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26.06.12 06:36

, von Martin Weigert

Neuer Messagingdienst: Warum sich ein genauerer Blick auf Moped lohnt

Auf den ersten Blick erscheint nicht klar, wann genau der neue Berliner Messagingdienst Moped zum Einsatz kommen soll. Doch bei näherer Betrachtung offenbart der Service einige Stärken, die ihn zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Konkurrenzlösungen machen.

Als wir Ende der vergangenen Woche den neuen Berliner Messagingdienst Moped vorstellten, gab ich zu Protokoll, den Sinn und Zweck des Angebots nicht ganz nachvollziehen zu können. Immerhin mangelt es kommunikationsfreudigen Onlinenutzern wahrlich nicht an Services, um sich mit Freunden, Bekannten, Kollegen und Webkontakten Nachrichten hin und her zu schicken. Positiv fiel mir hingegen sofort die simple, übersichtliche Benutzeroberfläche sowie die Geschwindigkeit auf, mit der sich bei Moped Direktmitteilungen versenden lassen. Durch einige weitere Messages, die ich in den letzten Tagen aus dem Umfeld der Moped-Macher erhielt, hatte ich die Gelegenheit, mit noch etwas näher mit dem Dienst auseinanderzusetzen. Und mittlerweile muss ich gestehen, dass ich ihn immer sympathischer finde. Am Montagnachmittag hielt ich mich etwa eine Stunde auf der Site auf und führte parallel verschiedene Konversationen. In einigen Punkten sehe ich Moped mittlerweile gegenüber Wettbewerbern wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Twitter Direktnachrichten-Funktion im Vorteil. Es folgen meine Überlegungen:

Kein Kontaktsystem sondern freie Empfängerwahl

Egal ob wir über WhatsApp, Facebook, Google Talk oder Skype sprechen: Bei jedem dieser Chat- und Messagingangebote lässt sich bequem und effizient nur mit Personen kommunizieren, mit denen man "befreundet" ist, die man also als Kontakte zum jeweiligen Service hinzugefügt hat. WhatsApp nutzt zur Identifikation seiner Anwender deren Mobilfunknummer und erlaubt ausschließlich Nachrichten an Menschen, die sich im Smartphone-Adressbuch befinden. Die große Mehrheit meiner geschäftlichen Kontakte und Onlinebekannten fehlt darin, weshalb ich mit diesen Menschen nicht über WhatsApp kommunizieren kann. Twitters Privatnachrichten-Feature erlaubt lediglich den Versand von Mitteilungen an Personen, die einem folgen. Diese Einschränkung hat zwar den Vorteil, Spam zu verhindern (außer durch Twitter-Kontakte verbreitete Würmer), begrenzt aber die Einsatzszenarien stark. Bei Moped kann jedem Mitglied geschrieben werden - sofern man dessen Benutzernamen kennt. Das ist praktisch für Kontaktaufnahmen, bei denen man nicht öffentlich eine E-Mail-Adresse herausgeben möchte, aber auch nicht extra einem Twitter-Anwender folgen oder die Person bei einem andere Chatanbieter als "Freund" hinzufügen will. Mittelfristig erfordert dieses Verfahren jedoch Spamschutz-Einstellungen, die bisher noch fehlen.

Konversationen via Browser, App oder E-Mail

Bei Moped kann entweder über die sehr schlanke Weboberfläche, per iPhone-App oder E-Mail kommuniziert werden. Besonders das letztgenannte Feature ist praktisch - wer keine Lust auf nervige iPhone-Push-Meldungen beim Eintreffen neuer Mitteilungen hat, kann E-Mail-Benachrichtigungen aktivieren und direkt aus dem Mail-Client antworten, ohne extra Mopeds Website oder App öffnen zu müssen.

