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15.12.11Leser-Kommentare

Neue Funktion "The Crowd": Aupeo lädt zum kollektiven Musikkonsum

Der Berliner Musikdienst Aupeo erweitert sein Angebot personalisierter Radiostreams um eine "soziale" Ebene. Nutzer können den Stationen rund um Interpreten und Genres nun gemeinsam lauschen, sich über Titel austauschen und für oder gegen sie stimmen.

 

Seit Mitte des Jahres weiß ich, wie viel Spaß der digitale Musikkonsum bereiten kann, wenn er zusammen mit anderen Nutzern und in Kombination mit Voting- und Spiele-Mechanismen erfolgt. Denn da zog mich der US-Dienst Turntable.fm in seinen Bann und veränderte meine Art, Musik zu hören. Wegen der unklaren Rechtslage war dann jedoch einige Wochen später Schluss mit den kollektiven DJ-Spielchen, seitdem kann Turntable.fm nur noch von Anwendern mit US-IP-Adressen aufgerufen werden.

Der schlargartige Erfolg von Turntable.fm rief allerlei Nachahmer auf den Plan - von Outloud.fm über Rolling.fm (derzeit nicht erreichbar) bis hin zu djparty.fm - die sich teilweise sehr stark am Original anlehnten, aber dessen Flair und Qualität vermissen ließen.

Am heutigen Donnerstag startet das 2008 gegründete Berliner Startup Aupeo (siehe Kenntlichmachung am Artikel-Ende) mit "The Crowd" eine zusätzliche, "soziale" Ebene für seinen personalisierbaren Radiodienst, um Hörern ein kollektives Musikerlebnis zu ermöglichen. Während der grundsätzliche Ansatz dem Turntable.fm-Prinzip nicht unähnlich ist, verzichten die Hauptstädter erfreulicherweise auf eine zu starke visuelle und konzeptionelle Imitation und liefern stattdessen einen eigenen, in das bestehende Angebot integrierten Ansatz, wie sich lineares Onlineradio mit dem Trend des "kollektiven Web" verbinden lässt.

 

Im Gegensatz zu On-Demand-Diensten wie simfy, SpotifyJuke oder Rara können Nutzer bei Aupeo nicht gezielt einzelne Songs oder Alben anhören, sondern stattdessen Genre- oder Interpreten-spezifische Musikstreams, die sich an die Hörgewohnheiten und Präferenzen anpassen lassen - kostenfrei und ohne monatlich begrenzte Hördauer.

Das neue "The Crowd"-Feature richtet sich an alle registrierten Nutzer, die Aupeos Radiostreams lieber zusammen mit anderen als alleine anhören. Über einen Schieberegler in der rechten Menüleiste kann zwischen dem Privat- und Crowd-Modus hin- und hergewechselt werden. Wer Aupeo The Crowd aktiviert und den dafür erforderlichen Login über Facebook durchführt, landet als nächstes in der "Lobby", von wo aus die wichtigsten Funktionen des Features angesteuert werden.

Ein Klick auf eine der in der Lobby gelisteten populären Stationen führt zum jeweiligen Stream, der eine Liste aller Hörer, ein Chatfenster, eine Popularitätsanzeige für den gerade gespielten Titel sowie eine "Voting"-Schaltfläche anzeigt, über die Songs favorisiert oder übersprungen werden können. Die Besonderheit: Nicht einzelnen Nutzern obliegt die Kontrolle darüber, wann zum nächsten Song gesprungen wird, sondern allen Hörern einer Station. Erst wenn genug Teilnehmer den "Überspringen"-Button betätigt haben, startet der nächste Song.

Im Crowd-Modus kann in jeder verfügbaren Interpreten- oder Genre-Station gemeinsam den gespielten Klängen gelauscht werden. Diese können über die Lobby ausgewählt und geöffnet werden. Von dort lassen sich auch Facebook-Kontakte zu einer Aupeo-Station einladen. Diese müssen sich allerdings zuvor bei Aupeo anmelden. In der Lobby sehen Nutzer auch, welche ihrer bei Aupeo eingeloggten Facebook-Freunde gerade ebenfalls aktiv sind - diese können dann entweder zu einer Station eingeladen werden, oder man begibt sich zu dem Stream, den sie gerade anhören.

Abgesehen von der fehlenden grafischen Visualisierung und den Gamification-Elementen liegt ein weiterer Unterschied zwischen Turntable.fm und Aupeos neuem Service darin, dass das Anlegen eigener Stationen, der Upload eigener Songs sowie das gezielte Hinzufügen einzelner Titel zum Stream nicht möglich ist. Die Parallelen begrenzen sich somit auf die Kernaktivität des kollektiven Musikkonsums in Verbindung mit Komponenten der Interaktion und das demokratischen Entscheidens über die gespielte Musik.

Die limitierten Möglichkeiten der Einflussnahme und Steuerung des Musikstreams sind auf Aupeos Ausrichtung als Radioanbieter statt als On-Demand-Dienst zurückzuführen. Das Berliner Unternehmen nutzt eine erweiterte Radiolizenz, bei der es anders als On-Demand-Anbieter keine Lizenzzahlungen an die Labels abführen muss, sondern für Streams lediglich eine im Vergleich zur umfassenden On-Demand-Lizenz deutlich geringere Abgabe an die Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL zahlt. Nur dadurch ist es Aupeo möglich, ein in der Nutzungsdauer uneingeschränktes, werbefinanzierte Gratis-Angebot anzubieten, so Aupeo CTO Steffen Holly.

Etwa eine Million Tracks befinden sich in Aupeos Songdatenbank. Zu seinen Kernmärkten rechnet der weltweit verfügbare Dienst Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und die USA. Die mobilen Aupeo-Apps wurden in diesem Jahr 1,5 Millionen Mal heruntergeladen, und seit einem Relaunch im Sommer steigen die Hörerzahlen pro Monat im zweistelligen Bereich, heißt es von Seiten Aupeo. Das neue Social-Feature kann nach einer Registrierung ab sofort über die Aupeo-Website ausprobiert werden. Eine Ausweitung auf die mobilen Apps ist vorgesehen.

Ich habe The Crowd in den vergangenen zwei Tagen ausprobiert. Ähnlich wie bei Turntable.fm macht es Spaß, sich mit anderen im Chat über die gespielten Titel auszutauschen und anhand des Popularitätsmessers zu beobachten, wie einzelne Titels bei den Hörern einer Station ankommen. Als Turntable.fm-Fan fehlen mir aber die für mich wichtigen Features, eigene Titel zum Stream hinzufügen zu können und dann zu sehen, welche Reaktionen diese hervorrufen. Auch vermisse ich ein wenig spielerische Elemente, die mich für meine Aktivität (das Favorisieren oder "Skippen" von Titeln) belohnen.

Die Frage ist damit, ob The Crowd Nutzern genug Anreize für das kollektive Hörerlebnis bietet. Denn dieses zeichnet sich im besten Fall nicht nur allein dadurch aus, dass mehrere Menschen gleichzeitig das selbe hören und sich dazu austauschen, sondern auch, dass man den eigenen Musikgeschmack mit dem von anderen vergleichen und durch andere Nutzer auf neue, einem unbekannte Titel stoßen kann. Die zwei letztgenannten Aspekte blendet Aupeo derzeit aus. Es wird sich zeigen, ob dies Auswirkungen auf das Engagement der Hörer hat.

Link: Aupeo

Kenntlichmachung: Aupeo stellt Preise für eine Verlosung im Rahmen unserer Leserumfrage zum Onlineservice des Jahres, hat aber keine geschäftlichen oder monetären Verbindungen zu netzwertig.com oder zur Blogwerk AG.

Kommentare

  • Jan

    15.12.11 (13:39:29)

    Hängen die .fm Portale eigentlich mit dem Dienst Last.fm zusammen? Ist ja nicht immer einfach herauszubekommen, zwischen den ganzen Tochtergesellschaften und Co

  • Sebastian

    15.12.11 (14:23:47)

    kommt mir so vor, als ob sich Aupeo da bei wahwah.fm bedient hat

  • Martin Weigert

    15.12.11 (14:50:21)

    Inwieweit?

  • Martin Weigert

    15.12.11 (15:49:11)

    Nee da gibt es keinen Zusammenhang.

  • Sebastian

    15.12.11 (15:50:46)

    ist doch das gleiche Konzept

  • Martin Weigert

    15.12.11 (16:05:07)

    Bei wahwah.fm bauen Nutzer über eine mobile App Streams mit eigenen Songs, die dann andere Leute in der Nähe anhören können. Das ist nicht wirklich das gleiche Konzept. Wenn man mal davon absieht, dass es in beiden Fällen um Musik und Social geht. Davon abgesehen ist wahwah.fm noch nicht einmal gelauncht.

  • Sebastian

    16.12.11 (10:26:28)

    nicht ganz richtig, aber egal. Nutzer müssen sich nicht in der Nähe voneinander befinden. Dennoch, die Grundidee ist doch die gleiche: gemeinsames Musikören in Realtime. Wobei es natürlich attraktiver ist, seine eigenen Songs zusammenstellen zu können als nur gemeinsam einer Radiostation zuzuhören. Ich bin mal gespannt, wer das Rennen macht. Pandora, Last.fm sind um einiges attraktiver als Aupeo und der Musikmarkt ist hart umkämpft und sehr schwierig

  • Martin Weigert

    16.12.11 (10:32:22)

    Ok, sie MÜSSEN sich nicht in der Nähe befinden. Aber zumindest zu Beginn war der Grundgedanke, den "Soundtrack" der Gegend hören zu können, in der man sich gerade aufhält. Ich bestreite nicht die grundsätzliche Ähnlichkeit (die auf jeden Dienst zutrifft, der Musik und Social verbindet), finde nur das die Bezeichnung "hat sich bedient" unpassend. Erst recht, wenn es um ein Angebot geht, das bisher über eine Closed Pre-Beta nicht hinausgekommen ist.

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