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08.08.08Leser-Kommentare

Newsnetz gestartet: Dicht dran am Boulevard

Die selben Schlagzeilen, die selben Bilder: Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger haben endlich moderne Websites – und eine gemeinsame Mantelredaktion.

Nachrichtenseiten sehen ohnehin recht ähnlich aus, kaum eine Online-Redaktion wagt, eigene Schwerpunkte zu setzen – lieber alles mitnehmen, was die Konkurrenz auch hat. In der Schweiz haben sich drei Zeitungen zum Newsnetz zusammengetan, um dieses voneinander Abschreiben, dieses Agenturmaterial möglichst schnell auf die Seite hieven, nicht gegen- sondern miteinander zu bestreiten.

Nach einem ersten Test vor einer Woche sind seit gestern Abend die drei Zeitungen mit neuen Websites im Internet. Im Hintergrund werkelt das Newsnetz, eine Zentralredaktion unter Leitung von Peter Wälty. Die kümmert sich fortan um die überregionalen Nachrichten. An die vierzig Mitarbeiter arbeiten in Zürich für die Ressorts Schweiz, Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur, Panorama, Wissen, Leben, Style, Digital und Auto.

Newsnetz gegen den Boulevard

Nur die regionalen Inhalte bleiben in der Hand der eigenen Onliner. Drei prominente Plätze, gleich unter dem Logo der Zeitung, sind für regionale Themen reserviert. Auch die übrigen Inhalte der Seite können regional befüllt werden – sonst werden einfach die Artikel des Newsnetzes übernommen. Das neue Layout soll die Websites optisch wieder an die Zeitungen heranrücken. Am Aussehen der Seiten hat die japanische Agentur information Architects gearbeitet (Facts 2.0, 78s), die für das Projekt ein Büro in der Schweiz eingerichtet hat.

Chefredaktor Peter Wälty tritt mit dem Newsnetz jetzt auch gegen den Online-Auftritt von 20 Minuten an – die klickstärkste Nachrichtenseite der Schweiz, die er selber aufgebaut hat. Die Boulevardseite verzeichnete im Juni laut Net-Metrix-Audit 9,3 Millionen Visits, Blick Online 12,4 Millionen. Nimmt man die Juni-Zahlen von Basler Zeitung, Berner Zeitung (bzw. espace.ch) und Tages-Anzeiger zusammen, ergibt das 8,3 Millionen Visits – Qualitätsjournalismus dicht dran am Boulevard.

Schläft die NZZ?

Rein rechnerisch hat das Newsnetz das Potential, mehr Visits als die NZZ zu verzeichnen. Im Juni lag die Zahl bei 7,4 Millionen Visits. Die Besucherzahlen haben sich seit einem halben Jahr nicht groß verändert. In den vergangenen fünf Monaten hat die Online-Redaktion der NZZ eher unauffällig vor sich hin gearbeitet. Immerhin soll es ab September tägliche eigene Videos zu Wirtschaftsthemen geben.

Die Ambition des Newsnetz dürfte klar sein: Das Spiegel Online der Schweiz soll hier entstehen, die eine große Nachrichtensite, reich befüllt mit bunten Inhalten und solidem Journalismus. Eine Lücke, die es nur gibt, weil die NZZ sie noch nicht gefüllt hat. Dabei wäre die Online-Redaktion gut aufgestellt. Warum die NZZ die Chance nicht nutzt? "Ich weiss auch nicht, was das Konzept bei der NZZ ist. Wieso machen die nicht mehr? Es ist ein absoluter Spitzenbrand, der ein immenses Potenzial im Internet hat", sagte Peter Wälty im Schweizer Journalist.

Online-Aufbruch in der Schweiz

Die übergreifende Zusammenarbeit im Internet macht unterdessen Schule: Sechs regionale Zeitungsverlage haben bereits ihr eigenes Portal angekündigt. news1.ch soll noch dieses Jahr starten, laut Plan schon im Oktober. Dafür stehen aber laut Norbert Neininger, dem Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, nur wenige hunderttausend Euro bereit.

Ausgerechnet an diesem Tag des Online-Aufbruchs vermeldet Ringier, dass Marc Görtz, der Leiter des Bereichs elektronische Medien, "auf eigenen Wunsch per Ende September 2008" das Unternehmen verlasse. Anfang September soll dann Christoph Bauer mit dem neuen Geschäftsbereich New Media den Ringier-Verlag fit fürs Web machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Ugugu

    08.08.08 (10:56:38)

    Dafür stehen aber laut Norbert Neininger, dem Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, nur wenige hunderttausend Euro bereit. Meinen die sechs Verlage das ernst? Entweder stecken die bereits mitten in der Inseratekrise, oder kurz vor dem Bankrott. Da wird dann in Zukunft aber ein ganz bescheidenes Grüppchen die ganzen News zusammenstöpseln. Über den Daumen gepeilt: Maximal ein Journalist pro Zeitung. Oder sind damit nur die Implementierungskosten gemeint?

  • Norbert Neininger

    08.08.08 (12:29:34)

    Und ob wir das ernst meinen! Die paar Hunderttausend Franken sind sie technischen Kosten. In jeder Hinsicht sind wir sechs Medienunternehmen zusammen natürlich weit grösser als Tamedia/Basler Zeitung. Und das gilt auch für die Summe unserer Internet-Mitarbeiter, deren Know How wir nun bündeln. Beste Grüsse Norbert Neininger news1.ch

  • Lupe

    08.08.08 (12:42:07)

    etwas sehr optimistisch und unkritisch, ole, deine, und die einschätzung der tamedia-besitzer. um ein "spiegel-online" der schweiz zu werden, hätte es wesentlich mehr bedurft. insbesondere die fähigkeiten und möglichkeiten des web 2.0 hätten genutzt werden müssen. aber, weil man das - ebenfalls dem tamedia verlag gehörende - "20 minuten" nicht konkurrenzieren wollte, ihm nicht das werbewasser absaugen will, so blieb man bei web 1.0 mein fazit: in dieser 1.0-form wird newsnetz nie diese marktstellung erreichen, wie die macher prognostizieren. da dürfte der fast zu spät-starter "news1" noch absolute chancen haben, gleichzuziehen, wenn jene web 2.0 integrieren. ich bin sogar überzeugt, die neue tagi-online-plattform wird lange nicht so schnell auf so viele besucher kommen, wie die alte version. dabei kommt mir wieder der relaunch von yigg.de (deutschlands ehemals grösste online-plattform, um news einzustellen, zu bewerten und zu kommentieren). der relaunch ging völlig in die hosen, yigg's besucherzahlen gingen um rund 50 prozent züruck. am kundenbedürfnis vorbeigeplant. genau dies dürfte dem beinahe-medienmonopolisten tamedia nun auch passieren.

  • Florian Steglich

    08.08.08 (12:53:12)

    » Lupe: yigg’s besucherzahlen gingen um rund 50 Prozent züruck. In den Juli-Zahlen der IVW ist Yigg nicht drin, hast Du eine andere Quelle?

  • Peter Hogenkamp

    08.08.08 (14:22:26)

    @Lupe, die Zielsetzung, das Schweizer Newsangebot zu werden, haben ja nicht wir uns ausgedacht, das war immer so kommuniziert, mal mehr, mal weniger zwischen den Zeilen. Und dass man mit doppelt so viel Leuten zumindest pootenziell mehr hinkriegen kann als vorher, würde ich auch annehmen. Ich will aber keinesfalls etwas beschönigen, nur unsere Aussage zu deren Ambitionen geraderücken. Wir schreiben morgen noch einen "Testbericht".

  • Lupe

    08.08.08 (15:23:45)

    at norbert neininger: noch vor zwei tagen hätte ich euch nicht den hauch einer chance gegeben, weil zu spät dran. nun aber, nachdem ich sah, wie newsnetz daherkommt, hättet ihr eine chance, wie ich oben und in meinem blog über newsnetz schrieb. ich hoffe, ihr macht mehr aus dem projekt, nutzt die chancen des web 2.0 (interaktivität etc.) und stellt, wenn ihr blogs betreibt, auch richtige blogger ein. at Flo: Yigg gehörte zu den absteigern im juli: in den aktuellsten index watch zahlen (IWZ) sogar rund -62.31% ein frontpage-beitrag bringt es kaum noch auf 30-50 besucher.

