<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

12.11.13Leser-Kommentare

Mutiger Schritt von VOX: Unternehmertum kommt ins Fernsehen

Der deutsche Fernsehsender VOX will ab 2014 eine Adaption der international bekannten Realityshow Dragon's Den ausstrahlen. Bei dieser pitchen Privatpersonen vor Investoren ihre Geschäftsideen. Ein mutiger Schritt in einem Land, dessen Bürger mit Unternehmertum fremdeln.

Als ich vor einigen Jahren erstmals auf die britische Version der ursprünglich aus Japan stammenden und mittlerweile in viele Länder exportierten Realityshow "Dragon's Den" stieß, fühlte ich mich sofort gut unterhalten. In dem TV-Format präsentieren Privatpersonen und Serienunternehmer ihre Geschäftsideen vor einer Gruppe von Investoren und versuchen, diese von einer Beteiligung zu überzeugen. Anders als das Gros der "wirklichkeitsgetreuen" Unterhaltungsprogramme ist Dragon's Den durchaus gehaltvolle Kost, denn es vermittelt neugierigen Zuschauern die Grundsätze gelungenen Unternehmertums und führt im Idealfall zur Realisierung von Produkten oder Diensten, die nachhaltig erfolgreich sind. Während meiner ersten Bekanntschaft mit Dragon's Den leuchtete mir sofort ein, wieso die Sendung in über einem Dutzend Ländern in lokalisierten Versionen existiert, aber nicht in Deutschland: Während hierzulande zwar viel getüftelt und erfunden wird, kann Unternehmertum nur wenige Bundesbürger in Begeisterung versetzen. Wer andere beeindrucken möchte, erreicht dies eher mit einem Doktortitel als mit dem Vermerk "Gründer" auf der Visitenkarte. Schon mehrfach haben Studien gezeigt, dass Deutsche im Vergleich zu den Menschen in anderen Industrienationen eine besonders große Aversion gegen Entrepreneurship haben. Laut einer recht aktuellen Untersuchung finden nur 17 Prozent der Deutschen, dass es persönlich erstrebenswert sei, sich in den nächsten fünf Jahren selbstständig zu machen. In keinem anderen Land Europas ist das Interesse für Unternehmertum derartig gering.

Doch der zur RTL-Gruppe gehörende Privatsender VOX lässt sich von diesen schlechten Voraussetzungen nicht abhalten und plant laut Berichten von Serienjunkies.de und Gründerszene zufolge für 2014 eine deutsche Adaption von Dragon's Den. Wie beim Vorbild werden auch in "Höhle des Löwen" - so der Name der hiesigen Fassung - die Urheber von Erfindungen oder Geschäftsideen vor fünf erfahrenen Investoren pitchen und auf eine Kapitalspritze hoffen.

Dass sich VOX trotz des dokumentierten Desinteresses der Deutschen an das Format heranwagt, zeugt von einer begrüßenswerten Portion Mut. Zwar ist ein Gelingen des Experiments in keiner Weise garantiert, dennoch besteht zumindest eine kleine Chance, dass die Sendung die öffentliche Meinung über Entrepreneurship verbessert und manch einen smarten, ambitionierten Menschen dazu animiert, eine Zukunft abseits der traditionellen Konzernkarrieren in Erwägung zu ziehen.

Mit dem Vorstoß folgt der Kölner Medienkonzern dem Konkurrenten ProSiebenSat.1. Dieser gibt seit kurzem mächtig Gas, was die Finanzierung von Startups angeht, und lässt Startups im Internet-Live-Stream gegeneinander antreten . In Österreich wird mit „2 Minuten 2 Millionen - Die Puls 4 StartUp-Show“ ein einheimischer Startup-Wettbewerb sogar auf dem ProSiebenSat.1-Kanal Puls 4 und nicht nur im Internet ausgestrahlt.

Die mehrteilige, üblicherweise fast eine Stunde pro Abschnitt in Anspruch nehmende Realityshow "Höhle des Löwen" ist allerdings ein anderes Kaliber. Es wäre im Hinblick auf das unternehmerische Klima in Deutschland erfreulich, wenn es VOX gelingt, hinreichend viele Zuschauer für das Innovation, Erfindergeist und Entrepreneurship anpreisende TV-Format begeistern zu können. /mw

(Screenshot: YouTube)

Kommentare

  • Netz TV

    12.11.13 (08:26:33)

    Ich glaube gar nicht, dass Unternehmertum in Deutschland so negativ beurteilt wird. Otto Normalbürger kennt es aber nur in den Formen "du bist jetzt selbständig" (und raeumst jetzt Supermarktregale nachts ohne Sozialversicherung ein) oder den MLM- Verkäufer und FDP-Waehler mit BMW-SUV oder roboterhaft agierende Großkonzerne. Damit will er als "anständiger Bürger" nichts zu tun haben. Vielleicht ist dass ja eine Chance.

