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29.05.13

Ökonomisch waghalsig, aber mutig: Blogger will Printmagazin veröffentlichen

Der Blogger und Journalist Daniel Höly möchte mit Hilfe der Crowd ein alle drei Monate erscheinendes Printmagazin für Digital Natives auf den Markt bringen. Was nach ökonomischem Selbstmord klingt, kann zumindest kurzfristig funktionieren.

shiftWenn ein junger Mensch mit Idealen und Leidenschaft ein schwieriges Projekt verwirklichen möchte, dann ist es kein guter Stil, dieses Vorhaben zu kritisieren. Mit diesem Beitrag mache ich zwar genau das, allerdings in der Gewissheit, dass ich ihm damit bei der Realisierung seines Anliegens sogar helfe.

Wieder einmal versucht sich nämlich jemand daran, ein Printprodukt mit Bezug zur digitalen Welt auf die Beine zu stellen. Zuletzt scheiterte das Zürcher Startup Mag20 an diesem Vorhaben, und im vergangenen Jahr strich die "personalisierte Tageszeitung" Niiu die Segel, um später als iPad-App wiederaufzuerstehen. Doch der Journalist und Blogger Daniel Höly möchte dennoch das Experiment wagen, ein gedrucktes Produkt auf den Markt zu bringen, welches an eine Online-Community gekoppelt wird und dessen Inhalte zum Teil aus Abstimmungen selbiger resultieren sollen. Zielgruppe des auf den Namen Shift getauften Magazins sind netzaffine junge Erwachsene. Bei Basicthinking präsentiert der 26-jährige Initiator sein mutiges Unterfangen, für das er derzeit eine Crowdfundingkampagne durchführt (unsere redaktionelle Richtlinie schließt lediglich Berichte über Crowdinvesting-Vorhaben aus). Persönlich kann ich nicht nachvollziehen, wieso sich immer wieder Verrückte außerhalb der etablierten Verlagsszene finden, die im heutigen Medienmarkt Printprodukte zu verwirklichen versuchen. Die gescheiterten Vorstöße der Vergangenheit zeigen, wie schwierig es ist, die Mittel für die kostenintensive Produktion und Distribution von gedruckten Medien zu finden. Zudem wenden sich eine steigende Zahl von Konsumenten ganz von Printprodukten ab. Wie viel Spaß macht es, in einem Teich zu angeln, aus dem langsam aber stetig die Fische verschwinden? Am Niedergang der Printpresse gibt es nichts zu Beschönigen. Haptik und Geruch werden meines Erachtens nach nicht verhindern, dass Gedrucktes mittelfristig, in Etappen, das Schicksal der Vinyl ereilt - es wird zu einem Liebhaber- und Sammlerstück mit hohem Nischenfaktor. Mir fällt es schwer, zu verstehen, wie man Zeit und Mittel in ein Segment investieren kann, welches im Sterbebett liegt, anstatt die eigene Energie auf Bereiche mit einer rosigeren Zukunft zu lenken.

Andere sehen das aber anders. So wie Daniel Höly, der im Gespräch mit Basicthinking einen ganz pragmatischen Grund dafür angibt, warum er Shift entwickelt: Er sei seit Jahren mit dem bestehenden Angebot an gedruckten Zeitungen für junge Erwachsene unzufrieden gewesen. Nun will er, der 2008 das Blog und Webmagazine Juiced gegründet hat, diesen Missstand selbst ändern.

Ungeachtet meiner persönlichen Haltung zum Thema Print zolle ich Höly Respekt für seinen Plan, zumal er selbst einsieht, wie groß das Risiko ist. Doch vor seiner optimistischen Sichtweise kann man nur den Hut ziehen: "Mehr als Scheitern kann ich nicht. Klar habe ich davor auch Angst, aber im worst case hätte ich immerhin eine Menge dabei gelernt".

Für zumindest einen temporären Erfolg sind die Voraussetzungen gar nicht so schlecht: Vergleichsweise geringe 5.000 Euro will er per Crowdfunding einsammeln - das benötigte Kapital für Druck, Design und Vertrieb der ersten, mit 1000 Stück veranschlagten Auflage. Selbst wird er zumindest in der ersten Phase keinen finanziellen Nutzen aus Shift ziehen. Sein Ziel ist es aber, das Magazin mit vierteljährlichem Erscheinungsrhythmus irgendwann auch in die Bahnhofskioske zu bringen. Knapp 20 Prozent der benötigten Summe für die erste Ausgabe hat Höly bisher eingesammelt. Wer ihn mit einer Zahlung unterstützt, sichert sich das Recht auf ein Exemplar, sofern das Finanzierungsziel erreicht wird.

Langfristig halte ich derartige Unterfangen für ökonomischen Selbstmord. Mit der Einstellung, mit der Daniel Höly sich aber an die Umsetzung macht, kann er eigentlich nur gewinnen. Und vielleicht gelingt es ihm ja sogar, Printuntergangsapologeten wie mir zu zeigen, dass wir uns geirrt haben. Ich wünsche ihm viel Erfolg dabei.  /mw

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