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13.12.10Leser-Kommentare

Newsgrape: Zwei Studenten basteln am YouTube für Texte

Zwei Studenten aus dem deutschsprachigen Raum wollen mit Newsgrape eine neuartige Onlineplattform für die Publikation und Konsumtion von Texten aufbauen. Über den Crowdfundingdienst Kickstarter werben sie um Unterstützung.

 

Bloggernetzwerke und Autorencommunities gibt es zahlreiche: Von suite101 über XinXii, blog.de bis hin zu den ganz großen US-Bloggingservices wie Blogger, WordPress.com, Tumblr oder posterous. Das Problem: Entweder steht die Bereitstellung der notwendigen Werkzeuge im Vordergrund, aber es fehlt an Optionen zur Reichweitenerhöhung, Vernetzung oder Vermarktung, oder es werden zwar die letztgenannten Aspekte berücksichtigt, dafür hapert es an zeitgemäßen technischen Features oder einer überzeugenden Vision. Kurzum: Der Markt ist noch lange nicht gesättigt.

Newsgrape heißt ein neuer Service, der nichts Geringes anstrebt, als "Online Texting" neu zu erfinden. Seit einem Jahr werkeln der Österreicher Felix Häusler und der Deutsche Leo Fasbender an ihrer Plattform zum einfachen Erstellen, Teilen und Durchsuchen von Artikeln und Beiträgen.

Alleinstellungsmerkmale des Dienstes sollen ein einfaches Interface, Mehrsprachigkeit, ein intelligentes System zur Qualitätssicherung sowie Features zum Publizieren kollaborativer Magazine sein.

Newsgrape ist noch nicht gestartet. Das Projekt wurde jedoch vor einer Woche in das Crowdfunding-Programm von Kickstarter aufgenommen. Die zwei Newsgrape-Macher hoffen nun darauf, über die Plattform aus New York Spenden für die Finalisierung ihres Vorhabens einzusammeln. Kickstarter gelangte in den vergangenen Monaten zu einer gewissen Prominenz, weil es der Facebook-Alternative diaspora dabei half, 200.000 Dollar zur Realisierung seines dezentralen sozialen Netzwerkes einzunehmen (angestrebt waren lediglich 10.000 Dollar).

Bis zum 16. Januar wollen Felix Häusler und Leo Fasbender 12.500 Dollar Spenden über Kickstarter eingenommen haben. 2.900 Dollar von 25 Unterstützern haben sie zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels bereits. Mit dem Geld sollen zu Anfang die Serverkosten für einen Start im deutschsprachigen Raum und Großbritannien gedeckt werden. Für einen US-Launch sind 60.000 Dollar notwendig, berichtete mir Felix Häusler.

Die zwei Studenten hegen die Vision, mit Newsgrape Konsumenten und Produzenten von Texten auf einer modernen, vielseitig einsetzbaren Plattform zusammenzubringen. Ein Blick auf die Feature-Liste zeigt, dass sie dabei sowohl die Interessen von Hobby-Bloggern als auch die von professionellen Autoren sowie Journalisten berücksichtigen und gleichzeitig einen funktionell anspruchsvollen Service für Leser bieten wollen:

Beiträge werden nach verschiedenen Kriterien sortiert und gefiltert. Charts, Kategorien, Genres und Tags sollen Usern beim Auffinden von Themen und Artikeln helfen. Autoren können sich zusammenschließen und unter einem gemeinsamen Banner Magazine publizieren. Nutzer erhalten die Möglichkeit, verschiedene Magazine und Autoren zu abonnieren und sich so ihre persönliche digitale Zeitung zusammenzustellen. Auch ein Import von RSS-Feeds ist vorgesehen.

Die Benutzeroberfläche soll so einfach wie möglich ausfallen, um Newsgrape allen Anwendergruppen zugänglich zu machen. Eine Anpassung für mobile Geräte sowie eine öffentliche API stehen ebenfalls auf der Roadmap.

Geplant ist zudem ein Vergütungsmodell, bei dem erfolgreiche Autoren (eine nähere Definition zu "erfolgreich" fehlt bisher) bis zu 75 Prozent der mit ihren Artikeln generierten Werbeeinnahmen behalten dürfen. Für etablierte Nachrichtenmedien will Newsgrape ein Partner-Programm bieten, in dessen Rahmen sie Kurzfassungen und Teaser zu ihren Beiträgen bei Newsgrape in eigenen Magazinen publizieren und so ihre Online-Angebote bewerben können.