  • Felix Disselhoff

    08.08.08 (15:36:51)

    Wie sieht denn der richtige Blogger aus? Dass jetzt nur Blogger bloggen sollten, ist mir schleierhaft. Vermutlich bin ich ein, zwei Stunden am Tag Blogger. Danach mutier ich zum Journalist und Mensch. In der Reihenfolge

  • Lupe

    08.08.08 (15:58:34)

    es gibt selbstverständlich immer ausnahmen, ... und medienlese ist kein blog einer tageszeitung :-) aber insbesondere früher gab es einige beispiele von tageszeitung, die ihren blog so nebenbei, pseudomässig betrieben, einen journalisten dazu abbestellten. kommentieren konnte man nur, wenn man sich mit passwort und allem registrierte, die beiträge der blogger unterschieden sich in art und inhalt nicht von gewöhnlichen zeitungsbeiträgen. apropos kommentieren: wenn ich mich recht erinnere, hat eine grössere zeitung gar die kommentarfunktion gesperrt gehabt. weiss aber nicht mehr welche. aber du hast schon recht, wenn es ein journalist, der auch gerne mal blogs besucht, gut macht, so gibt es keine unterschiede. es sei denn, er werde redaktionell beauftragt, über welche themen er schreiben muss, oder er müsse seinen beitrag zuerst jemandem zum gegenlesen (absegnen) geben. ein blogger muss frei sein in der auswahl und in der art und weise, wie er seine beiträge an die leserschaft bringt. er darf nicht an redaktionssitzungen den auftrag erhalten, nun über bundesrat schmids reaktion auf die heutige svp-forderung zu bloggen.

  • Martin Diem

    08.08.08 (17:45:43)

    Back to the 90s. Alles Geld scheint in eine starke Mantelredaktion zu fliessen. Offenbar hat sich die Tages-Anzeiger Redaktion einmal mehr als sichere Bastion fuer einen sehr traditionellen journalistischen Approach durchgesetzt und kuemmert sich keinen Deut um die regionale Positionierung der Zeitungstitel im Newsnetz. Hier werden Marketinganspruch und tatsaechliches Angebot also weit auseinanderklaffen – good luck!

  • Ralph

    11.08.08 (17:20:58)

    So. Die Baz hat jetzt die ersten lokalen Blogs online. Ob das mit der Übernahme von logcut.ch zu tun hat? http://pixelfreund.ch/2008/08/baz-bernimmt-logcut-und-aggregiert-blogs/

  • Bernhard Weissberg

    12.08.08 (08:27:12)

    Verwirrlich: Einmal ist 20Min die "klickstärkste Nachrichtenseite", dann "die Boulevardseite". Was jetzt? Fakt ist: Während sich alle im 8-Millionen-Bereich balgen, ist Blick die mit Abstand stärkste News- und Boulevardseite. Und drum stimmt auch der Titel nicht: Nicht "dicht dran am Boulevard."

  • bytezh

    12.08.08 (11:40:10)

    kleine eigenwerbung betreffend net-metrix zahlen: ich habe unter www.mediamonitor.ch die klickstärksten mediensites der schweiz zusammengefasst. dann reden wir alle vom gleichen. werde dann heute abend mal das newsnetz dort ebenfalls in die grafik aufnehmen.

  • Peter Hogenkamp

    12.08.08 (19:40:34)

    Hallo Herr Weissberg, schön, dass Sie da sind. «Klickstärkste» ist vermutlich nicht das bestmögliche Wort, denn es ist nicht sehr exakt, sondern könnte alles mögliche heissen. Ist ehrlich gesagt so ein typisches flottes Journalistenwort (ich hatte den Beitrag vor Freischaltung mehrfach gelesen, war mir aber nicht aufgefallen). Am ehesten würde man wohl annehmen, dass «klickstark» für Page Impressions steht, und da ist der Blick in der Tat vorn, wie man in der NET-Metrix-Statistik auf zwei Blicke und in der von Benny Rüegg verlinkten Übersicht sogar auf einen Blick sieht.

  • Marc Isler

    13.08.08 (08:13:24)

    Gerne nehme ich den Faden von Martin Diem auf: Das NetzNetz vernachlässigt völlig regionale Titel wie "Thuner Tagblatt" oder "Solothurner Tagblatt": Statt einem eigenen, lokal gebrandeten Auftritt wird auf die Hauptseite bernerzeitung.ch verwiesen. Die regionale Verankerung der Print-Titel scheint somit im Internet neuerdings unwichtig zu sein. Erstaunlich. Eine Lücke, welche news1.ch hoffentlich intelligent zu schliessen weiss.

