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27.06.14

Neue iPhone-App ohne Aufnahme-Funktion: SoundCloud deutet an, wohin die Reise geht

Mit einer überarbeiteten iPhone-Applikation gibt SoundCloud eine erste Antwort auf die Frage, wohin die Reise für das Musik-Startup geht: weg vom nutzergenerierten und schöpferischen Fokus, hin zum bequemen Anhören von Musik.

SoundCloudVor einer Woche erläuterten wir die offenen Fragen und Gerüchte, die es derzeit über die Zukunft der Berliner Audioplattform SoundCloud zu diskutieren gibt. Tenor: Wie genau es mit dem Dienst weitergehen wird, bleibt im Dunkeln. Klar ist jedoch, dass demnächst etwas geschieht. Mit der am gestrigen Donnerstag veröffentlichten neuen iPhone-App deuten die Hauptstädter an, wie die weitere Strategie aussieht: SoundCloud verabschiedet sich langsam vom nutzergenerierten Audiocontent und damit von der Richtung, die es insbesondere seit Ende 2010 mit der Einführung eines zentralen Aufnahme-Buttons einschlug. Diese Funktion gibt es nämlich in der überarbeiteten iPhone-Applikation nicht mehr. Damit verliert SoundCloud von heute auf morgen die Eignung als Dienst für spontane Audioaufnahmen von unterwegs, wie sie etwa für Blogger und Journalisten sehr praktisch sein können.Gegenüber dem Wall Street Journal erklärt SoundCloud-Mitgründer und CTO Eric Wahlforss, dass eine für Hörer optimierte mobile App der beste Weg sei, den Service auch für die Erschaffer von Content attraktiv zu machen. Dennoch steckt mehr hinter der Änderung: Man muss sie als Aufgabe der Strategie ansehen, die das reifende Startup mit der Einführung eben jenes Aufnahme-Features einst forcierte: Damals waren Wahlforss und sein Kompagnon Alexander Ljung fleißig damit beschäftigt, SoundCloud in der Wahrnehmung als "YouTube für Audio" zu etablieren. Eine der entscheidenden Maßnahmen zum Erreichen dieses Ziels war es, neben DJs und Musikern - die damals primär aus dem Bereich elektronischer Musik stammten - auch Schöpfer anderer Audioinhalten anzusprechen und ihnen einfache Werkzeuge an die Hand zu geben, um Aufnahmen von überall in ihren SoundCloud-Stream zu laden.

SoundCloud

Neue SoundCloud-App für das iPhone

Die Entfernung dieser Möglichkeit und die allgemeine Abspeckkur der sich jetzt sehr minimalistisch gebenden, elegant ausschauenden iPhone-App, markieren abermals eine sanfte Umpositionierung, weg von Amateur-Inhalten hin zu gut produziertem Premiumcontent.

Der Schritt passt zu den momentan kursierenden Branchengerüchten, die besagen, dass SoundCloud sein Heil im On-Demand-Musikbereich suchen und dazu auch den Segen der Labels einholen wird. Von der bevorstehenden Lancierung eines an Hörer gerichteten Abomodells im Stile von Spotify, vielleicht auch mit Offline-Modus, (den SoundCloud aktuell konsequent verhindert), ist ebenfalls die Rede. Dass bei einem derartigen Geschäftsmodell die Option zum Upload ungeschliffener Smartphone-Aufnahmen eher im Weg ist, liegt auf der Hand.

SoundCloud hätte die Aufnahme-Funktionalität nicht aus der App entfernt, wenn sie täglich von hunderttausenden Usern genutzt worden wäre. Ob es dennoch zu größeren Protesten kommen wird, bleibt abzuwarten. Die Kommentare unterhalb des Blogposts zur neuen App lassen nichts Gutes erahnen. Moniert wird von Usern dort auch der Wegfall diverser anderer Features, etwa Kommentare, Likes, Benachrichtigungen und auf privat gestellte Tracks.

In jedem Fall ist das Streichen des Record-Buttons ein Zeichen, dass SoundsClouds einstige Ambitionen, zu einer zentralen Onlineplattform für jede Art von Audio aufzusteigen, nicht mehr aktuell sind. Produzenten können zwar weiterhin Aufnahmen über die Web- und Android-App anfertigen, und im SoundCloud-Blog wird zudem die iPhone-App Audiocopy als Ausweichlösung aufgeführt. Nutzer und Künstler sollten sich aber nicht darauf verlassen, dass diese Optionen für immer bestehen bleiben. Besser wäre, davon auszugehen, dass auf SoundCloud in nächster Zeit weitere Veränderungen zukommen. /mw

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