Hier einige Screenshots von Newsgrape. Mein erster Gedanke war: "Ein YouTube für Texte".

[photos title="Newsgrape in Aktion"]

Das österreichisch-deutsche Gründerduo hat sich mit Newsgrape augenscheinlich einiges vorgenommen. Während die zwei Studenten zwar nicht erklären, wie und ob sie mit Newsgrape das fundamentale Monetarisierungsproblem von Onlineinhalten lösen wollen, klingt die Kombination aus einer internationalen, einfach zu bedienenden Blogging-Plattform mit Abo-Funktion, algorithmenbasierten Filter- und Sortieroptionen, einer API sowie einer Integration externer Contentlieferanten in jedem Fall nach einer spannenden Angelegenheit.

Allein die Präsenz bei Kickstarter dürfte dem Vorhaben neben der erhofften finanziellen Unterstützung auch einen ordentlichen Aufmerksamkeitsschub verschaffen. Ein anderer Vorteil des Crowdfunding-Ansatzes: Es entsteht ein öffentlicher Druck für das Newsgrape-Gründerteam, ihr ambitioniertes Projekt zum Abschluss zu bringen.

Kommentare

  • Richard

    13.12.10 (13:13:27)

    Äh, kommt das nur mir so vor, oder ist das Ganze, vom Namen angefangen bis hin zum Vergütungssystem, sehr nahe am Konzept von NewsVine?

  • Martin Weigert

    13.12.10 (13:27:40)

    Mhh ich weiß nicht.. NewsVine ist doch eher eine Art Digg/Reddit für "handfeste" News mit Fokus auf Inhalten von etablierten Nachrichtensite, die zudem nur angeteasert werden... Newsgrape fokussiert sich mehr auf User Generated Content, zudem gibt es kein Voting von Artikeln, dafür mehr Funktionalität zum Reichenweitenaufbau für Autoren. Vergütungssysteme gibt es ja nun viele, darauf hat wohl niemand ein Copyright gepachtet ;)

  • Richard

    13.12.10 (13:34:09)

    Naja, also ich bin jetzt schon ewig nicht mehr auf NewsVine aktiv, aber ursprünglich war der Service schon so konzipiert, dass User Texte verfasst haben und dann auch entsprechend der Hits, Kommentare, etc. dafür vergütet wurden. Klar gab's auch die Möglichkeit Links zu posten, aber generell war NewsVine auf eigene Texte der User aus. Seit sie gekauft worden sind, ist auch die Einbindung klassischen Newscontents größer geworden, also vielleicht sind sie mittlerweile auch etwas weiter vom UGC Modell weggekommen, weil sie gemerkt haben, dass sich damit nicht wirklich Geld verdienen lässt ;)

  • Martin Weigert

    13.12.10 (13:40:16)

    Dann ist es ja an der Zeit, dass es erneut jemand versucht ;) Wobei die Parallelen bei der Namenswahl natürlich.... bemerkenswert sind.

  • Felix Häusler

    13.12.10 (14:02:26)

    Hallo und Grüße vom Newsgrape-Team! Können Entwarnung bezüglich Newsvine geben: Haben uns namentlich und inhaltlich nicht an dieser Seite orientiert. Dass andere Seiten sich ebenfalls schon mal an der Vergütung von Autoren versucht haben ist wahr. Jedoch sind die meisten aus Mangel an sonstiger Funktionalität am Ausbleiben der Leser gescheitert - Wir hoffen, aus deren Fehlern gelernt zu haben. Ein Vorteil ist, dass bei uns die Wirtschaftlichkeit nicht so wichtig gereiht ist, wie Innovation und Usability. Cheerio :) - Felix

  • Felix Häusler

    13.12.10 (14:08:49)

    p.s. damit ist natürlich Wirtschaftlichkeit für uns (nicht die der Schreiber) gemeint, die natürlich wichtig ist, jedoch nicht um jeden Preis auf den höchstmöglichen Profit gerichtet werden sollte.

