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29.04.14Leser-Kommentare

myTaxi-Chef Sven Külper: "'Etabliert' sind wir noch lange nicht"

myTaxi sieht sich gut gerüstet für den Wettbewerb mit neuen Beförderungs-Startups. Laut Gründer Sven Külper wollen sich die Norddeutschen weiterhin nicht vor innovativen Schritten und Risiken scheuen.

myTaxiEnde der vergangenen Woche reagierte der aus Hamburg stammende Taxivermittler myTaxi auf die durch Uber ausgelöste Diskussion zu ohne Taxilizenz agierenden Individualbeförderungs-Diensten. In der Stellungnahme äußerte das 2009 gegründete Unternehmen zwar Verständnis für neuartige, den Wettbewerb fördernde Startup-Konzepte, betonte aber auch die Notwendigkeit, sich an geltendes Recht zu halten - insbesondere, weil dies in erster Linie der Sicherheit der Fahrgäste diene. Einige Tage vor der Veröffentlichung hatten wir die Frage gestellt, wie myTaxi auf die neue Situation reagieren und wie die Firma mit der ungewohnten Rolle als Verteidiger und Vertreter des Establishments zurecht kommen würde.

Gestern erhielten wir die Möglichkeit, uns mit myTaxi-Mitbegründer und -Geschäftsführer Sven Külper über die aktuelle Lage zu unterhalten. Der 34-Jährige sagte, er habe sich über die Charakterisierung von myTaxi als "etabliert" gewundert - zumindest wenn dieses Attribut mit negativen Assoziationen wie einem Mangel an Innovation konnotiert sei. Denn dieser ließe sich bei myTaxi ganz und gar nicht feststellen. "Wir sind nach wie vor hochinnovativ und scheuen uns nicht vor Risiken, wie wir in jüngster Zeit mit der mobilen Bezahllösung, der Einführung des Auktionsmodells sowie unserem neuen Lieferservice bewiesen haben", konstatiert Külper. myTaxi prüfte Peer-to-Peer-Modell - und verwarf die Idee

Eine Erweiterung der myTaxi-Vermitttlungsdienstleistungen auf andere Individualbeförderer abseits von Taxis werde es aber nicht geben. Als Külper und sein Gründungspartner Jan-Niclaus Mewes ihre Geschäftsidee ausarbeiteten, habe das Duo auch ein Peer-to-Peer-Modell mit Fokus auf Besitzern von Privatfahrzeugen in Erwägung gezogen, sich aber aufgrund des Henne-Ei-Problems sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen dagegen entschieden, erklärt Külper. Auch künftig werde sich das Unternehmen aus Hamburg voll und ganz den Taxis widmen, gleichzeitig aber immer mehr Integrationspunkte mit anderen Mobilitäts-Anwendungen bieten, um die Buchung verschiedener Fortbewegungsmittel aus einer Hand zu ermöglichen.

"myTaxi führt das Taxigewerbe in die Zukunft", so das Versprechen von Külper. "myTaxi hat dafür gesorgt, dass Kunden schnell ein Taxi bekommen, und es hat über das Bewertungssystem die Qualität des Taxierlebnisses verbessert sowie die Standards erhöht", beschreibt der Unternehmer die Vorteile für die Kunden. Er gibt sich angesichts dieser Sachlage überzeugt davon, dass das Taxigewerbe dank myTaxi die konkurrierenden Limousinenservices nicht fürchten muss.

Baldige Profitabilität

Wirtschaftlich gesehen befindet sich myTaxi gemäß Andeutungen von Külper auf einem guten Weg zu baldiger Profitabilität. In vielen Städten sei diese bereits erreicht. Die Einführung des umstrittenen Auktionsmodells habe aber bislang nur geringe Umsatzzuwächse nach sich gezogen. Dass sich die Norddeutschen trotzdem zu einem derartig kontroversen, bei Taxifahrern einen erheblichen Vertrauensverlust auslösenden Schritt entschlossen, hat nach Aussage von Külpers zwei Gründe: Zum einen variieren die Taxipreise stark zwischen einzelnen Städten, weshalb eine prozentuale Vermittlungsgebühr passender sei als der bisherige einheitliche Festbetrag von 0,79 Cent. Zum anderen habe es zu Stoßzeiten wie etwa Montagmorgens oder an Samstagabenden immer wieder Verfügbarkeitsprobleme gegeben, weil Fahrern dann die myTaxi-Pauschalgebühr zu hoch erschien und sie über andere Kanäle vermittelte Passagiere vorzogen. Mit dem neuen System sind Fahrer in der Lage, in Phasen einer hohen Nachfrage die Vermittlungsgebühr auf den Minimalwert von drei Prozent zu senken und somit einen größeren Teil vom Kuchen zu behalten.

Hälfte aller Touren mit Provision von unter fünf Prozent

myTaxi-Chef Külper widerspricht einem aktuellen Bericht der brandeins zu den negativen Auswirkungen des neuen Bieterverfahrens für Taxifahrer (zusammengefasst hier), in dem zu lesen ist, dass Fahrer mit akzeptierten Provisionen von unter acht Prozent kaum Chancen auf Zuschläge haben. Gemäß interner Statistik hätten Fahrer im ersten Monat nach der Umstellung auf das Auktionsmodell bei der Hälfte aller vermittelten Touren weniger als fünf Prozent Provision an myTaxi gezahlt .

Die jüngsten Konflikte dürften nicht die letzten in einer Branche gewesen sein, die seit Jahrzehnten kaum Veränderungen erlebt hat. "Jede Neuerung, selbst wenn sie nur eine kleine funktionelle Veränderung in der App darstellt, polarisiert sofort", beschreibt Sven Külper seine Erfahrungen aus fünf Jahren myTaxi. Es handele sich um das emotionalste Gewerbe, dass er jemals kennengelernt hat. /mw

Kommentare

  • Mathias

    30.04.14 (09:31:29)

    Grundsätzlich sind neue Wege immer gut. Ich glaube auch, dass sich das Konzept trotz vieler Widerstände durchsetzen wird. Und so ein Gegenwind ist völlig normal, denn es geht um viel Geld. Ich bin mir aber sicher, dass motivierte Unternehmen alle Probleme schnell lösen werden und das dann Kooperationen entstehen. Für den Kunden ist das natürlich super, wenn er die Wahl hat. Das reduziert die Preise, obgleich die Beschäftigten trotz des Preisdrucks natürlich angemessen bezahlt werden.

  • Zitschke

    01.05.14 (13:58:08)

    Mir ist völlig unklar, wie sich Taxi-Unternehmen (letztendlich auch mit selbst) auf ein Modell einlassen können, dass so fehleranfällig (fehleingaben, falsche Ziel angaben) ist und zu mauscheleien einläd (egal von welcher der drei beteiligten Parteien und aus welchem Grund. Das ist äusserst kurzsichtig.

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