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21.01.08

Offen oder geschlossen: Was ist besser für das Community-Wachstum?

Beim Aufbau von Online-Communities und -Plattformen gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Philosophien, was Offenheit angeht: Traditionell wurde meistens versucht, möglichst schnell möglichst viele User zu gewinnen, und das geht natürlich dann am besten, wenn jeder nach Belieben Mitglied werden kann.

Die Web-2.0-Mentalität scheint aber komischerweise weniger Offenheit zu bevorzugen. Hier sieht man sehr häufig Plattformen, die lange Zeit mit geschlossenen Beta-Phasen arbeiten oder sogar vom Geschäftskonzept her nur auf Einladung hin oder für bestimmte Zielgruppen zugänglich sind. Diese limitierten "Invites" für die Mitgliedschaft auf einer noch geschlossenen Website sind darum oft sehr gesucht. Die Betreiber dieser Communities verteilen oft Einladungen paketweise via A-List-Blogger, um weiteres Interesse zu wecken. Und inzwischen gibt es sogar schon Plattformen wie InviteShare, auf denen man Invites tauschen kann.

Für diese Exklusivität gibt es gute Gründe. Erstens vermeidet man Skalierungsprobleme, wenn nicht gleich das ganze Internet, sondern nur ein paar Tausend Beta-User auf die Plattform losstürmen. Ausserdem weckt Exklusivität zusätzliches Interesse. So ist der Mensch halt: Was man nicht haben kann, ist viel spannender. Der bisher wohl grösste Fall von Exklusivzugang war vermutlich Gmail, das sich überhaupt erst vor kurzem für alle User geöffnet hat. Auch Facebook war bis vor einiger Zeit nur für Studenten mit verifizierbarer Uni-Mailadresse nutzbar.

Aber die Frage ist natürlich, ob sich diese Exklusivität am Schluss auch wirklich in geschäftlichen Erfolg umsetzen lässt. Sicher, theoretisch es ist für manches Geschäftsmodell vorteilhaft, eine klar definierte Zielgruppe zu bedienen, aber in vielen Fällen gewinnt am Schluss rohe Masse.

Schauen wir uns doch mal ein paar Beispiele von offenen und geschlossenen Communities bzw. Plattformen an und fragen uns, wer bisher der Sieger ist:

Social Networking

Offen: MySpace

Geschlossen: Facebook (bis vor kurzem), StudiVZ

Sieger (nach Traffic und Umsatz): MySpace.

Webbasierte E-Mail

Offen: Yahoo, Hotmail

Geschlossen (bis vor kurzem): Gmail

Sieger (nach Anzahl aktiver Accounts): Yahoo

Online-Video, User-generated

Offen: Youtube

Geschlossen: Google Video (alle Videos mussten vor der Publikation von Google freigegeben werden)

Sieger: Youtube

Online-Video, Profi-Content

Offen: iTunes

Geschlossen: Joost

Sieger: iTunes

Microblogging

Offen: Twitter

Geschlossen: Pownce

Sieger: Twitter

VoIP

Offen: Skype

Geschlossen: Google Talk

Sieger: Skype

Fotoplattformen

Offen: Flickr (Alle Fotos für alle)

Geschlossen: SnapFish, Kodak Gallery, SmugMug etc. (Nur eigene Fotos sichtbar)

Sieger: Flickr

Da sehen wir doch ein deutliches Muster: In allen Fällen sind die offeneren Plattformen die Sieger. Natürlich gibt es noch diverse andere Gründe, warum die eine oder andere Plattform gewinnt, und im Zeitverlauf kann sich das auch ändern. Aber man kriegt nicht den Eindruck, dass die "Closed Beta"-Mentalität oder ein Exklusivitätsanspruch hinsichtlich Erfolg beim Enduser wirklich viel bringt.

Geschlossene Communities sind zu Beginn interessant, weil die Exklusivität hohes User-Engagement bringt und für starkes Wachstum sorgt. Sobald aber der Schritt zu breiteren Zielgruppen gemacht wird, rächen sich diese Restriktion oft. Gmail ist ein gutes Beispiel: Natürlich sind alle Insider in der Web- und IT-Community davon begeistert, aber Otto Normaluser hat davon oft noch gar nicht davon gehört. Yahoo, Hotmail und GMX sind mit ihrem von Anfang an auf Massenmarketing angelegten Ansatz sehr viel erfolgreicher.

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