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06.12.11

Neue Deutsche Produktivitätswelle: Hojoki vereint Aktivitätsstreams von Cloud-Diensten unter einem Dach

Ein die Kollaboration ermöglichender Stream mit Aktivitäten aus sämtlichen von Nutzern verwendeten Cloud-Diensten - das verspricht das Chemnitzer Startup Hojoki, das am Mittwoch auf der LeWeb-Konferenz seine Tore öffnet. Bei uns könnt ihr den Dienst exklusiv schon heute ausprobieren.

 

Jedes Geschäftsmodell im Internet wird eines Tages auf Streams basieren, so prophezeite es der US-Informatiker David Gelernter am Wochenende im Wall Street Journal. Für Martin Böhringer, Lutz Gerlach, Danilo Härtzer und Thilo Schmalfuß dürfte diese Aussage des renommierten Professors Musik in den Ohren sein. Immerhin geben sie in dieser Woche den Startschuss für Hojoki, einen Onlinedienst, der die Aktivitätsstreams von verschiedenen Cloud-Services unter einem Dach aggregiert und darauf aufbauend eine Kollaboration zwischen mehreren Personen ermöglicht.

"Make all your cloud apps work as one" lautet das Motto des im März 2011 in Chemnitz gegründeten Jungunternehmens, das vor zwei Wochen den Erhalt einer Seed-Finanzierung über knapp 500.000 Euro verkünden konnte. Nach einer Registrierung erlaubt Hojoki es Anwendern, ihr Konto mit ihren Accounts einschlägiger Webdienste und Produktivitätsplattformen zu verknüpfen. Zu Beginn unterstützt werden unter anderem Dropbox, Google Docs, Twitter, Highrise, Beanstalk und Delicious. Aus sämtlichen angeschlossenen Diensten kreiert Hojoki einen Stream mit den dort durchgeführten Aktivitäten.

Dieser Stream erfüllt jedoch nicht nur einen Selbstzweck, sondern stellt die Grundlage für Projekte dar, die sich mit wenigen Klicks bei Hojoki anlegen lassen und zu denen andere Personen eingeladen werden können. Jedes Objekt aus dem Stream kann mittels der Share-Funktion mit allen Mitgliedern der Projektgruppe geteilt werden und besitzt eine Kommentarfunktion. Projekt erhalten ihren eigenen Stream, der sämtliche Konversationen und Dateien anzeigt, die von den Teilnehmern der Projektgruppe hinzugefügt worden sind. Auch können Aktivitäten rund um einzelne Verzeichnisse/Tags bei den angeschlossenen Cloud-Diensten automatisiert in einen Projektstream importiert werden.

Projektmanagement-Tools gibt es wie Sand am Meer. Mein persönlicher Kritikpunkt ist dabei zumeist, dass ihnen handfeste Alleinstellungsmerkmale fehlen und dass sie für einfache Aufgaben zu komplex oder nicht intuitiv genug sind. Hojoki kann ich nichts davon ankreiden. Simpler kann Kollaboration rund um Projekte kaum sein, und durch den ausschließlichen Fokus auf Cloud-Diensten (Daten, die nicht bei einem der angeschlossenen Dienste existieren, können nicht zu Hojoki importiert werden) hebt sich das sächsische Startup deutlich von herkömmlichen Produktivitätstools ab.

Der Begriff "Projekt" sollte dabei abstrakt betrachtet werden und charakterisiert nichts anderes als eine themenspezifische Arbeitsfläche, zu der weitere Personen hinzugezogen werden können. Für "echte", umfangreiche Großprojekte ist Hojoki aufgrund des bewusst begrenzten Funktionsumfangs nicht geeignet.

Anwendern in ihrer Organisation behilflich sein sollen Tags, die auch automatisiert ausgelesen werden (beispielsweise aus Tweets), Listen zuletzt verwendeter Dateien und zuletzt auf dem eigenen Radar erschienener Personen (z.B. Kollaborateure in Google Docs, die ein dort geteiltes Dokument bearbeitet haben) sowie eine Volltext-Suchefunktion.

Optisch und von der Bedienung her macht Hojoki einen gelungenen Eindruck. Neben dem im Jahr 2011 obligatorischen Holz-Design können Benutzer aus einer Reihe weiterer grafischer Themes für ihre Arbeitsfläche wählen.

Hojoki-Mitgründer Martin Böhringer verspricht für die nächste Zeit jeweils drei neue, mit Hojoki integrierbare Dienste pro Monat. Ganz oben auf der Roadmap stehen Evernote, Zendesk und Lighthouse. Langfristig erhofft sich das mittlerweile achtköpfige Hojoki-Team, für Nutzer zum zentralen Einstiegspunkt in den Arbeitsalltag zu avancieren. Die Monetarisierung soll nach dem Ende der Beta-Phase über kostenpflichtige Premium- und Team-Accounts erfolgen.

Neben Wunderlist/Wunderkit aus Berlin und dem noch nicht gestarteten Startup doo aus Bonn manifestiert Hojoki den sich abzeichnenden Trend der "Neuen Deutschen Produktivitätswelle" - innovative, unkomplizierte und designbewusste Webwerkzeuge, die ein besseres und effizienteres Arbeiten ermöglichen.

Hojoki öffnet am morgigen Mittwoch im Rahmen der LeWeb-Konferenz in Paris die Tore für die öffentliche Beta-Phase. Leserinnen und Leser von netzwertig.com erhalten aber exklusiv bereits heute Zugang - über diesen Link könnt ihr euch registrieren.

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