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27.05.14Leser-Kommentare

Musikstreaming: Was Spotifys Nutzerzahlen über die Chancen der Konkurrenten verraten

Spotify gab in der vergangenen Woche nach langer Zeit wieder aktualisierte Nutzerzahlen bekannt. Sie belegen abermals das gemächliche Wachstum. Wenn der Marktführer schon Schwierigkeiten bei der Akquisition von Anwendern hat, dann muss es den kleineren Rivalen ziemlich schlecht gehen.

JukeboxWie lange werden sich die zahlreichen Musik-On-Demand-Dienste, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Internetboden hervorschossen, noch halten können? Wahrscheinlich nicht mehr sonderlich lange. Die in der vergangenen Woche von Spotify kommunizierten "Meilensteine" unterstreichen abermals die erheblichen Herausforderungen für Dienste in diesem Segment.

Zehn Millionen Anwender besitzen mittlerweile ein kostenpflichtiges Abo bei dem Marktführer im On-Demand-Segment - ein Viertel der Gesamtzahl von nun "über 40 Millionen" Nutzern. Zwischen März 2013 und Mai 2014 hat das in Schweden gegründete Unternehmen die Zahl der  Abonnenten von sechs auf zehn Millionen steigern können. 14 Monate, um vier Millionen User zur Zahlung von rund zehn Euro pro Monat für unbegrenztes Musikstreaming von Millionen Songs zu bewegen, ist nicht sonderlich beeindruckend. Im November 2011 sprachen die Nordeuropäer von 2,5 Millionen Bezahlkunden. Spotify benötigte also ganze zweieinhalb Jahre, um 7,5 Millionen Abonnenten zu akquirieren. Und das, obwohl der Dienst heute in 61 Ländern präsent ist, im Vergleich zu nur rund einem knappen Dutzend Ende 2011. Im Dezember konstatierte ich, dass Spotify ein Wachstumsproblem hat - die aktuellen Zahlen widerlegen diese Feststellung nicht. Zwar war absehbar, dass die jüngsten Erweiterungen der Gratis-Version sich nicht unbedingt positiv auf die quantitative Zunahme der zahlenden Kundschaft auswirken würden. Aber auch 40 Millionen Nutzer insgesamt sind angesichts dessen, was wir von anderen Webservices gewöhnt sind, nicht gerade beeindruckend. Der Videodienst Netflix kann mehr zahlende Abonnenten vorweisen als Spotify Anwender insgesamt.

Der Grund für das nur gemächliche Ansteigen der Schlüsselwerte liegt abgesehen von der Tatsache, dass On-Demand-Streaming Musikhörern eine Veränderung ihrer Gewohnheiten und eine Bereitschaft zur Abkehr vom mit Emotionen aufgeladenen "Besitz" von Songs und Alben abfordert, in der erheblichen Fragmentierung des Marktes. Zu viele Services mit austauschbaren Produktmerkmalen buhlen um die für Streaming empfänglichen Zielgruppen. Sie nehmen sich einander schlicht die Anwender weg. Und wenn Medien- und Nutzerliebling Spotify nach bald sechs Jahren seit der Gründung dreieinhalb Monate für die Akquisition von einer Million zahlenden Nutzern benötigt, kann man sich ausmalen, wie es um die Konkurrenz bestellt ist.

Deezer aus Paris spricht auf seiner Website von 12 Millionen aktiven Nutzern pro Monat - ein Teil davon entfällt auf die wegen hoher Lizenzkosten aller Wahrscheinlichkeit nach verlustbringende Gratisversion. Zum US-Wettbewerber Rdio sind keine aktuellen Statistiken bekannt. Eine Anmerkung von CEO Anthony Bay im Gespräch mit CNET spricht aber Bände: "Das größte Problem ist, dass nicht genug Menschen Rdio nutzen". Auch dem erst zu Jahresbeginn gestarteten Streamingangebot Beats Music, das angeblich vor einer Übernahme durch Apple steht, wird eine eher geringe User-Resonanz nachgesagt.

