<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

16.08.12Leser-Kommentare

Öffnung statt Isolation: Wie sich der ewige Vergleich zwischen Google+ und Facebook beenden ließe

Aktive Google+-Nutzer beobachten mit Verwunderung, wie der Dienst trotz in ihren Augen offensichtlicher Unterschiede allerorts mit Facebook verglichen wird. Doch für Google wäre es ein Leichtes, derartige Gegenüberstellungen zu verhindern: Indem es Google+ für Facebook öffnet.

neuerdings.com-Kollege Jan Tißler hat gestern im Blogwerk-Blog noch einmal das Missverständnis erläutert, das sich seit dem Launch von Google+ im vergangenen Sommer um das Google-Netzwerk rankt - nämlich dass es immer wieder mit Facebook verglichen wird. Er zählt eine Reihe von Unterschieden auf und stellt fest, dass sich bei Facebook alles um Menschen und ihre Aktivitäten dreht, während bei Google+ Inhalte und Themen im Fokus stehen.

Ich möchte Jan an dieser Stelle nicht widersprechen, auch wenn ich vor einigen Monaten in einem Artikel beschrieb, wieso eben doch immer wieder die Parallele Google+ und Facebook gezogen wird: Weil beide Dienste um die stark begrenzte Aufmerksamkeit der Nutzer kämpfen und weil Facebook überhaupt der Grund dafür ist, wieso Google+ in seiner aktuellen Form existiert. Es ist Googles Furcht, mittelfristig in die Suchwortvermarktung investierte Werbebudgets mit Facebook oder anderen erfolgreichen Social Networks teilen zu müssen, die den Konzern antreibt, ein eigenes Angebot zu forcieren, bei dem sich Anwender miteinander vernetzen können. Einerseits, um Werbung noch zielgerichteter aussteuern zu können, und andererseits, um Facebook ein wenig Steine in den Weg zu legen.

Aber einmal angenommen, es wäre tatsächlich auch Googles eigenes Selbstverständnis, das etwas mehr als ein Jahr alte Angebote nicht als direkten Angriff auf Facebook sondern einfach als nächste, um Content und Signale der Nutzer erweiterte Generation seiner Suche zu sehen - die Frage wäre dann, wie das Unternehmen dies ein für alle Mal deutlich machen und somit die ewigen Gegenüberstellungen zwischen Google+ und Facebook für alle Zeit beenden könnte.

Meine Antwort darauf wäre: Indem sich Google+ vollständig für Facebook öffnet und auf seinen Presseveranstaltungen nicht mehr um jeden Preis versucht, jede Namensnennung des blau-weißen sozialen Netzwerks zu vermeiden.

Sofern Google erreichen möchte, dass Journalisten, Blogger und User in Google+ nicht mehr länger den Versuch einer Attacke auf Facebook sehen, würde der Konzern es Google+Nutzern so einfach wie möglich machen, Inhalte aus Facebook zu importieren und gleichermaßen bei Google+ publizierten Content in ihren Facebook-Stream zu schicken. Ein zentral auf plus.google.com platzierter Button "Google+ mit Facebook verbinden" würde jedem Nutzer klipp und klar zu verstehen geben, dass man bei Google Mark Zuckerbergs Netzwerkplattform weder heute noch künftig als Bedrohung sieht. Es würde Selbstbewusstsein ausstrahlen und keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass Google+ am Google-Sitz in Mountain View nicht als Ersatz sondern als Ergänzung zu Facebook verstanden wird. Wie alle anderen Webdienste auch könnte sich Google an einem reichen Fundus an Social Plugins bedienen, um eine Verknüpfung beider Angebote zu ermöglichen. Selbst YouTube lässt sich mit Facebook verbinden .

Bisher jedoch hat sich Google vollkommen gegensätzlich verhalten und die Existenz von Facebook im Prinzip totgeschwiegen. Dass dadurch der Eindruck vermittelt wird, Google+ sei als Frontalangriff zu verstehen, sollte niemanden verwundern.

Mit dem Autozug zeigt die Deutsche Bahn, dem Kfz nicht uneingeschränkt Konkurrenz machen zu können und zu wollen, woraus sich der logische Schluss ergab, dann eben Fahrgäste inklusive ihres fahrbaren Untersatzes zu befördern. Google+ könnte ähnlich verfahren wie die Bahn und die Existenz von Facebook als führendes soziales Netzwerk, welches man nicht vom Thron zu stoßen versucht, anerkennen.

