis monetarisiert werden müssen. Ob WAZ, Lidl, Montgomery, Vattenfall, Schlecker oder G+J. Es geht um Cash. Nichts anderes. Ihr dürft nichts kosten, damit der Anleger / Eigentümer glücklich ist. Aber berichtet mal schön weiter täglich über Börse, Absatzzahlen und wie toll unser System (geworden) ist.

  • SoIsRealityGuys

    03.02.09 (11:18:36)

    Danke an Herrn Dahlmann für seine "Gegendarstellung". Die erklärt m.E. nach auch wieso der eine Frei erfolgreich ist und der andere nicht. Kollege Knüwer hat seine Erfahrungen hier bereits geschildert, dem kann ich mich nur anschließen.

  • Tobias

    03.02.09 (11:41:44)

    Man mag sich über Stil und Form des Briefes von Quo Vadis streiten, mich perönlich hat er angesprochen, ich habe den Text in einem Rutsch gelesen. Und auch mich hat er nachdenklich gestimmt. Auch wenn Fragen blieben, die hier schon angesprochen wurden (88 Euro für eine Woche Arbeit...), macht der Text doch deutlich, was JEDER sieht, der in Medienhäusern arbeitet, die Freie beschäftigen und sich auf ihre Arbeit stützen: - Redaktionen, besonders im Lokalen und Sublokalen, stützen sich auf die Arbeit von Menschen, die hoffen, als freie Mitarbeiter irgendwann genug getan zu haben, um dann in ein Volontariat oder eine Anstellung zu kommen. Diese Leute werden beschäftigt, obwohl ihre Qualitäten lediglich ausreichend bis mangelhaft sind und sie keine Chance auf ein tatsächliches Fortkommen zu haben. Aber sie haben halt oft genug Zeit, sind willig und billig und machen fast alles mit. So arbeiten sie für wenig Geld und ein bisschen Hoffnung, oftmals studieren sie noch irgendetwas, bei dem sie denken, dass es zu ihrem Wunschberuf passen könnte. So laufen sie zwischen Terminen und Uni jahrelang hin und her, sind dann eines Tages ferig studiert und kommen trotzdem nicht weiter. Weil kaum jemand an den Redaktionstischen mal klipp und klar und frühzeitig gesagt hat: "Tut mir leid, mein Bester, aber deine Fähigkeiten in diesem Beruf sind limitiert, es gibt viele andere Berufe, in denen man auch glücklich werden kann, probier es doch bitte mit etwas ganz anderem. Hier hast du keine Zukunft." - Es gibt eine Armee von Freien, die bereit ist, es noch ein bisschen billiger, noch ein bisschen schneller und noch ein bisschen devoter zu machen. Weil Medien ja immer noch "irgendwie" angesagt sind. Aber so, wie es läuft, macht es, und das nur als schwachen Trost für den Briefeschreiber, auch in einer Festanstellung keinen Spaß mehr. Vielleicht sollten wir uns da einfach von der Annahme verabschieden, dass ein Beruf zur Selbstverwirklichung nützen kann und ihn einfach so sehen, wie er auch geheißen wird: Broterwerb. Mit all den negativen Konsequenzen.

  • SoIsRealityGuys

    03.02.09 (11:53:19)

    Weil kaum jemand an den Redaktionstischen mal klipp und klar und frühzeitig gesagt hat: “Tut mir leid, mein Bester, aber deine Fähigkeiten in diesem Beruf sind limitiert, es gibt viele andere Berufe, in denen man auch glücklich werden kann, probier es doch bitte mit etwas ganz anderem. Hier hast du keine Zukunft.” Könnte daran liegen, das die Leute an den Redaktionstischen keine Lebensberatung betreiben, sondern ein knallhartes Geschäft von dem viele leben?

  • Tobias

    03.02.09 (12:41:41)

    Keine Frage, für eine Lebensberatung sollte ich mich an die entsprechenden Fachstellen wenden. Aber darum geht es mir nicht. Was ich meine, ist das sehende Ausnutzen von offenkundig falschen Lebensplanungen. Ohne entsprechende Hinweise zu geben. Das hat mit Lebensberatung wenig zu tun, mehr mit Fairness. Zum Thema "knallhartes Geschäft": Mit so einem Verhalten schade ich mir / meinem Geschäft nur selbst: Wenn ich mein Blättchen mit gut gemeinten aber schlecht gemachten Texten zudengel, kann ich mir die Frage, wer so etwas lesen soll, selber beantworten.

  • Thomas

    03.02.09 (12:48:40)

    Wer schlechte Texte annimmt, weil sie billig sind, verfehlt sein Geschäft. Das hat in der Tat nichts mit "Lebensplanung" zu tun...

  • Armin

    03.02.09 (15:18:13)

    Ja, und? Da ist ein Freier also mit der Gesamtsituation unzufrieden und tut ein bisschen so, als sei das bei Journalisten besonders beklagenswert. Ist es nicht. Zumindest nicht mehr als bei jedem anderen *Selbständigen*, der Monat für Monat seine Brötchen verdienen muss. Und trotzdem gibt es sogar ein paar ganz mutige Zeitgenossen, die nicht nur diese Gefahren auf sich nehmen, sondern - weil es auch Branchen gibt, in denen eine Computertastatur alleine nicht zu Erzielung von Umsatz reicht - sogar für die Realisierung ihrer Idee Kredite aufnehmen, von denen Sie allenfalls hoffen dürfen, Sie jemals zurückzahlen zu können. In unserer Redaktion hätte man zu diesem Freien gesagt: "Heul halt!" Gruß Armin

  • Thomas

    03.02.09 (15:36:37)

    Ah, also sind Journalisten eigentlich Unternehmer - nicht der Wahrheit sondern dem Wirtschaftssystem bzw. dem eigenen Geldbeutel verpflichtet? Leuchtet ein...

  • base rate

    03.02.09 (18:18:35)

    Zum Totlachen dann auch, wie einer, der selbst seinen eigenen Kommentatorennamen in fehlerhaftem, germanizistischem Stokel-Englisch abfasst, hier Thomas Knüwer sekundiert und textliche Qualität einfordert. Knüwer, dessen piefige und vor Fehlern wimmelnde Phrasenschreibe ihm eigentlich jede Redakteursstelle unmöglich machen sollte, und einer, der sich "SoIsReality" nennt: dass solche Flaschen hier die Redakteure vertreten! Einfach nur peinlich.

  • Florian Steglich

    03.02.09 (19:19:44)

    » base rate: Nachdem Du Dich weiter oben über ausfallende Kommentare beschwert hast, würde ich erwarten, dass Du Bezeichnungen wie "Flaschen" hier steckenlässt. Das ist genauso unangemessen wie das kritisierte "arme Sau". Ich finde eigentlich, dass das Thema und der Ton des Ausgangsartikels nicht dazu führen müssen, dass wir hier mit dem Editieren von Kommentaren beginnen.

  • Fester Freier

    03.02.09 (19:44:52)

    Das Internet ist also die Zukunft. Und wir Zeitungsschreiberlinge Vergangenheit. So so. Ich habe mir jetzt 65 Beiträge durchgelesen. Wie ich feststellen musste, hat das vor mir offenbar kaum jemand getan. Aber das ist ja normal im Netz. Aber alle reden mit, geben Kommentare ab und spamen die Welt fröhlich in den Informationsoverkill. Wertfreie Beiträge zur KSK, zu den Kosten von Steuerberatern für Freiberufler und nicht zu vergessen die ewig wiederkehrenden Hinweise, sich doch einfach fest anstellen zu lassen, eben mal im Internet reich zu werden oder doch auf die andere (viel besser bezahlende) Seite zu wechseln. Danke. Ich will meinen Beruf nicht wechseln. Aber auch ich will den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit. Niemand wird gezwungen, für die WAZ scheinselbstständig zu arbeiten? Da kennt ihr aber die Sozialgesetzgebung schlecht. Vermutlich nicht einmal im Internet recherchiert.

