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16.05.14Leser-Kommentare

Neue Foursquare-App: Swarm weckt nostalgische Gefühle

Foursquare hat seine neue App namens Swarm veröffentlicht und für diese im Vorfeld erfolgreich Spannung aufgebaut. Die dabei beim Autor ausgelösten Gefühle sind selten geworden im heutigen Webgeschäft. Sie stimmen nostalgisch.

SwarmNach der Ankündigung Anfang Mai hat Foursquare gestern seine die Social-Networking-Funktionen separierende neue App Swarm für iPhone und Android veröffentlicht. Einige Beiträge im Foursquare-Blog sowie Tweets von CEO Dennis Crowley wiesen in den vergangenen Tagen schon darauf hin, dass der Launch der Anwendung unmittelbar bevorstehe - und bei mir regelrechte Vorfreude ausgelöst. Als ich dann bei Twitter erste Hinweise auf die erfolgte Veröffentlichung von Swarm sah, zückte ich sofort mein Smartphone und installierte mir die App.

Für ein Urteil ist es noch zu früh. Ich möchte Swarm, das neben dem herkömmlichen Check-In auf Wunsch auch passives Location-Tracking beinhaltet und damit Facebooks jüngst eingeführtem "Freunde in der Nähe"-Feature ähnlich ist, erst einmal einige Tage in "freier Wildbahn" testen. Während ich aber gestern, auf mein iPhone starrend, den Downloadprozess der Anwendung beobachtete, traf es mich wie ein Blitz: Diese verspürte, fast schon kindliche Vorfreude auf einen neuen Onlinedienst, ist bei mir in den letzten zwei bis drei Jahren zu einer Seltenheit geworden. Das war einst anders. Ich erinnere mich noch an die Zeit anno 2007/2008, als der Begriff Web 2.0 plötzlich regelmäßig in den Medien auftauchte, befeuert von unzähligen Beta-Debüts neuartiger Webdienste. Ob Joost, Spotify, Pownce, steereo, Google Wave oder eben auch Foursquare - ständig gab es für Early Adopter Gelegenheit, mit potenziell bahnbrechenden Anwendungen herumzuspielen - sofern man eine Einladung ergattern konnte. Viele der Services entpuppten sich zwar auf Dauer nicht als die in Aussicht gestellten Erfolgsgeschichten. Dennoch herrschte eine Stimmung, in der man als experimentierfreudiger Anwender hinter jeder Ecke der digitalen Welt das nächste große Ding vermutete - und natürlich gerne der Erste sein wollte, der es für sich entdeckte.

Irgendwann war diese Atmosphäre dann verflogen. Zu viel Zeit hatte man schon in das Ausprobieren und "sich häuslich Einrichten" bei neuen Diensten investiert, aus denen nichts wurde. Der Neuigkeitseffekt verschwand nach und nach. Newcomer stellten verstärkt Iterationen bereits bekannter Konzepte dar, wodurch die Begeisterungsfähigkeit abnahm. Zugleich verlagerte sich der Fokus der Digerati auf all die ernsthaften Debatten, die durch die Netzrevolution geführt werden mussten - gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche. Die Startup-Szene verlor ihre Unschuld, aus Spielerei wurde Ernst.

Während ich hier in meinem virtuellen Ledersessel sitze, Tee schlürfe und in mir fast schon peinlicher Weise über die "gute alte Zeit" nachdenke, in der schon eine Landingpage mit Formular zur Eingabe einer E-Mail-Adresse für die Beta für Begeisterung und Erwartungsfreude sorgte, weiß ich natürlich, dass das alles auf einer emotionalen Romantisierung und Verklärung basiert. Und freilich gibt es auch heute viele innovative, spannende Neuheiten, mit denen man vorzüglich herumspielen kann. Sowohl im Software-Bereich als auch verstärkt, was Hardware angeht (Wearables, Internet der Dinge, Smart Home etc). Doch das Flair von einst ist verflogen.

Fast zumindest. Beim ungeduldigen Warten darauf, Swarm erstmalig öffnen zu können, war das Kribbeln kurzzeitig wieder da. Komischerweise, denn auch Swarm ist kaum mehr als alter Wein in neuen Schläuchen. Dennoch weckte der Launch bei mir sentimentale, nostalgische Gefühle. Und diese genieße ich gerade.

Kommentare

  • Jürgen Vielmeier

    16.05.14 (13:05:51)

    Bist du verliebt? :) Ich bin eher entsetzt. Ich hab mir gerade Swarm mal - ohne große Vorfreude, mehr aus Zwang - installiert und nach fünf Minuten enttäuscht gedacht: "Das war's dann wohl mit Foursquare". Swarm ist nicht der große Wurf, ist nicht mal viel anderes als die bisherige Check-in-Funktion von Foursquare. Mehrwert: null. Ich sehe darin, dass keiner meiner Freunde im Umkreis von 10km gerade irgendwo ist. Na klasse. Die Aufsplittung in zwei Apps macht. keinen. Sinn. und die große Masse der Foursquare-Fans wird diese Unterteilung nicht verstehen. Ich kann mir das nur aus zwei Gründen erklären: 1. Foursquare ist verzweifelt und grätscht sich damit selbst den entscheidenden Angriff zum rettenden Klassenerhalt weg. Und das zu einem Zeitpunkt, wo ich die App gerade wiederentdeckt hatte, wo viele meiner Facebook-Freunde und damit die große Masse langsam spürbar auf den Zug aufsprang. Oder, wahrscheinlicher, 2. Es war die wohl überlegte Entscheidung, das Spielerische auszulagern, in der Hoffnung, sich ihm damit möglichst charmant zu entledigen. Das aber wäre leider das Gegenteil von dem, was du oben beschreibst. Das Spielerische wird damit eben zu Grabe getragen. Jetzt soll es nun noch um Restaurant-Empfehlungen und damit den schnöden Mammon gehen. So oder so: Ich halte das für eine fatale Fehlentscheidung. Foursquare hat sich damit keinen Gefallen getan.

  • m

    16.05.14 (15:02:11)

    Wie heisst es so schön: „The honey is out of the moon.“ :) Enjoy!

  • Martin Weigert

    18.05.14 (12:03:27)

    Meine Beschreibung bezieht sich ja weniger auf die Qualität der App als auf die Vorfreude. Ich finde, nach fünf Minuten ist dein radikales Urteil etwas verfrüht (was nicht ausschließt, dass ich nach einem längeren Testzeitraum zu einem ähnlichen Resultat komme). Wobei du recht hast - Swarm ist nur dann cool, wenn man in Ballungsräumen wohnt und in diesen richtig viele Kontakte hat.

  • Jürgen Vielmeier

    19.05.14 (10:44:36)

    Kein Urteil, nur eine Prognose. Und nicht selten liegt man damit auch nach fünf Minuten gar nicht mal so falsch. Aber ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Warten wir mal ab.

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