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30.04.13

Nextr: Reise-App darf auf Daten der Deutschen Bahn zugreifen

Die App nextr greift auf die Datenbank der Deutschen Bahn zu und vereinfacht die Reiseplanung von Haustür zu Haustür. Überraschenderweise will die Bahn dem Projekt keine Steine in den Weg legen.

Nextr_LogoEs gibt in Deutschland für überregionalen Nahverkehr keinen besseren Datenbestand als den der Deutschen Bahn, der sowohl eigene Verbindungen als auch die der Verkehrsverbünde und privaten Betreiber erfasst. Eine Fahrt etwa mit dem Bus von der Haltestelle eines Verkehrsverbunds in den nächsten lässt sich am besten damit planen. Für die Pünktlichkeit der Züge enthält die Datenbank außerdem Echtzeitinformationen. Es ist der Verkehrsmittelmix, der diesen Datenbestand unverzichtbar macht: Züge, Busse, Fähren, U- und S-Bahn. Die Bahn-Datenbank verfügt über all diese Informationen.

Die mobile Reiseplanung der Bahn, DB Navigator, greift auf diesen Bestand zu. Ihre Bedienung allerdings ist etwas umständlich - dachte sich Martin Oberhäuser, als er die Pläne zur App nextr schmiedete. Diese greift ebenfalls auf den Datenbestand der Bahn zu und vereinfacht die Reiseplanung mithilfe cleverer Funktionen. Nextr liefert etwa die Übersicht über Haltestellen in der unmittelbaren Umgebung. Ein kleines Pop-up zeigt an, welcher Bus oder welche Bahn wann als nächstes eintrifft. Nextr bohrt die manchmal etwas starre Bedienung von DB Navigator damit auf. Einfache Navigation über die Karte

Offizieller Start der App war vergangenen Freitag, beworben hat Oberhäuser sie am Montag. Und bereits am Dienstag lag sie auf Platz 2 der meist verkauften Apps im deutschen App Store. Die App ist bislang nur für das iPhone verfügbar und kostet 89 Cent. Für Oberhäuser war es ein Hobbyprojekt: "Keine der verfügbaren Apps hat das getan, was ich wollte." Ziel sei es gewesen, häufig gefahrene Strecken schnell verfügbar zu machen. So lässt sich auf nextr etwa die Adresse für das eigene Zuhause abspeichern, so dass man es mit einem Klick immer wieder aufrufen kann.

Die Möglichkeit bietet DB Navigator auch. Die große Stärke von nextr liegt aber in der kinderleichten Umgebungssuche. Man muss nichts eintippen: Direkt beim Start begrüßt die App den Benutzer mit einer Karte seines aktuellen Standorts. Dort sind bereits die Haltestellen der Umgebung markiert, die man nur noch antippen muss. Die Übersichtskarte, die sich dann öffnet, zeigt die Abfahrtszeit der nächsten Busse oder Bahnen an. Der Nutzer hat jedoch gleichzeitig die Wahl, Ziel- und Abfahrtsort auch von Hand einzutippen - nextr bietet beide Möglichkeiten gleichrangig an.

Nextr

Knackpunkt ist natürlich die Frage, was die Bahn zu der ganzen Sache sagt. Im vergangenen September zeigte sie sich verschnupft ob des dreisten Vorgehens der Initiatoren des OpenPlanB, die Daten einer Fahrplan-CD-ROM einfach zu hacken und online zu stellen. Ärger bekam auch der Entwickler Jonas Witt vor knapp fünf Jahren, als er für seine App Fahrinfo die Daten der Berliner Verkehrsbetriebe auslas. Im Kleingedruckten auf der nextr-Startseite heißt es derweil: "nextr ist keine App der Deutschen Bahn. Die Daten werden von mobile.bahn.de abgefragt." Müsste das nicht für Probleme sorgen?

Einfach mal nachgefragt

Erstaunlicherweise nicht, und jetzt kommen gleich zwei Überraschungen: Fast schon ungewöhnlich für einen Entwickler, der ein starres System aufbohren will, hat Oberhäuser bei der Bahn einfach mal nachgefragt. "Die waren zwar nicht begeistert und sagten, sie würden es nicht unterstützen, tolerieren würden sie es aber schon", so der Kommunikationsdesigner. "Im schlimmsten Falle untersagen sie es uns noch, im besten Fall kommt es zu einer Kooperation." Am Telefon ist Oberhäuser selbst ein wenig skeptisch, denn mit den Daten der Bahn steht und fällt natürlich der Nutzen seiner App.

Die zweite Überraschung allerdings: Die Bahn hat tatsächlich nichts dagegen. Wie mir ein Sprecher am Telefon versicherte, unterbindet die Bahn die Datenabfrage von der eigenen Website nicht. Lediglich im Falle von OpenPlanB habe man damals einen klaren Rechtsbruch erkannt und sich deshalb auch dagegen gewehrt.

Der Weg ist frei

Es sieht also gut aus für nextr, und das ist eine Nachricht, die man nicht unterschätzen sollte. Wenn die Bahn bei ihrem toleranten Anspruch bleibt, wäre damit der Weg frei für eine verkehrsmittelübergreifende Suche. Es muss ja nicht bei Zügen und dem Nahverkehr bleiben. Eine Suche, die zusätzlich auch noch Mitfahrgelegenheiten, Fernbusse und Flüge integriert, die dem Nutzer anzeigt, wie er am besten von Haustür zu Haustür kommt, ist damit möglich. Die Bahn hat signalisiert, dass sie auch anderen Apps keine Steine in den Weg legen würde. Apps wie die vergangene Woche gestartete Reiseplattform waymate könnten nun ihren Datenbestand deutlich aufwerten. Und auch Oberhäuser braucht sich für nextr erst einmal keine Sorgen zu machen.

Link: nextr

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