  • Zeilenschinderhannes

    03.02.09 (20:03:04)

    Ich verkneife mir jetzt mal den Hinweis, dass diese ganzen plumpen Ratschläge nichts kosten und auch Schläge sind, aber wenigstens hat der Brief endlich eine längst überfällige Diskussion in Gang gebracht. Es dürften viele denken, was dort geschrieben steht und nicht zufällig wurde es anonym veröffentlicht. Nicht wenige Kommentare hier geben Ich vermute eine Abwehrhaltung: wenn ich mir einrede, dass "die arme Sau" selbst schuld an der Situation ist, betrifft es mich ja nicht, denn ich bin besser informiert, ausgebildet und aufgestellt, mir kann das also nicht passieren. Leute, es ist Zeit aufzuwachen und gemeinsam zu beratschlagen, was zu tun ist. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

  • Armin

    03.02.09 (20:05:39)

    @Thomas: Zu diesem Schluss kommst du. Mit keiner Silbe habe ich irgendetwas über Wahrheit oder Wirtschaft gesagt. Damit auch du's verstehst: Freie Journalisten unterliegen den gleichen Risiken wie jeder andere Selbständige auch. Das ist wohl in jeder Branche so. Wenn da jeder das heulen anfinge, weil es die Angestellten so super haben - herrje! Ich würde unter keinen Umständen meine Unabhängigkeit wieder aufgeben wollen, egal wie schön warm die Heizung und elegant die Bürostühle sind. Mir sind ein paar Euro weniger im Beutel viel lieber als Chefs und Chefinnen, deren einzige Konstante Rückgratlosigkeit und Unvermögen ist. Capisce?

  • saunabiber

    03.02.09 (20:22:55)

    @Zeilenschinderhannes: Wir sitzen alle im selben Boot ... sagte der Aufseher zu den Galeerensklaven.

  • base rate

    03.02.09 (22:40:23)

    @ Florian Steglich, #66: Ich halte es nicht für "genauso unangemessen", schon gar nicht angesichts der Häme von einem, der sich sprachlich unfähig zeigt, aber anderen in grundloser Überheblichkeit dieselbe Unfähigkeit vorhält. Wenn in diesem Zusammenhang der Ausdruck "Flaschen" fällt, dann ruft Dich das auf die Bühne und lässt Dich vom Editieren reden. Aber wenn einer dumm und widerwärtig menschenverachtend pöbelt: "dieser arme Sau ist wahrscheinlich auch nicht mehr wert. Recht so!" - und das angesichts eines wirklich agressionsfreien und offenherzigen Artikels (über dessen friedlichen Ton wir ja ähnlicher Meionung zu sein scheinen), dann nötigt Dir das keine Reaktion ab. Ich kann diese Diskrepanz einfach nicht fassen. Und mir kommt es fast hoch, dass ich ausgerechnet an einem Ort wie der medienlese sowas sehen muss. Der Müll steht da immer noch, aber da zieht Ihr keine Grenze? Ole Reißmann, Ronnie Grob, Klaus Jarchow, Peter Hogenkamp, Ihr alle lest das und findet, das hat hier einen Platz? Wenn das nicht als "beleidigender Kommentar" gilt, wie es hier über dem Kommentarformular steht, dann weiß ich auch nicht. Unglaublich, wirklich. Und nein, bevor diese Mutmaßung kommt (wovon auszugehen ist): Ich bin kein Betroffener, schon gar nicht bin ich der Autor. Ich bin nur ein täglicher Konsument der medienlese.

  • Florian Steglich

    03.02.09 (23:38:09)

    » base rate (71.): Entschuldige, aber mit "Knüwer, dessen piefige und vor Fehlern wimmelnde Phrasenschreibe ihm eigentlich jede Redakteursstelle unmöglich machen sollte, und einer, der sich “SoIsReality” nennt: dass solche Flaschen hier die Redakteure vertreten! Einfach nur peinlich." hast Du das Recht auf Empörung über ausfallende Kommentare nach meinem Empfinden verspielt. Die Häme von "SoIsReality" mag charakterlich kein Vorbild sein, ist aber ebensowenig ein Grund für eine Beleidigung wie die Wahl seines Pseudonyms hier. Dem hier kommentierenden Knüwer unter Namensnennung die Befähigung zu seiner Arbeit abzusprechen ist nochmal ein größeres Kaliber. Der zitierte Teil Deines Kommentars ist, um es mit Deinen Worten zu sagen, "dumm gepöbelt". Damit verteidige ich nicht das "arme Sau", das ich wie gesagt ebenso unangemessen finde. Ich habe heute vormittag, als ich die Kommentare hier gelesen und auf einen geantwortet habe, überlegt, ob ich es editiere, mich aber dagegen entschieden. Nicht völlig ohne Bauchschmerzen, aber aus der Erfahrung heraus, dass man manchmal Diskussionen besser laufen lässt, insbesondere wenn die - überwiegend inhaltliche - Debatte schon deutlich weiter und bereits der eine oder andere Troll aufgeschlagen ist, der nur auf seine Gelegenheit zum Krakeelen wartet - siehe Teile dieses Threads. Sowas ist immer eine haarige Entscheidung, und Du wirst sie vermutlich nicht akzeptieren, aber wir sind damit bisher sehr gut gefahren. Weil Du es anklingen lässt: Die Entscheidung hat überhaupt nichts mit meiner Meinung zum offenen Brief (ich halte ihn für viel zu einseitig) oder zu manchen Kommentaren zu tun - das kann ich sehr gut trennen, besser als Du, scheint mir.

  • base rate

    04.02.09 (02:20:47)

    Florian, zu Deinem vergleichenden Selbstlob: Ich habe keine Annahme über Deine Meinung zum Inhalt des offenen Briefs getroffen. Nur über Deine und meine Meinung zu dessen friedlichem Ton. Diesen Ton berücksichtige ich in meine Bewertung der hämischeren Reaktionen hier - und finde sie dadurch umso abstoßender. Und wenn Du hier so etwas wie #24 stehenlässt, dann weiß ich nicht, was einer überhaupt bringen muss, um editiert zu werden. Jemanden zu verlachen, der schonungslos offenbart, wie es um seine Existenz steht und als Sau, ja als "arme Sau" zu bezeichnen, ihn als "nicht mehr wert" zu betrachten und "Recht so!" hinterzuwerfen. Das setzt Du gleich mit meinem späteren Kommentar, bei dem Du Dich erst gemeldet hast. Tu's von mir aus, ich betrachte es als absurd. (Auch wenn ich die "Flaschen" in diesem öffentlichen Forum lieber nicht geäußert hätte, damit habe ich Dir nur eine Steilvorlage geliefert). Und Knüwer: Der hat zwar keine Häme gezeigt, aber seine, jawohl, piefige Phrasenschreibe kann jeder selbst nachlesen, ich habe schon reichlich davon gelesen und weiß genau, wovon ich rede. Im übrigen verweise ich auf die Bemerkungen seines Redaktionskollegen Iversen im Indiskretions-Blog. Dass Du die Kritik an der Qualität von Knüwers Redakteurstätigkeit als besonders empörend hervorhebst, finde ich merkwürdig. Aber was soll's, wir werden uns hier eh nicht mehr einig.

  • Armin

    04.02.09 (08:37:56)

    O Mann, und ich dachte immer, dass es diese Schwanzvergleiche nur in IT-Foren gibt. @base rate, Florian: Falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: Es geht nicht um euch, sondern um den offenen Brief. Bis wieder einer weint ...

  • question

    04.02.09 (15:57:36)

    ich find zwar den tonfall und die richtung in die das hier geht ein wenig "seltsam"... aber dennoch will ich mal eine frage in den raum stellen bezüglich der qualität von freien und angestelten: die freien journalisten behaupten sich tagtäglich am markt - und das meist bei mehreren publikationen. welcher langjähriger festangestellte kann das von sich schon behaupten? und gerade bei den wirtschaftsjournalisten wundert es mich, wie wenige doch die unternehmerische seite kennen, aber wie viel gute ratschläge sie für unternehmer haben... ist auch eine from der qualitätskontrolle ;-) ach ja, und falls es jemanden interessiert oder bevor missverstänbdnisse aufkommen: kenne den job sowohl als langjähriger festangestellter, als auch als langjähriger freier... und persönlich muss ich sagen: beides hat so seine vor- und nachteile...welche überwiegen ist wohl eher eine individuelle entscheidung... aber was den umgang und die arroganz angeht, da haben einige festangestellte noch viel zu lernen....

  • Klartext

    04.02.09 (19:13:58)

    Als langjähriger Leiter mehrerer Zeitungsredaktionen erlaube ich mit ein paar Anmerkungen: 1. Nicht jeder, der einen PC besitzt, ist zum Journalismus befähigt. 2. Ja, es gibt viele Redakteure (so nennt man die Festangestellten!), die ihr Handwerk nur unzureichend beherrschen. Aber sie haben immerhin bei der Auslese (Volontariat, Anstellung) obsiegt. 3. Es gibt wenige Freie, die es freiwillig sind. Meist hat es eben zum Redakteur nicht gereicht. Oft nicht einmal zu einem Volontariat. 4. Ein Redakteur muss mehr können, als zu fabulieren, was ihm gerade so durch den Kopf geht. Das reicht für Blogs etc., aber eben nicht für ein Produkt, das an kritische Kunden verkauft werden will.

  • Tenrix

    04.02.09 (19:30:53)

    REITZ 2 (WAZ) – Kein Ende des Madenwerks. http://jakobswege.wordpress.com/2009/02/04/reitz-2-waz-%e2%80%93-kein-ende-des-madenwerks/

  • QuattroFormaggi

    05.02.09 (10:07:54)

    Aber sie haben immerhin bei der Auslese (Volontariat, Anstellung) obsiegt. 3. Es gibt wenige Freie, die es freiwillig sind. Meist hat es eben zum Redakteur nicht gereicht. Oft nicht einmal zu einem Volontariat. Das wird es sein: alle Freien sind Versager. Überrascht es mich, dass man unter den Festen so von uns gedacht wird? Nö. Spüre ich jeden Tag. Wird es mich überraschen, wenn in - sagen wir 5 Jahren - es kaum noch Feste geben wird, ihr davon erzählen werdet, wie TOLL es doch ist als Freier? Auch nö.

  • Schreibgeschützt

    05.02.09 (11:08:21)

    Sehe es wie KLartext. Statt sich als zu kurz gekommen zu begreifen und in Selbstmitleid zu schwelgen, lieber den Arsch hochkriegen und was tun, um fest angestellt zu werden. Gerade dann, wenn man auch noch für Frau und Kind zu sorgen hat, oder halt gleich aufgeben und Hartz 4 beantragen. Jammern hat jedenfalls noch keinen vorwärts gebracht. Und geht es viel zu gut.

  • Freier Journalist

    05.02.09 (15:13:42)

    Man muss sich doch wundern, wie blöd manche hier sind: In den Redaktionen sitzen also die Stärksten, die im sozialdarwinistischen Sinne „fittest“, während das Heer der Freien verzweifelt und vergebens um ihr Überleben kämpft. Ich habe vor 17 Jahren drei Wochen in der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung verbracht. Den ersten Tag schlich ich voller Ehrfurcht durch die Heiligen Hallen, drei Wochen später stand fest: die kochen auch nur mit Wasser und was die können, kann ich schon lange. Also Studium fertig gebracht und angefangen, frei für Verlage zu arbeiten. Wie hier schon zur Genüge geschildert, ist es ratsam, auf mehreren Standbeinen zu stehen und vor allem realistisch zu verhandeln! Wer sich für jedes Honorar verdingt, dem ist nicht zu helfen. Das Wort „Nein“ gegenüber Auftraggebern kommt vielen nicht leicht über die Lippen, aber es ist auf Dauer absolut notwendig, sonst schreibt man irgendwann Briefe wie Anonymus. Heute bin ich mehr als froh, frei zu arbeiten: erstens weil Beruf und Familie sich leichter organisieren lassen und zweitens weil ich nicht jeden Tag gefrustete Redaktionsleiter und Geschäftsführer mit überzogenen Renditeerwartungen ertragen muss, die jammern wie schwer alles ist. Jammern hilft aber nicht! Das gilt auch für den Briefeschreiber, der das alles ausgelöst hat. Leider haben Journalisten und Makler etwas gemeinsam: Es sind keine geschützten Berufe und folglich kann jeder, der einen Stift in der Hand halten kann (oder einen PC mit Internetanschluss hat) sich Journalist nennen. Nur irgendwelche Blogs zuzumüllen macht nicht reich. Sich selbst zu vermarkten ist mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Arbeit, also Recherche und Schreiben. Wer das nicht kann, lebt wie oben beschrieben. Andernfalls ist es einer der schönsten Berufe der Welt.