  • Dr.-Schiwago-Mutter

    13.12.10 (18:10:03)

    Wenn ich mir die Vorschaubilder so anschaue, frage ich mich, ob die Startseiten für eine TEXTplattform wirklich so FOTOteaser-orientiert sein müssen. Seid ihr sicher, dass ihr damit wirklich Buchstabenmenschen anzieht? (Frage ist konstruktiv gemeint.) Auf die Ergebnisse des Inhaltsbewertungs-Algorithmus bin ich schon mal gespannt. (Aussage mit leicht süffisantem Unterton.) Texting? Ich bin wirklich alles andere als ein Sprachpurist, aber muss so ein Wortkäse wirklich sein? (Leicht genervt.) Als Autor Geld verdienen und berühmt werden mit Texting? (Schau'n mer halt mal!)

  • OttoCar

    13.12.10 (22:52:04)

    Aus finanzieller Sicht muss ich mich jetzt erkundigen, mit welchem System diese "Vergütung" arbeitet - externe Werbe-Software a la Google AdWords? Und davon 75% abgeben? Als BWLer frage ich mich, ob das mal konkret durch kalkuliert wurde. Falls nicht, ich kenne da jemanden der sich in dem Gebiet auskennt, gib Bescheid. Wenn ich mir die Vorschaubilder so anschaue, frage ich mich, ob die Startseiten für eine TEXTplattform wirklich so FOTOteaser-orientiert sein müssen. Seid ihr sicher, dass ihr damit wirklich Buchstabenmenschen anzieht? Die Antwort darauf erübrigt sich bei einem genauen Blick auf Bild Nr. 1. Abgesehen von ein Paar Unklarheiten - meine Achtung habt ihr. Das auf die Beine zu stellen, nicht schlecht. Vor allem im deutschsprachigen Raum der notorischen Nörgler und Skeptiker - alle Achtung. Also gut, um $5 seids ihr schon mal weiter.

  • Christoph

    13.12.10 (23:45:48)

    Das ganze sieht doch recht interessant aus. Was ich bei sowas immer gut finde, ist, wenn das von "einfachen" Leuten kommt, in diesem Fall Studenten. Und nicht von irgendwelchen riesen Konzernen. Gefällt mir!

  • Felix Häusler

    14.12.10 (20:00:59)

    Vielen Dank für die netten Feedbacks und kritischen Fragen! Für interessierte gibt es in der Zeit ein neues Interview und zahlreiche interessante Fragen im Kommentarbereich. http://www.zeit.de/karriere/beruf/2010-12/debatte-gruender-journalismus-plattform Startet mit uns Newsgrape! :) -Felix

  • Ulrich Voß

    16.12.10 (18:43:52)

    Youtube für Texte? Klingeling. http://techcrunch.com/2007/03/06/scribd-youtube-for-text-gets-300k/ Copycat-Alarm. Aber OK, der Vegleich war schief, Newsgrape geht in eine andere Richtung. Newsgrape ist ein Copycat von was anderem ;-) Was steht ja schon in den Kommentaren oben ...

  • Alex

    17.12.10 (00:00:18)

    Hallo, also die Idee klingt ja zunächst spannend und sehr interessant - vor allem als textverliebter Mensch! Da ich recht skeptisch bin, klingt es noch "zu toll". Ich überzeuge mich dann von einer gebrauchstauglichen Online-Version. Und: Das Intro-Video scheint mir leider etwas aufgesetzt und nicht authentisch (zu sehr professionell gewollt) - was wahrscheinlich viel an den drüber gelegten Stimmen legt. (es wirkt unfreiwillig komisch, weil ein kleiner zeitlicher Versatz entsteht und es nicht lippensynchron ist). Aber nichts für ungut. Gutes Gelingen & Viele Grüße, - Alex

  • Martin Weigert

    17.12.10 (01:15:02)

    Bald kann ich das unreflektierte Copycat-Geschrei nicht mehr hören! Scribd ist für Dokumente (egal ob TechCrunch das als YouTube für Texte bezeichnet). Niemand würde auf die Idee kommen, einen aktuellen Blogbeitrag in ein PDF zu packen und bei Scribd hochzuladen. Sprich, die Einsatzszenarien sind andere, und das technische Drumherum auch. Insofern unterscheiden sich Dokumentenplattenformen wie Scribd oder DocStoc meines Erachtens nach sehr von einem Vorhaben wie Newsgrape. Und nur für dich noch mal die Leseempfehlung: http://netzwertig.com/2010/11/02/startups-warum-es-zeit-ist-den-copycat-begriff-zu-hinterfragen/ Im Internet gibt es so gut wie keine Idee mehr, die nicht schon einmal aufgegriffen wurde. Insofern dürfte dann nach deiner Theorie niemand mehr etwas gründen.

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