  • Martin Diem

    13.08.08 (20:14:28)

    Ja Herr Isler für die Berner Zeitung und ihre Kopfblätter ist das Newsnetz eine ganz besondere Herausforderung und nämlich nicht nur wegen der fehlenden regionalen Inhalte. Im persoenlich-Inteview vom 30.10.2007 gab der CR-Newsnetz, Peter Wälty auf die Frage wie er Quote machen will folgende Antwort: « (….) Mich interessiert allein, was der "Tages-Anzeiger"-Leser im Internet lesen will. Sind es People-Geschichten, werden entsprechende Inhalte auf der Website zu finden sein.» Wälty hat richtig erkannt, dass er die Quote da optimieren muss, wo er bereits viele User hat und die kommen im Newsnetz nun einmal mit überwältigender Mehrheit (>60%) vom tagesanzeiger.ch. Nun mag man sich fragen, weshalb der tagesanzeiger.ch den so erfolgreich war, obwohl die redaktionelle Leistung aufgrund der beschränkten Ressourcen eher medioker war. Hier meine These: die unter tagesanzeiger.ch publizierten Inhalte haben eine urbanes, linksintellektuelles, staatsfreundliches, wirtschafts- und gesellschaftskritische Publikum angesprochen. Genau für diese Leserschaft wird Wälty seinen Newsnetz-Mantel weiter optimieren. Diese Leserschaft ist nicht mit der «Scholle» verhaftet und kümmert sich somit auch weniger um Regionales. Nun sind die Berner Zeitung und ihre Kopfblätter aber Landzeitungen, welche Ihre Leserschaft aus der bürgerlichen Mitte rekrutieren, welche tendenziell konservativ, wirtschaftsfreundlich, etwas staatskritisch und der Scholle verbunden ist. Die Inhalte der BZ sind für diese Leserschaft optimiert. Nun wird mit dem Newsnetz ja bekanntlich beabsichtigt, Print-Lesern in treue Online-User zu verwandeln. Diese Migration wird aber für die Berner Zeitung scheitern, weil sich die Leser der Print-Ausgabe im, für den tagesanzeiger.ch optimierten, Online-Mantel nicht mehr finden. Fragt sich nun wer sich denn in diesem Mantel findet? Das sind die traditionellen Stadttitel wie der Tagi, der Bund, die BAZ und wahrscheinlich der Landbote. Für die wird sich die Synergie einer gemeinsamen Mantelredaktion lohnen und lässt sich in die Print-Titel weiterentwickeln. Kann die Tamedia dieses Manteldilemma lösen? Ja; in einem sehr mutigen Approach: Die Tamedia bietet die erworbenen Landtitel zum Verkauf an und konzentriert sich auf die urbane Zeitungstitel und Online-Angebote im «Golden Triangle» ZH, BS, BE. Als Käufer kommen die Betreiber von News1 im Umfeld der NZZ und AZ Medien in Frage. So könnte die Zeitungslandschaft im deutschsprachigen Umfeld in die vier Pole Ländlich-Bürgerlich(1), Urban-Progressiv(2), Gratis(3) und Boulevard(4) konsolidiert werden und sich von kostspieligen geografischen Grabenkriegen lösen. In einem so konsolidierten Umfeld würden sich in den in ersten beiden Polen sehr grosse Synergieeffekte ergeben bis hin zu Print-Mantelredaktionen für die gesamte Deutschschweiz. Damit würden die den Tamedia-Aktionären so liebgewordenen tollen Cash-Flow-Raten auch nach Investitionen von CHF 300 Mio. in das «Dying Business Print» (i.e. Espace Media Groupe) für die kommenden Jahre nachhaltig abgesichert.

  • Marc Isler

    14.08.08 (06:32:57)

    Herr Diem, eine spannende Auslegeordnung/These des aktuellen Dilemmas im Hause tamedia. Ist das die grosse Chance für regionale Verleger wie das Haus "Vogt-Schild Medien AG" (u.a. Herausgeberin von Berner Rundschau und Solothurner Zeitung)? Diese wiederum sind in Print (Mantel-Teil) und Online (Technologie) Partner von der AZ Mediengruppe (AZ ist zu 35% an VS beteiligt), welche zusammen mit weiteren Regionalverlegern news1.ch angekündet hat. Wartet da da nächste Dilemma auf die KonsumentInnen von Lokal-Medien? Oder packen die regionalen Verleger unter dem Dach von news1.ch die Chance?

  • Martin Diem

    14.08.08 (10:39:19)

    Herr Isler ob News1 eine Chance für die Print-Titel der beteiligten Medienunternehmen sein wird muss sich noch weisen. Die in der Medienmitteilung vom 6. August 2008 gemachte Ankündigung lässt allerdings einige Zweifel aufkommen: « (…) steht die Aggregation des regionalen und lokalen Contents der Partner im Zentrum; Instantnews, interaktive Communities, mobile Services und IP-Radio und TV bilden die weiteren Entwicklungsschritte.» Wer hat denn auf die Aggregation lokaler Contents unter einem neuen Kunstbrand gewartet? Sucht der Gemeindeangestellte aus Ilanz die Fotostrecke des letzen Dorffestes wirklich gerne unter News1.ch? Will man mit News1.ch dem «DerWesten.de» nacheifern? Hat man dazu denn ähnliche Mittel zur Verfügung wie die WAZ? Obige Fragen machen stutzig und ich bezweifle, dass News1 in der in der Medienmitteilung skizzierten Form erfolgreich sein wird: 1) der Brand ist sehr weit weg vom Benutzer der Bürgerlichen Mitte! Warum nicht besser «MeineSchweiz.ch» o.ä? 2) Einen neuen Brand zu lancieren ist ohnehin sehr aufwändig und wird den bestehenden Print-Titeln vorerst einmal gar nichts bringen. 3) Offenbar will man die Auftritte der einzelnen Print-Titel in gewohnter Form weiter betreiben; das heisst die Kräfte werden unnötig verzettelt. Kann man sich das leisten? 4) Inhalte werden dann offenbar unter verschiedenen Brands (Print-Online-Brand und News1) doppelt publiziert, was den Benutzer wohl eher verwirren als gewinnen wird. Ich empfehle News1 eine ähnliche Informationsarchitektur wie die des Newsnetz aber eine andere Organisationsstruktur: a) Eine Zentrale Redaktion publiziert einen Online-Mantel (Target: bürgerliche Mitte) für die bestehenden Online-Print-Brands des New1 Verbundes. Dieser Mantel wird von allen Online-Titeln übernommen und kann später für die Print-Titel weiter entwickelt werden. b) Regionale und lokale Inhalte werden vor Ort in dezentralen Multimediaredaktionen produziert. Dazu werden die regionalen Print-Redaktionen aufgestockt und zu Multimediaredaktionen ausgebildet. Es gibt also keine unabhängigen lokalen und regionalen Online-Redaktionen. Wie die Rekrutierung bei Newsnetz gezeigt hat, sind die Print-Redaktoren heiss darauf, sich multimediales Handwerk anzueignen: schliesslich ist das eine persönliche Investition in die berufliche Zukunft. c) Die regionalen Inhalte werden soweit sinnvoll mit benutzergenerierten Inhalten verschränkt (z.B. Fotostrecke zum Dorffest in Ilanz u.v.m). d)Die Inhalte der regionelen/lokalen Multimediaredaktionen werden im Gegensatz zu den Newsnetz-Titeln online viel prominenter platziert. Hier ist also die Informationsarchitektur gegenüber dem Newsnetz anzupassen. Obige Forderungen sind aber wohl reinnes Wunschdenken. Die Medienmitteilung lässt vermuten, dass man sich vorerst einmal auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden hat und nun mit einigen 100k CHF mal etwas gemeinsame Erfahrungen sammeln will. Auch hier wünsche ich: good luck!

  • Marc Isler

    14.08.08 (14:17:29)

    Interessant: Ex-azonline.ch-Chef Sam Müller hat scheinbar die Projektleitung von news1.ch übernommen.

  • Martin Diem

    14.08.08 (15:00:54)

    Herr Isler ich habe das Gefühl, dass News1 mit der bestehenden Trägerschaft vorerst nicht vom Fleck kommt. Dies dürfte damit zu tun haben, dass die AZ Medien gemäss den publizierten Medienmitteilungen unter azmedien.ch selber grosse Online-Pläne haben. Wenn die AZ Medien gut taktieren, werden sie also höchstwahrscheinlich zuerst die eigenen Projekte Launchen und News1 vorerst so gut wie möglich verschleppen, ohne aus dem Verbund geworfen zu werden. Wenn dann die AZ-Projekte Flügge sind, wird die AZ versuchen aus der Position der Stärke diese in der einen oder anderen Art gewinnbringend in News1 einzubringen. Von News1 ist gibt es unter azmedien.ch übrigens nichts zu lesen …

  • Marc Isler

    14.08.08 (15:16:38)

    Die Thesen/pointierten Aussgaen von Martin Diem scheinen mir plausibel. Ein neuer Kunstbrand wie "news1.ch" vermag den Leser eines lokalen Mediums kaum anzuziehen; wenn schon, dann wird ein Transfer des etablierten Print-Titels ins Netz erfolgversprechend sein. Doch: Gibt es dazu Resultate aus Umfragen / gute öffentliche Beispiele aus dem Ausland? Das azonline.ch-Aushängeschild http://www.a-z.ch/ von den Machern von http://www.meinberlin.de/ vermag nur schwer zu überzeugen. Und: wie reagiert der lokale Werbemarkt auf entsprechende überregional/national ausgerichtete Angebote?

  • Martin Diem

    14.08.08 (21:29:10)

    Herr Isler ich teile Ihre Meinung: a-z.ch ist durch das Georeferencing nicht besser geworden. Einerseits ist die Navigation/Bedienung, welche von meinberlin.ch adaptiert wurde, durch das Vermischen mit strukturierten datebankbasierten Inhalten viel zu komplex geraten und anderseits sind natürlich die Inhalte sehr dürftig und in keiner Weise unique. In diesem Umfeld leere Datenbanken für Vereine und persönliche Profile bereitzustellen ist sehr mutig. Der Marketingaufwand um diese neuen Themen mit Inhalt zu füllen, wird sich kaum je auszahlen. Erfolgreiche regionale und lokale Angebote von regionalen Zeitungsverlagen gibt es vor unsrer Haustüre zum Beispiel unter http://www.vol.ch (Voralberg Online). Auch wenn diese Site nicht durch elegante Internettechnologie glänzt zeigt sie, welche lokalen Inhalte «Lokalisten» gut mobilisieren: - News about community and ordinary people, tragische Schicksale (gemäss VOL sind praktisch alle Vorarlberger irgendwo irgendwann einmal auf VOL mit persönlichem Bild erschienen) - Vereins- und Gesellschaftsleben - Lokale Persönlichkeiten und Helden, Promiklatsch - Verbrechen, Unfälle, tragische (Katzenmöder) und oddly enough Geschichten - Soft Erotik regionaler & lokaler Schönheiten - Persönliche erfahrene Ungerechtigkeiten (z.B. mit Behörden) - Lokale Sportereignisse, -clubs und –resultate - News über regionale KMU (potentielle Arbeitgeber) - Kulturelle Angebote, für den Ausgehabend in der Region/Gemeinde - Einfache Klickspiele, Wettbewerbe - Haustiere (Blog aus dem Tierheim etc.) - Elternstolz mit tollen Sprösslingen ….. Wenn das Ganze noch mit modernen WEB2.0 Features, Social Databases, Georeferencing, Videos etc. angereichert wird, steht einem publizistischen Erfolg bei fehlender Konkurrenz (Situation heute in der Schweiz) nichts mehr im Weg. Aber obige Inhalte generieren sich leider nur zum kleinen Teil von selbst; es ist redaktioneller Manpower gefragt! Um den Werbemarkt braucht man sich nicht zu kümmern wenn die Audience stimmt; der Werbemarkt folgt der Audience (durch die Nachhilfe einiger engagierter Varkaustalente natürlich ;-).

  • Marc Isler

    15.08.08 (09:58:15)

    Einleuchtend. Doch, ist im Fall lokaler Werbung effektiv alleine die Audience entscheidend? Im Segment der Grosskundenwerbung stimme ich diesem Argument gerne zu. Aber zählt im Long Tail der KMUs mit lokaler Ausstrahlung nicht viel eher eine Präsenz in möglichst relevantem lokalem Kontext (z.B. auf Gemeinde-Sites wie http://fontanella.vol.at/) statt eindrücklichen Traffic-Zahlen mit hohem Anteil nicht-lokaler BesucherInnen?

  • Martin Diem

    15.08.08 (11:02:59)

    Herr Isler, einmal mehr treffen Sie mit Ihrer suggestiven Frage den Nagel auf den Kopf: Logisch kümmert sich der lokal Werbauftraggeber keinen Deut um Mediendaten, sondern er sucht ein in seiner subjektiven Wahrnehmung relevantes Werbeumfeld. Ich erlaube mir aber die These aufzustellen, dass die subjektive Wahrnehmung lokaler KMU ziemlich gut mit der tatsächlichen Audience korreliert; womit meine im Post zuvor gemachte Aussage nach wie vor gehalten werden kann ;-)

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