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18.05.10Leser-Kommentare

Musikwettbewerbe: Wie das Web die Zukunft vorhersagt

Das Web wird immer mehr zum Prognosewerkzeug, um den Ausgang von Musikwettbewerben vorherzusagen. Beispiele, in denen das geklappt hat, gibt es einige.

Stellt euch vor, ihr habt Chips und Kaltgetränke gebunkert, Freunde eingeladen, sitzt auf dem Sofa und wartet voller Spannung auf das große TV-Finale irgendeines musikalischen Wettbewerbs, bei dem ihr womöglich auch einen Favoriten habt.

Doch dann zeigt euch jemand aus der Runde die jüngsten Prognosen aus dem Social Web, in dem euer Lieblingsinterpret auf dem letzten Platz liegt. Damit aber nicht genug: Wie sich am Ende des Programms herausstellt, traf die Vorhersage sogar zu.

So oder ähnlich könnte es in Zukunft häufiger kommen. Mit dem Aufstieg des Internets zum Massenmedium nehmen auch die Möglichkeiten zu, das Web direkt oder indirekt zum Erstellen von Prognosen einzusetzen. Beispiele, in denen so akkurat Gewinner und Verlierer von musikalischen Wettbewerben vorhergesagt wurden, gibt es einige.

Derzeit strahlt das US-Fernsehen Woche für Woche seine populäre Show American Idol aus - das Vorbild für "Deutschland sucht den Superstar". Wöchentlich muss ein Kandidat nach Hause fahren. Nutzer dieser Idol-Fan-Applikation bei Facebook wissen teilweise schon vorab, wer das sein wird.

Das Abstimmungssystem der Anwendung hat sich nämlich als außerordentlich genauer Stimmungsmesser erwiesen und wiederholt zuverlässig vorhergesagt, welche Teilnehmer in der Gunst der Zuschauer ganz vorne liegen werden. Die Applikation hat rund 7800 monatliche Nutzer.

Auch iTunes-Verkaufszahlen lassen sich mitunter als ausgezeichnetes Prognosewerkzeug einsetzen. Die Sieger des schwedischen Vorausscheids für den Eurovision Song Contest beispielsweise belegten nun schon das vierte Jahr in Folge jeweils eine Woche vor dem Finale den ersten Platz in den schwedischen iTunes-Verkaufscharts (übersetzter Link).

Neben inoffiziellen Online-Abstimmungen und digitalen Verkaufscharts können auch Analysen des Suchverhaltens einem anstehenden Wettbewerb die Spannung nehmen - oder den Optimismus stärken, je nach dem.

Google hat heute seine diesjährige Prognose für den Eurovision Song Contest veröffentlicht. Diese basiert auf der Entwicklung der Suchanfragen, die dann in fiktive Punkte umgerechnet werden - Suchen aus dem Heimatland der Interpreten werden nicht berücksichtigt.

Behält der Internetriese recht, kommt es in diesem Jahr zur Sensation: Denn dann würde mit Lena nach gefühlten hundert Jahren wieder einmal Deutschland an der Spitze aller Teilnehmernationen beim Grand Prix stehen.

Zwar (und zum Glück) kann Google nicht vorhersagen, wie die Jury-Entscheidungen ausfallen werden, die zu 50 Prozent in das Endergebnis einfließen, und auch kann es nicht garantieren, dass das hohe Suchaufkommen für einzelne Kandidaten wirklich auf deren Popularität oder Qualität zurückzuführen ist.

Aber trotz aller augenscheinlichen Schwächen des Verfahrens sollte man Googles Liste ernst nehmen: Im vergangenen Jahr gewann Alexander Rybak den Wettbewerb - wie zuvor von Google bereits prognostiziert.

(Foto via Flickr/Isobel T)

Kommentare

  • Daniel

    18.05.10 (23:41:58)

    Und wie wird die Suchanfrage nach Lena definiert? Nach dem Namen Lena? Oder Lena Meyer-Landrut?

  • hash

    19.05.10 (02:05:20)

    Ich bin heute auch über die Seite mit der Prognose gestolpert. Es ist schon beängstigend, dass ein Algorithmus festgelegt werden kann, um sowas zu messen! Allerdings muss eine Sache bedacht werden: Der Auftritte beim Grand Prix werden nicht nur nach Gesang bewertet, sondern auch nach ästhetischen Gesichtspunkten: War das Bühnenbild okay, Outfit der Sänger, Tanzeinlagen, etc. Und das Votum der Zuschauer und der Jury sollte manche Prognose ad absurdum führen. Wer hätte bei DSDS gedacht, dass Marashi gewinnt? Im Netz standen alle Zeichen auf Fröhlich...! Solange Tante G. nicht immer zu 100% richtig liegt, kann ich noch ruhig schlafen!

  • Martin Weigert

    19.05.10 (06:54:46)

    @ Daniel Das weiß nur Google. Allerdings sieht es ja auch bei suchen nach "Lena", auf welche Seite der jeweilige User geklickt hat. Insofern lässt sich wohl selbst bei einer solchen generischen Namenssuche mit großer Gewissheit sagen, ob es um DIE Lena ging. @ hash Stimmt, durch von der Norm abweichende Live-Auftritte kann es zu einem deutlichen Stimmungswandel kommen.

  • Michael Völker

    19.05.10 (09:25:42)

    Noch spannender als bei Wahlumfragen wird dann doch auch die Frage nach der Dynamik der Prognosen, die nicht nur einmal die Woche, sondern theoretisch jederzeit von den Menschen betrachtet (und dadurch verändert?) werden können, auf deren Verhalten sie basieren.

  • Martin Weigert

    19.05.10 (09:40:21)

    Ja darüber habe ich auch nachgedacht: Wenn Menschen stetig Zugriff auf eine womöglich akkurate Prognose haben, wie beeinflusst das dann ihre eigene Stimmungsabsicht? Und welche Auswirkungen hat das auf die Prognose am Folgetag? Spannend!

  • Michael Völker

    19.05.10 (09:58:16)

    Weil ja nicht nur am Folgetag sondern im Folgemoment - mit einem entsprechenden Tool müsste man einer auf Suchanfragen basierten Prognose ja live zusehen können. Damit gibt es keine Schritte mehr, wie bei Umfragen, sondern ein Kontinuum. Das wie die Börse wohl sehr anfällig für psychologische Effekte ist. Anfälliger jedenfalls, als wenn es tagweise oder gar nur wochenweise Momentaufnahmen veröffentlicht werden würden.

  • Ulrich

    20.05.10 (08:13:54)

    Eigentlich wird hier nichst anderes als eine Umfrage beschrieben. Und nicht wirklich ein neues Orakel ;)

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