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27.04.12Leser-Kommentare

Musikdienste: simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

Nach dem Start von Spotify in Deutschland stellte sich die Frage, wie der lokale Konkurrent simfy auf das unbegrenzte Gratisangebot des Neulings reagieren würde. Heute liefern die Kölner die Antwort: mit dem endgültigen Rückzug in die Nische der Bezahlanbieter.

Ende November erläuterten wir, wie der On-Demand-Musikdienst simfy mit Einschränkungen bei seinem Gratisangebot nahezu kapitulierte und Spotify, dessen bevorstehender Deutschlandstart schon damals ein offenes Geheimnis war, den Markt überließ. Damals minimierten die Kölner die Möglichkeiten der kostenfreien Nutzung von simfy, indem diese (nach den ersten zwei unbegrenzten Monaten) nur noch fünf statt 20 Stunden pro Monat umfasste.

Mitte März dann gab Spotify sein lange erwartetes Debüt in Deutschland - und überraschte mit einem vorläufig unlimitierten Angebot auch für Anwender der werbefinanzierten Gratisversion. Stach simfy zuvor als einziger hierzulande verfügbarer On-Demand-Dienst mit Gratiskomponente noch aus der Schar der kostenpflichtigen Musikflatrates heraus, sah das Angebot der Rheinländer nach dem Markteintritt von Spotify plötzlich mickrig aus. Wie würde simfy, das kurz zuvor eine erneute Kapitalspritze erhalten hatte, auf das Konkurrenzangebot reagieren?

Heute liefert es seine Antwort - doch die fällt anders als erwartet aus: simfy verabschiedet sich komplett von seinem kostenfreien, werbefinanzierten On-Demand-Angebot. Künftig steht dieses neuen Nutzern zwar zwei Monate mit einem Kontingent von jeweils 20 Stunden zur Verfügung, woraufhin noch eine 30-tägige Testphase von simfy Premium in Anspruch genommen werden kann. Danach lassen sich Songs aber nicht mehr in voller Länge abspielen, sofern Nutzer nicht zu einem der zwei Bezahlangebote wechseln. Stattdessen können nur noch 30-sekündige Songschnipsel angehört werden.

Neue simfy-Mitglieder können über den Dienst damit maximal drei Monate lang Musik hören, bevor sie sich für eines der kostenpflichtigen Pakete entscheiden müssen. Das ist eine deutlich stärker ausgedehnte Kennenlernphase, als Wettbewerber wie Rdio oder Deezer sie anbieten. Es ist aber auch das Eingeständnis, gegen den mächtigen, mit immensen Summen von internationalen Kapitalgebern ausgestatteten Konkurrenten Spotify nicht ankommen zu können. Mit der Einstellung eines zeitlich unbefristeten Gratispakets verabschiedet sich simfy von dem Gedanken, die Evolution des digitalen Musikkonsums auf nationaler und internationaler Bühne stärker mitzugestalten als die große Zahl vergleichbarer (und in puncto Angebot und Preispolitik teilweise austauschbarer) Konkurrenten.

Vielleicht wird es sich im Nachhinein als weiser Schritt herausstellen, im Wettbewerb mit Spotify darüber, wer das meiste Geld mit dem Angebot von Gratisstreaming verbrennt, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen und sich auf Wirtschaftlichkeit statt auf mit gepumpten Geld finanziertes Wachstum zu konzentrieren. Und wirklich neu ist die Erkenntnis, dass sich simfy gegen das in zahlreichen internationalen Märkten verfügbare, tief im Bewusstsein der Musikbranche verankerte Spotify kaum durchsetzen können wird, auch nicht. Dennoch markiert der heutige Tag das Ende eine mehrjährigen Reise, während der Deutschlands einziger On-Demand-Dienst mit Gratiskomponente wacker und ausdauernd, aber zuletzt auch etwas verzweifelt gekämpft hat. Am Ende hatte der Gegner den längeren Atem. Doch immerhin müssen sich die simfy-Gründer Christoph Lange und Steffen Wicker eines nicht vorwerfen lassen: Es nicht versucht zu haben.

Im diesem Quartal will das Kölner Unternehmen erstmals die Profitabilität erreichen. Mit dem Schwerpunkt auf zahlenden Nutzern sollte dieses Ziel nun in greifbare Nähe rücken - wenn sich auch die signifikanten Wachstumsaussichten verringern.

Wir haben bei simfy um eine Stellungnahme zu dem Schritt gebeten und aktualisieren diesen Beitrag, sofern wir diese erhalten.

Kommentare

  • Andreas

    27.04.12 (18:41:41)

    War ja irgendwie zu erwarten, so oft wie die Limits in den letzten Monaten runtergeschraubt wurden. Ich bin mittlerweile zu Spotify gewechselt und sehr zufrieden.

  • Andreas

    28.04.12 (11:59:52)

    Wenn das mal nicht das Ende für Simfy bedeutet...

  • Olli

    28.04.12 (13:02:37)

    Es gibt viele Beispiele in den USA von Freemium-Diensten, die ähnlich gehandelt haben und heute noch bestehen. Auch Basecamp bietet die Free-Version nur noch ganz versteckt an. Ich halte den Schritt für mutig aber strategisch richtig. Den Geld-Wettkampf gegen Spotify kann man nicht gewinnen, die Presse berichtet überwiegend über Spotify. Da kann ich mit einem reinen Bezahl-Produkt sehr gut getargetes Performance-Marketing machen, was sich rechnet und so dann langsamer aber nachhaltiger wachsen. Für mich stelllt sich die Frage, WANN Spotify Simfy nachzieht - und nicht ob.

  • DJ Nameless

    30.04.12 (21:01:56)

    Ich nutze derzeit auch Spotify - bei Simfy schreckte mich schon von vornherein die Zeitbeschränkung ab. Bis März war ich eigentlich seit 6 Jahren passionierter Napster-Nutzer; seit deren Umstellung von einer einwandfrei funktionierenden auf eine Müll-Software habe ich deren Account gekündigt. DJ Nameless

  • Balu

    16.07.12 (14:24:45)

    Simfy soll doch simfy free gleich einstellen, weil simfy free inzwischen sowieso uninteressant ist. Man kann ja simfy Premium gleich für 4 Wochen kostenlos ausprobieren, ohne mit lästiger Werbung zugeschüttet zu werden wie bei simfy free. Vielleicht tut das simfy aber nicht wegen der Werbeeinnahmen. Wenn meine Firma bei simfy bisher Werbung geschaltet hätte würde ich mir überlegen, ob ich das künftig weiterhin (und wenn, für viel weniger Geld) tun würde. Denn durch die Einschränkungen bei simfy free werden bei weitem nicht mehr soviele Nutzer erreicht wie bisher.

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