Konversationen mit mehreren Personen gleichzeitig

Eine der besten Eigenheiten von Moped ist die Fähigkeit, eine private Nachrichten an mehrere Empfänger schicken zu können. Dazu werden einfach sämtliche Benutzernamen der gewünschten Gesprächspartner am Anfang der Moped-Message eingefügt. Twitter kann dies nicht, und per Mail fühlt sich ein solcher Vorgang deutlich umständlicher und formaler an (zumal mentale Kosten dabei auftreten, über die korrekte Verwendung von TO/CC nachdenken zu müssen).

Simpel und extrem schnell

Vielleicht handelt es sich um eine Besonderheit der Anfangsphase, die traditionell von geringer Nutzeraktivität geprägt ist, aber die Direktheit und Geschwindigkeit, mit der Nachrichten bei Moped verschickt und Konversationen geführt werden können, ist extrem angenehm. Leider muss für das Abrufen neuer Messages einmal geklickt werden, um diese anzuzeigen - ein automatisches Aktualisieren der Site würde das Nutzererlebnis noch verfeinern. Vorteilhaft wirkt sich Mopeds Fokussierung auf das Wesentlich aus - bei Twitter und Facebook kann davon mittlerweile keine Rede mehr sein.

Keine Zeichenbegrenzung

Die Limitierung öffentlicher Tweets auf 140 Zeichen halte ich für sinnvoll, die von Privatnachrichten dagegen nicht. Zumindest hat sie zur Folge, dass sich das Twitter-Feature nicht für längere und für beide Gesprächspartner verständliche Gedankenaustausche eignet. Moped verzichtet auf eine Begrenzung der Zeichenlänge für einzelne Nachrichten (oder sie ist so großzügig ausgelegt, dass ich sie noch nie erlebt habe).

Dateianhänge

Die Option, Dateien an eine Nachricht anzuhängen, habe ich in dieser Form zwar bisher noch nicht benötigt, aber manche Anwender dürften an ihr Gefallen finden. Gelöst wurde die Funktion mittels Dropbox-Integration. Moped-Nutzer autorisieren den Dropbox-Zugriff über Moped. Betätigen sie dann in einer Moped-Nachricht das Icon zum Anhängen einer Datei, können sie eine Datei von ihrem Rechner auswählen, die anschließend in ihr Dropbox-Konto geladen wird. Der entsprechende Dropbox-Downloadlink taucht kurz darauf in der Moped-Message auf.

Für eine Beurteilung, ob diese Aspekte und Charaktermerkmale von Moped ausreichen, um sich dauerhaft gegen die Schar an Chat- und Messagingangeboten behaupten zu können, ist es noch zu früh. Persönlich sehe ich aber mittlerweile, dass es Moped gelungen ist, eine Nischen zu identifizieren, wo ich bisher gar keine mehr vermutet hätte.

In einem Gespräch kam gestern das Thema schnell auf das Geschäftsmodell von Moped. Doch bei einem Startup, das so stark vom Vorhandensein einer kritischen Masse abhängig ist, halte ich verfrühte Monetarisierungsbestrebungen für kontraproduktiv. Hätten sich Facebook und Twitter vom ersten Tag aufs Geldverdienen konzentriert, vermute ich, dass sie heute nicht (mehr) existieren würden. Grundsätzlich sehe ich jedoch eindeutiges Potenzial, mit Moped über ein Freemium-Modell Erlöse zu erzielen. Gelingt es, Anwender dauerhaft an den Service zu binden, wird ein Teil von ihnen sich zusätzliche Integrationen mit externen Services und vielfältigere Wege zum Verwalten von Nachrichten wünschen und dafür auch zu Bezahlen bereit sein.

Schreibt mir einfach mal bei Moped an @martinweigert (hier könnt ihr euch für den Dienst anmelden, ein Twitter-Konto ist derzeit Voraussetzung).

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Kommentare: Neuer Messagingdienst: Warum sich ein genauerer Blick auf Moped lohnt

Bin nach wie vor nicht überzeugt. Nichts gegen die Moped-Technik an sich (wobei die Geschwindigkeit auch daraus resultieren kann, dass noch kaum jemand den Dienst nutzt). Und klar, natürlich soll Moped es genauso versuchen, wie die tausend anderen Messenger. Aber wenn man wirklich die E-Mail von Grund auf "neu denken" will, hat man mit der Wahl einer zentralisierten Plattform den falschen Ansatz gewählt. Moped als Peer-to-Peer-Client, den ich wie ein Mailprogramm lokal bei mir installieren und die Nachrichten bei mir selbst hosten könnte, das hätte was. Aber so habe ich nur einen weiteren Client, der alle Messages über seine Server abwickeln und meine ganzen privaten Nachrichten bei sich speichern kann. Das ist heute anscheinend usus, nur: warum eigentlich?

Diese Nachricht wurde von Jürgen Vielmeier am 26.06.12 (07:16:02) kommentiert.

OK, Martin, ich werde Dich nie wieder nach dem Geschäftsmodell fragen. Dafür gibt es ja den Netzökonom Holger Schmidt. :-)

Diese Nachricht wurde von Sachar am 26.06.12 (07:27:03) kommentiert.

Wie sieht es denn mit dem Thema Sicherheit - Verschlüsselung bei Moped aus? Das wäre für mich persönlich ein Punkt welcher mich zum Wechsel bewegen würde.

Diese Nachricht wurde von Arne am 26.06.12 (07:44:28) kommentiert.

Liest sich für mich wie ein ganz gewöhnlicher Chat den man via Browser, E-mail oder App bedienen kann. Also ich finde es nicht unbedingt sehr berauschend nicht entscheiden zu können wer mir schreibt und wer nicht.

Diese Nachricht wurde von Tilo am 26.06.12 (07:49:27) kommentiert.

@ Jürgen Behaupten sie denn, E-Mail von Grund auf neu zu denken? @ Sachar Hehe frag ruhig. Ich kann ja falsch liegen. Sind meine 50 Cent ;) @ Arne Ähm was soll man darauf jetzt antworten. Die Sicherheit wird wohl ungefähr auf dem Niveau liegen wie die sämtlicher anderer Dienste. Welche Sicherheitsaspekte schweben dir vor bzw. bei welche siehst du Verbesserungspotenzial? (bin selbst nicht so der Security-Experte @ Tilo Es ist Beta. Diese ist üblicherweise dadurch gekennzeichnet, dass noch nicht alle Features implementiert sind. Bisher habe ich auch noch keine Spam-Mail bekomme, was signalisiert, dass das Feature in der derzeitigen Phase noch nicht essentiell erforderlich ist.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 26.06.12 (07:53:06) kommentiert.

@Martin: Zum Beispiel das die Nachrichten verschlüsselt übertragen werden, und nicht wie im Falle von WhatsApp von jedem beliebigen Menschen welcher im gleich Netzwerk sitzt mitgelesen werden können :-)

Diese Nachricht wurde von Arne am 26.06.12 (08:02:16) kommentiert.

@Martin: Sagt zumindest deren Investor Earlybird nach der Finanzierung vergangene Woche: http://thenextweb.com/insider/2012/06/20/berlin-startup-moped-lands-1m-from-top-investors-launches-messaging-app-for-ios-and-web/

Diese Nachricht wurde von Jürgen Vielmeier am 26.06.12 (08:03:00) kommentiert.

ok thx

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 26.06.12 (08:03:56) kommentiert.

Ich würde mich zumindest wundern, wenn in dieser frühen Phase schon alles wirklich wasserdicht wäre.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 26.06.12 (08:06:07) kommentiert.

Zumindest der Webserver kann SSL, nutzt es aber nur, wenn man es manuell eingibt. Ich gehe stark davon aus, dass die App unverschlüsselt kommuniziert - habe das aber noch nicht nachgeprüft. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch nützlich zu wissen, dass die Dropbox-Links, die von Moped generiert werden, Public-Links sind, also für jedem zugänglich sind, der den Link kennt. Für vertraulichen Austausch von Daten also noch nicht geeignet.

Diese Nachricht wurde von monoxyd am 26.06.12 (10:36:53) kommentiert.

