27.09.12 08:46, von Martin Weigert

Nach Übernahme durch Twitter: Posterous steckt in den letzten Lebenszügen

Im März gab Twitter die Übernahme von Posterous bekannt. Seitdem ist die Blogplattform ein im Sterben liegender Patient. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass das Leiden bald ein Ende hat.


Als Twitter im März die Übernahme der schlanken Bloggingplattform Posterous bekannt gab, läuteten bei den verbliebenen Anwendern des kalifornischen Startups die Alarmglocken: Schon davor war deutlich geworden, dass sich die Nutzerzahlen des Unternehmens weit weniger dynamisch entwickeln als die des Konkurrenten Tumblr. Dieser besaß zwar ebensowenig wie Posterous ein nennenswertes Geschäftsmodell, aber darf immerhin ein rasantes Wachstum genießen. Die Akquisition von Posterous durch Twitter wurde gemeinhin als Talentübernahme gewertet, was bei den noch treuen Posterous-Mitgliedern die Frage aufwarf, wie es mit dem Service weitergehen würde. Twitters Anmerkung, man werde rechtzeitig informieren, sofern bei Posterous Veränderungen anstehen, ließ nichts Gutes erahnen.

Auch ich betrieb bisher mein privates, nur selten aktualisiertes Blog bei Posterous. Allerdings scheint der Großteil des aufgekauften Teams mittlerweile für Twitter tätig zu sein. Die Zahl der Probleme hinsichtlich Zuverlässigkeit und Stabilität nimmt zu, und es wirkt, als befände sich der Dienst in den letzten Zügen seiner Existenz. Zeit für mich, endlich den Umzug zu einem anderen Anbieter durchzuführen - Wordpress.com oder Tumblr kommen in die engere Wahl. Doch dummerweise ist der von Wordpress.com angebotene Posterous-Importer seit gut einer Woche nicht mehr verfügbar. Im Wordpress Support-Forum heißt es, man habe die Funktion aufgrund eines temporären Problems deaktivieren müssen. Wann sie ihr Comeback feiert, dazu gibt es keine Angaben.

 

Fehlermeldungen gibt es bei Posterous mittlerweile viele

Wer mit dem Posterous-Content zu Tumblr umziehen möchte, muss sich dafür eines Workarounds bedienen, da von Tumblr keine spezielle Import-Option angeboten wird. Die laut diverser Erfahrungsberichte von Nutzern effektivste Lösung ist es, im Posterous-Account das automatische, parallele Publizieren von Blogbeiträgen bei Tumblr zu aktivieren und dann alle alten Blogeinträge von Posterous mit einem aktuellen Datum zu versehen, also nochmals veröffentlichen. Das macht ein wenig Arbeit, und Kommentare lassen sich so nicht transferieren. Aber es ist besser als nichts.

Doch leider werden User derzeit auch an diesem Prozess gehindert, da die Autorisierung eines Tumblr-Kontos im Posterous-Mitgliederbereich momentan außer Gefecht gesetzt ist. Wer sich an ihr versucht, erhält lediglich den Hinweis, dass eine Authentifizierung des Accounts nicht möglich ist.

Selbst wenn es noch einige andere Wege geben dürfte, um eventuell über viele Jahr bei Posterous publizierte Inhalte von dem Dienst loszueisen (etwa über den RSS-Feed), scheint es momentan, als habe Posterous trotz der selbst ausgelösten Endzeitstimmung kein Interesse daran, seine nach dem Exit an Twitter bereits geschrumpfte Nutzerschaft ziehen zu lassen. Doch nachdem ich mich über diesen Zustand in einem Tweet beklagt hatte, schuf Posterous-Gründer Sachin Agarwal Klarheit: "We're polishing up our export tool. that will be the best way to download your content." Das Twitter-Posterous-Team arbeitet seiner Aussage nach also an einem Werkzeug, um Posterous-Content leichter exportieren zu können.

@martinweigert we're polishing up our export tool. that will be the best way to download your content.

