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27.06.06Kommentieren

MySpace: Europäische Expansion und Ärger für Google

Das Phänomen MySpace.com erhält in den amerikanischen Medien weiterhin grosse Aufmerksamkeit. Die Selbstdarstellungsplattform für (primär) jugendliche User, kürzlich gekauft von Rupert Murdochs Medienimperium, wird in letzter Zeit vor allem wegen der teilweise jugendgefährdenden Inhalte angegriffen, die in einigen der Millionen von Profilen publiziert werden.

MySpace verspricht natürlich hoch und heilig, diesem Problem mit allen verfügbaren Mitteln begegnen zu wollen. Man fragt sich aber, ob es der Firma damit wirklich ernst ist, denn ein Teil des Reizes für die Teenies besteht natürlich auch darin, dass man schon nach wenigen Klicks auf (echten oder gefälschten) Profilen irgendwelcher Porno-Starlets landet -- worüber sich dann natürlich die Eltern aufregen, was die Kids aber nur noch mehr zu Benutzung animiert usw.

MySpace ist für die aktuelle Generation sozusagen, was vielleicht Popmusik für ihre Eltern war -- ein prima Rebellionsvehikel.

Damit auch europäische Jugendliche online rebellieren können, expandiert MySpace jetzt über den Teich. Als erstes hat man sich in aller Bescheidenheit mal 11 Länder ausgesucht, die man gern mal erobern will, bevor man dann beiläufig noch die Aktivitäten nach Indien und China ausdehen will. Demnächst soll es eine deutsch- und französischsprachige Version geben (nur blöd, dass die Domain myspace.de schon jemand anderem gehört).

MySpace ist inzwischen so gross geworden, dass sogar der unangreifbare Suchriese Google in Bedrängnis gerät. Angeblich generiert MySpace schon 8% des Suchtraffics auf Google und ist dementsprechend wichtig für die Werbeumsätze. Jetzt will MySpace gern mehr Geld von Google, und Rupert Murdoch lacht sich ins Fäustchen darüber, dass Google offenbar vor ihm hätte MySpace kaufen können (für die Hälfte des Preises), aber darauf verzichtet hat.

Es wird interessant sein, die internationale Ausdehung von MySpace zu beobachten. In der Schweiz beispielsweise ist der Teenie-Markt schon fest in der Hand von meinbild.ch, und in anderen Ländern gibt es ähnliche Player, die nicht einfach so kampflos aufgeben werden. Sicher ist MySpace in gewissen Aspekten etwas raffinierter gemacht, aber das ist wirklich nicht der Hauptnutzen so einer Plattform. Eine vernetzte User-Community zieht nicht einfach so weiter, sondern ist meistens fast zwangsweise ziemlich loyal. Da wird sich am praktischen Beispiel zeigen, ob Netzwerkeffekte oder kräftiges Marketing erfolgreicher sind.

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