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13.03.13

Newcomer-Startup des SXSW-Festivals: Es ist eine Foto-Video-Sharing-App!

Auch wenn die Erwartungen auf einen App-Hit im Vorfeld des diesjährigen SXSW-Festivals gedämpft waren: Mit Takes gibt es nun doch einen Kandidaten. Er macht ungefähr das, was viele andere Apps schon tun, nur etwas anders.

sxswDas South by Southwest-Festival (SXSW) bringt dieser Tage wieder Musik- und Digital-Fans im texanischen Austin zusammen. Seit im Rahmen des aus Networking, Gesprächsrunden, Parties und Konzerten bestehenden Events Twitter 2007 seinen großen Durchbruch erlebte, gefolgt von foursquare zwei Jahre später, stellt sich die US-Webgemeinde jeweils vor der Veranstaltung die Frage, welche App denn dieses Mal zum Liebling der Festival-Besucher und populären Gesprächsthema avancieren und im Anschluss allgemeine Bekanntheit erlangen würde. Doch da in den letzten Jahren die Erwartungen in einzelne hoch gehandelte Dienste wie etwa Highlight jeweils nicht erfüllt wurden und Twitter nach wie vor das einzige Unternehmen bleibt, das - lange Zeit nach der SXSW-Euphorie - überhaupt den Sprung in den Mainstream geschafft hat, verzichteten die meisten Blogs in diesem Jahr darauf, Newcomer mit Vorschusslorbeeren zu überhäufen.

Insgeheim dürfte aber dennoch der ein oder andere Besucher und beobachtende Redakteur darauf gehofft haben, dass sich zumindest ein Anbieter unter den 20.000 SXSW-Pilgerern zu einem Hit entwickeln würde. Diesem Artikel von evolver.fm zufolge ist eine neue, während des Events veröffentlichte iOS-Foto-Video-App namens Takes (Achtung, Website mit Musik!) der wahrscheinlichste Kandidat, die Ehre des Festivals als ideale Launchplattform für soziale Applikationen zu retten. Auch andere Medienangebote wie USA Today und CNET berichten positiv über die Anwendung des israelischen Startups, das somit im Nachgang des jetzt abgeschlossenen interaktiven SXSW-Teils noch von mehr Neugierigen unter die Lupe genommen werden dürfte.Takes macht Videos aus Fotos

Bei Takes handelt es sich wieder einmal um eine App, mit der sich visuelle Erlebnisse mit dem Smartphone festhalten lassen. Das Alleinstellungsmerkmal: Die mit der iPhone-Anwendung geschossenen Bilder lassen sich mit mit einem Klick in kurze, mit Musik unterlegte Videos verwandeln. Jedes Mal, wenn ein Nutzer mit Takes ein Foto aufnimmt, so speichert die Applikation dazu jeweils einen ganz kurzen Clip, der vor dem eigentlichen Foto beginnt und kurz danach aufhört. Generiert man mit Takes schließlich eine finale Fotosammlung, so wirkt diese nicht wie eine traditionelle Bilder-Slideshow sondern eher wie das Aneinanderreihen von ganz vielen Mini-Cips. Als Hintergrundmusik können einige integrierter Titel gewählt werden, alternativ lassen sich auf dem  iPhone abgelegte Songs verwenden - aus rechtlichen Gründen lassen sich diese "Takes", wie die die Foto-Video-Collagen heißen, dann jedoch nicht per Twitter oder Facebook teilen.

Ähnlichkeit zu Vine

Takes erinnert am ehesten an Twitters Mini-Video-App Vine , unterscheidet sich von ihr aber dadurch, dass Nutzer nicht in ein Sechs-Sekunden-Korsett gezwängt werden. Praktischer ist außerdem, dass Anwender in Ruhe über Stunden oder Tage verteilt Fotos mit Takes anfertigen und dann, wenn sie hinreichend gesammelt haben, daraus in Ruhe einen Take generieren können. Ein Vine hingegen erfordert im Prinzip den sofortigen Abschluss eines Mini-Clips, weil sich keine vorab gespeicherten Szenen verwenden lassen. Nimmt man es genau, unterscheiden sich Vine und Takes also doch, weil bei letzterem Service die Bindung an einen spezifischen Zeitpunkt wegfällt. Theoretisch lassen sich an verschiedenen Orten und unterschiedlichen Tagen aufgenommene Schnappschüsse in einem Werk unterbringen.

Unterschiede liegen - nur - im Detail

Die Differenzierung liegt im Detail. Und das ist mein großer Kritikpunkt an der enormen Zahl an Foto- und Video-Sharing-Apps. Egal ob Instagram, EyeEm, Loopcam, Cinemagram , Vine oder Takes: Allen geht es darum, die perfekte Kombination aus Simplizität, Sharing-Features und Kreativtools zu finden, um eine maximale Bindung der Smartphone-Nutzer zu erreichen. Um sie einzuschließen und einen Lock-In zu erzielen. Ungefähr so, wie wenn zehn verschiedene Hersteller von Schraubenziehern versuchen würden, ihre sich nur in Form und Klingenspitze unterscheidenden Werkzeuge auf dem Markt zu etablieren. Glücklicherweise gibt es mit Schlitzschraubendreher und Kreuzschlitzschraubendreher nur zwei gängige.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Ich kann nicht wirklich verstehen, dass sich Gründer im Jahr 2013 noch immer in diesem Feld zu eigenen Experimenten bewogen fühlen, wenn das Ergebnis dann quasi alter Wein in neuen Schläuchen ist, vielleicht mit einer zusätzlichen Geschmacksnote. Und selbst wenn manche Anwender offensichtlich gar nicht genug von Tools kriegen können, die ihnen das noch ausgeklügeltere Sharen von Bildern und kurzen Videos erlauben, so find ich es befremdlich, wie sich die Branche im Allgemeinen so sehr auf eine eigentlich völlig lapidare Produktkategorie versteifen kann, und wie eine simple Modifikation bei der Funktionweise ausreicht, um die Horde der "Oversharer" aufs Neue in Begeisterung zu versetzen.

Sollte Takes im Nachhinein tatsächlich zu DER SXSW-App 2013 aufsteigen, so wäre das ein weiterer Beleg für die zweifelhafte Prioritätensetzung der US-Tech-Elite, aber auch für Gründer weltweit, welche die Entwicklung von Anwendungen zur kurzfristigen Unterhaltung der Massen der Schaffung revolutionärer, einen tieferen Sinn erfüllender Problemloser vorziehen. Ich weiß, dass ich diesen Punkt schon mehrfach kritisiert habe und damit Gefahr laufe, mich zu wiederholen. Aber dieses Risiko nehme ich in Kauf. /mw

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