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17.03.09Leser-Kommentare

Musik und Internet: 10 Erlösmodelle für Musiker

David Bauer beim 78s-Magazin hat eine Übersicht zu möglichen Geschäftsmodellen für Musiker zusammengestellt, jetzt wo die CD langsam aber sicher ihr Ende erreicht und das Internet alles umkrempelt. Alle vorgestellten Modelle wurden bereits in der Praxis geprobt, entsprechende Artikel zu den Experimenten sind im 78s-Artikel verlinkt.

Herausgekommen ist eine Aufzählung von zehn möglichen Erlösmodellen und interessanten Experimenten. Eine Auswahl:

Pay What You Want: Der Klassiker, bekannt geworden als das Radiohead-Modell.

Gratis-CD: Die Basler Band Cloudride verschenkt ihre EP “Vincent” nicht nur online, sondern hat 10'000 Exemplare auf CD gepresst und bringt diese gratis unter die Leute. Im Gegensatz zum Gratisdownload verzichten Cloudride nicht nur auf Verkaufseinnahmen, sondern investieren zusätzlich, um möglichst breite Aufmerksamkeit zu erlangen.

Das Unikat: Nachdem sie die Songs vorab bereits verschenkt haben, versteigern The Bianca Story fünf Songs als Unikat, verpackt in ein Kunstobjekt. Das Unique Copy Album ist ein zwei Meter hoher Würfel mit integrierter Sound- und Videoanlage.

Aktien: Einfaches Prinzip: Fans werden zu Aktionären und finanzieren das Album. Im Gegenzug werden sie an den Gewinnen beteiligt.

Memberclub: [..]Wer Mitglied des hauseigenen Fanclubs ist, erhält alle Releases vorab kostenlos als Download sowie exklusive Downloads nur für Mitglieder.

Hervorragende Übersicht.

Einige Experimente, wie ein über die Zeit steigender Preis für ein Albumdownload oder die eine Band, welche Downloads mit 1 $ belohnt, überzeugen mich nicht. Andere, wie etwa der Memberclub, der bei Downloads anscheinend Halt macht, bleiben auf halber Strecke stehen. Schön zu sehen ist eine Übersicht über die sich auftuenden Möglichkeiten aber allemal.

Wir hatten uns hier auf netzwertig.com mit der grundlegenden Situation, in der sich (nicht nur) die Musikindustrie befindet, vor ein paar Wochen ausführlich beschäftigt (und sind auch auf Kritikpunkte eingegangen). Auch Beispiele für erfolgreiche Einsätze neuer Geschäftsmodelle hatten wir aufgezählt.

Beim Finden von auch mit dem Web funktionierenden Geschäftsmodellen ist es wichtig, die grundlegende ökonomische Situation, in der man sich befindet, zu verstehen: Man bietet ein Bündel an Produkten an. Von diesem Bündel ist zu identifizieren, welche Produkte freie Güter sind (hier: digitale Kopien einer Musikaufnahme) und welche knappe Güter darstellen. Auf dieser Grundlage aufbauend kann man sich dann auf die Suche nach möglichen Einkunftsquellen machen, die auch in fünf Jahren noch funktionieren werden.

Der Artikel auf 78s:

» Die CD ist tot, lang lebe - ja, was eigentlich?

Kommentare

  • Michael

    17.03.09 (19:34:48)

    Schöne Zusammenfassung. Für mich hat "Pay what you want" am meisten Potential, wenn das Angebot stimmt. Downloads, Exklusiv-Berichte, Konzertmitschnitte und Notationen (am besten vom Musiker selbst erklärt) wären für mich im Gesamtpaket gute Gründe, einer Band ein paar Euros rüberzuschieben.

  • Tobias Knapp

    18.03.09 (11:38:48)

