<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

12.01.12

Musikdienst der Skype-Gründer: Rdio startet in Deutschland und plant Gratisangebot

Deutschland bekommt mit Rdio einen weiteren On-Demand-Musikdienst. Der Service der Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis bietet zu den bei der Konkurrenz üblichen Preisen Zugriff auf über zwölf Millionen Songs. Eine Gratisversion ist geplant.

 

In den letzten Monaten hat die Landschaft der On-Demand-Musikdienste in Deutschland deutlich an Vielfalt gewonnen. Zu dem schon relativ lange existierenden einheimischen Akteur simfy sowie dessen nur wenig wahrnehmbaren Konkurrenten Napster und Musicload Nonstop gesellten sich Juke (Review), Music Unlimited, Deezer und Rara. Auch ein Start von Spotify ist in Vorbereitung. Heute nun betritt mit Rdio ein weiterer internationaler Anbieter den deutschen Markt. Das Unternehmen hält damit sein im November gemachtes Versprechen.

Der von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis zusammen mit Carter Adamson gegründete Musikdienst steht seit heute allen Nutzern mit einer deutschen IP-Adresse offen. Nach Kanada und Brasilien ist Deutschland das dritte Land außerhalb seines Heimatmarktes, in das der Service aus San Francisco expandiert. Zennström und Friis begannen Ende 2009 damit, ein Team für Rdio zusammenzustellen und sich mit den Labels zu einigen. Mitte 2010 präsentierten sie dann Rdio der US-Öffentlichkeit.

 

Über zwölf Millionen Titel stehen nach Unternehmensangaben zum On-Demand-Streaming über den Browser, einen Adobe-Air-Client für Windows und Mac, Apps für iOS, Android und Windows Phone 7 sowie Sonos Hifi-Systeme bereit. BlackBerry-Besitzer können Rdio über den Browser aufrufen.

Verhandlungen über eine Gratisversion laufen

Abgesehen von einer kostenfreien, siebentägigen Probephase verzichtet Rdio zum Start wie alle anderen genannten Anbieter außer simfy auf einen Freemium-Ansatz. Für marktübliche 4,99 Euro pro Monat gibt es unbegrenzten Browser- und Desktop-Zugriff auf die Musik, ebenfalls marktübliche fünf Euro mehr eröffnen den mobilen Zugriff inklusive Offline-Funktion, um vorab ausgewählte Titel auch bei fehlender Internetverbindung anhören zu können.

Während die Benutzeroberfläche der deutschen Version identisch mit der US-Variante von Rdio ist, gelang es den Kaliforniern nicht, ihr auf der anderen Seite des Atlantiks seit Oktober 2011 offeriertes Gratisangebot zum Launch nach Deutschland zu exportieren und sich damit einen Konkurrenzvorteil zu verschaffen. Allerdings soll dies nicht dauerhaft so bleiben: "Wir glauben an das Freemium-Modell und wollen dies auch nach Deutschland bringen", erklärt Scott Bagby, Vice President Strategie und Internationalisierung bei Rdio. Dazu befände man sich in Verhandlungen. Nicht nur mit der Verwertungsgesellschaft GEMA steht eine Vereinbarung noch aus, sondern auch mit einigen Labels. Hier sei noch Überzeugungsarbeit notwendig, so Bagby.

Fokus auf Features, um Musik durch andere Nutzer zu entdecken

Die Homogenität der Preis- und Produktpolitik hiesiger On-Demand-Musikabos sorgt dafür, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Diensten letztlich vorrangig in der optischen Gestaltung, der plattformübergreifenden Verfügbarkeit, der Usability und spezifischen Features zu suchen sind. Rdio punktet mit einer gefälligen Oberfläche, einem integrierten Follower-System, um durch andere Nutzer, Musikexperten und DJs neue Songs und Alben zu entdecken, sowie einer Präsenz bei nahezu allen wichtigen (mobilen) Plattformen.

Speziell auf das Social-Feature ist das Startup stolz. "Facebook ist eine gute Art, um Musik zu entdecken, aber nicht die beste", so Rdio-Manager Bagby. Deshalb habe man für die Musikentdeckung durch andere Nutzer ein eher Twitter ähnliches Prinzip gewählt. Wer möchte, kann aber bei Rdio angehörte Titel dennoch über das Open-Graph-Protokoll automatisiert bei Facebook veröffentlichen - einen Zwang zum Login über das soziale Netzwerk gibt es jedoch nicht, betont Bagby als Seitenhieb auf Konkurrent Spotify. Allerdings sind sämtliche Aktivitäten auf der Plattform öffentlich und für andere Nutzer einsehbar. Wer also heimlich gerne Patrick Lindner hört, wird mit Rdio nicht glücklich werden. Einen "Private"-Mode gibt es nicht.

Dass die sozialen Funktionen ausreichen, um sich in der Wahrnehmung der Nutzer einen Vorteil gegenüber den Kontrahenten zu verschaffen, ist nicht garantiert. Der Bekanntheitsstatus der Rdio-Macher ("Skype-Gründer") dürfte dem Startup aber durchaus dabei helfen, potenzielle Anwender auf sich aufmerksam zu machen.

Es ist unwahrscheinlich, dass langfristig alle nun hierzulande angebotenen Musikdienste Bestand haben werden, erst recht nicht angesichts ihrer relativen Austauschbarkeit. Rdio hat als bereits erprobter US-Dienst mit solider Funktionalität, einer offenen Entwicklerschnittstelle und einem erfahrenen Team aber bessere Aussichten als einige der Mitstreiter.

Bisher hat kostenpflichtiges (und mobiles) Musikstreaming in Deutschland und auch global nicht gerade für einen Ansturm der Nutzer gesorgt. Gerade mal fünf bis sechs Millionen Menschen weltweit bezahlen für ein digitales Musikabo, zitiert Scott Bagsby Angaben der Plattenfirmen. Für Rdio bedeutet dies sowohl, dass es viel zu holen gibt, aber auch, dass es schwer wird.

Rdio

Kenntlichmachung: Rdio veranstaltet heute Abend in Berlin eine Launchparty, zu der ich auch eingeladen bin.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer