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09.04.14Leser-Kommentare

Multi-App-Strategie und neue Tätigkeitsfelder: Dropbox erfindet sich neu, um nicht überflüssig zu werden

Unter dem Motto "A home for life" will Dropbox künftig verschiedene Dienste und Apps anbieten, die alle das digitale Leben und Arbeiten in der Cloud verbessern und vereinfachen. Mit diesem Schritt versucht das Unternehmen, sich rechtzeitig von der dateizentrischen Positionierung zu verabschieden.

DropboxMit einer Bewertung von zehn Milliarden Dollar gehört der Cloudspeicher-Pionier Dropbox schon längst zu den ganz Großen im Internetgeschäft, erst recht wenn man unabhängig agierende Startups betrachtet. In dieser Woche hat das Unternehmen aus San Francisco ganz offiziell klar gemacht, mit wem es sich künftig messen wird: Mit allen führenden Webkonzernen. Sowohl in Sachen Dimensionen als auch beim Produktportfolio.

275 Millionen Menschen besitzen mittlerweile ein Konto bei Dropbox, 700 Mitarbeiter sind bei dem Startup beschäftigt. Doch längst arbeiten diese nicht mehr alle an der gleichen Anwendung. Bei einer Presseveranstaltung am Mittwochabend präsentierte Firmenchef Drew Houston die künftige Dropbox-Strategie: Wie Facebook wählen die Kalifornier für die Zukunft eine Multi-App-Strategie, bei der verschiedene eigenständige Services wie Satelliten um das zentrale Dropbox-Konto der Anwender kreisen. Derzeit besteht das Dropbox-"Universum" aus dem klassischen, an Endanwender gerichteten Cloudsync-Service, einer mit diversen Features erweiterten Enterprise-Version namens "Dropbox for Business", der im vergangenen Jahr übernommenen, jetzt auf Android und Desktop erweiterten E-Mail-Management-App Mailbox sowie der ganz neuen Galerie- und Sharing-App für Fotos und Videos, Carousel. Das übergeordnete Motto aller Services, "A home for life", ist dabei schwammig genug, um Dropbox von hier an in nahezu beliebige Richtungen zu erweitern. Schließlich deutet trotz allgemeiner Überwachungs- und Sicherheitsbedenken vieles darauf hin, dass immer mehr Aspekte des Lebens in die Cloud ziehen. Und dort will Dropbox sich an strategisch kluger Stelle postieren, um eine Art virtuelles Zuhause zu bieten, das sich irgendwann womöglich sogar in eine Art Cloud-Betriebssystem verwandelt - für private sowie berufliche Aktivitäten. Ein Zuhause, das User von dem Ärger befreien soll, der oft mit dem Einsatz von Technologie verbunden ist; das sie zunehmend enger an Dropbox bindet und einen Lock-In schafft.

Für Dropbox ist dieser neue Kurs auch eine Maßnahme, um sich auf das bevorstehende Ende der klassischen Dateistruktur vorzubereiten. In der Ära der mobilen Geräte und Apps verlieren Ordnerstrukturen, Verzeichnisse und Dateien, wie sie jeder Desktop- und Laptop-Nutzer ständig zu Gesicht bekommt, aus Sicht der Anwender rasant an Relevanz. Um nicht das Schicksal der Datei als aussterbende Gattung zu teilen, muss Dropbox sein Produkt rechtzeitig umbauen. Genau dies geschieht gerade.

Ob sich aus einem App-Gemischtwarenladen, der durch die gemeinsame Klammer der "Home for Life"-Metapher zusammengehalten wird, auf Dauer ein in sich stimmiges und wirtschaftlich lukratives Angebot machen lässt, muss Dropbox noch belegen. 600 Millionen Dollar an aufgenommem Risikokapital und eine frisch erhaltene Kreditlinie in Höhe von 500 Millionen Dollar verdeutlichen, dass auch die wirtschaftlichen Erwartungen in Dropbox hoch sind. Im Gegensatz zu Facebook und Google, die sich primär durch Werbung finanzieren und ihre User auch frühzeitig damit konfrontierten, sind Dropbox bei der Monetarisierung Grenzen gesteckt. Bislang dienen allein Nutzergebühren für zusätzlichen Cloudspeicher als Erlösquelle - ein Segment, in dem ein erheblicher Preisdruck herrscht. 2013 soll der Umsatz bei rund 200 Millionen Dollar gelegen haben. Nach sechs bis sieben Jahren des Bestehens nicht sonderlich beeindruckend, auch wenn die Firma seit jeher langfristig denkt.

Der Druck auf Dropbox, endlich die Kassen klingen zu lassen, nimmt von Tag zu Tag zu. Damit scheint auch vollkommen offen, wie es für die Kalifornier weitergeht. Ein Börsengang, eine Übernahme durch einen anderen Player - ob Facebook, Google, Microsoft oder Apple - oder eine vorläufig weiterhin durch Venturecapital finanzierte Expansion, in deren Rahmen Dropbox fleißig zur Vision passende Dienste (und deren Erlösquellen) aufkauft - alles ist denkbar. Mit der neuen, allgemein gehaltenen Marschrichtung mehr als zuvor. /mw

Kommentare

  • DieHeMo

    10.04.14 (07:20:15)

    Schön. Aber so lange die Wirtschaft der Meinung ist, WINDOWSPhone existiert nicht: uninteressant.

  • Robert

    10.04.14 (11:34:08)

    Ich bin ehrlich gesagt am überlegen, ob ich nicht auf Google Drive umsteige. $1.99 vs. $9.99 für 100GB ist schon ein deutlicher Unterschied. Außerdem habe ich dann auch die ganzen Google Docs im gleichen Laufwerk. Hat jemand gute oder schlechte Erfahrungen mit Google Drive gemacht?

  • Benny

    12.04.14 (10:25:12)

    @Robert: nutze seit längerem Google Drive/Docs. Wie du bereits erwähnt hast, ist natürlich der Preis unschlagbar, aber der grösste Vorteil von Google Drive ist für mich die Integration von Google Docs. Du hast sozusagen alle Features, die du mit Dropbox hast, kannst aber zusätzlich auch Dokumente (Tabellen, Texte, Formulare) erstellen/editieren - macht vieles einfacher...

  • Robert

    13.04.14 (08:39:24)

    Danke, Benny! Ich habe jetzt ein paar mal gelesen, dass Google Drive nicht so "smooth" synct wie Dropbox, sprich, es soll jede Menge Bandbreite schlucken und mehr CPU-Leistung brauchen. Hast du davon etwas gemerkt?

  • Benny

    13.04.14 (16:22:10)

    @Robert: Ja, der Sync braucht bei Google Drive definitiv mehr Performance. Ist wahrscheinlich der grösste Minus-Punkt. Aber gleichzeitig muss ich sagen, dass für mich persönlich die Sync-Funktion nicht mehr so wichtig ist (was die Arbeit betrifft). Docs und Spreadsheets bearbeite ich fast nur noch im Browser.

  • Robert

    14.04.14 (07:30:45)

    @Benny Danke, ich werd's einfach mal parallel laufen lassen und ausprobieren!

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