  • Matthias

    12.11.13 (09:46:17)

    Klar "...finden nur 17 Prozent der Deutschen, dass es persönlich erstrebenswert sei..." Unter nehmer zu sein! So macht es dem "Otto-Normaldeutschen" doch deutlich mehr Spaß über die "reichen Unternehmer mit ihren fetten Bonzenautos, die nie genug bekommen können" und über die für die Angestellten "unzumutbaren Bedingungen" von teils nur 14 Monatsgehältern zu lästern, als die Hosen runterzulassen und selbst etwas auf die Beine zu stellen. Dabei ist des den meisten Nörglern egal, ob das Unternehmen klein, die Schulden und die Verantwortung groß sind. Nach deren Gedankengut ist man automatisch reich, sobald man Geschäftsführer ist bzw. "eine Firma hat". Wieder andere scheuen einfach die viele Arbeit und die wenige Freizeit/Urlaub. Und mal ehrlich, was ist das schon für ein Jahr ohne min. einmal Ballermann..?

  • Robert

    12.11.13 (12:14:03)

    Das sind echt gute Neuigkeiten! Bin gespannt wie Vox das umsetzen wird und welche Investoren dabei sein werden. Ich hoffe die Adaption wird eher in Richtung Shark Tank als in Richtung Dragons Den gehen, das finde ich ein wenig schwächer bzw. die Investoren sind mir alle ziemlich unsympatisch. Shark Tank ist insgesamt viel unterhaltsamer, aber halt auch sehr amerikanisch.

  • sprain

    12.11.13 (13:27:15)

    2007 lief im Schweizer Fernsehen ein vergleichbares Format. http://www.gruenderszene.de/allgemein/schweizer-startup-hype-durch-sf-start-up Schön, dass nach so langer Zeit endlich wieder etwas in diesem Bereich im deutschsprachigen TV angekommen ist.

  • Bit

    12.11.13 (16:43:03)

    Ich glaube nicht, dass sich so ein Format im deutschen Fernsehen durchsetzen kann. Dafür haben die Deutschen zum Glück nicht genug von der Turbokapitalismus-Mentalität!

  • Robert Frunzke

    12.11.13 (23:16:34)

    Wow, Martin, ich gucke mir das zwar gerne auch mal an, aber vielleicht kann ich Dir auf Basis dieses Artikels auch ein klein wenig meinem Widerwillen vermitteln, der uns so oft (unnötigerweise) zu Feinden machte. Zum Beispiel gab es schon im ersten Absatz Deines Artikels zwei elementare Fehler (und bei aller Liebe, ich wage mich nicht, den Rest überhaupt noch zu lesen, das hole ich morgen in aller Frische nach): 1. "Bei dieser pitchen Privatpersonen vor Investoren ihre Geschäftsideen." Privatpersonen, die Geschäftsideen vor Investoren pitchen, sind ... um es nett zu formulieren ... , total dämlich und vorallem naiv. Eine Unternehmung ist weder eine Wette im nächsten Wettbüro, noch ein Lottoschein, noch irgendeine andere Form der Huldigung unserer großen Göttin Fortunas. Eine Unternehmung ist eine Form des persönlichen Ausdrucks, ein Ding zu unternehmen. Sich möglichst weit darauf einzulassen, um am Ende Erfolg zu haben, und im ökonomischen Sinne geht es natürlich um ökonomischen Erfolg, also auch finanziellem. Wenn der scheinbare Unternehmer das erste Erfolgsmomentum, nämlich den finanziellen Erfolg, von "Investoren", also denen die an finanziellen Profiten interessierten, sich entziehen lässt, dann bleibt nur noch Schein übrig. Und Scheinunternehmen haben wir doch wahrlich schon genug. 2. "Ein mutiger Schritt in einem Land, dessen Bürger mit Unternehmertum fremdeln." Fremdeln? Du glaubst also wirkjlich, das Land, welches am Besten durch die letzte Krise gesteuert, mit Gewinnen, da wo andere verlieren, Du glaubst also wirklich heute noch, dass wir mit "Unternehmertum" fremdeln? OMG! Das ist nicht Dein Ernst? Das Problem ist: Du kämpfst scheinbar für ein fremd-finanziertes Unternehmertum, aber die deutsche Wirtschaft hat, gerade in Krisenzeiten, sehr gut bewiesen, dass eben dieses Unternehmertum anfällig ist, und rein garnicht für nachhaltiges Wirtschaften steht. Aber glaube doch, was Du willst.

