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26.06.12

Neuer Messagingdienst: Warum sich ein genauerer Blick auf Moped lohnt

Auf den ersten Blick erscheint nicht klar, wann genau der neue Berliner Messagingdienst Moped zum Einsatz kommen soll. Doch bei näherer Betrachtung offenbart der Service einige Stärken, die ihn zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Konkurrenzlösungen machen.

Als wir Ende der vergangenen Woche den neuen Berliner Messagingdienst Moped vorstellten, gab ich zu Protokoll, den Sinn und Zweck des Angebots nicht ganz nachvollziehen zu können. Immerhin mangelt es kommunikationsfreudigen Onlinenutzern wahrlich nicht an Services, um sich mit Freunden, Bekannten, Kollegen und Webkontakten Nachrichten hin und her zu schicken. Positiv fiel mir hingegen sofort die simple, übersichtliche Benutzeroberfläche sowie die Geschwindigkeit auf, mit der sich bei Moped Direktmitteilungen versenden lassen. Durch einige weitere Messages, die ich in den letzten Tagen aus dem Umfeld der Moped-Macher erhielt, hatte ich die Gelegenheit, mit noch etwas näher mit dem Dienst auseinanderzusetzen. Und mittlerweile muss ich gestehen, dass ich ihn immer sympathischer finde. Am Montagnachmittag hielt ich mich etwa eine Stunde auf der Site auf und führte parallel verschiedene Konversationen. In einigen Punkten sehe ich Moped mittlerweile gegenüber Wettbewerbern wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Twitter Direktnachrichten-Funktion im Vorteil. Es folgen meine Überlegungen:

Kein Kontaktsystem sondern freie Empfängerwahl

Egal ob wir über WhatsApp, Facebook, Google Talk oder Skype sprechen: Bei jedem dieser Chat- und Messagingangebote lässt sich bequem und effizient nur mit Personen kommunizieren, mit denen man "befreundet" ist, die man also als Kontakte zum jeweiligen Service hinzugefügt hat. WhatsApp nutzt zur Identifikation seiner Anwender deren Mobilfunknummer und erlaubt ausschließlich Nachrichten an Menschen, die sich im Smartphone-Adressbuch befinden. Die große Mehrheit meiner geschäftlichen Kontakte und Onlinebekannten fehlt darin, weshalb ich mit diesen Menschen nicht über WhatsApp kommunizieren kann. Twitters Privatnachrichten-Feature erlaubt lediglich den Versand von Mitteilungen an Personen, die einem folgen. Diese Einschränkung hat zwar den Vorteil, Spam zu verhindern (außer durch Twitter-Kontakte verbreitete Würmer), begrenzt aber die Einsatzszenarien stark. Bei Moped kann jedem Mitglied geschrieben werden - sofern man dessen Benutzernamen kennt. Das ist praktisch für Kontaktaufnahmen, bei denen man nicht öffentlich eine E-Mail-Adresse herausgeben möchte, aber auch nicht extra einem Twitter-Anwender folgen oder die Person bei einem andere Chatanbieter als "Freund" hinzufügen will. Mittelfristig erfordert dieses Verfahren jedoch Spamschutz-Einstellungen, die bisher noch fehlen.

Konversationen via Browser, App oder E-Mail

Bei Moped kann entweder über die sehr schlanke Weboberfläche, per iPhone-App oder E-Mail kommuniziert werden. Besonders das letztgenannte Feature ist praktisch - wer keine Lust auf nervige iPhone-Push-Meldungen beim Eintreffen neuer Mitteilungen hat, kann E-Mail-Benachrichtigungen aktivieren und direkt aus dem Mail-Client antworten, ohne extra Mopeds Website oder App öffnen zu müssen.

Konversationen mit mehreren Personen gleichzeitig

Eine der besten Eigenheiten von Moped ist die Fähigkeit, eine private Nachrichten an mehrere Empfänger schicken zu können. Dazu werden einfach sämtliche Benutzernamen der gewünschten Gesprächspartner am Anfang der Moped-Message eingefügt. Twitter kann dies nicht, und per Mail fühlt sich ein solcher Vorgang deutlich umständlicher und formaler an (zumal mentale Kosten dabei auftreten, über die korrekte Verwendung von TO/CC nachdenken zu müssen).

Simpel und extrem schnell

Vielleicht handelt es sich um eine Besonderheit der Anfangsphase, die traditionell von geringer Nutzeraktivität geprägt ist, aber die Direktheit und Geschwindigkeit, mit der Nachrichten bei Moped verschickt und Konversationen geführt werden können, ist extrem angenehm. Leider muss für das Abrufen neuer Messages einmal geklickt werden, um diese anzuzeigen - ein automatisches Aktualisieren der Site würde das Nutzererlebnis noch verfeinern. Vorteilhaft wirkt sich Mopeds Fokussierung auf das Wesentlich aus - bei Twitter und Facebook kann davon mittlerweile keine Rede mehr sein.

Keine Zeichenbegrenzung

Die Limitierung öffentlicher Tweets auf 140 Zeichen halte ich für sinnvoll, die von Privatnachrichten dagegen nicht. Zumindest hat sie zur Folge, dass sich das Twitter-Feature nicht für längere und für beide Gesprächspartner verständliche Gedankenaustausche eignet. Moped verzichtet auf eine Begrenzung der Zeichenlänge für einzelne Nachrichten (oder sie ist so großzügig ausgelegt, dass ich sie noch nie erlebt habe).

Dateianhänge

Die Option, Dateien an eine Nachricht anzuhängen, habe ich in dieser Form zwar bisher noch nicht benötigt, aber manche Anwender dürften an ihr Gefallen finden. Gelöst wurde die Funktion mittels Dropbox-Integration. Moped-Nutzer autorisieren den Dropbox-Zugriff über Moped. Betätigen sie dann in einer Moped-Nachricht das Icon zum Anhängen einer Datei, können sie eine Datei von ihrem Rechner auswählen, die anschließend in ihr Dropbox-Konto geladen wird. Der entsprechende Dropbox-Downloadlink taucht kurz darauf in der Moped-Message auf.

Für eine Beurteilung, ob diese Aspekte und Charaktermerkmale von Moped ausreichen, um sich dauerhaft gegen die Schar an Chat- und Messagingangeboten behaupten zu können, ist es noch zu früh. Persönlich sehe ich aber mittlerweile, dass es Moped gelungen ist, eine Nischen zu identifizieren, wo ich bisher gar keine mehr vermutet hätte.

In einem Gespräch kam gestern das Thema schnell auf das Geschäftsmodell von Moped. Doch bei einem Startup, das so stark vom Vorhandensein einer kritischen Masse abhängig ist, halte ich verfrühte Monetarisierungsbestrebungen für kontraproduktiv. Hätten sich Facebook und Twitter vom ersten Tag aufs Geldverdienen konzentriert, vermute ich, dass sie heute nicht (mehr) existieren würden. Grundsätzlich sehe ich jedoch eindeutiges Potenzial, mit Moped über ein Freemium-Modell Erlöse zu erzielen. Gelingt es, Anwender dauerhaft an den Service zu binden, wird ein Teil von ihnen sich zusätzliche Integrationen mit externen Services und vielfältigere Wege zum Verwalten von Nachrichten wünschen und dafür auch zu Bezahlen bereit sein.

Schreibt mir einfach mal bei Moped an @martinweigert (hier könnt ihr euch für den Dienst anmelden, ein Twitter-Konto ist derzeit Voraussetzung).

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