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08.01.09Leser-Kommentare

MyVideo startet Musikvideosektion, zeigt Rückwärtsgewandtheit

MyVideo startet eigene Sektion für den Konsum von Musikvideos. Und blendet dafür die Entwicklungen der letzten Jahre im Web aus.

Die deutsche Videosite MyVideo startet 'Musik TV' eine eigene Sektion für Musikvideos, in der sich das Feeling des ursprünglichen Musikfernsehens wiederholen lassen soll.

Nach eigener Aussage sind über 12.000 Musikvideos abrufbar. Besonders der hohe Anteil an deutschsprachigem Material fällt dabei auf den ersten Blick auf. Leider dürfte der auch das einzige Alleinstellungsmerkmal sein.

 

Das Angebot hat mich ein bisschen rätselnd zurückgelassen.

Es wird tatsächlich mehr oder weniger das alte Musikvideofernsehen imitiert. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Vorteile: Man kann Musikvideos hintereinander abspielen lassen, ohne eingreifen zu müssen. Selbst ein Wechsel zwischen den Kategorien läuft ohne plötzliches Abbrechen des Videos. Die weiteren Videos werden einfach nach dem aktuell laufenden gestartet. Nicht weltbewegend, aber auch nicht schlecht.

Die Nachteile kommen mit der Tatsache, das MyVideo die Musikfernsehen-Metapher ein wenig zu ernst genommen hat. Man hat tatsächlich nur die Auswahl zwischen verschiedenen nach Genres aufgeteilten Kategorien (Rock, Pop, R&B, 70er/80er, etc.) und einer Charts-Kategorie.

Es gibt keine Möglichkeiten, um etwa:

  • eigene Playlists anzulegen
  • sich aus dem eigenen Musikkonsum (zum Beispiel über die Last.fm-API) Videos entsprechend des eigenen Geschmacks anzeigen zu lassen
  • die Playlists anderer User anzuschauen
  • oder Usern die Möglichkeit zu geben, in Gruppen, etwa per Voting, eigene Kategorien/Stationen zu bestücken
  • Videos von meinem Lieblingsmusiker musikalisch nahen Künstlern anzuschauen
  • meine 3 Lieblingsgenres zu einem eigenen Kanal zu vermischen, bei dem dann per Zufall Videos aus den Genres ausgewählt werden

Das sind nur die Möglichkeiten, die mir aus dem Stand eingefallen sind.

Nichts davon ist möglich. Stattdessen gibt es nur eine sture Auswahl der verfügbaren, nach Genres geordneten Kategorien.

Es fehlen sogar die auf der übrigen Site vorhandenen einfachsten Grundfunktionen: Man kann kein Video als Lesezeichen/Favorit für später speichern oder, wie oben erwähnt, zur eigenen Playlist hinzufügen.

Die internationale Konkurrenz

Es gibt unzählige Webdienste, die, meist auf YouTube aufsetzend, den bequemen Online-Zugang zu Musikvideos anbieten und dabei besonders auf den ununterbrochenen Videofluss achten. Auf meinem privaten Blog hatte ich vor geraumer Zeit einige davon zusammengestellt.

MusicStrandsTV zeigt, was in diesem Bereich an Innovationen möglich ist. Viele der oben von mir genannten Möglichkeiten werden dort umgesetzt. Man könnte musicStrandsTV mit seinen Empfehlungen als Last.fm für Online-Musikvideos bezeichnen.

Fazit

MyVideos 'Musik TV' ist leider recht altbacken und zeugt von einer rückwärts gewandten Mentalität, die die Entwicklungen im Web der letzten Jahre völlig ausblendet.

Es ist maximal ein erster, zaghafter Anfang für den deutschen Markt. Ob daraus noch ein attraktives Angebot für Musikvideofans entsteht, wird sich zeigen. Ich würde es bezweifeln.

Kommentare

  • ring2

    08.01.09 (21:24:17)

    * eigene Playlists anzulegen ... und alles, was Du danach bemängelst kann man wohl nicht myvideo ankreiden. Will man in Deutschland einen Musikvideo-Dienst starten, wie Du ihn Dir vorstellst - kann man gleich seine Millionen bei der Gema abgeben. Auch so hält die ihr Hand ganz schön auf, aber wenigstens ist es ein Stream, den der User nicht beeinflussen kann (on demand). (Habe ich nicht gecheckt, ob das dort auch so ist - ist nur in 90% der Fälle so, bei deutschen Musikvideoangebotn ;)

  • dirk

    08.01.09 (21:47:48)

    Sorry, aber das sieht aus, als ob der Typ ein Bonbon lutscht :-)

  • Marcel Weiss

    09.01.09 (14:20:06)

    @ring2: Die Gema ist ein Hort des Bösen. @dirk: Ich habe auch mehrmals Play und Pause drücken müssen, bis es für den Screenshot gepasst hat. :)

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