  • Martin Weigert

    12.11.13 (23:34:26)

    Zu 1. Jeder Mensch mit einer Geschäftsidee, der zu deren Realisierung mehr Geld benötigt, als er/sie hat, pitcht irgendwann vor Investoren. Ich sehe nicht, was es daran zu kritiseren gibt. Zu 2. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Schau dir die verlinkten Studien an, die sprechen eine deutliche Sprache.

  • Robert Frunzke

    12.11.13 (23:55:50)

    "Zu 1. Jeder Mensch mit einer Geschäftsidee, der zu deren Realisierung mehr Geld benötigt, als er/sie hat, pitcht irgendwann vor Investoren. Ich sehe nicht, was es daran zu kritiseren gibt." 1.A. Ich frage mich allen ernstes, ob bei Dingen, wie einer TODO-Listen-App wirklich eine Fremdfinanzierung notwendig ist! 1.B. Ich frage mich auch, ob eine Fremdfinanzierung wirklich immer in Form von "Investoren" notwendig ist. Es gibt doch so einige Alternativen (diese aufzulisten wäre einen eigenen Artikel Wert...). "zu kritisieren" sind die jeweiligen Konditionen, mit denen man sich Externe in sein kleines Unternehmer-Boot holt (auch das wäre einen eigenen Artikel Wert). "Zu 2. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Schau dir die verlinkten Studien an, die sprechen eine deutliche Sprache." Ich finde, dass unser Außenhandelsüberschuss eine weit deutlichere Sprache spricht, aber sei es drum. Ich habe (noch) keine Lust, die Artikel auseinanderzunehmen, morgen vielleicht. Jedenfalls möchte ich schonmal vorweg konstatieren, dass nicht jedes Unternehmen unternehmenswert ist, und unnötig fremd-finanzierte Unternehmen sind (IMHO) schon garnicht unternehmenswert. Wenn die jeweilige Unternehmung ein hohes Anlagekapital erfordert, dann lässt sich Kapital oft klassisch über Banken beschaffen. Wenn eine hohe Umlaufkapitalquote erforderlich ist, dann kann man auf Banken zurückgreifen oder auf klassische Instrumente der Beschaffung von Kapital. Aber mit Investoren geht man, egal wie, immer eine sehr starke Bindung ein. Und die kleinen, unschuldigen Menschlein, die "NUR" eine Geschäftsidee haben, die werden i.d.R. an ihrem Unwissen zerbrechen. Deshalb ist das selten der richtige Weg!

  • Ben

    13.11.13 (08:51:23)

    Ich bin gespannt! =)

  • Kirill

    13.11.13 (12:23:09)

    Wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zur New Economy Zeit gab es auf n-tv ein ähnliches Format, das leider eingestellt wurde. @Robert: Shark Tank finde ich auch besser. Allerdings fehlen in Deutschland Investoren, die jede Woche mehr als eine 500.000 Euro investieren können, wie bei Shark Tank üblich, oder? Ich denke, es wird ein Mix aus der SAT-1 Tüftler-Show und der VOX-Sendung die Superchefs. Übrigens gab es auf zdfneo eine mehrteilige Doku (Start me Up) über Gründer in Deutschland. Grundsätzlich sollten mehr solcher Formate den Weg in den Mainstream finden, damit die Gründerszene in Deutschland stärker aktiviert wird.

  • Andreas Barthel

    14.11.13 (16:56:48)

    Warum sehen alle immer auf die start-ups ? Wir haben viele mittelständische IT-Unternehmer z.B. die schon 1-2 Mio € Umsatz haben aber Unterstützung für weiteres Wachstum benötigen - das Risiko bei den start-ups ist ja wesentlich größer.

  • Manfred Brauner

    26.11.13 (18:50:08)

    Fragt mal bei Verdi Osnabrück nach was die von dieser Firma halten , wie schnell die Beschäftigten wechseln, Gewerkschafter und einen Betriebsrat gibt es auch nicht.Es sollten ein Papier von den Beschäftigten Unterschrieben werden wegen der Filmauf - nahmen kostenlose Darsteller für einen Stundenlohn von 6.50

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer