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03.02.09Leser-Kommentare

Offene Antwort: Vom Glück eines freien Journalisten

Die Freiberuflichkeit hat viele Vorteile – findet Don Dahlmann und hat gute Argumente gegen eine Festanstellung. Außerdem gibt's fünf Tipps für angehende freie Journalisten.

Von Don Dahlmann

Der Wohlfühlfaktor: Bloß kein Großraumbüro (iStockphoto)

Ich bin seit vielen Jahren freier Journalist und lebe ohne Festanstellung. Angefangen habe ich in den neunziger Jahren, wie so viele neben dem Studium. Dann folgten ein paar Jahre in verschiedenen Firmen, aber auch immer wieder unterbrochen von Phasen, in denen ich wieder solo unterwegs war. Meine letzte Festanstellung habe ich 2001 gekündigt. Freiwillig. Ich kann die Klagen des Kollegen an dieser Stelle nachvollziehen.

Ich kenne mich also aus in Sachen Freiberuflichkeit. Ich kenne die Probleme mit der Steuer, mit nicht- oder nur schleppend zahlenden Kunden, mit plötzlich versiegenden Geldquellen, mit abartig niedrigen Löhnen. Ich war vor ein paar Jahren mal ein paar Monate nicht krankenversichert, Urlaub gibt es selten, aber ich bin fast nie auf die Kollegen in den Redaktionen neidisch. Denn die Freiberuflichkeit hat eine Menge Vorteile.

1. Als angestellter Journalist ist das Einkommen auch nicht sicherer

Redaktionen werden heute schneller verkleinert, als man "Einsparungspotential" sagen kann. Der Druck, der heute in vielen Redaktionen herrscht, unterscheidet sich auch nicht von dem, den man als Freiberufler hat. Wie sicher ist meine Stelle? Wird die Redaktion vielleicht aufgelöst, weil sie mit einer anderen zusammen gelegt wird? Das unterscheidet sich nicht von meiner Frage, wie flüssig meine Auftraggeber bleiben. Allerdings habe ich den Vorteil, dass ich mein Risiko auf verschiedene Arbeitgeber verteilen kann. (Siehe unten bei den Tipps)

2. Keine Kollegen

Meine Erfahrungen mit Arbeitskollegen sind, bis auf einen Fall, allesamt schrecklich. Der oben beschriebene Druck verstärkt die Hackordnung in den Büros noch stärker. Ich habe mal als Berater in der Redaktion einer großen Tageszeitung gesessen und was mir da an Intrigen, Lügen und Kampf begegnet ist, war schon erschreckend. Mindestens einmal die Woche sah ich eine heulende Kollegin, man beobachtete sich misstrauisch und wenn das Gerücht aufkam, dass der Verlag Leute entlassen würde, ging es in den Konferenzen mit gegenseitigen Vorwürfen richtig zur Sache.

3. Niemand kann mir vorschreiben, welche Themen ich bearbeite

Ich suche mir meine Themen selber aus, ich kann sie danach gewichten, ob sie mich interessieren, oder nicht. Ich bin ehrlich genug, dass ich auch weiß, dass dies nicht immer der Fall war und sein wird. Man nimmt auch mal Jobs an, die einen kaum bis gar nicht interessieren, die aber gutes Geld bringen. Aber es ist immer meine freie Entscheidung. Ich muss mir nicht sagen lassen, was ich nun zu tun oder zu lassen habe. Ich kann wundervoll viele Bereiche bearbeiten, die mich interessieren. In meinem Fall sind dies unter anderem Literatur, das Netz, Gadgets, Motorsport, Fotografie und Werbung.

4. Ich kann mir meine Zeit selber einteilen

Ich muss nicht um 8.30 Uhr in einem Großraumbüro sitzen, ich muss nicht meine Zeit bis 19 Uhr absitzen, auch wenn ich mal weniger zu tun habe. Niemand beobachtet mit skeptischen Blick meine Arbeitszeit. Das bedeutet nicht, dass ich erst um 11 Uhr aufstehe, um mich mal an meinen Schreibtisch zu bequemen. Normalerweise stehe ich um 7.30 Uhr auf, aber es macht auch nichts, wenn es mal später wird. So lange ich meine Abgabetermine einhalte, interessiert es keinen Menschen, wann ich aufstehe und meinen Artikel schreibe. Das bedeutete auch, dass ich im Sommer mein Notebook nehmen kann um in den Park oder ein Café zu gehen. Oder auch mal gar nichts mache.

5. Ich kann arbeiten, wo ich will

Meine Lebensgefährtin wohnt im Rheinland und wenn es mit den Terminen passt, kann ich auch mal zwei Wochen zu ihr fahren. Was ich zum arbeiten benötige sind ein Internet-Anschluss, ein Notebook und ein Telefon. Und so habe ich schon ein paar Wochen aus Los Angeles oder Paris gearbeitet.

6. Der Wohlfühlfaktor

Im Sommer ist die Flügeltür zum Balkon auf, ich höre das Stimmengewirr aus den Cafés unter mir. Ab und zu kommt ein Freund vorbei und wir setzen uns auf den Balkon, auf meinem Schreibtisch steht ein Fernseher, wenn ich Lust habe, drehe ich die Musik auf, meine Katze legt sich auf mein Mauspad und lenkt mich von der Arbeit ab.

Das klingt nicht nur alles sehr sehr entspannt, das ist auch (oft) so. Ich verschweige nicht, dass es Dinge gibt, die manche als Nachteile bezeichnen würden. Zum Beispiel arbeite ich meist sechs Tage die Woche. Die Bürozeiten, in die ich in meinem Blog unter Kontakt angegeben habe, sind kein Scherz. Den letzten Sonntag habe ich mit zehn Stunden Arbeit verbracht. Wenn ich den Urlaub fahre, arbeite ich regelmäßig, wenn auch sehr eingeschränkt. Da ich auch noch Schulungen gebe, bedeutet das für mich, dass ich entweder nach der Schulung meine normale Alltagsarbeit abliefern muss, oder ich muss sehr viel vorarbeiten. Das gilt natürlich auch für den Fall, wenn ich in den Urlaub fahre.

[box align="right"]Vom Neid auf die Festangestellten: Anonym wurde uns ein offener Brief geschickt. Darin beschreibt offenbar ein freier Journalist seine berufliche und finanzielle Situation. Er gibt zu: Auf die angestellten Kollegen ist er neidisch.[/box]Für mich sind das alles aber keine Nachteile. Ich habe mein Hobby mehrfach zum Beruf gemacht. Zum einen damit, dass ich überhaupt schreibe, zum anderen damit, dass ich die Themen, die mein Hobby waren, als Arbeitsfeld ausgesucht habe. Ich habe aufgehört, Arbeit und Freizeit zu trennen, weil ich es kaum noch trennen kann. Der alte Arbeitsbegriff, dass man irgendeine Arbeit annimmt, sein Geld verdient um dann Freizeit zu haben, funktioniert bei mir nicht mehr, weil alles ein fließender Übergang ist. Wenn ich nicht für neuerdings.com oder andere Seiten schreibe, dann schreib ich halt was für mein eigenes Blog, oder verfasse einen Eintrag wie diesen hier. Und wenn ich gerne weniger arbeiten würde, dann nur aus dem Grund, weil ich dann neue Projekte angehen könnte. Der Trick ist wahrscheinlich, dass ich das, was ich mache, nicht als Arbeit, sondern als Spaß ansehe.

Es gibt allerdings ein paar Dinge, die man als Freiberufler beachten sollte. Da ich regelmäßig angehende Journalisten schule, bereite ich diese auch auf eine Freiberuflichkeit vor und geben diesen unter anderem folgende Tipps:

1. Verlass Dich nicht nur auf einen Arbeitgeber

Es mag bequem sein und eventuell auch weniger Arbeit machen, wenn man nur einen großen Auftraggeber hat, aber das kann schnell in die Hose gehen, wenn dieser plötzlich die Zusammenarbeit kündigt. Man sollte lieber für mehrere Auftraggeber arbeiten, weil man so das Risiko abfedern kann. Die Chance, dass innerhalb von vier Wochen drei Auftraggeber kündigen ist relativ gering, die Lücke, die eine Absage reißt, wird dadurch auch nicht zu groß.

2. Suche Dir einen "Butter und Brot"-Job

Am besten rechnet man die laufenden Kosten durch und schaut, was man im Leben als Minimum braucht. Minimum meint: Miete, Krankenkasse, Versicherungen und ein paar Euro für das Essen. Für diese Summe sollte man sich einen sicheren Auftraggeber suchen. Besser zwei.

3. Halte die laufenden Kosten niedrig

Als Journalist muss man immer mit finanziellen Engpässen rechnen. Also ist es sinnvoll, wenn man die laufenden Kosten niedrig hält und sich ein Polster zulegt, von dem man mindestens ein Quartal leben kann. Also lieber keine teure Leasingraten für ein Auto, wenn man sie nicht mit einem "Butter und Brot"-Job decken kann. Auch wenn man als Journalist viel absetzen kann - Geld, dass man absetzen will, muss man erst ausgeben können. Ach ja – man sollte sich einen Steuerberater suchen. Man spart Geld, Zeit und Nerven.

4. KSK-Mitglied werden

So bald man eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse beantragen kann, sollte man das machen.

5. Spaß haben

Schreibe über das, was Dir Spaß macht, suche die Themen, die Dich interessieren, aber über die kaum bis wenig geschrieben wird. Es ergibt keinen Sinn, wenn man über Dinge schreibt, nur weil sie gerade aktuell erscheinen, man selber sich aber nicht die Bohne dafür interessiert.

Die Freiheit, dass ich in einem gewissen Rahmen, der eingeschränkt ist durch die üblichen Verpflichtungen wie Miete, Essen usw., entscheiden kann, wann und wie viel ich arbeite, ist mir sehr viel wert. Dafür verzichte ich gerne auf manch andere Dinge, die das Leben eines Angestellten verbessern. Es ist nicht so, dass ich mir nicht vorstellen könnte, festangestellt zu sein, aber den Wegfall der mir wichtigen persönlichen Freiheiten würde ich mir sehr, sehr, sehr gut bezahlen lassen wollen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Thinkabout

    03.02.09 (08:21:29)

    Lieber Don Immer wieder fällt mir auf, wie Deine Spuren im Netz auch davon geprägt sind, wie sehr Du in Deiner beruflichen Situation zufrieden bist. Das ist erarbeitet, keine Frage. Und es kommt angenehm unanmassend daher. Etwas möchte ich noch anfügen, was mir in der Schilderung des anonymen Briefs auffällt und in Situationsberichten freier Journalisten, die ich kenne, immer wieder durchscheint: Die Behandlung administrativer Vorgänge im Zusammenhang mit der Abrechnung von Leistungen freier Journalisten: Sie ist ein Skandal. Es ist unglaublich, wie oft ganz offensichtlich Saläre eingefordert werden müssen, Exklusivität reklamiert wird, wo sie nicht vereinbart wurde, Repression aufgesetzt wird, etc. Hier schadet am Ende eine Redaktion dem eigenen Berufsstand, denn es geht um die Missachtung der gleichen Art Leistung, von der man selbst abhängig ist.

  • georgM

    03.02.09 (09:04:03)

    Ist es nicht gefährlich Leben/Freizeit/Arbeit zu verwischen? Ich höre öfters von Leuten, die es so handhaben und nach einigen Jahren explodieren weil sie das nicht mehr trennen können. Es ist schön zu lesen, dass es auch anders gehen kann, wie im beschriebenen Fall. Eine Portion Glück zum Arbeitseifer wird wohl auch dazu gehören.

  • Marc

    03.02.09 (09:41:35)

    Dass sich Leben/Freizeit/Arbeit verwischen kann auch ärgerlich sein. Egal wo ich bin, denke ich an eine mögliche Geschichte, wenn ich was sehe. Neulich guckte ich auf einer Illustratoren-Ausstellung vorbei und promt schaute ich, wo die wohnen und wie man das auf den Stadtteilseiten eines Kunden unterbringen kann. Und so geht das immer. Andererseits ist die Unabhängigkeit nicht zu verachten, gerade mit Blick auf "Redaktionen werden heute schneller verkleinert, als man 'Einsparungspotential' sagen kann." Wenn ich irgendwo acht Stunden täglich anwesend sein muss, habe ich keine Zeit nach anderen Stellen zu suchen, bzw. kann das nicht offen zeigen und auch nicht mal eben irgendwo anrufen.

  • Mara

    03.02.09 (09:58:35)

    Die beiden Schilderungen kommen mir aus einer anderen Berufsgruppe so bekannt vor. Mit allen Vor- und Nachteilen. Man kann sich die Kunden aussuchen, wenn man genügende hat, man muss sich nicht mit Kollegen in Hahnenkämpfen austoben, hat aber auch niemanden den man mal schnell über den Flur hinweg fragen kann... Als Selbständige kann man die Freiheiten erst dann geniessen, wenn man die damit zusammenhängenden Unsicherheiten auch ertragen kann.

  • DonDahlmann

    03.02.09 (11:02:32)

    Die Verwischung von Arbeit und Privatem kann problematisch sein, dass will ich nicht bestreiten. Man muss einerseits aufpassen, dass man auch mal Pausen einlegt, andererseits ist es aber auch so, dass das, was mit Spaß macht, weniger als Arbeit wahrgenommen wird. Der Begriff "Arbeit" hat in vielen Bereichen eine negative Konnotation. Es klingt "schwer", es klingt nach Zwang. Ich will nicht behaupten, dass ich jeden mit gleich großer Freude vor meinem Rechner sitze, aber im Grunde bin ich wirklich zufrieden und mehr als 80% meiner "Arbeit" erscheint mir eben nicht immer als "Arbeit". Als wichtig habe ich dabei aber immer die Tatsache gefunden, dass man nicht jahrelang immer über ein, bzw. wenige Themen schreibt.

  • Björn

    03.02.09 (12:07:34)

    Hallo Don, sehr schönes Statement zum Glück des Freien, das ich mir gerne zum Leitbild für die Zukunft mache. Der Weg dahin, bis man die Vorteile wirklich zu spüren bekommt, scheint mir allerdings mit einiger Mühe und vielleicht einem Quäntchen Glück verbunden. Aber nach deinen Schilderungen loht es sich wahrscheinlich, auch die eine oder andere Durststrecke zu überwinden, um in den Genuss zu kommen, seine Zeit Personen/Themen/Arbeiten wimen zu können, die man gerne hat.

  • Ulrike Langer

    03.02.09 (12:21:30)

    Super, ein sehr gute Replik auf ”Vom Neid auf die Festangestellten". Stimme in allen Punkten zu und ergänze noch einen weiteren: Ebenso wichtig wie eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (und der VG Wort!) ist auch eine Mitgliedschaft im neuen Verband Freischreiber . Der erste Verband, in dem sich nach dem Vorbild von Freelens freien Journalisten als freie Unternehmer zusammentun. Gewerkschaftsunabhängig.

  • Michael

    03.02.09 (12:52:17)

    Der große Unterschied zwischen der ursprünglichen Unmutsbekundung und diesem Festbrief auf die Freiberuflichkeit liegt in meinen Augen in der familiären Situation der beiden Schreiber. Wenn nämlich noch Kinder dazukommen, die regelmäßig gefüttert und eingekleidet werden wollen, auf Schulwochen mitfahren sollen und ab und zu auch ein Spielzeug verdienen, dann werden Vorteile wie "die Katze legt sich aufs Mauspad" und "Stimmengewirr aus den Cafes" ganz schnell uninteressant, denke ich mir. Neben der finanziellen Einschränkung kannst du dann auch nicht mehr arbeiten wo du willst und wann du willst. Nur meine Meinung, der ich kinderlos bin und Ende letzten Jahres die Freiberuflichkeit gegen eine lukrative Festanstellung getauscht habe (mit der ich auch nicht zu 100 % zufrieden bin, weil es eben in der Werbebranche ist und nicht im Journalismus.)

  • Thinkabout

    03.02.09 (13:20:12)

    Was mir an dieser Diskussion gefällt, sind die Hinweise auf die Kunst, Arbeit und Freizeit im Gleichgewicht halten zu können. Und dabei möchte ich auf einen Umstand hinweisen, der auch ohne Kinder ungemein wichtig ist: Zum glücklichen Freiberuflichen gehört ein Umfeld, das ihn trägt und in diesem Gemenge zwischen Privat und Beruf den ganzen Menschen erkennt, es ihm gönnt und mit ihm teilt, was immer möglich ist.

  • Ulrike Langer

    03.02.09 (13:30:51)

    @Michael Die Trennlinie zw. gerne frei = kinderlos und lieber mehr Sicherheit = Kinder im Spiel mag zwar häufig so verlaufen, aber nicht zwingend. Ich lebe und arbeite genau wie Don Dahlmann (außer dass ich mir und dem Familienleben zum Ausgleich für 12-Stunden-Tage und durchgearbeitete Wochenende viel mehr Urlaub gönne!).Ich habe zwei Kinder (9 und 6). Mein Mann ist ebenfalls selbständig (=lange Arbeitstage). Ich gebe aber zu, dass es hilft, wenn nur einer in der Familie in der prekären Branche freier Journalismus arbeitet...

  • Jürgen Bräunlein

    03.02.09 (16:43:10)

    Worin ich persönlich ein Problem sehe, das sich meiner Meinung nach auch leider noch verschärfen wird: Freie Journalisten sind immer gezwungen, berufsfremde Aufgaben zu übernehmen. Vor allem dann, wenn sie nicht fürs Fernsehen arbeiten, wo immer noch am besten bezahlt wird. So kenne ich kaum einen freien Journalisten im Printbereich, der nicht auch als Texter arbeitet, oft im PR-Bereich - genau, weil dort deutlich besser bezahlt, obwohl die "geleistete" Arbeit in der Regel anspruchsloser ist. Das greift nicht nur unter Umständen die journalistische Unabhängigkeit an, es ist bei vielen auch nicht das Ziel gewesen, mit dem man einst Journalist geworden ist. Ich arbeite seit 20 Jahren als Journalist - habe auch mehrere Baustellen - und muss einfach sagen, dass sich die Möglichkeiten journalistisch im guten, klassischen Sinne zu arbeiten, deutlich verringert haben. Insofern finde ich den diskutierten "Offenen Briefs" eines freien Journalisten so falsch nicht. Wenn im Journalismus - vor allem im Printbereich - gespart wird und das ist ja der Fall, trifft es die Freien zuerst. Nein, ich möchte nicht (mehr) angestellt sein, bin aber umgekehrt doch überrascht von der Mentalität vieler Festangestellten. Ich kenne einige, denen gekündigt werden sollte und sie wollten nicht, und hatten am Ende Abfindungen erzielt, von denen ich nur träumen kann.. doch deren Angst, auf einmal "frei" zu sein, war offenbar so überirdisch, dass sie sich selbst diverse Demütigungen gefallen ließen und um keinen Preis gehen wollten... Und was ich auch erlebt habe: Freie Journalisten, die ihre berufliche Situation über alle Maßen glorifizierten, und dann die ersten waren, die gierig nach einer Festanstellung grabschten.. Herzlichst jueb

  • Jürgen Bräunlein

    03.02.09 (16:50:46)

    PS: Eine Korrektur: Mein zweiter Satz muss heißen: "Freie Journalisten sind immer häufiger gezwungen, berufsfremde Aufgaben zu übernehmen."

  • Eva Schweitzer

    03.02.09 (20:09:21)

    Frei zu sein hat Vor- und Nachteile. Was man aber auf gar keinen Fall tun darf, ist, formal frei zu sein, tatsächlich aber so zu arbeiten wie ein Angestellter und von nur einem einzigen Auftraggeber abhängig zu sein, also quasi Redakteur auf Zeilengeld zu sein. Frei zu sein macht nur Sinn, wenn man sich tatsächlich unter verschiedenen Auftraggebern aussuchen kann, was man tut. Nach meiner Beoabachtung steht und fällt der Erfolg damit, ob man Redakteur/Ressortleiter hat, mit denen man gut klar kommt, daher sollte man immer mit mindestens zehn, wenn nicht mit noch mehr Redakteuren zusammenarbeiten, damit man, wenn einer krank wird, mies drauf kommt oder entlassen wird, immer genug Reserven hat. Generell sollte man sein Geschäft so führen wie British Airways: Gute Redakteure bekommen Frequent Flyer Status und werden bei der Auftragsannahme und Erledigung bevorzugt, mittlere werden in die World Traveller Class abgeschoben, schlechte müssen StandBy fliegen, d.h. Aufträge werden erst aufgenommen, wenn das Layout schon steht und nichts mehr schief gehen kann. Und das alles natürlich so intransparent wie möglich, damit ja niemand einfach so ein Upgrade verlangen kann.

  • Ulrike Langer

    03.02.09 (21:11:52)

    @Eva: Auftraggeber in First /Business / Economy zu unterteilen, gefällt mir. Inituitiv machen das wohl viele so, aber mit dieser Symbolik fällt es einem noch leichter, was die Geschäftsstrategie sein sollte :-)

  • Jakob Vicari

    03.02.09 (21:54:44)

    @Jürgen Bräunlein: Ich glaube nicht daran, dass freie Journalisten heute häufiger gezwungen sind, berufsfremde Aufgaben zu übernehmen. Das wäre so, als würde man behaupten, Soziologen müssten jetzt-immer-häufiger häufiger Taxi fahren. Ich glaube Journalisten haben immer schon nebenbei als Texter, Schriftsteller, Ghostwriter, Redenschreiber gearbeitet. Schlagt mich, aber ich halte den Spruch "Die Bedingungen werden immer schlechter" für einen typischen Effekt der individuellen Erwerbsbiographie. Ja, die Arbeitsbedingungen sind in vielen Bereichen schlecht, aber das waren sie doch früher auch schon. Das zu ändern, daran sollten wir arbeiten.

  • Peter Sennhauser

    03.02.09 (23:49:26)

    @Jacob Vicari: Es sind nicht nur die freien Journalisten, deren Job sich ändert. Das an sich ist nicht zu beklagen, es ist eine Erscheinung jeden Strukturwandels. Wie häufig sich aber im Aufgabenprofil für die Ausschreibung von von Redaktionsstellen inzwischen der Satz findet "Sie verfassen gelegentlich Publireportagen und PR-Texte", das spricht Bände. Offensichtlich verändert der Strukturwandel auch die (Rest-) Ethik eines ganzen Berufsstandes.

  • Robert Unhold

    04.02.09 (09:01:04)

    Wer nichts wird, wird Wirt Wer immer noch nichts wird, wird Betriebswirt Ist auch das wieder grosser Mist dann wird man Journalist1

  • Jürgen Bräunlein

    04.02.09 (09:13:28)

    @Jacob Vicari: Ich muss vielleicht etwas präzisieren. Was Journalisten als Pr-Texter machen ist nur im engeren Sinne berufsfremd, denn eigentlich können sie auch hier einen Großteil ihres journalistischen Knowhows gewinnbringend einsetzen (Wesentliches knackig auf den Punkt bringen, Infos schnell verarbeiten usw.) So hinkt dann der Vergleich mit dem Soziologen, der Taxi fährt. Aber meines Wissen arbeiten selbst Soziologen und Politologen mittlerweile häufig für irgendwelche Unternehmen, wenn es um Markterhebungen und ähnliches geht. Also rücken auch sie ein Stück weit von ihrem ursprünglichen Berufsfeld ab. Aber ich glaube Soziologen hatten es schon immer eher schwer eine adäquate Arbeit zu finden - zumindest war das während meines Studiums so.

  • Jakob Vicari

    04.02.09 (09:40:22)

    @Peter Sennhauser: Verändert sich die gemeinsame Ethik oder kommen wir zu einer Aufspaltung in völlig sauber arbeitende und verseuchte?

  • Fred David

    04.02.09 (11:17:06)

    Ich möchte hier mal eine kleine Geschichte aus dem realen Leben erzählen: Ich bin seit 38 Jahren Berufsjournalist, habe viele Jahre in gut bezahlten Vollzeitstellen gearbeitet, war Auslandkorrespondent, "Spiegel"-Redakteur und kurze Zeit mal auch Chefredaktor der grössten Wirtschaftszeitung der Schweiz. Als solcher habe ich auch, ich bekenne es hiermit, schamlos Honorare von freien Journalisten gedrückt, weil ich den Controller ständig an der Kehle hatte. Die "Freien" waren die weichste Stelle. Also habe ich da gedrückt. Zwölf Jahre lang führte ich zwischendurch auch ein eigenes Büro als freie Journalist. Die meiste Zeit über ging es mir gut bis sehr gut. Ich kam ohne einen einzigen Rappen aus PR-Texten gut zurecht. Ich hatte allerdings auch mal eine Phase, in der ich nicht wusste, wie ich die nächste Wohnungsmiete für meine Familie bezahlen sollte. Kurz: Ich weiss recht genau, wovon hier die Rede ist Heute arbeite ich, nach vielen Jahre der Festanstellung, wieder als freier Journalist. Kürzlich habe ich dem Monatsmagazin "Cicero" in Berlin, für das ich gelegentlich arbeite, eine Geschichte über die Finanzkrise angeboten. Man war vom Stoff begeistert und bot nach Vorlage des Konzepts auf der Stelle vier Druckseiten zu 10 000 Zeichen an. Wo kriegt man das denn heute noch? Das Thema interessiert mich, es ist mir wichtig, ich schreibe die Story gern, auch wenn es einen enormen Zeitaufwand bedeutet. Ich werde mindestens eine Woche damit zu tun haben. Dabei sind die Bücher und das Material, das ich lesen muss, die Gespräche, Telefonate etc. die ich führe, nur sehr rundimentär berücksichtigt. Es ist ja ein Monatsmagazin mit Ansprüchen. Die will man ja erfüllen. Das Honorar brutto beträgt 850 Euro. Bin ich verrückt? Partiell schon. Der zuständige Redakteur, sehr fair, wir haben ein prima Arbeitsverhältnis, sagt: "Es ist leider das oberste, was ich zur Zeit bieten kann. Sie kennen ja die Verhältnisse." Allerdings. Dabei ist "Cicero" nur ein Beispiel, keine Ausnahme. Ich kann es machen oder auch lassen. Ich bin frei. Oekonomisch rechnet sich das keinesfalls. Ich mache es trotzdem, weil es mich reizt. Ich lege dabei finanziell drauf und muss halt gucken, wie ich das anderswo wieder ausbügle. Wenn überhaupt. Ich kann mir das leisten, weil ich mich der Pensiongrenze nähere und ich von daher anders kalkulieren kann. Nun ist es völlig unfair, hier die Bemerkung anzuschliessen, der Verleger von "Cicero" und weiterer 120 Zeitungs- und Zeitschriftentitel habe kürzlich gerade ein Rolls Royce Cornish Cabrio angeschafft, dessen Nachfolgermodell Phantom Dropehad Coupé bei 400 000 Euro Basispreis anfängt. Die Verhältnisse sind so wie sie sind. Aber ich glaube nicht, dass der Verleger von "Cicero", der vor vielen, vielen Jahren auch mal Journalist war, und zwar ein guter, heute weiss, unter welchen Bedingungen solche Geschichten zustande kommen. Bei dieser Bankengeschichte geht es u.a. um recht heikle Zusammenhänge, um viel, sehr viel Geld und man kann dabei sehr schnell die Bekanntschaft mit sehr teuren Anwaltskanzleien machen. Die Bankiers, über die ich schreibe, würden sich einen ablachen, wenn sie das mit den 850 Euro wüssten. Das ist eine Welt, die sie nicht kennen und die sie daher auch nicht ernst nehmen. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Ein Jungbanker frisch von der Uni würde als Consultant für diesen Betrag nicht eine Viertelstund schweigend und Däumchendrehend in einem Meeting sitzen. Um es klar zu machen: Das ist kein Gejamer und es geht nicht um Neid. Es geht um Realität. Journalisten sind heute kaum noch irgendwo in der Lage, ihrem Auftrag wirklich gerecht zu werden. Die notwendige journalistische Unabhängigkeit - und da hat Peter Sennhauser (s. 16) vollkommen recht - ist heute reine Illusion. Ich weiss kein Gegenrezept. Ich weiss nur: Hier läuft etwas ganz Grundsätzliches schief. Angesichts dessen ist die Frage "frei" oder "festsangestellt" nur eine Marginalie und keinesfalls matchentscheidend. p.s.Dem unbekannten "Freien", der hier auf "Medienlese" diese lesenwerte Debatte mit seinem anonymen Brief angestossen hat, sei herzlich gedankt

  • Medienjunkie

    04.02.09 (11:36:54)

    @ Fred David: Sie verdienen mit einem Artikel, an dem Sie eine Woche arbeiten, 850 Euro, und zahlen noch drauf? Vielleicht sollten Sie mal Ihren Lebensstandard überdenken. Ich glaube, zwei Drittel der freien Journalisten würden sich bei einem solchen Auftrag die Finger lecken. Wenn Sie jede Woche einen ähnlich bezahlten Auftrag haben, verdienen Sie im Monat mindestens 3400 Euro brutto. Nicht nur die meisten Freien, sondern auch ein Großteil der deutschen Gesamtbevölkerung träumt doch von so einem Monatseinkommen.

  • Ulrike Langer

    04.02.09 (12:12:49)

    @Medienjunkie Ein typischer Fehler von Nicht- freien Journalisten, bzw. nicht unternehmerisch denkenden freien Journalisten, die Honorarhöhe mit der Höhe des Einkommen zu verwechseln. Die 850 Euro sind der Umsatz, nicht der Gewinn. Davon gehen anteilmäßig erst einmal die laufenden Kosten ab (Büromiete, Telefongrundgebühr und zig andere Dinge), dann die konkreten Recherche- und Akquisekosten für diesen Auftrag (evtl. Reisekosten zu Gesprächsterminen, gekaufte Bücher, etc.) und dann sind wir erst beim Gewinn. Außerdem hat Fred David ja betont, dass eine Woche Arbeit sehr knapp kalkuliert ist. Und dann ist das Honorar nicht mehr so toll.

  • Fred David

    04.02.09 (13:40:12)

    @) Danke, Ulrike Lange, die Rede ist hier von rohestem Brutto. Die Nettorechnung sieht natürlich noch ganz anders aus. Ich habe in meinem gesamten Berufsleben noch nie auf die Stunden genau berechnet, was an Einsatz nötig war, wahrscheinlich, weil ich vor Schreck sonst sofort den Beruf hätte wechseln müssen, was ich dann letztlich doch wieder bedauern würde. Solche Stundenberechnungen machen nur Consultants oder Businessanwälte, deren horrende Stundenansätze von Medienhäusern übrigens anstandslos bezahlt werden, weil das halt schon immer so war. Ich habe solche Rechnungen selbst abgezeichnet und war heilfroh, dass sonst niemand in der Redaktion wusste, was ich da abgezeichnet habe, denn das hätte womöglich zu einem mittleren Aufstand geführt. Wie dem auch sei: Das Märchen, dass dies alles eben den Gesetzen des Marktes geschuldet sei, sollte man mal bei Gelegenheit hinterfragen. Wenn sich diese Frage viele Leute in vielen Branchen gleichzeitig stellen, hat man eine Revolution. Aber das ist dann wieder ein völlig anderes Thema.

  • Marc

    04.02.09 (14:58:37)

    Frage ist ja auch, was besser ist: Eine Woche rumsitzen und nichts tun oder 850 Euro für Recherche und Schreiben zu bekommen? Wenn es lohnendere oder interessante Angebote gäbe, würde Fred David sie wohl machen.

  • Alexandra Stark

    04.02.09 (15:56:20)

    Ich bin auch freie Journalistin und wundere mich immer mehr: Meine sogenannt journalistischen Auftraggeber zahlen nicht nur immer weniger, sie sind – aus Angst vor dem Verlust von Werbekunden – auch extrem vorauseilend vorsichtig geworden. Einige schreiben mir vor, wie die Geschichte zu laufen hat, mit wem ich reden muss und welcher Aspekt gleich weggelassen werden soll. Da frage ich mich schon, ob das noch Journalismus ist und ob die scharfe Abgrenzung journalistisches vs. PR, die wir Journalisten so gerne machen und über die wir uns definieren (und vor uns selber die ständige Flaute im Portemonnaie rechtfertigen), wirklich noch stimmt. Ich habe, um mir eine Weiterbildung zu finanzieren, die mich hoffentlich von diesen angsterstarrten Redaktionsleuten unabhängiger macht, angefangen, PR zu machen – ich schreibe in Kundenmagazinen grosser Unternehmen mehrseitige Reportagen. Es hat mich doch sehr erstaunt zu sehen, dass ich da viel die grösseren Freiheiten habe: Ich kann nicht nur Themen vorschlagen, ich bekomme Platz und vor allem Zeit zum Recherchieren, etwas, was ich im «normalen Journalismus» nur habe, wenn ich es selber finanziere), ich werde anständig bezahlt und die Texte werden nur leicht redigiert. Ich frage mich langsam, was ehrlicher ist: Eine schöne Reportage für ein Kundenmagazin einer Privatbank zu schreiben, wo der Absender ganz klar erkennbar ist (nämlich die Bank) oder für eine grosse Tageszeitung (landläufig der Inbegriff für journalistische Unabhängigkeit) ein Interview mit einem Firmenboss zu machen, wo der Chefredaktor den expliziten Auftrag gibt, keine kritische Fragen zu den Arbeitsbedingungen zu stellen (die Frage wurde trotzdem gestellt, aber rausredigiert). @ Fred Ich bin eine der Journalistinnen, deren freies Honorar Du gedrückt hast, zumindest wegen mir brauchst Du kein schlechtes Gewissen zu haben, Du hast immer noch besser bezahlt als alle andern...

  • Fred David

    04.02.09 (16:11:36)

    @) Alexandra: Deswegen hat mich ja mein Controller auch nicht besonders gemocht... Deine Erfahrung mit PR ist interessant. Ich möchte PR übrehaupt nicht schlecht machen. Ich sage nur: Man muss beides wirklich konsequent trennen. Aber ich weiss, dass es immer weniger geschieht. Und den Chefredaktor, der dir gesagt hat, du sollst im Interview mit einem Firmenchef explizit keine Fragen zu Arbeitsbedingungen stellen, möchte ich gern kennen lernen. So etwas interessiert die Leser. Wer wars?

  • Kein Mitleid

    04.02.09 (16:18:55)

    Der Ex-Kollege "Fred" beichtet: "Als solcher habe ich auch, ich bekenne es hiermit, schamlos Honorare von freien Journalisten gedrückt, weil ich den Controller ständig an der Kehle hatte." Immerhin gibt er es zu. Über den Zwang kann man sich streiten. Es hat, glaube ich, noch niemand seinen Platz an der redaktionellen (Heiz-) Sonne verloren, weil er/sie "Freie" zu gut bezahlt hat. Ich erinnere mich da an eine Ressortleiterin bei einem Blatt, das aus (anderen) guten Gründen nicht mehr existiert. Sie hatte eine Geschichte von mir liegen und rief an, sie könne jetzt aber nur die Hälfte zahlen, Verhandeln zwecklos, und überhaupt... Dann muß ich leider zurückziehen, sagte ich. Sagt sie: "Dann gebe ich Ihr Manuskript zum Ausschlachten an einen unserer Freien." Versteht sich, daß die Unterhaltung an dieser Stelle etwas förmlich wurde. Sie nahm von der Steinbruch-Idee schnell Abstand. Mein Argument, warum das keine gute Idee sei, hatte sie wohl beeindruckt. Nicht lange darauf war Schluß mit der "Woche". Und ratet mal, wer sich anschließend als "Freie" verdingen mußte?

  • Felix Zimmermann

    04.02.09 (18:30:05)

    betr. Medienjunkie Tatsächlich ist vielen, vor allem in Redaktionen, ganz offenbar nicht klar, was Freie verdienen bzw. was von den angewiesenen Honoraren übrig bleibt. Die sehen/hören/bekommen mit, daß ein Freier 800 Euro überwiesen bekommt (mit MwSt. 7% sogar noch 56 Euro mehr!) und denken: Hm, der kriegt für diese lumpige Ein-Seiten-Reportage 800 Euro? Kann ja wohl nicht wahr sein. So viel für einen Text? Was sie nicht wissen: Der Freie hat dafür vielleicht acht Tage gearbeitet, weil ein komplexes Thema erstmal recherchiert und dann zu einem lesbaren Text auf X Zeichen verknappt werden musste. 800 Euro schmelzen dann schnell zusammen – und zwar noch bevor man seine laufenden Kosten davon bezahlt hat. Versicherungen, Steuern, Büro etc. Ich sehe es wie Fred David: Mein Herzblut hängt an manchen Geschichten, deshalb lasse ich mich auf solche Honorare ein, freue mich aber dann auch wieder über Geschichten, die sich in zwei Tagen machen lassen für ebenfalls 800 Euro. Oder über Verlage, die die Arbeit der Freien so sehr schätzen, daß sie vernünftig/anständig/angemessen dafür bezahlen. Aber: Diese Anständigen werden weniger. Journalismus darf für Freie nicht zum schlecht bezahlten Hobby werden. Ich jedenfalls will das nicht, auch wenn der Balkon im Sommer lockt und ich mich da jederzeit nach Lust und Laune hinsetzen kann, während die Festangestellten in Hamburger Verlagshäusern noch in ihren dunklen Kämmerlein sitzen, bis auch sie Feierabend machen dürfen.

  • Kai Schächtele

    04.02.09 (22:09:57)

    @) Fred. Du schreibst "Das Märchen, dass dies alles eben den Gesetzen des Marktes geschuldet sei, sollte man mal bei Gelegenheit hinterfragen. Wenn sich diese Frage viele Leute in vielen Branchen gleichzeitig stellen, hat man eine Revolution. Aber das ist dann wieder ein völlig anderes Thema." Mein Eindruck ist, dass sich unter Freien langsam etwas bewegt, weil sich viele freie Journalisten die richtigen Fragen zu stellen beginnen. Und das liegt in meinen Augen vor allem daran, dass sich viele ihrer Bedeutung in einer sich umwälzenden Medienlandschaft immer bewusster werden. Vielleicht gab es ja tatsächlich mal eine Zeit, in der nur diejenigen frei gearbeitet haben, die nicht rechtzeitig in Redaktionen untergekommen sind. Inzwischen aber wollen viele Journalisten einfach nicht mehr in Redaktionen sitzen und konferieren und organisieren und redigieren, sondern recherchieren, denken und schreiben. Und die haben angefangen, sich zu professionalisieren. Sie arbeiten gemeinsam in Büros, schließen sich in Netzwerken zusammen und erleben, wie viel Stärke allein die dadurch entstehenden Netzwerkeffekte bringen. Das ändert natürlich noch nichts an den strukturellen Problemen: An Freien wird immer zuerst gespart, ihre Bedeutung schlägt sich noch lange nicht in den Redaktionsetats wieder, noch immer gibt es Redakteure, die glauben, dass frei dasselbe sei wie nicht-festangestellt und und und. Umso wichtiger ist es, dass sich die Freien jetzt im großen Stil zusammenschließen. Ein Kollege, der früher selbst Chefredakteur war und jetzt Freienseminare gibt, hat mir vor kurzem den schönen Satz gesagt: "Früher waren Freie der Bodensatz, heute sind sie der Nährschlamm." Und wie die Diskussion hier und drüben unter dem Offenen Brief zeigt, ist es an der Zeit, in diesem Nährschlamm etwas wachsen zu lassen. Genau deshalb haben wir im vergangenen Jahr den Freienverband Freischreiber gegründet. Weil sich langsam etwas tut – und tun muss.

  • Fred David

    05.02.09 (07:50:03)

    @) Kai Schächtele: Das mit dem "Nährschlamm" sehe ich ähnlich, wobei mich das Wort "Schlamm" stört. Nährboden ist besser. Ohne den wird es in Zukunft nicht mehr gehen. Die Redaktionen bauen immer mehr Personal ab, das ist unumgänglich und dieser Trend wird sich noch deutlich verstärken. Auf dem Markt der Freien wird es dadurch einerseits noch etwas enger. Auf der andern Seite kommen festangestellte Redakteure immer weniger dazu, Geschichten zu produzieren, die über die aktuelle Routine hinaus gehen. Ein grosse Chance liegt auch in der Spezialisierung und in der Mehrfachverwertung des Recherchematerials. Fundiertes Spezialwissen, das sich mit der Zeit ansammelt, muss auch ökonomisch richtig umgesetzt werden, d.h Redaktionen müssen lernen, dass sie dieses Spezialwissen, Kontakte etc. nicht für lau und exklusiv bekommen werden, es sei denn, der Preis stimmt. $ Wichtig ist, dass hier die ewig lockende Grenze zu PR nicht überschritten wird. Redaktionen können das insofern steuern, indem sie für ordentliche Honorare sorgen. Das reduziert die Lust drastisch, verdeckt fremdzugehen. Bei regelmässiger Mitarbeit muss ein Fixum selbstverständlich sein. Daran sind gut geführte Redaktionen auch interessiert, weil sie damit gute Leute an sich binden können. Eine Grundvoraussetzung ist, dass sich Freie ein Netz von mehreren Abnehmern aufbauen müssen, um sich nicht austricksen zu lassen. Das ist in meinen Augen das A & O. Und: Die Freien müssen wieder mehr "Geschichten" liefern, im besten Wortsinn, und nicht nur schön geschriebene Texte, die man sich aus dem web zusammenstoffelt. Aber die müssen dann eben auch ihren Preis haben. So können Freie auch selbstbewusster auftreten. Aber Illusionen sollte man sich trotz allem nicht hingeben. Mit freien Journalisten ist es wie mit Gastronomen: Wenn sie auf die Frage "Wie geht's?" antworten: "Prima, könnt nicht besser sein", stehen sie kurz vor dem Konkurs. Das wiederum hat eine darwinistische Folge: Freie Journalisten müssen hungriger sein als festangestellte Sitz(ungs)redakteure. Und Hunger ergibt die besseren Geschichten. Das wird so bleiben. Und das ist ja auch nicht schlecht. Nur: Der "Hunger" muss so organisiert werden, dass man ihn mit der Zeit mit "Appetit" gleichsetzt.

  • Matthias Daum

    05.02.09 (09:18:11)

    Ein wirklich schöner Beitrag von Don Dahlmann. Den fünf Punkten würde ich noch einen sechsten anfügen: Suche Dir einen Büroplatz in einer Bürogemeinschaft. work@home mag den höheren Kuschelfaktor haben, doch ein externer Arbeitsplatz erhöht die Produktivität und lässt eine teilweise Trennung von Arbeit sowie Halb-Arbeit alias «Freizeit» zu. Bei der Wahl der Bürogemeinschaft würde ich eine bunt zusammengewürfelte einem reinen Skribenten-Büro vorziehen. Somit erhält man am Arbeitsplatz Einblick in andere Berufsleben, was Inspiration für Geschichten sein kann – und einem vom journalistischen Ghetto-Denken bewahrt.

  • Jakob Vicari

    05.02.09 (09:25:59)

    @Fred David: Ich finde ja eine spannende Frage, warum das Bewusstsein fürs Freisein nach einer Festanstellung so manchem Redakteur schwuppdiwupp verloren geht. Sind es die Controller?

  • Medienjunkie

    05.02.09 (09:39:23)

    @Felix Zimmermann & Ulrike Langer: Ist ja gut, bevor ihr mich steinigt: Ich kenne auch den Unterschied zwischen Einkünften und Gewinn. Trotzdem denke ich, dass 850 Euro ein angemessenes Honorar für eine Woche Arbeit ist. Wer davon nicht leben kann, hat einfach zu hohe Ansprüche bzw. zu hohe Kosten (vielleicht nicht nur eine zu teuere Wohnung, sondern auch ein zu teueres Büro). Welche Kosten hat man denn als "normaler, kleiner" freier Journalist wirklich? Telefonkosten: In Zeiten von Flatrates fast schon zu vernachlässigen. Büromaterial: Druckerpatronen und Briefmarken muss auch jeder Student kaufen, und der kann das i.d.R. nirgendwo absetzen. Reisekosten: Zahlt "Cicero" die nicht als Spesen extra? Würde mich aber sehr wundern. Meine Ausgaben liegen monatlich bei etwa 30 Euro. Höher waren sie nur, als ich Lokaljournalismus gemacht habe und eine Monatskarte brauchte, weil ich fast täglich auf Termine musste. Da übernimmt der Verlag die Kosten dann wirklich nur zum Bruchteil, was übrigens, verbunden mit miserablen Zeilenhonoraren, wirklich eine Sauerei ist.

