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13.03.10

Musikshow "Unser Star für Oslo": Wie man Aufmerksamkeit im Internet ignoriert

Nach dem Finale des Musikwettbewerbs "Unser Star für Oslo" war die offizielle Website mit allen Songs über Stunden kaum erreichbar. Gleichzeitig ließ die verantwortliche Produktionsfirma die Videos der Mitschnitte von YouTube entfernen - und verspielt damit leichtfertig die Aufmerksamkeit der Nutzer.

Gestern Abend entschied sich, wer Deutschland beim Eurovision Song Contest in Oslo vertreten wird. Nach sieben Sendungen in Kooperation zwischen ARD und ProSieben strahlte das Erste am Freitagabend das Finale des Musikwettbewerbs aus - und übernahm damit für einige Stunden meinen kompletten Twitter-Stream. Kaum ein Tweet trug während und nach der Show nicht den Hashtag "#usfo", kurz für "Unser Star für Oslo", der Titel des von Stefan Raab initiierten Wettbewerbs.

Hatte ich bisher kein Interesse an USFO, so wurde ich nach Dutzenden von Tweets am Samstagvormittag zumindest neugierig, wie sich der Gewinnersong "Satellite" von Siegerin Lena Meyer-Landrut denn anhört. Also begab ich mich zur offiziellen Website der Show, um mir das Video zu "Satellite" anzuschauen. Doch daraus wurde nichts: Die von der Produktionsfirma Brainpool betriebene Site www.unser-star-fuer-oslo.de war über Stunden hoffnungslos überlastet. Gelang es mir dann doch einmal, zum gewünschten Clip vorzudringen, folgten nach fünf Sekunden des Streamings eine halbe Minute Nachladen, gefolgt von weiteren fünf Sekunden Musik. Das von Brainpool genutzte Content Delivery Network TV1.EU schien den Ansturm nicht gut verkraftet zu haben.

Was macht man in solch einer Situation? Man schaut bei YouTube nach, ob dieser Song dort bereits von irgendjemandem hochgeladen wurde. Wenig verwunderlich tauchte Satellite dort auf - zwar nicht in sonderlich guter Qualität, aber immerhin flüssig und ohne Überlastungsanzeichen. Wer jedoch wie ich den Ausweg über YouTube suchte, musste sich beeilen: Eine Stunde später war der Clip weg, stattdessen erhielten Besucher der URL folgenden Hinweis : "Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Brainpool nicht mehr verfügbar."

Brainpool war also fleißig damit beschäftigt, unautorisierte Uploads der Nutzer von Googles Videoplattform entfernen zu lassen. Allein einige Zusammenschnitte der Shows beließ man bei YouTube - solche, die von Brainpool selbst bereitgestellt wurden und prominent auf die USFO-Website verweisen, wo es "alle Videos kostenlos und in voller Länge gibt".

So sehr ich Brainpools Bedürfnis, möglichst viele User auf die offizielle USFO-Präsenz locken zu wollen, auch grundsätzlich nachvollziehen kann, so schwer fällt es mir, die Gesamtsituation zu verstehen: Einerseits entfernt man Videos der USFO-Mitschnitte von YouTube und bewirbt die eigene Site - dort jedoch ist es über viele Stunden hinweg nicht möglich, die Videos überhaupt anzusehen.

Allein die Tatsache, dass die Website der Show selbst einen Tag nach dem Finale einen Zusammenbruch erlebt, ist im Jahr 2010 schon recht peinlich. Dass Brainpool und die Rechtinhaber der Titel - die ja offenbar nichts dagegen haben, die Songs kostenlos online anzubieten - dann nicht die Gunst der Stunde und die große Aufmerksamkeit am Tag nach der finalen Show nutzen und die betroffenen Clips bei YouTube lassen, zeugt von einer eingestaubten und vor allem selbstzerstörerischen Denkweise. Denn heute Abend oder in den nächsten Tagen, wenn die USFO-Website wieder stabil läuft, dann hat sich auch das Interesse an der Show und ihren Künstlern deutlich gelegt. Und Brainpool dürfte die von einer nennenswerten Zahl von Usern angebotene Aufmerksamkeit leichtfertig verspielt haben.

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