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01.04.11

NeuroNation: Spielen ohne schlechtes Gewissen

Der Berliner Dienst NeuroNation bietet 29 spielerische Übungen, um die grauen Zellen auf Trab zu halten. Das macht nicht nur Aspiranten auf einen Job bei Google Spaß.

 

In fast jedem Menschen schlummert irgendwo ein Spieltrieb. Während dieser bei Manchen regelmäßig an stationären oder mobilen Spielkonsolen sowie in Form von Browser und Social Games ausgelebt wird, entziehen sich Andere ihrem spielerischen Bedürfnis, indem sie für die Zockerei aufzuwendende Zeit in ein Verhältnis zum Nutzen setzen. Das bringt sie unweigerlich zu dem Ergebnis, dass ihre Zeit zu wertvoll dafür ist, um bei Farmville virtuelle Kartoffeln zu ernten oder die Fußballbundesliga nachzuspielen.Schwieriger wird diese Abwägung, wenn spielerische Aspekte mit pädagogischen Elementen verknüpft werden. Denn dann wirkt der wahrgenommene Mehrwert plötzlich um ein Vielfaches größer. Das ist der Grund, warum ich am Freitagvormittag meine Arbeitszeit teilweise bei NeuroNation verbrachte.

Die im Sommer 2008 von Ilya Shabanov und Rojahn Ahmadi gegründete Plattform aus Berlin bietet verschiedene (spielerische) Übungen, die Markus in seinem NeuroNation-Kurzbericht im Januar 2009 treffend als Gehirnjogging bezeichnet hat.

Nachdem sich die NeuroNation-Gründer im vergangenen Jahr über den Gewinn der 2. Stufe des Businessplan Wettbewerbs Berlin-Brandenburg sowie eine Förderung durch die Gründerwerkstatt der BEUTH Hochschule für Technik freuen konnten, unterzogen sie ihrem Dienst einem optischen Relaunch und erweiterten die Zahl der Übungen.

29 Stück gibt es mittlerweile, die alle darauf abzielen, die Möglichkeiten der Gehirnleistung in den Kategorien Rechnen, Logik, Sensorik, Gedächtnis und Sprache zu verbessern. Während Hardcore-Gamer wahrscheinlich die spielerischen Komponenten von NeuroNation leicht übersehen würden, reichen die vorhandenen Features für einen Gelegenheitsspieler (wie mich) durchaus dazu aus, in einen gewissen Abhängigkeitszustand zu verfallen und nach jeder abgeschlossenen Übung eine weitere beginnen zu wollen.

Um diesen gewünschten Effekt zu erreichen, setzt NeuroNation auf ein Punktesystem, Bestenlisten zu einzelnen Übungen, Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Usern zum direkten Vergleich, Fortschrittsdiagramme und Auswertungen im Zeitverlauf, erfolgsabhängige Freischaltungen neuer Übungen sowie einen "Aktivitätsbaum".

Und während NeuroNation mit seinem Ablenkungspotenzial für Irritationen sorgen kann, wenn man eigentlich etwas Wichtigeres zu tun hatte, lässt sich das eigene Gewissen recht einfach durch die Einsicht ins Reine bringen, dass man ja an der eigenen Intelligenz und Denkkapazität feilt.

Bei Anwendern für Abhängigkeitszustände zu sorgen, gehört zum Kalkül des Berliner Dienstes: Denn monetarisiert werden soll dieser über Premium-Übungen, deren Freischaltung 2,90 Euro (oder weniger, sofern gleich mehrere Premium-Übungen aktiviert werden) kostet. Die meisten Übungen können jedoch gratis erledigt werden.

Rund 20.000 registrierte Nutzer vermeldet NeuroNation bisher. Gründer und Geschäftsführer Ilya Shabanov führt dies auch auf das generelle Nischendasein zurück, das "Brain Games" in Deutschland im Vergleich zu den USA bisher fristen. Mit dem jüngsten Relaunch legt der Dienst aber die Grundlage für weiteres Wachstum. Und in Anbetracht des fortschreitenden "Outsourcings" menschlicher Gehirnaktivitäten an digitale Helfer ( da sind wir bei netzwertig.com natürlich nicht ganz unschuldig) dürfte die Nachfrage nach Trainingsmethoden für die grauen Zellen demnächst kräftig zunehmen.

Konkurrenten zu dem auch auf Englisch angebotenen NeuroNation sind unter anderem Lumosity und Fit Brains.

Link: NeuroNation

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