In Deutschland dürfte die Lage kaum besser aussehen. Auf eine Presseanfrage an die drei Akteure simfy, JUKE und Ampya zum Stand der Dinge antwortete lediglich JUKE - allerdings ohne konkrete Zahlen. Im Gegensatz zu den internationalen Anbietern existieren bei den Diensten keine über längere Zeiträume nutzbaren Gratisangebote (mehr). Das verhindert zwar eine hohe Burnrate, verdammt die Services aber zu einer Existenz in der absoluten Nische. Und da das Musikhören bis zu einem gewissen Grad auch eine "soziale" Aktivität darstellt, fehlen für User hierzulande eigentlich die Anreize, sich für einen lokalen Anbieter zu entscheiden. Denn Preise und Grundangebot sind ohnehin identisch - nur finden Anwender bei den Big Playern eher ihre Freunde.

Insgesamt sehen die Aussichten für den Großteil der On-Demand-Dienste recht düster aus. Hohe Kosten für Lizenzen und Nutzerakquisition, wenige Optionen zur Differenzierung vom Wettbewerb sowie der bereits erreichte (und durchaus verdiente) Bekanntheitsstatus von Pionier und Branchenprimus Spotify mit daraus resultierenden Vorteilen für das Unternehmen erlauben die Prognose, dass dem Segment eine Welle von Schließungen bevorsteht. /mw

Foto: Juke Box Radio, Shutterstock

Kommentare

  • Almedin Candic

    27.05.14 (13:54:22)

    Ihr Kommentar macht deutlich, dass Sie Spotifys Geschäftsmodell nicht verstanden haben. 10 Millionen zahlenden Kunden stehen 30 Millionen nicht zahlende gegenüber. Diese 30 Millionen sehen im Gegensatz zum kleineren Anteil Werbung, und durch diese finanzieren sich die Schweden überwiegend. Der Schluss: Werbung finanziert Spotify und somit die Künstler. Die 40 Millionen aktive User sind ein Meilenstein. In diesem Zusammenhang liegen Sie falsch. Nicht umsonst hat Spotify die mobile Nutzung auch für Free-User geöffnet, weil dort das beliebte Audio+ - Werbeformat ausgespielt wird. Bei Rückfragen können Sie sich gerne an mich wenden.

  • Martin Weigert

    27.05.14 (15:08:30)

    Es gilt in der Branche als offenes Geheimnis, dass sich die werbefinanzierte Version wegen hoher Lizenzkosten i.d.R. nicht kostendeckend anbieten lässt. Dass Spotify die Free-Funktionalität erweitert hat, ist einzig der Tatsache geschuldet, dass das Unternehmen vor dem geplanten Börsengang unbedingt mehr User akquirieren muss. Finanziert wird dieses Marketingfeuerwerk aus dem eingesammelten Wagniskapital.

  • Almedin Candic

    27.05.14 (15:34:22)

    Es gibt kein Marketingfeuerwerk. Spotify gibt kein Geld für Werbeaktivitäten aus. Die Premium-Mitgliedschaft wird mMn ala long obsolet werden und Spotify wird sich wie Facebook größtenteils per Werbung finanzieren. Dass hier noch Nachholbedarf herrscht, um eine Rentabilität wie Facebook et al zu erreichen, ist selbst offenkundig. Das Geschäftsmodell geht jedoch immer mehr in diese Richtung. Und das ist die richtige.

  • Martin Weigert

    27.05.14 (15:40:18)

    Mit "Marketingfeuerwerk" bezog ich mich auf Free. Free ist Spotifys Marketing. Da Labels und Verwertungsgesellschaften keinerlei Interesse daran haben, Musik kostenfrei abzugeben, werden sie die beschriebene Entwicklung nicht zulassen.

  • Philipp Ebneter

    03.06.14 (06:20:56)

    Wenn ich Spotify nutze, höre ich praktisch nie Werbung für Drittprodukte, sondern nur Eigenwerbung für Spotify Features, Premium etc. Kann mir nicht vorstellen, dass sie mit Werbung viel hereinholen.

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