— Sachin Agarwal (@agarwal) September 26, 2012

 

Letztlich kann dies eigentlich nur eins bedeuten: Posterous steht kurz vor seiner endgültigen Schließung. Nähme die Fertigstellung der Funktion zum Exportieren noch längere Zeit in Anspruch, würde das Unternehmen nicht die dafür bereits vorhandenen Lösungen wie das Autoposting zu Tumblr kommentarlos defekt vor sich hinvegetieren lassen. Auch kann es allein für die Tatsache, dass Twitter für seine übernommene und seitdem merklich vernachlässigte Blogplattform an einem leistungsfähigeren Werkzeug zum Exportieren der Inhalte bastelt, im Prinzip nur zwei mögliche Gründe geben: Dass sich das Unternehmen aus San Francisco entschlossen hat, Posterous fortzuführen und aufzupeppen - was aufgrund der bisherigen Entwicklung nahezu ausgeschlossen werden kann - oder dass das unmittelbare Ende naht.

Immerhin: Wirklich überraschen dürfte diese Situation niemanden, und jeder derzeit bei Posterous quasi "eingeschlossene" Nutzer kann sich zumindest sicher sein, den eigenen Content rechtzeitig exportieren zu können, bevor Twitter den Stecker zieht. Meine Vermutung: Dies geschieht noch dieses Jahr. Es gibt einfach keinen Grund mehr, den leidenden Patienten Posterous noch länger am Leben zu lassen.

Allen verbliebenen Posterous-Nutzern sei an dieser Stelle noch ein Blick auf Squarespace empfohlen - eine weniger bekannte aber leistungsfähige Publishingplattform aus New York, die einen besonderen Fokus auf Einfachheit und Eleganz legt. Im Gegensatz zu anderen Blogdiensten ist Squarespace kostenpflichtig (ab 8 Dollar im Monat inklusive Domain), was aber für ernstzunehmende, auf Zuverlässigkeit und Stabilität angewiesene Blogprojekte eher ein Vorteil darstellt. Ein Testaccount erlaubt 14-tägiges Ausprobieren. Die gute Nachricht: Squarespace bietet ebenfalls einen Posterous-Importer - und dieser hält, was er verspricht.

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Kommentare: Nach Übernahme durch Twitter: Posterous steckt in den letzten Lebenszügen

In Posterous Acquisition FAQs steht aktuell:

Over the coming weeks we’ll provide you with specific instructions for exporting your content to other services.

Diese Nachricht wurde von Michael Wolf am 27.09.12 (10:01:10) kommentiert.

Schade, ich habe Posterous irgendwie gerne genutzt. Im Gegensatz zu Tumblr war alles gefühlt etwas schlanker. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache. Vielleicht könnte man auch gleich einen Cross-Importer schreiben und die Inhalte in ein selbst gehostetes Wordpress übernehmen. Dann hält es hoffentlich etwas länger...

Diese Nachricht wurde von Dominik Belca am 27.09.12 (13:44:11) kommentiert.

Es ist wirklich eine Unart, dass derartig viele Dienste einfach so eingestellt werden. Die Gründer freuen sich über einen fetten Scheck und lassen die User im Regen stehen. Man muss als User eben doch im Vorfeld darauf achten, ob der Anbieter irgenwelche Möglichkeiten hat, Geld zu verdienen. Squarespace ist ein gutes Beispiel, dort gibt es nur Bezahltarife. Jimdo ist zwar vielleicht nicht der beste Blogersatz, aber das Schöne hier ist, dass es sowohl ein vernünftiges Geschäftsmodell gibt, wie auch Gründer, denen ihre User am Herzen liegen. Hatte gestern zufälligerweise genau zu diesem Thema gebloggt: http://www.websitetooltester.com/news/ist-meine-website-sicher-bei-einem-homepage-baukasten-anbieter/

Diese Nachricht wurde von Robert am 27.09.12 (14:25:19) kommentiert.

Warum wechselst du nicht einfach zu wordpress.org statt .com??

Diese Nachricht wurde von Vincent am 28.09.12 (12:56:15) kommentiert.

Weil ich in meinem privaten Blog so selten was publiziere, dass mir der Betrieb einer selbstgehostete Lösung unnötig umständlich erscheint. Klar ist es am Ende nicht viel zusätzlicher Aufwand, aber ich hab einfach keine Lust auf und keine Zeit für Frickelarbeit.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 28.09.12 (14:13:52) kommentiert.

Habe mit dem Programm WinHTTrack meinen Blog bei posterous auf meinen Rechner gezogen. So kann ich das wenigstens als Archiv nutzen.

Diese Nachricht wurde von Krope am 28.09.12 (15:04:10) kommentiert.
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