Google zu raten, Facebook als Option in das eigene Angebot zu integrieren, wenn man von dem sozialen Netzwerk mit großer Wahrscheinlichkeit kein vergleichbares Verhalten erwarten kann, mag verrückt klingen, und vielleicht ist es dies auch. Doch Google selbst sowie alle treuen und begeisterten Google+-Nutzer sollten sich nicht darüber wundern, wieso "Außenstehende" (= Anwender, die nicht Intensivnutzer von Google+ darstellen) die entscheidenden Differenzierungsmerkmale nicht erkennen und den Schluss ziehen, Google wolle Facebook komplett ersetzen. Wer sich verhält, als gäbe es Facebook nicht, der muss dafür ja einen Grund haben...

Kommentare

  • Johann

    16.08.12 (15:21:18)

    "...nämlich dass es immer wieder mit Facebook verglichen wird."... Nicht weiter verwunderlich , wenn man bedenkt, wieviele Leute (auch Google Mitarbeiter) damals ihre Facebook-Profilbilder mit dem schicken "I have moved" & GPlus-Logo versehen haben. Offensichtlich wurde es bei Launch eben doch als Gegenstück/Ersatz zu Facebook gesehen, definitiv nicht aber als Ergänzung.

  • Martin Weigert

    16.08.12 (15:22:50)

    Ja ich persönlich bin überzeugt davon, dass Google mit dem Dienst eigentlich Facebook komplett eleminieren möchte. Aber in diesem Artikel bin ich mal von der Hypothese ausgangen, es sei nicht so.

  • Manuel

    16.08.12 (17:17:13)

    Ich sehe Google+ durchaus als Konkurrenz zu Facebook. Nicht im Sinne eines Klons, sondern als Vorstellung von Google, wie ein soziales Netzwerk auszusehen hat. Momentan geht es in der Tat hauptsächlich um Inhalte und Themen. Aber ich denke das wird sich mittelfristig ändern. Das habe ich letztes Jahr schon gesagt und mich verschätzt. Damals habe ich gedacht, es würden sich viele Leute so über FB ärgern, dass sie zu G+ wechseln. Das ist nicht in dem Umfang passiert, wie ich es erwartet hatte. Google hat jedoch ein starkes Argument: ab Android 4 ist G+ installiert. Es bietet sich überall an: um Bilder zu teilen, der Messenger als SMS-Ersatz etc. Wegen Google Play hat man schon ein Konto bei Google. So werden sehr viele Leute damit in Kontakt kommen, die bis jetzt den Aufwand gescheut haben, eine extra App zu installieren. Vielleicht nur mit dem Messenger, um die Kollegen gratis anschreiben zu können, aber dann wird vielleicht mal ein Foto zu einem Event hochgeladen, an einem Hangout teilgenommen etc. In 2-3 Jahren geht es dann vielleicht um Inhalte UND Menschen. Google hat anders als FB den Vorteil, das soziale Netzwerk als solches nicht monetarisieren zu müssen. Es kann also "sauber" und frei von "werde Fan von Firma XY, um am Wettbewerb teilzunehmen"-Marketingzeugs bleiben. Das könnte den einen oder anderen User zum Umstieg verleiten, wenn er G+ erst mal gesehen hat.

  • Bettina Ehrling

    16.08.12 (18:02:07)

    Ich glaube nicht, dass Google Plus eine Konkurrenz zu Facebook sein könnte. Facebook hat eine Synergie kreiert, die Google Plus nachholen müsste, wenn es schon zu spät ist.

  • Synonymik

    17.08.12 (13:45:00)

    Das ist meines erachtens völliger Unsinn, wieso sollte Google einer Seite wie Facebook in sich einbauen, wenn es Facebook schon bald nicht mehr gibt. Facebook selbst hat bis heute Null Innovationen gebracht und war und ist nur ne kurze Hype gewesen. Facebook bringt kaum Mehrwert und wird in sich verfallen, da weder Mark Zuckerberg noch sonst jemand bei Facebook weiss wohin die REise gehen soll, Null Ideen, Null Innovationen - Facebook braucht keiner - da Facebook bis heute nichts gebracht hatte (bis auf einen Like Button) das es nicht auch schon zuvor in der einen oder anderen Form bereits gab. Und abgesehen davon, was ist Facebook in wirklichkeit ? Eine Flirt- und Spieleplattform, nicht mehr und nicht weniger und sowas braucht Google sicher nicht in seiner Plattform - sowas primitives, braucht man nicht mal zu erwähnen und da hat Google bisher richtig gehandelt.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer