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11.04.08

Noch ein Versuch für Ivy: Was sagt eigentlich Chuck Norris dazu?

Fantastische 21 Millionen Deutsche sollen "Lohas" sein, nachhaltig- und gesundheitsbewusste Konsumenten. Trotzdem tut sich Burda mit Ivy, der Zeitschrift zum grünen Lifestyle, bisher schwer.

Cover der zweiten Ivy
Wer ist eigentlich Jack Johnson?

"Crazy! Sexy ist das neue cool" – oder so ähnlich rief es Ivy auf der Probenummer aus, die wir Anfang Dezember auf medienlese.com vorgestellt haben. Jetzt ist Ivy zurück, eine zweite Ausgabe liegt testweise an Kiosken in München und im Rheinland. Thema diesmal: "Das gute Leben." Auf der Webseite bittet die Redaktion: "Kaufen Sie's einfach (es kostet 2,50 Euro), erzählen Sie anderen davon", denn noch immer ist nicht klar, ob Ivy nun regelmäßig erscheint oder nicht. "Wir testen erst, ob es in Deutschland genügend Menschen gibt, die so denken wie wir ..." Prominente Unterstützung für die zweite Ausgabe liefert Richard Dean Anderson, besser bekannt als MacGyver. Immer wieder taucht er im Heft auf und redet vom guten Leben, das er führt. Was für eine hervorragende Idee – weshalb wir uns auch für unsere kleine Rezension Unterstützung geholt haben: Chuck Norris.

Chuck Norris (Bild [M] Keystone)
"Chuck Norris grinds his coffee with his teeth and boils the water with his own rage."

Bio-Kaffee im Test, Ankündigung: "Nicht alle schmecken gleich gut." Was für ein Euphemismus, bei all dem Kaffee in den Regalen, der überhaupt nicht schmeckt. Aber das wäre ja negativ formuliert und bad vibrations gibt es bei Ivy besser nicht. Die Reportage zum Kaffee-Test beschreibt dann auch lieber das Procedere einer Verkostung und überlässt die angenehm ehrlichen Urteile dann der Tabelle: "Geschmack strohig, Duft ältlich."


Chuck Norris (Bild [M] Keystone)"Most tough men eat nails for breakfast. Chuck Norris does all of his grocery shopping at Home Depot."

Wir verstehen euch, liebe Zielgruppe: Der Artikel zum Lebensgefühl. "Die neue Biohème" ist ein schrecklicher Titel für einen Artikel, dafür ist der Rest umso sympathischer. Unternehmer werden vorgestellt, die nachhaltig und ökologisch handeln: Eco-Fashion-Store, Unternehmensberatung und ein edles Öko-Fast-Food. Gleichzeitig richtet sich der Artikel an die Media-Agenturen und potentiellen Werbekunden, auf einer ganzen Seite findet sich die Markenumgebung wieder. Die Leser werden zwischen "digital", "analog" "Hippie" und "Glamour" vermutet. Passende Produkte: MacBook Air, Bambus-Bike und Lexus Hybrid. Hallo, Werbekunden? Jedenfalls, findet auch eine im Text zitierte Adelige (Familientradition! Über 1000 Jahre!), klingt Biohème besser als Lohas.

Chuck Norris (Bild [M] Keystone)
"In an emergency, Chuck Norris can be used as a floatation device."

"Rammen, nicht reden": Schon für diese Geschichte lohnt sich das Heft. Ein militanter Umweltschützer rammt mit seinem Schiff einen illegalen Walfänger. Einmal. Zweimal. Nachdem das kaputte Boot daraufhin repariert wird, sprengt er es bei nächster Gelegenheit eben mit einer Haftmine in Stücke. Und damit fängt es erst an. Paul Watson ist zu hart für Greenpeace, ein dickköpfiger Seebär, der handelt, anstatt nur zu reden. Dass er ein Medienprofi ist und weiß, wie er sich und seine Aktionen vermarktet, klingt auch an. Leider ist nach zwei Seiten schon Schluss mit der irren Jagd auf Walfänger und Robbenschlächter.

Die Modestrecke sieht aus wie American Apparel und, oh Wunder, die Kleidung ist auch von American Apparel. Nicht komplett, aber. Über die hippe Marke mit der Öko-Aura könnte man allerdings ein wenig genauer nachdenken – wie es Oliver Gehrs in der Brandeins getan hat. Aber hey, das ist eben nicht Anspruch von Ivy, hier wird nicht miesepetrig rumkritisiert, hier wird freudig konsumiert.


Chuck Norris (Bild [M] Keystone)"Chuck Norris believes the hype. "

Also: Für die fünf Millionen Hunde und ihre Besitzer gibt es ein Magazin. Für 21 Millionen Lohas immer noch nicht, stattdessen wieder nur eine Testnummer. Dabei ist Ivy ein schickes Heft, das nicht weh tut. Das recht schlüssig ein Lebensgefühl verkauft. Das ein paar gute Tipps gibt und den Bio-Wahnsinn erklärt. Das gut aussieht (die Überschriften sind diesmal in einer trendigen 80er-Jahre Serifenschrift gesetzt, ganz so wie in Anzeigen von American Apparel). Wenn Ivy in Zukunft nicht erscheint, ist allein Kuschelbarde Jack Johnson schuld. Wer will sich ernsthaft das gute Leben von einem Surfer-Dude erklären lassen? Die Zielgruppe sitzt doch eher arbeitend bei Cafe Latte am MacBook und nicht locker am Strand von Hawaii.


Das Bild von Chuck Norris ist von Keystone, die Zitate von ChuckNorrisFacts.com

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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