  • question

    05.02.09 (16:30:13)

    @klartext: soso, die festangestellten haben also "obsiegt"? warum tummeln sich so viele seilschaften und verwandtschaften dann in den verlagen? so beispielsweise (chef)redakteure, die volontärinnen heiraten oder vernaschen? oder söhne von ehemaligen redakteuren in anderen redaktionen zwar, aber nicht selten im gleichen medienhaus? oder freundschaften aus schule und studium? etc.... kleiner denkanstoß für alle: kann es sein, dass das gegeneinander ausspielen von festen und freien nur den renditejägern und der verlagsleitung nutzt? offenbar haben die ihren machiavelli gründlicher gelesen als so mancher journalist ;-)

  • saunabiber

    05.02.09 (16:55:07)

    Du hast zwar Recht, wirst die Freien und Festangestellten aber niemals dazu bringen, solidarisch zusammen zu gehen, selbst wenn das in ihrem Interesse ist. Was der Grund ist, das die Verlage bereits gewonnen haben.

  • Eva Schweitzer

    05.02.09 (20:39:27)

    "Du hast zwar Recht, wirst die Freien und Festangestellten aber niemals dazu bringen, solidarisch zusammen zu gehen, selbst wenn das in ihrem Interesse ist. Was der Grund ist, das die Verlage bereits gewonnen haben." Freie und Festangestellte sitzen auch nicht in einem Boot. Offenbar leben Sie als Freier in dem Wahn, Sie seien Aushilfsredakteur. Das sind Sie nicht. Redakteure sind, als Abnehmer, unsere Kunden, wir sind die Lieferanten. Die Redakteure wollen fliegen, Sie sind der Fluglinienbetreiber, und Sie müssen dafür sorgen, dass alle Sitzplätze ausgebucht sind, dass die Extras Sie wenig kosten und dass möglichst viele Kunden ein Upgrade in die Business Class anstreben. Das machen Sie, indem Sie in der Business ein gutes Angebot haben, Redakteure mit einem guten Meilenkonto bevorzugen, und die Economy Class immer ein bisschen überbuchen. Wenn Sie im Zweifel sind, immer fragen: Was würde British Airways tun?

  • saunabiber

    05.02.09 (20:58:24)

    British Airways? Sind das nicht diejenigen, die ihren Mitarbeitern Spartipps mit auf den Weg geben? Die wie alle anderen ausgelaugt sind von einem Preiskrieg, weil die Kunden in der Hauptsache billig fliegen wollen? Trotzdem, gute Idee, ich frage mich was die machen würden und mache dann das Gegenteil.

  • Eva Schweitzer

    06.02.09 (00:26:41)

    "Sind das nicht diejenigen, die ihren Mitarbeitern Spartipps mit auf den Weg geben? " Genau. Und Sie sollen nicht versuchen, sich vorzustellen, Sie seien eine Stewardess bei British Airways, sondern, dass sie die Airline selber sind. Genauso wir allen anderen haben die Probleme, es sind ja gerade harte Zeiten, das ist aber eine der Linien, die überleben wird. Sie können sich natürlich auch vorstellen, Sie seien eine Airline, die nur so aus Jux Upgrades gibt, Übergepäck kostenlos mitnimmt, Champagner in Coach ausschenkt und dem Bodenpersonal einmal im Jahr einen Sonderurlaub spendiert. Ich glaube aber nicht, dass das weit führt.

  • fyfield

    06.02.09 (10:18:51)

    die zeiten sind immer hart, wenn es um personalkosten geht, außer es betrifft die chefetage, die diese harten zeiten verkündet. nichts drückt die löhne, gehälter und honorare so gut wie die angst, den arbeitsplatz zu verlieren. man kann muss sich entscheiden zwischen billig und gut, zwischen flugsicherheit und qualitätsjournalismus. ich plädiere in beiden fällen für zweites.