  • Ulrike Langer

    05.02.09 (10:00:21)

    @Medienjunkie: Ich fahre zum Beispiel acht bis zehn Mal im Jahr auf Fachkongresse und Workshops in der gesamten Republik - auf eigene Kosten natürlich. Da kommt ganz schön was zusammen. Für freie Fachjournalisten ist das für die Horizonterweiterung und die Branchenkontaktpflege wichtig, lässt sich aber nur selten einem konkreten Auftrag zuordnen und darüber abrechnen. @MatthiasDaum: Dein Punkt 6 widerspricht Don Dahlmanns Punkt 3: Halte deine Fixkosten niedrig. So sehr eine Bürogemeinschaft in externen Räumen gegen die Vereinzelung und bei der Konzentration auf das Arbeiten während der Arbeitszeit bzw. das Nichtarbeiten während der Freizeit hilft - die Kosten dafür müssen auch erst einmal erwirtschaftet werden.

  • Matthias Daum

    05.02.09 (10:09:06)

    @ Ulrike Langer: Die Kosten für einen solchen Arbeitsplatz halten sich in engen Grenzen. Mit monatlich 300 Franken bist Du sogar auf dem horrend teuren Platz Zürich dabei (inkl. Internet, Telefonanschluss etc.)

  • Fred David

    05.02.09 (11:17:23)

    @) Mathias Daum: Wenn Sie mir auch noch den Mond nennen, auf dem Sie leben, könnte ich ja versuchen, Ihre Kalkulation nachzuvollziehen. Ich meine richtige Kosten, bei richtig professoneller Arbeit. @)Jakob Vicari: Nichts gegen gute Controller!Das Nerven gehört zu ihrem Job. Es sind einfach die Sachzwänge und die heissen: Die Fixkosten sind zu hoch. Das ist überall so, da muss man sich nichts vormachen. Wenn Redakteure wüssten, wie hoch die Fixkosten einer Redaktion wirklich sind, was ein Arbeitsplatz tatsächlich kostet, würde manch einer auch etwas mehr Verständnis für die Verlagsebene aufbringen, die das irgendwie kalkulatorisch auf die Rehie bringen muss. Das sind in der Regel keine Heuschrecken. Die machen einen sehr ordentlichen Job und werden natürlich wiederum von oben gedeckelt. So ist das Geschäft. In der unteren Verlagsebene finden sich übrigens oft Verbündete von Freien, das wissen bloss die wenigsten. Der Grund: diese Ebene wird von oben an den Fixkosten gemessen wird. Ein Chefredakteur hat in der Regel u.a. einen Budgetposten "Allgemeine Redaktionskosten", in den er niemanden so richtig reingucken lässt: Da stecken dann u.a. die Honorare der Freien drin. Um diesen Posten muss jeder Chef kämpfen wie ein Löwe, und die meisten tun es auch, weil sie sich damit einen gewissen Spielraum an Gestaltungsfreiheit sichern. Innnerhalb dieses Budgetpostens wird dauernd umverteilt. Da muss der Freie schauen, dass er dabei bleibt - und dem Chef hin und wieder, aber nicht zu oft, und wenn's geht: freundlich lächelnd, auf die Füsse trampen. Man nennt das: sich in Erinnerung rufen. Wirkt wirklich.

  • Matthias Daum

    05.02.09 (11:22:56)

    @Fred David: Was ist an meiner Kalkulation nicht nachvollziehbar?

  • Fred David

    05.02.09 (11:29:42)

    @) Matthias Daum: die 300 Franken.

  • Ulrike Langer

    05.02.09 (11:40:41)

    @Fred David: Haben Sie eigentlich auch die neue Geschichte von heute auf diesem Blog gelesen (”Wie ich mich als hochbezahlter Redakteur durch den Alltag mogel")? Bei den Freien wird um jeden Euro gefeilscht. Und auf der anderen Seite gibt es in den Verlagen und v.a. auch in öff-rechtl. Sendeanstalten hochbezahlte Scheinarbeiter, die nix bringen außer Kosten. Wo bleiben denn da die Controller?

  • Carsten Tergast

    05.02.09 (11:49:41)

    @medienjunkie (Kommentar 33): 30 Euro fixe Kosten im Monat?? Auf welchem Planeten funktioniert das? Jede Tankfüllung kostet mehr, Kommunikationskosten über alles dürften mindestens in diesem Bereich liegen etc. pp.. Nebenbei bemerkt wird in dieser Diskussion immer gerne vergessen, daß es auch freie Journalisten geben soll, die eine Familie mit Kindern haben. Welche Auswirkungen das aufs Zeitbudget und die Kosten hat, ist ein Punkt, der in der berufsromantischen Diskussion über engagierte Journalisten und deren unbegrenztes Aufreiben im Job kaum vorkommt. Don Dahlmanns Ausgangsbeitrag finde ich im übrigen sehr gelungen und in weiten Teilen konsensfähig... Als sechsten Punkt würde ich anfügen: "Netzwerken, netzwerken, netzwerken..." Aufträge entstehen in nicht unerheblichen Maße auch, weil man jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt...der einen Auftrag zu vergeben hat, und das lieber an jemanden, den jemand kennt, den er kennt...

  • Fred David

    05.02.09 (12:09:54)

    @) Ulrike Langer: Sie nennen als Beispiel die öffentlich- rechtlichen Anstalten, wo bei Freien um jeden Euro gefeilscht wird. Ich kann dazu nur sagen: Als ich das ZDF in Mainz mal so ein wenig von innen gesehen und erlebt habe, diese unglaubliche Maschinerie in diesen pompösen Gebäuden mit diesem irrsinnigen bürokratischen Apparat und den vielen, vielen Menschen, die tagein, tagaus durch die mit schöner Kunst behängten Flure schlendern (rennen habe ich nie jemanden gesehen): so sieht gepflegter Irrsinn aus. Das kann sich niemals rechnen. So etwas geht nur öffentlich-rechtlich mit garantierten Zwangseinnahmen. So etwas habe ich sonst nirgendwo mehr gesehen. Mich hat diese fleisch gewordene Sattheit, der man da auf jeder Ebene begegnet, richtig von den Socken gehauen.Ich musste da nie um Euro feilschen, aber wenn man das muss, kann ich mir schon vorstellen, dass man da irgendwann manl den Hauptschalter ausdrehen möchte um zu fragen: Hallo, Leute, was macht ihr hier alle eigentlich den ganzen Tag? Das klingt jetzt ein wenig drastisch, aber es ist mein sehr persönlicher Eindruck. Es gibt sicher Anstalten, wo das nicht so augenfällig ist. Ich hatte mal einen Wohnungsnachbarn, der war Ausstattungschef beim Studio Hamburg gewesen , das zum NDR gehört. Er war frisch pensioniert und erzählte mir, eigentlich habe er ein schlechtes Gewissen , denn als Renter beziehe er mehr Geld, als vorher, obwohl er ja eigentlich auch schon vorher sehr gut bezahlt gewesen sei. Wie das komme, könn er auch nicht sagen. Ich möchte das nicht verallgemeinern, aber ich glaube schon: Wenn irgendwo im Medienbereich richtig Geld verbraten wird, ist es bei den Festangestellten der öffentlich-rechtlichen. Auch heute noch, trotz aller Reformen.

  • Matthias Daum

    05.02.09 (13:03:34)

    @ Fred David Ok. So kann ich Ihnen auch meinen Mond nennen: Zürich Wiedikon. Bürogemeinschaft mit 4 anderen Personen. Mietzins:CHF 1205 / 5 = 241; Internet: CHF 49 pro Monat = pro Nase CHF 9.80; Telefonanschluss: CHF 15 pro Nase ; Putzfrau: CHF 120 = CHF 24 pro Nase ==> Fixkosten von rund CHF 300 Alle anderen Ausgaben (Druckerpapier und -toner, Gesprächskosten Mobil/Fixnet etc. etc.) hätte ich auch, wenn ich mein Büro zu Hause hätte. So geht das!

  • Eva Schweitzer

    05.02.09 (14:41:09)

    Ich finde, 850 Euro ist nicht furchtbar schlecht, aber auch nicht so sehr viel. Generell glauben viele Redakteure, brutto sei netto, die vergleichen ihr Nettogehalt mit dem, was sie einem Freien brutto zahlen und denken auch nicht daran, dass der seine Bürokosten selber zahlen muss und Rücklagen für Urlaub und Krankheit haben muss. Die glauben auch, man werde dadurch reich, dass man einen Computer von der Steuer absetzt. Ich habe mal mit einem Redakteur gesprochen, der es ungerecht fand, dass ich meine beruflichen Flüge von der Steuer absetzen kann, er aber nicht seinen Urlaub in Mallorca, wobei er glaubte, "absetzen" bedeutet, dass ihm die Steuer hundert Prozent wiedererstattet. ich kenne die Versuchung mit: Das ist doch interessant und das Blatt ist so reputierlich, man kann das mal machen, man muss nur dafür sorgen, dass sich das in engen Grenzen hält, und vor allen nur Geschichten auf die Art und Weise betreuen, die man selber interessant findet und nicht welche, die der beauftragende Redakteur interessant findet. Oft kann man so etwas später nochmal als Steinbruch verwenden, dann lohnt es sich wieder. Was die Kosten angeht, ich denke, im Inland kommt man mit 300 - 500 Euro so ungefähr hin, im Ausland kann es aber deutlich mehr sein. Hängt auch vom Land ab.

  • Fred David

    05.02.09 (14:49:14)

    @) Mathias Daum: Ja, ist doch schön. Aber nüüt för unguet, irgendwann wächst man dann doch übers Pfadialter hinaus.

  • Medienjunkie

    05.02.09 (20:20:14)

    @Karsten Tergart: Für eine Tankfüllung müsste ich mir erst einmal ein Auto leisten können. Das ist halt genau das, was ich hier mit überzogenen Erwartungen an den Lebensstandard meinte.

  • Carsten Tergast

    06.02.09 (10:01:17)

    @medienjunkie Was ist denn eine angemessene Erwartung an den Lebensstandard? Ist der Besitz eines Autos bereits unzulässiger Luxus für freie Journalisten? Ganz ehrlich: es mag für Lokaljournalisten gerade noch so funktionieren, alles mit dem Fahrrad oder - zumindest in größeren Städten - mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ich bin eher im Magazinbereich sowie bei Buchprojekten tätig, dementsprechend republikweit unterwegs, auch zu unchristlichen Zeiten, in denen Herr Mehdorn keinen Zug mehr fahren läßt, für mich wäre es ohne Auto sehr schwierig, meine Arbeit vernünftig zu machen. Überzogen ist da gar nichts. Und auch sonst: Versicherungen, Energiekosten, Kommunikation, Geräteanschaffungen: alles für durchschnittlich 30 Euro? Sorry, da fehlt mir die Vorstellungskraft...

  • Markus Merz | Hamburg St. Georg

    06.02.09 (17:44:49)

    Mein Punkt wäre, dass sich jeder Journalist heutzutage stärker als früher mit allen Medien und Werkzeugen auskennen muss. Dazu gehört nicht nur ein Basiswissen über Fotografieren oder sogar Audio/Video sondern alle verfügbaren Recherche- und Monitoringtechniken für Themen im Internet. Klasse Diskussion über den Status und die Zukunft von freiberuflichen Journalisten.

  • Jürgen Gundlach

    22.02.09 (12:32:26)

    Noch ein Nachtrag .... Liebe Diskutanten, ich hätte da mal eine Frage. Ich habe ihre Diskussion mit Spannung verfolgt, arbeite ich doch selbst freiberuflich, allerdings im IT Bereich. Auch mich interessiert die Frage der Honorierung von journalistischer Arbeit. Was aber ist mit Artikeln, die ins Internet gestellt werden? Wie kann man hier Zeilen zählen und abrechnen, wo doch so ein Artikel möglicherweise über einen langen Zeitraum virtuell existiert. Das Zeilenzählen kommt doch aus dem Printbereich: Zeitung und Artikel lesen und dann ab in den Papierkorb. Nicht so im Internet. Gibt es da Modelle, bzw. andere Vergütungswege? Ich arbeite an einem Konzept für ein Internet-Portal, wo u.a. Journalisten Bücher zu einem Thema vorstellen und besprechen. Diese Bücherschau wird ständig fortgeschrieben, gibt es doch laufend Neuerscheinungen. So ungefähr. Neben dem einzelnen Nutzer ist auch an den Buchhandel gedacht, der sich hier Orientierung holen kann. Ein Artikel, in diesem Fall die Übersicht über ein Buchsortiment, wird ebenfalls ständig aktualisiert. Dazu kommen neue Rezensionen, die vielleicht schon in einer Tageszeitung veröffentlicht wurden und nun als Zweit- oder Drittverwertung ins Spiel kommen. Wieviel Geld muss ich anfassen, um einen Journalisten für diese Tätigkeit zu gewinnen? Natürlich lässt sich der Spieß auch umdrehen. Ich sage dem Redakteur, mach deine Besprechung so interessant, dass du Buchbestellungen generierst (à là Perlentaucher). Davon kriegst du dann deinen Anteil. - Nee, ist nur eine Teillösung, denn nach diesem Konzept werden nämlich nur die Verkaufsrenner besprochen. Ist nicht Sinn der Übung. Tja, ich hätte da mal eine Frage ...

  • Andreas

    27.02.09 (17:01:34)

    Moin, bin durch Zufall auf diese höchst spannende Seite gestoßen. Als langjähriger Selbständiger habe ich mich entschlossen ein schlechtes aber sicheres Einkommen als Beamter anzunehmen. Wer bei 850 € die Woche noch arbeitet tickt doch nicht richtig! Hier müssen neben den laufenden Ausgaben auch die Krankenversicherung, Urlaubszeiten, Rente und weitere Zukunftsausgaben erwirtschaftet werden! Die fehlende Bereitschaft / Möglichkeit auf einen Auftrag zu verzichten führt zu einem Rattenrennen, das nur der Auftraggeber gewinnen kann. Wir wäre es mit einem richtigen Beruf? Außer bei Berufenen (die brauchen ja kein Geld ;-)) ist dieser Job doch realistisch auch bei Freien eher ein Sklavenjob!

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