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25.02.11Kommentieren

Nachhaltigkeit: frents positioniert sich als "Social Library" für Sachen

Einst als Social Network für Dinge mit einem etwas unklaren Fokus gestartet, hat sich das Berliner Startup frents einer Schlankheitskur unterzogen und hebt nun deutlicher hervor, worin der Produktnutzen liegt.

 

Vor knapp einem Jahr porträtierten wir das Berliner Startup frents, welches zu diesem Zeitpunkt gerade das nach eigener Aussage “erste soziale Netzwerk für Sachen” ins Rennen geschickt hatte. Der Unterschied zwischen herkömmlichen Social Networks und dem Konzept von frents lag darin, dass nicht nur Verbindungen zwischen Menschen abgebildet wurden, sondern auch die zwischen Menschen und ihren Besitztümern.

Mein damaliger Hauptkritikpunkt lag darin, dass das junge Unternehmen seine vom Prinzip her interessante Idee mit Funktionalität regelrecht überladen hatte und, statt sich auf ein konkretes Nutzungszenario zu spezialisieren, zu viel auf einmal sein wollte - vom Social Network über einen Produktmarkplatz bis hin zu einer Dienstleistungsplattform.

Im Dezember vermeldete frents rund 2.000 Nutzer - nach neun Monaten ein deutlicher Indikator dafür, dass der Service in seiner initialen Umsetzung bei Anwendern nur auf sehr geringes Interesse stieß. Um dies zu ändern, haben die frents-Macher Philipp Rogge, Ferdinand Mühlhäuser und Carlo Pohlhausen nun das einzig Richtige getan: Die Plattform verschlankt, die Kommunikation fokussiert sowie das Produktversprechen deutlicher hervorgehoben.

Ab sofort bezeichnet sich frents nicht mehr als Social Network sondern als Social Library. Das mag kryptisch klingen, trifft den Nagel aber auf den Kopf: Bei frents tragen Anwender ihre im Besitz befindlichen Sachen ein und zeigen in Form virtueller Regale, auf welche Dinge andere Nutzer aus ihrem Kontaktnetzwerk zugreifen können.

Warum dies sinnvoll ist, erklärt frents-Mitbegründer Philipp Rogge an einem praktischen Beispiel: In jeder dritten Wohnung stehen laut statistischem Bundesamt eine oder mehrere Spielkonsolen. Ausgehend von im Durchschnitt 130 Facebook-Freunden bedeutet dies, dass jedes Mitglied bei Facebook auf mehr als 40 Spielkonsolen im Bekanntenkreis zugreifen kann (hier übertreibt Rogge allerdings etwas, denn diese Rechnung ginge nur auf, wenn in jeder Wohnung lediglich eine Person leben würde) - zusätzlich zu den Konsolen, die sich innerhalb der direkten Nachbarschaft befinden. frents will diese Konsolen und andere Dinge verfügbar machen, das Tauschen und Vermieten vereinfachen und auf diesem Weg gleichzeitig dabei helfen, Ressourcen zu schonen.

Durch eine Stichwort-Eingabe signalisieren User, welche Produkte oder Dinge sie besitzen, die sie theoretisch mit anderen zu teilen bereit sind, wählen anschließend die jeweilige Sache aus der Vorschlagsliste aus und definieren, ob sie diese verschenken, verkaufen, vermieten oder an Freunde verleihen wollen. Außerdem legen sie fest, wer die Sache bei frents sehen darf.

Über den Menüpunk "Library" können sich frents-Mitglieder darüber informieren, welche Produkte auf diese Weise in ihrem Netzwerk verfügbar sind, also von frents-Kontakten eingetragen wurden. frents visualisiert die Social Library in Form von zwölf virtuellen Regalen - von Büchern über Spiele und Musikinstrumente bis hin zu Werkzeugen.

Hat man einen Gegenstand entdeckt, den man gerne verwenden möchte, kann man mit dem jeweiligen Besitzer in Kontakt treten. Jede bei frents eingetragene Sache verfügt über eine eigene Profilseite, die auch Bestelllinks zu Onlineshops enthält - mit den so generierten Affiliate-Einnahmen wollen die Berliner Gründer frents monetarisieren.

Anders als vor einem Jahr wirkt das überarbeitete frents, das eine Integration mit Facebook bietet - von dort sollen User ihre Freunde zu frents holen - deutlich aufgeräumter und fokussierter, auch wenn ich noch während des Registrierungsprozesses auf einige kleinere Bugs gestoßen bin.

frents sieht sich als Teil eines durch neue Technologien ausgelösten Trends zum weltweiten Teilen von Ressourcen - den beispielsweise auch Airbnb und 9flats.com identifiziert haben. Warum sollen Menschen Produkte neu kaufen, die lediglich einmal benötigt werden und ansonsten in der Ecke verstauben, wenn sich diese auch kurzzeitig und vor allem kostengünstig aus dem eigenen Kontaktnetz beziehen lassen? frents will Individuen eine Plattform bitten, um tatsächlich ab und an auf den Erwerb von Dingen verzichten zu können.

Kann die Idee funktionieren? Definitiv. Voraussetzung ist aber, dass sich viele eigene Freunde sowie Menschen aus der Nachbarschaft bei frents versammeln und ihre Besitztümer eintragen. Dies ist für frents die große Herausforderung der kommenden Monate. Man darf gespannt sein, was sich die drei Gründer einfallen lassen, um für frents zu trommeln. Gamification-Elemente wie Awards für Aktionen gibt es bereits, reichen aber bei weitem nicht aus, um das Nutzerengagement zu maximieren.

Link: frents

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