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09.12.13Leser-Kommentare

Musikalischer Riese: Shazam hat mehr als 400 Millionen Nutzer

Mehr als 400 Millionen Menschen nutzen Shazam, um Musik oder andere Medieninhalte zu identifizieren. Das Unternehmen, das einen baldigen Börsengang anstrebt, profitiert von einer gewissen Unvorhersagbarkeit.

ShazamIn der vergangenen Woche hat die Musikerkennungs-App Shazam in einer Pressemitteilung die "heißesten Music-Acts 2014" prognostiziert, basierend auf der Analyse der Nutzeraktivitäten. In der Meldung verkündete das Londoner Unternehmen auch aktuelle Anwenderzahlen: Mehr als 400 Millionen Menschen sind demnach mittlerweile Nutzer der kostenfreien, für verschiedene mobile Plattform angebotenen App. Ein Blick in unsere regelmäßig aktualisierte Liste mit Nutzerzahlen zu bekannten Webdiensten zeigt: Nur eine Handvoll an Diensten und Apps erreicht mehr User. Auch wenn Shazam wie die meisten Services nicht verrät, wie viele der User aktiv sind, also die Anwendung tatsächlich mindestens einmal innerhalb eines Monats verwenden, so darf sich die bereits 1999 gegründete Firma darüber freuen, nun offiziell zu den bekanntesten und populärsten an Endkonsumenten gerichteten Internetmarken überhaupt zu gehören.

Abgezeichnet hat sich eine derartige Entwicklung schon länger. Vor zwei Jahren gaben die Briten die Zahl der Nutzer mit 150 Millionen an, im September 2012 war sie auf 250 Millionen gestiegen. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich sogar das Durchbrechen der 500-Millionen-Marke bis Ende 2013 für möglich. Damit war ich einen Tick zu optimistisch, dennoch ist unverkennbar, dass hier gerade eine neuer Webgigant entsteht. Eine Firma, deren Wachstum augenscheinlich eng mit dem Gesamtwachstum des mobilen Internets zusammenhängt.

Partner der Musikindustrie

Auffällig ist, wie Shazam in der Pressemeldung vom ersten bis zum letzten Satz seine Eignung als Analyse- und Vorhersagewerkzeug für die Musikindustrie hervorhebt. Wirft man einen Blick auf die Charts der am häufigsten mit dem Dienst identifzierten Songs des Jahres, versteht man, wieso: Die Häufigkeit des "Shazamens" bestimmter Titel ist ein idealer Indikator für Labels und Künstler, um frühzeitig das Potenzial von Produktionen zu erkennen, sowie um generelle Hörertrends zu identifizieren. Das Unternehmen publiziert mittlerweile verschiedene, nach Genres und Märkten differenzierte Chartlisten auf Basis der Titel-Identifizierungen. Laut Firmenangaben würden 85 Prozent der Titel, die die Spitze der Shazam-Charts erreichen, mindestens auf nationaler Ebene auch der kommerzielle Durchbruch gelingen. Gleichzeitig betont das Unternehmen seine Fähigkeit, Musikdownloads über Partner-Shops generieren zu können. Mehr als 300 Millionen Dollar Umsatz werden so jährlich über Shazam vermittelt.

Neben Vermittlungsprovisionen aus Songverkäufen und Marktforschungsservices für Akteure der Musikbranche erwirtschaftet Shazam auch Erlöse aus maßgeschneiderten Second-Screen-Dienstleistungen für Medienanbieter und Firmen. Der Dienst fokussiert sich nämlich nicht mehr nur auf Musik sondern erlaubt die Verwendung der Tonerkennungs-Technologie zunehmend auch für andere Medienbereiche.

Börsengang geplant

Am Ende von Shazams Expansionsphase steht laut Aussage von Shazam-Manager Andrew Fisher ein Börsengang. In Anbetracht der kontinuierlich wachsenden Nutzerschaft und allgemeinen Popularität des Dienstes, der diversen Erlösmodelle und der Tatsache, dass das Unternehmen in der Vergangenheit bereits profitabel war, dürfte es den Londonern nicht schwer fallen, Anleger für sich zu gewinnen.

Während sich Shazam ausgehend von den aktuellen Metriken bei Musikfreunden in so gut wie jeder Hosentasche zu befinden scheint, erweist sich die Nutzerakquisition für On-Demand-Musikdienste wie Spotify als deutlich schwieriger . Als Service, der den etablierten Akteuren der Musikindustrie dabei hilft, ihre Umsätze zu steigern, haben die Engländer zwar einen deutlich einfacheren Weg gewählt als die Streaminganbieter, die von vielen Anhängern der traditionellen Wertschöpfung im Musikbereich als Bedrohung gesehen werden. Doch mit zunehmender Größe und Bedeutung in der musikalischen Wertschöpfungskette könnte Shazam durchaus versuchen, seinen eigenen Schaffensbereich zu erweitern und sein Gewicht in die Waagschale werfen.

Es ist schwierig, Shazams langfristige Rolle im Musikgeschäft einzuschätzen. Genau das macht das Unternehmen so spannend - und weniger vorhersagbar als Spotify, Deezer und Co. /mw

Kommentare

  • Ungeheuler

    09.12.13 (15:22:53)

    Shazam. Ich kenne echt fast keinen, der den Dienst nicht nutzt. Extrem nützlich und zumeist auch zuverlässiger als beispielsweise die Suche, die Google bereits systemseitig mitbringt.

  • Jonas

    09.12.13 (23:56:25)

    Ist mir ein Rätsel, weshalb Apple Shazam nicht schon lange geschluckt hat und daraus nicht ein "Siri, welches Lied ist das?" geworden ist. Wäre das nicht eine perfekte data mining Ergänzung zu iTunes?

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