Ja das gilt für jede Art von Public-Link eines Cloudspeicherdienstes. Sollte eigentlich klar sein ;) Aber sicher gut, dass du nochmal darauf hinweist.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 26.06.12 (10:39:28) kommentiert.

Ja, das ist mir klar, es ging mir eher um folgendes: Wenn ein Dienst die "Privatheit" von Nachrichten in den Mittelpunkt stellt, sollte er sehr deutlich kommunizieren, wenn ein "Dateianhang" in Wirklichkeit ein quasi-öffentlicher Link ist. Beim unbedarften User stellt sich sonst wahrscheinlich schnell die Assoziation mit E-Mail-Anhängen her. Ja klar, Moped ist noch Beta, aber das ist ein sehr wichtiger Punkt, der IMHO noch verbessert werden muss und den ich in diesem Stadium eigentlich erwartet hätte.

Diese Nachricht wurde von monoxyd am 26.06.12 (10:53:51) kommentiert.

@monoxyd, die App verwendet SSL-Verschlüsselung. Eine 100%-vertrauliche Dropbox-Lösung muß voraussetzen, daß alle Gesprächsteilnehmer Dropbox-Konten haben und ihr Dropbox-Konto mit Moped schon verlinkt haben. Wir haben die Variante noch nicht implementiert aber ist auf unserer Liste. Die jetzige Methode ist ein Kompromiss, damit möglichst viele Nutzer Dateien verschicken und empfangen können.

Diese Nachricht wurde von Engin Kurutepe am 26.06.12 (14:04:47) kommentiert.

In dem privaten Messaging Bereich wird es in den nächsten Jahren noch viel Innovation geben. Eigentlich gibt es in diesem Feld nur Email und Instant Messaging Dienste. Die IMs (SMS, Whatsapp, etc. eingeschlossen) sind von der Funktionalität her fast alle gleich (1:1 Chatkanal, Multimedianachrichten), und wirkliche Innovation gibt es kaum (letztes Jahr Group Chats vielleicht...die dann gleich von allen kopiert wurden). Insofern bietet der Bereich durch Differenzierung und Fokus auf bestimmte Zielgruppen sicherlich trotzdem noch Wachstumspotential. Moped ist mit dem jetzigen Konzept eher für eine Nische geeignet. Der Setup ist für Nutzer zu kompliziert: - für Messaging mit Freunden ist @adressen eingeben viel aufwendiger als einfach Kontakte anklicken wie mit gängigen IMs. Ausserdem brauche ich - bei Moped braucht man die Adressen seiner Kontakte. Die muss man austauschen bzw. sich suchen...das ist wie ein neues Social Network aufbauen. - für privates Messaging bei Twitter ist es für mich persönlich einfacher jemandem zu folgen (das ist ja Twitters Spam Schutz), als mir einen neuen Dienst einzurichten. Insgesamt fehlt mir persönlich bisher der Use Case für Moped. Aber vielleicht sind der fehlende Spamschutz und Dinge wie die Dropbox integration (bei anderen Diensten kann man Dateien direkt anhängen, ohne etwas zu installieren) gerade für manche private Konversationen im öffentlichen Raum interessant. Mir fallen hier allerdings nicht nur "gute" Zielgruppen ein ;-)

Diese Nachricht wurde von Tobias am 27.06.12 (21:05:47) kommentiert.

@Martin, habe ich das jetzt richtig verstanden? Man kann Dich via moped regelmäßig mit nervigen Werbenachrichten vollballern? OK, bin dann mal weg.....mir "irgendwo" einen Account anlegen ;-) Schöne Grüße aus Stuttgart!

Diese Nachricht wurde von Michael Krause am 28.06.12 (09:02:54) kommentiert.

Genau. Wie bei E-Mail ;)

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 28.06.12 (09:08:36) kommentiert.

Hiermit als "stillschweigende Willenserklärung" notiert!

Diese Nachricht wurde von Michael Krause am 28.06.12 (14:09:28) kommentiert.
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