    Hi! Ist gerade so ungefähr mein Diplomthema. Ich gebe mal ein paar (theoretsich belegte) Ansichten zum Besten und nutze das gleichzeitig zur Überwindung meiner derzeitigen Schreibblockade ;). Roman Anfang: Bei den beschriebenen Modellen kann es sich, bedingt durch die Phase des kreativen Umbruchs in der sich die Musikbranche gerade befindet, wirklich nur um Experimente handeln. Ob damit in 5 Jahren noch, oder überhaupt in größerem Rahmen Geld zu verdienen ist halte ich für fraglich. Mit "pay what you want" können eigentlich nur bereits wirklich bekannte Bands punkten. Solche, die bereits über andere Kanäle große Aufmerksamkeit bekommen. Für die ist es tatsächlich ein relativ wirksamens Publicity Instrument. Kleinere Bands generieren damit kaum Aufmerksamkeit und verkaufen zudem ihr Produkt unter Wert und senken die wahrgenommene Qualität. Die Gratis CD ist meines Erachtens nach wirklich Humbug. Eine der größten Hürden, mit dem Produkt Gewinne einzufahren stellen die First-Copy Costs dar. Diese durch Gratis Pressungen noch zu erhöhen und sich gleichzeitig von den daraus doch noch zu erwirtschaftenden Gewinnen zu verabschieden, mit der Hoffnung, diese durch Erlöse durch Bekanntheitsgrad wettzumachen erscheint mir im Moment noch wirklich utopisch. Das Unikat.. geht vielleicht, ist aber kein massentaugliches Geschäftsmodell, oder? Klar, das Publikum in Gruppen nach Zahlungsbereitschaft zu zerlegen und dann die oberen mit einem absoluten Nischenprodukt zu bedienen leuchtet ein. Es fällt mir allerdings wirklich schwer, das im aktuellen Rahmen von Musikkonsum zu begreifen. Aktien: Ein wirklich interessantes Modell. War mir in der Form nicht bekannt. Danke für den Hinweis! Man muss allerdings schon ziemlich reich und ein ziemlicher Fan sein um in ein "Unternehmen" zu investieren, bei dem gerade mal so 10% überhaupt den "Break-Even" erreichen. Die Floprate ist da ungefähr so hoch wie bei Tiefkühlkost... Memberclub. Auch interessant, jedoch will ein Konsument der heutigen Zeit nicht möglichst großen Komfort in Sachen Usability, Zahlungsart und Produktauswahl. Fraglich, ob solche Modelle dem wirklich entgegenkommen. Zumindest kann ich mit dazu gerade nichts vorstellen. Muss ich dann als Fan von, sagen wir mal 10 Bands, in 10 Memberclubs? Mit 10 verschiedenen Benutzeroberflächen, 10 Zahlungswegen? Am besten noch 10 Communities? Klar ist natürlich, das Musik für Menschen eine große Bedeutung hat! Wir können damit wirklich einiges anstellen. Stimmung verbessern, Arbeit verschönern, Zeit vertreiben, geniessen.. teilweise vielleicht sogar den IQ erhöhen ;). Daraus ergeben soich dann auch mehrere Kategorisierungen für das Produkt "Musikstück": Physisches oder digitales Produkt, Medienprodukt, hedonistisches Gut etc. Dazu hat man 4 Märkte als potentielle Geldquelle: Rezipienten, Werbung, Rechte und Staat (Gebühren bspw.). Und eine sich im Moment wandelnde Wertschöpfungskette. Ich denke, dass dieentstehenden 360 Grad Modelle von Bands selbst gemanagt eine Erfolgversprechende Lösung darstellen könnten. Das würde allerdings erfordern, dass Musiker Kompenenzen weit über den musikalischen Bereich hinaus entwickeln müssten und sich von den bisherigen (echt abartig) hohen Einnahmen verabschieden müssten. Wäre sowieso mal angebracht, finde ich. Roman Ende. So. Sorry, dass das so lange gedauert hat. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen was dabei. Ich twittere gerade recht viel dazu, soll aber keine Werbung sein. (Natürlich ist es das. @saarbasar) Schöne Grüße.

  • Wolfgang Senges

    26.03.09 (10:47:51)

    Hm, interessant. Ist aber - wie in einem Kommentar von "bernd" drüben bei 78s erwähnt - nur eine Sammlung von Ideen. Die Ideen sind Elemente/Komponenten von Strategien, deren Zusammenspiel in einem Geschäftsmodell münden kann. Btw, ansonsten pflichte ich "bernd" dem Kommentator bei 78s gar nicht bei. Gerade als Musiker sollte man sich Gedanken um neue Modelle machen und darauf eingehen. Und es betrifft nicht nur Musiker oder Künstler im Allgemeinen. Wenn *ich* persönlich Services anbiete, schaue ich auch zunächst darauf, etwas Kostenloses anzubieten. Gefällt dies dem Kunden, ist er ggf. gewillt, tatsächlich Geld für den Mehrwert einer originären Leistung zu zahlen, die individuell auf ihn abgestimmt ist und nicht so einfach irgendwo erhältlich ist. Ich habe weniger Produktionskosten als Musiker, muss jedoch bei Kundenbesuchen/Reisen und meiner eigenen Hardware zzgl. ISP etc. ebenfalls in Vorleistung treten. Zum Thema Geschäftsmodell: Ja, Gratismusik oder "Pay what you want" ist natürlich ein Schritt. Das Wichtigste ist, eine Hörerschaft zu generieren. Um dies zu tun, muss man verschiedene Aktivitäten starten. Man muss die Leute involvieren, dann kann es sein, dass sie sich mit Euch identifizieren. Auf der Basis ist es wahrscheinlich, dass mit der Größe der Zuhörerschaft die potenzielle Anzahl von Käufern darunter wächst. Diese wollen nun einen echten Anreiz haben zu kaufen. Etwas, was *kein* BitTorrent liefert. Auch das gehört zum Geschäftsmodell, denn dieses sollte das Marketing (Gratismusik) und den Weg zum echten Gewinn sowie den Gedanken "Wie mache ich meine Vorleistung wett?" einschließen. Zwei kleine Lesetipps (nicht ganz uneigennützig): 1. Michael Masnick's Case Study zu Trent Reznor (ich hoffe, dass Masnick's aktualisierte Version von Anfang dieser Woche noch ins Web findet). 2. Andrew Dubber's Blog. Insbesondere sei hier auf sein (kostenloses) ebook "The 20 Things You Must Know About Music Online" verwiesen. Ende April sollte dies in Deutsch vorliegen. Umsonst, auf meiner Site, in meiner (von Andrew abgesegneten) Übersetzung. ;-) Bin auch auf Twitter: @WolfgangSenges

  • Marcel Weiss

    26.03.09 (15:19:24)

    @Wolfgang Senges: Du liest hier nicht mit, oder? :) Wir hatten Masnicks Vortrag hier bereits.

  • Wolfgang Senges

    26.03.09 (20:02:01)

    @Marcel: Oooops. Korrekt... Bin heute frisch dazu gestoßen, und habe vor zu bleiben. ;) Gefällt mir.

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