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08.08.08

Newsnetz gestartet: Dicht dran am Boulevard

Die selben Schlagzeilen, die selben Bilder: Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger haben endlich moderne Websites – und eine gemeinsame Mantelredaktion.

Nachrichtenseiten sehen ohnehin recht ähnlich aus, kaum eine Online-Redaktion wagt, eigene Schwerpunkte zu setzen – lieber alles mitnehmen, was die Konkurrenz auch hat. In der Schweiz haben sich drei Zeitungen zum Newsnetz zusammengetan, um dieses voneinander Abschreiben, dieses Agenturmaterial möglichst schnell auf die Seite hieven, nicht gegen- sondern miteinander zu bestreiten.

Nach einem ersten Test vor einer Woche sind seit gestern Abend die drei Zeitungen mit neuen Websites im Internet. Im Hintergrund werkelt das Newsnetz, eine Zentralredaktion unter Leitung von Peter Wälty. Die kümmert sich fortan um die überregionalen Nachrichten. An die vierzig Mitarbeiter arbeiten in Zürich für die Ressorts Schweiz, Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur, Panorama, Wissen, Leben, Style, Digital und Auto.

Newsnetz gegen den Boulevard

Nur die regionalen Inhalte bleiben in der Hand der eigenen Onliner. Drei prominente Plätze, gleich unter dem Logo der Zeitung, sind für regionale Themen reserviert. Auch die übrigen Inhalte der Seite können regional befüllt werden – sonst werden einfach die Artikel des Newsnetzes übernommen. Das neue Layout soll die Websites optisch wieder an die Zeitungen heranrücken. Am Aussehen der Seiten hat die japanische Agentur information Architects gearbeitet ( Facts 2.0 , 78s), die für das Projekt ein Büro in der Schweiz eingerichtet hat.

Chefredaktor Peter Wälty tritt mit dem Newsnetz jetzt auch gegen den Online-Auftritt von 20 Minuten an – die klickstärkste Nachrichtenseite der Schweiz, die er selber aufgebaut hat. Die Boulevardseite verzeichnete im Juni laut Net-Metrix-Audit 9,3 Millionen Visits, Blick Online 12,4 Millionen. Nimmt man die Juni-Zahlen von Basler Zeitung, Berner Zeitung (bzw. espace.ch) und Tages-Anzeiger zusammen, ergibt das 8,3 Millionen Visits – Qualitätsjournalismus dicht dran am Boulevard.

Schläft die NZZ?

Rein rechnerisch hat das Newsnetz das Potential, mehr Visits als die NZZ zu verzeichnen. Im Juni lag die Zahl bei 7,4 Millionen Visits. Die Besucherzahlen haben sich seit einem halben Jahr nicht groß verändert. In den vergangenen fünf Monaten hat die Online-Redaktion der NZZ eher unauffällig vor sich hin gearbeitet. Immerhin soll es ab September tägliche eigene Videos zu Wirtschaftsthemen geben.

Die Ambition des Newsnetz dürfte klar sein: Das Spiegel Online der Schweiz soll hier entstehen, die eine große Nachrichtensite, reich befüllt mit bunten Inhalten und solidem Journalismus. Eine Lücke, die es nur gibt, weil die NZZ sie noch nicht gefüllt hat. Dabei wäre die Online-Redaktion gut aufgestellt. Warum die NZZ die Chance nicht nutzt? "Ich weiss auch nicht, was das Konzept bei der NZZ ist. Wieso machen die nicht mehr? Es ist ein absoluter Spitzenbrand, der ein immenses Potenzial im Internet hat", sagte Peter Wälty im Schweizer Journalist.

Online-Aufbruch in der Schweiz

Die übergreifende Zusammenarbeit im Internet macht unterdessen Schule: Sechs regionale Zeitungsverlage haben bereits ihr eigenes Portal angekündigt. news1.ch soll noch dieses Jahr starten, laut Plan schon im Oktober. Dafür stehen aber laut Norbert Neininger, dem Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, nur wenige hunderttausend Euro bereit.

Ausgerechnet an diesem Tag des Online-Aufbruchs vermeldet Ringier, dass Marc Görtz, der Leiter des Bereichs elektronische Medien, "auf eigenen Wunsch per Ende September 2008" das Unternehmen verlasse. Anfang September soll dann Christoph Bauer mit dem neuen Geschäftsbereich New Media den Ringier-Verlag fit fürs Web machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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