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24.02.12Leser-Kommentar

Neustart der iPhone-App: wahwah.fm ist der interaktivere iPod

Das Berliner Startup wahwah.fm hat in dieser Woche seine neue App für Nutzer in Deutschland veröffentlicht. Mit ihr können Besitzer von iPhone und iPod touch aus ihren angehörten Songs eine Online-Radiostation erstellen.

 

Stellt euch vor, ihr öffnet den Standard-Musikplayer eures iPhones, beginnt mit dem Hören ausgewählter Titel und könnt diese parallel zu anderen Nutzern übertragen, bei denen zeitgleich die selben Klänge aus den Kopfhörern schallen. Eine derartige Funktion fehlt dem Apple-Musikplayer für iOS natürlich, weshalb das beschriebene Szenario bisher nicht möglich war.

Mit dem in dieser Woche erfolgten Neustart von wahwah.fm erhalten Besitzer von iPhone und iPod touch nun jedoch die Gelegenheit, ihre aktuell angehörten Songs der Allgemeinheit verfügbar zu machen - und das ohne den Datenverbrauch in die Höhe treibendes Streaming.

Erstmals berichteten wir über das Berliner Startup im vergangenen Jahr, als es die initiale Version seiner iPhone-App veröffentlichte. Mit dieser ließen sich Playlisten aus bei SoundCloud gespeicherten Songs erstellen, die anschließend kollektiv mit anderen wahwah.fm-Anwendern angehört werden konnten. Der Stream war für Hörer nur so lange verfügbar, wie der Erschaffer diesem selbst lauschte.

Die Beschränkung auf SoundCloud sowie eine fehlende öffentliche Aufmerksamkeit führten schließlich dazu, dass wahwah.fm-Gründer Philipp Eibach und sein sechsköpfiges Team sich dazu entschlossen, die Anwendung wieder aus dem App Store zu nehmen und nochmals von Grund auf neu zu bauen. Die zweite Version von wahwah.fm sollte dann auch das schon lange geplante Feature beinhalten, aus der eigenen Musiksammlung einen mobilen, standortbasierten Radiostream erstellen zu können.

Neben der Entwicklung der App und der erfolgreichen Beschaffung von frischem Kapital war das wahwah.fm-Team in den letzten Monaten damit beschäftigt, die notwendigen Vereinbarungen mit den Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL sowie den Labels zu schließen. Dieser Prozess ist bis auf einige Plattenfirmen abgeschlossen - weswegen dem Launch von wahwah.fm 2.0 nichts mehr im Wege stand.

Ein interaktiver iPod mit "Senden"-Funktion

Wie eingangs beschrieben lässt sich die jetzt veröffentlichte, vorerst aber nur im deutschen App Store erhältliche Anwendung am ehesten mit einem um soziale Features erweiterten iPod vergleichen: Anwender können ihre wahwah.fm-Playlist mit lokal auf ihrem iPhone oder iPod touch gespeicherten Musikdateien befüllen (sofern sich diese im wahwah.fm-Katalog befinden) und während des Hörens anderen Menschen an dieser Auswahl Teil haben lassen. Dabei begnügt sich wahwah.fm mit den Meta-Daten der aktuell gespielten Titel. Den Stream an die Hörer liefert es anschließend über seine eigenen Server aus. SoundCloud wird als Songquelle nicht mehr unterstützt.

Wer über wahwah.fm die Musik anderer User genießen will, statt seine eigenen MP3s zu hören und mit diesen eine Radiostation zu erstellen, findet über den Menüpunkt "Radios around" eine Liste aller Stationen, die gerade "live" sind. Ein wichtiges Merkmal von wahwah.fm ist, dass Streams nur so lange verfügbar sind, wie sie vom "Sender" auch über die wahwah.fm-App angehört werden. Ein "Vorspulen" oder Überspringen einzelner Titel ist nicht möglich.

Jeder Musikhörer soll zum Radio werden

Dies mag als unnötige Einschränkung aufgefasst werden, wurde von den Berlinern aber bewusst so gewählt. wahwah.fm ist kein klassisches On-Demand-Angebot, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, aus jedem mobilen Musikhörer eine eigene Radiostation zu machen. Diese Limitierung und der dadurch erreichte geringere "Interaktivitätsgrad" (im Bezug auf den Zugriff auf digitale Musik) hat nebenbei auch den Vorteil niedrigerer Lizenzgebühren, die wahwah.fm an die Vertreter der Musikindustrie abführen muss.

wahwah.fm erlaubt das Abonnieren von anderen Nutzern, deren Radio einem zusagt, sowie das Kommunizieren über Nachrichten. Neben von mobilen Anwendern generierten Stationen können auch Orte, Geschäfte, Labels und gastronomische Einrichtungen eigene Radios einrichten, die in der Sektion "Places" gesondert gelistet werden. Hier sieht das Startup auch eine künftige Erlösquelle in Form von Sponsoring und "Branded Radios".

Durch die Berücksichtigung lokal gespeicherter Musik öffnet sich wahwah.fm einer deutlich größeren Nutzerschaft, als dies zuvor mit der Integration von SoundCloud der Fall war. Gleichzeitig ignoriert das überarbeitete Konzept jedoch all diejenigen, die nur noch über On-Demand-Apps wie simfy oder Rdio Musik hören und keine MP3-Dateien mehr auf ihrem iPhone oder iPod touch gespeichert haben. Diese Gruppe ist zwar mit Blick auf den Gesamtmarkt noch klein, aber unter urbanen, mobilen Musikhörern durchaus signifikant - und genau diese Nutzerschaft möchte wahwah.fm eigentlcich erreichen.

Nach dem jetzigen Launch in Deutschland soll in den nächsten Wochen die USA folgen. Dort ist mit Raditaz kürzlich ein wahwah.fm nicht ganz unähnlicher Dienst online gegangen. Weitere Märkte, die auf der Roadmap der Hauptstädter stehen, sind Frankreich und Großbritannien.

Nach dem ersten, eher erfolglosen Versuch von wahwah.fm bin ich mit einer Prognose diesmal vorsichtig. Die grundsätzliche Idee, die gleiche Musik zu hören wie andere Personen in der unmittelbaren Umgebung, halte ich nach wie vor für reizvoll. Die fehlenden, von On-Demand-Services gewohnten Freiheiten beim Streaming allerdings könnten manche Nutzer von einem regelmäßigen Einsatz abhalten, und auf Senderseite stellt das Fehlen der Integration von Online-Musikdiensten eine Hürde dar.

Am Ende stellt sich die Frage, ob nicht vollwertige On-Demand-Dienste die Funktionalität von wahwah.fm auf deutlich bessere Weise in ihre mobilen Apps integrieren könnten. Dann hätten Anwender die Wahl, ob sie die Radios der Nutzer anhören oder lieber direkt einzelne Songs oder Alben ansteuern möchten. Einer der zahlreichen Anbieter von Musikflatrates sollte dies einmal ausprobieren.

Link: wahwah.fm

Kommentare

  • simonnickel

    24.02.12 (10:50:13)

    Es fehlt eine globale Musikdatenbank, die von allen Plattenlabels und unabhängigen Künstler befüllt wird. Aus dieser kann dann der Zugang erfolgen und bezahlt werden. Mit einem gerechten Modell dahinter wären alle glücklich und würden Geld verdienen. Es könnte so einfach sein.

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