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12.08.14

Nichts für narzisstisch Veranlagte: Neue iPhone-App Sup schwimmt gegen den Strom

Die aus den USA stammende iPhone-App Sup bricht mit einer Konvention vieler Social-Sharing-Apps: Wer am Leben von Kontakten teilhaben möchte, muss dazu selbst aktiv werden. Ungefragt teilen User bei Sup nichts.

Die meisten Social-Sharing-Apps, mit denen sich hunderte Millionen Menschen rund um den Globus die Zeit vertreiben, haben eines gemeinsam: Sie sprechen die narzisstische Seite ihrer Anwender an. Egal ob Facebook, Instagram, SnapChat, EyeEm oder Taptalk: Überall publizieren Nutzer ihre Schnappschüsse in der Hoffnung, dass ihre Kontakte beziehungsweise Follower an diesen Interesse zeigen und sie mit Likes und Kommentaren belohnen. Zumindest bei Selfies ist ein besonderer Drang zur externen Bestätigung des eigenen äußeren Erscheinungsbildes ein treibendes Motiv. Psychologen sehen eine klare Verbindung zwischen der Anfertigung regelmäßiger Selbstporträts und einem Hang zum Narzissmus.

Ziemlich interessant, weil mit dem Paradigma der Narzissmus den Weg bereitenden Foto- und Video-Apps brechend, ist eine neue iPhone-App aus den USA namens Sup (momentan nur im US-App-Store erhältlich). Im Vergleich zu den Kontrahenten kehrt Sup den Spieß um: Anstatt dass die "Absender" in der Hoffnung auf positive Resonanz und “Nachfrage” ihre Smartphone-Kameras heißlaufen lassen, signalisieren bei Sup User, dass sie gerne kurzzeitig per Video an dem Leben ihrer Freunde teilhaben möchten. Empfänger einer solchen Anfrage können diese auf Wunsch annehmen und anschließend bis zu zehn Sekunden lang ein Live-Video dessen streamen, was gerade um sie herum geschieht. Eine Besonderheit ist dabei, dass der Betrachter per Finger-Wisch-Gesten den Filmenden instruieren kann, das Telefon in eine bestimmte Richtung zu bewegen, oder etwa sich selbst zu filmen

sup180_iphoneDer Ansatz von Sup ist insofern ungewöhnlich, als dass er ein authentisches, von sich aus vorhandenes Interesse der Betrachter an den Erlebnissen ihrer Sup-Freunde voraussetzt. Die losen Netzwerke, die bei Facebook, Instagram und anderen Services entstehen und sich gegenseitig unverbindlich “befruchten”, dürften bei Sup so nicht zustande kommen. Denn wer würde schon per Sup-Anfrage in die “Privatsphäre” einer Person eindringen, zu der man kein enges, vertrauensvolles Verhältnis hat?

Das Konzept könnte Sup entweder dabei hinderlich sein, schnell eine kritische Masse aufzubauen, oder aber ein ausgezeichnetes Alleinststellungsmerkmal gegenüber vielen anderen Social-Apps darstellen, die nicht selten bis auf ein oder zwei Details völlig austauschbar sind.

Gegenüber TechCrunch erklärt CEO Bart Stein, dass eine künftige Version von Sup ein Feature beinhalten wird, mit dem man Nicht-Kontakten an einem bestimmten Ort eine Anfrage zum Betrachten ihres Kamera-Livestreams schicken kann. Viele Startups haben schon versucht, Smartphone-Nutzer in Echtzeit-Lieferanten von Bild- und/oder Videomaterial zu verwandeln, etwa Color und EyeQuest. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Sup verzichtet darauf, diesen Aspekt in den Mittelpunkt zu rücken, und fokussiert sich zum Debüt auf die Vernetzung unter Freunden. /mw

Link: Sup (momentan nur im US-App-Store erhältlich)

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