  • Klartext

    06.02.09 (10:48:26)

    So, so. Redakteure sind also Freie, die es mit Beziehungen in die Festanstellung geschafft haben. Beispiele, Belege? Fehlanzeige. Das ist das übliche Opfergehabe, um von den eigenen Defiziten abzulenken. Und wenn so wenig genügt, um in die Chefetagen zu kommen: nur zu! Beweist es! Nur nebenbei: Wer sich für einen Journalisten hält, sollte wenigstens die deutsche Sprache beherrschen. Das ist das Grundhandwerkszeug für diesen Beruf.

  • saunabiber

    06.02.09 (13:36:39)

    @Klartext: Beispiel gefällig? Bei euch bloggen die Mutter und der kleine Bruder von einem Redakteur. Noch Fragen?

  • Eva Schweitzer

    06.02.09 (16:20:39)

    "man kann muss sich entscheiden zwischen billig und gut, zwischen flugsicherheit und qualitätsjournalismus. ich plädiere in beiden fällen für zweites." Offen gestanden, wenn ich die Wahl habe zwischen einer No-Frills-Linie, die sicher ist und deren Flugzeuge nicht abstürzen und einer, die kostenlos Champagner ausschenkt, die Sitze mit Samt bespannt und wo die Stewardessen aussehen wie Models.....

  • saunabiber

    07.02.09 (09:33:04)

    ... dann nehme ich die mit den Model-Stewardeusen!

  • Bender

    07.02.09 (20:49:08)

    Amüsante Diskussion unter Rabenvögeln, denkt man. 2100 Euro Bretto für Nutto ist nicht viel, aber etwas Holz. Wenn das nicht ausreicht, sollte man sich ein anderes Standbein suchen und nicht weterhin einen toten Gaul reiten.

  • question

    10.02.09 (09:42:14)

    @klartext: ein blick in so manches impressum müsste als beweis genügen... wer lesen kann ist klar im vorteil "herr klartext" ;-) PS: offenbar lasen Sie auch meinen text nicht richtig, denn ich schrieb nie, dass festangestellte redakteure zuvor als freie tätig waren... kleiner praktischer tipp an Sie: nicht nur die buchstaben (angesichts des fehlenden verständnisses auf beiden seiten auch schwer vorstellbar)eines textes anschauen, sondern auch den inhalt verstehen! ;-)

  • Lektor

    12.02.09 (14:59:52)

    Jammern zählt nicht. Wer mit seiner Lebenssituation dauerhaft unzufrieden ist, sollte sich bemühen, daran etwas zu ändern. Es steht ja jedem Schreiberling frei, sich wieder eine Festanstellung zu suchen oder sein Tätigkeitsfeld zu erweitern. Das Internet bietet großartige Möglichkeiten in diesem Bereich. Nicht nur in der Wirtschaft bedeutet Stillstand den Untergang. Das gilt für alle, die sich viel zu lange auf ihren Lorbeeren ausruhen und der Meinung sind, dass sie sich mit 2 Artikeln pro Woche für das Schlumpfhausener Tageblatt über Wasser halten können.

  • Sophosaurus

    15.02.09 (23:03:22)

    Gelöscht. Offtopic, verleumderisch. Herr- und Damschaften: In diesem Thread geht es inhaltlich um die Situation der Freien Journalisten. Da es sich dabei offensichtlich um ein emotionales Thema handelt, erlauben wir uns ab sofort eine etwas strengere Hand bei der Moderation der Kommentare. Im Übrigen: Wer uns unterstellt, Bösartigkeiten und Angriffe gegen dritte eher zu dulden als gegen uns oder gar die negative Stimmung zu schüren, liest medienlese.com ganz offensichtlich noch nicht lange. Peter Sennhauser

  • Sophosaurus

    16.02.09 (09:56:21)

    [Edit: Gelöscht - sowohl die hier ausgesprochene Androhung als auch eine zu Recht kritisierte Passage eines älteren Kommentars.]

  • Essentials

    22.02.09 (10:49:13)

    @Lektor: Genau, das ist so einfach, wie du meinst. Wer arbeitslos ist, sucht sich eben einen Arbeitsplatz. Du solltest Bundeskanzler werden und die Welt retten.

  • Schnarchtasse

    15.04.09 (19:03:57)

    Schwelm. Bei der Anhörung zur Mediensituation im Ennepe-Ruhr-Kreis gestern Abend (am 31. März) im vollbesetzten Sitzungssaal im Kreishaus in Schwelm wurde auch die Bezahlung der freien Mitarbeiter der vier Zeitungstitel der WAZ-Mediengruppe diskutiert. „Die Honorarsätze, zu denen wir freie Mitarbeiter beschäftigen, sind in der Tat abenteuerlich”, sagte der Chefredakteur der Westfälischen Rundschau, Malte Hinz. „Wir werden zukünftig einmal über eine andere Verteilung der Honorarmittel nachdenken müssen”. Ganz ähnlich äußerte sich Bodo Zapp, der Chefredakteur der Westfalenpost. „Was wir zahlen, ist allenfalls ein Zubrot, von unseren Honoraren kann kein freier Mitarbeiter leben”. Quelle: http://www.medienmoral-nrw.de/2009/04/bezahlung-der-freien-mitarbeiter-abenteuerlich/#more-979

  • Abraham

    11.07.09 (06:25:55)

    Ja, ein Zubrot zu Hartz IV!

  • Stirnrunzel

    24.03.10 (11:58:24)

    Habe zehn Jahre als Pressesprecherin in einem Unternehmen und später als Freie Journalistin gearbeitet. Hatte in den Redaktionen mit den gleichen Ansprechpartnern zu tun. Erfahrung als Pressesprecherin: Die Freien waren häufig sehr professionell und höflich, die Kollegen in den Redaktionen teilweise sehr überheblich. Man wurde dort als Pressevertreterin eines Unternehmens mitunter pauschal als "PR-Tussi" und als Bittsteller abgestempelt, obwohl man im Vergleich zu manchem Redakteur eine höhere fachliche Qualifikation und ein tieferes Wissen zu Themen einer Branche verfügt und ebenfalls als Journalist gearbeitet hat. Gern genommen wurden dann aber doch - selbstverständlich ohne Honorar - Fachbeiträge der "PR-Tussi"... Auch die Anzeigenabteilung stand schnell auf der Matte... Die Denkweise auf Unternehmensseite: Wenn ein Unternehmen für eine Redaktion nicht interessant ist, warum sollte es dann das Medium werblich für ein Unternehmen sein? Die Unternehmen werden diese Denkweise auch dann nicht ändern, wenn sich Redakteure reihenweise darüber beschweren. Dann die Erfahrung als Freie: Einige Redakteure waren sehr offen, da sie um Kontakte und Branchenerfahrung wussten. Andere versuchten, weniger oder kein Honorar zu zahlen mit der Begründung, man wäre ja kein Journalist... Fazit: In keinem Unternehmen habe ich bislang einen derartigen Futterneid und eine Missgunst auch der Kollegen untereinander erlebt wie unter Journalisten. Auch der überhebliche Umgang vieler Journalisten mit PR-Kollegen in Unternehmen und Agenturen ist mir bis heute unverständlich. Fachkräfte in Unternehmen, am Ende ja die Leser redaktioneller Beiträge in Fachmedien, beschweren sich zunehmend, dass Redakteure keine Ahnung vom Thema haben und die Artikel uninteressant finden. Interessanterweise interessiert sich kaum eine Redaktion für dieses Feedback, dass PR-Vertreter aus Unternehmen durchaus geben könnten...

  • ShannonWilder21

    20.07.10 (12:08:40)

    If you're in a not good position and have no cash to go out from that point, you would require to take the business loans. Because it should help you definitely. I take consolidation loans every time I need and feel OK because of this.

  • ak

    20.07.10 (12:33:26)

    Sir, rubbish talk makes lot of rubbish ... ak July 2o, 2010

  • Ilka

    14.08.10 (08:45:54)

    Die Hälfte der Sozialabgaben zahlt doch die KSK!

  • Ilka

    14.08.10 (08:47:43)

    Es soll ja auch Singles geben, die freiberuflich tätig sind und kein zweites Einkommen haben. Die haben es noch schwerer zu überleben.

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