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29.08.13Kommentieren

Nachlese zum European Pirate Summit: Drei Startups, die mir gefallen

Piraten in Köln, Startups auf der Bühne: Beim European Pirate Summit blieben uns drei Startups mit guten Zukunftsaussichten in besonderer Erinnerung.

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Arrr! Das European Pirate Summit in Köln ist sicher die ungewöhnlichste Startup-Konferenz, auf der ich jemals war. Augenklappen und Kopftücher als empfohlene Piraten-Accessoires, von Anzügen wird abgeraten, immer wieder Anspielungen auf Holzbeine und Glasaugen und das traditionelle Piraten-"Arrr!", wenn in der ungewöhnlichen Location "Odonien" im Kölner Rotlichtbezirk in Nippes ein lauter Güterzug am angrenzenden Gleis wieder einmal einen Vortrag unterbricht.

Startups und Entwickler haben hier in sehr lockerer Atmosphäre die Chance, sich Investoren vorzustellen. Investoren wie Jason Ball von Qualcomm Ventures, der Gründern rät, nicht zu viel zu denken und statt dessen lieber mal den Kopf frei zu kriegen: "Ich fahre jeden Morgen mit dem Rennrad durch die Londoner City. Das geht nicht ohne Todesangst und so habe ich gar keine Chance, an Excel-Tabellen zu denken." Als Highlight der Veranstaltung stellten sich einige Startups in einem Pitch vor, die mein Kollege Martin Weigert euch vor kurzem bereits benannt hatte. Drei davon gefielen mir besonders, auch wenn diese bei der Preisvergabe leer ausgingen.

Avuba

Avuba

Wer wird den Bankensektor aufmischen? Bei den Instituten selbst tut sich viel in Sachen neuer Standards, Regelungen und Sicherheitsvorkehrungen. Die einzigen nennenswerten Neuerungen, die der Endverbraucher in den vergangenen 50 Jahren gesehen hat, waren Geldautomaten und Online-Banking. Das Berliner Startup Avuba strebt hier "die Revolution des Girokontos" an. Neben einem Concierge-Service und einem Ausgabenbuch soll der Nutzer hier eine eigene EC- und Kreditkarte bekommen und deutlich weniger für Transaktionen zahlen als bei den altbekannten Banken. Überweisungen sollen so einfach sein wie nie zuvor.

Noch ist der Dienst nicht offiziell gestartet, aber die ersten Screenshots, die die drei Gründer auf dem Pirate Summit zeigten, sahen schon einmal sehr vielversprechend aus. Thematisch ähnlich, wenn auch ohne eigene Karten, präsentieren sich Numbers, Figo und international deutlich breiter: Transferwise.

Stilnest

Stilnest

Online-Designshops wie Fab und Etsy gibt es bereits wie Sand am Meer, sich da noch hervor zu tun, ist schwierig. Das Berliner Startup Stilnest will dies tun, indem es die Designer in den Vordergrund stellt, jedes Produkt individuell verpackt und bei vielen der Produkte auf 3D-Druck setzt. Der Shop ist in einer noch nicht offiziellen Beta bereits online. Anders etwa als bei eBays sonderbar hässlichen Ausflug in die Welt der 3D-Druck-Produkte (eBay Exact), verfügt Stilnest bereits über einen Stamm an Designern und setzt als einer der ersten in dem Geschäft im großen Stile auf das Zukunftsfeld 3D-Druck.

Fedger.io

Fedger

Manchmal ist das Team hinter einem Projekt interessanter als die Umsetzung selbst. Foursquare um seinen charismatischen Gründer Dennis Crowley etwa musste mehrmals den Fokus der eigenen App verschieben, bis es endlich so ungefähr passte. Ein ganz ähnliches Gefühl hatte ich gestern beim Team von Fedger.io (vormals Pitorisk). Die Kölner arbeiten an einer Datenbanksuche, die Verknüpfungen zwischen verwandten Daten grafisch anzeigt. In einer Startup-Datenbank ließe sich damit etwa auf einem Blick erkennen, wer die größten Geldgeber eines Unternehmens sind, wie viel sie investiert haben und mit wem sie noch in Verbindung stehen. Fedger würde allerdings nur die relevantesten Informationen anzeigen und weniger relevante Begriffe herausrechnen.

Was das Team mir in einer kurzen Demo zeigte, war noch in einem frühen Stadium und funktionierte nicht ganz fehlerfrei. Außerdem wurde ich das Gefühl nicht los, etwas Ähnliches vor Jahren einmal in der Suchmaschine Kartoo gesehen zu haben. Erstaunlich allerdings schon jetzt die Begeisterung, mit der das Team ihr Projekt vermittelt und das Fachwissen, das es an den Tag legt. Ein Start vor 2014 ist für Fedger nicht geplant. Man traut dem Team allerdings schon jetzt zu, hier noch etwas Großes auf die Beine zu stellen.

Die tatsächlichen Gewinner des Startup Pichtes

Ferner gefiel mir Imagga. Eine oder mehrere Lösungen des Foto-Startups sollen Bild-Datenbanken nach Farben, Formen oder Gegenständen durchsuchbar machen. Viel wäre schon gewonnen, wenn Imagga Bilddatei-Namen nach dem vergeben könnte, was darauf zu sehen ist. Ob das Team aus Bulgarien allerdings genau das auf dem Schirm hat, ist unklar.

Die Jury des Pirate Summit vergab drei von Google gesponserte Hauptpreise (jeweils 20.000 Euro) in drei Kategorien. Der französische "PowerPoint-Killer" Bunkr, ein browser-basiertes Präsentationstool, gewann in der Kategorie "Best Captain". Der Anbieter für Distributed Storage, StorPool, gewann in der Kategorie "Toughest Sea" - es steht vor großen Herausforderungen. Für Shop-Anbieter mit großen Produktkategorien sehr interessant: Der Sieger in der Kategorie "Closest to Treasure", das deutsche Startup Fast Forward Imaging. Die Berliner wollen den Markt für Produktfotografien durch eine Automatisierungslösung aufmischen, indem sie die Aufnahmen einfach um ein Vielfaches günstiger machen. Das Konzept ist derart einleuchtend, dass die Jury FFI zutraute, am schnellsten zu unermesslichen Reichtum zu gelangen.

Disclaimer: netzwertig.com ist offizieller Medienpartner des European Pirate Summit.

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