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20.11.08Leser-Kommentare

mufin: Eine "Musikentdeckungsmaschine", die funktioniert

mufin bezeichnet sich als Musikentdeckungsmaschine. Im Gegensatz zu anderen Angeboten untersucht der Berliner Dienst die klangliche Seite von einzelnen Songs, um ähnliche Titel zu finden. Das funktioniert gut und kann ab heute von jedem Internetnutzer ausprobiert werden.

Nach der Veröffentlichung unseres Artikels über zehn Webdienste aus Europa, die die Musiklandschaft verändern, erhielten wir einige Hinweise von Anbietern, die sich ebenfalls gerne auf dieser Liste gesehen hätten. Darunter war auch eine Mail von mufin, einem jungen Spross der Berliner MAGIX AG, der sich ganz dem Thema Musikempfehlungen verschrieben hat. Bereits zum Start der geschlossenen Beta-Phase machte die Kunde von mufin ihre Runde durch die Blogosphäre. Heute launcht mufin seine öffentliche Beta-Version.

mufin, dessen Name für "music finder" steht, bezeichnet sich als Musikentdeckungsmaschine. Anders als Last.fm, das ebenfalls viel Energie in seine Musikempfehlungstools steckt, verzichtet mufin auf die Analyse von Genre, Herkunft oder Hörverhalten anderer Nutzer und basiert seine Empfehlungen ausschließlich auf den Klängen. Die zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelte Technologie untersucht rund 40 Charaktermerkmale von Songs, um auf diesem Weg verwandte Titel zu finden.

Wer mufin nutzen möchte, gibt dazu in das Suchfeld den Namen eines Interpreten oder Songs ein. Das Resultat ist eine Liste mit Stücken, die zu den gesuchten Stichwörtern passen. Der oder die aufgelisteten Titel erhalten jeweils einen Link zur Vorschau ähnlicher Tracks. Ein Klick darauf fördert eine Übersicht über Stücke zu Tage, die dem Ausgangstitel klanglich sehr ähnlich sind. Die Ähnlichkeit wird jeweils mit einer Prozentzahl angegeben - je näher diese an 100 herankommt, desto enger ist die Verwandtschaft zwischen dem Originaltitel und dem gefundenen Track.

So sehen Suchergebnisse bei mufin aus

Die meisten Titel lassen sich direkt anhören, liegen jedoch weder in kompletter Länge noch in ohrenfreundlicher Qualität vor. mufin beschränkt sich vorerst auf das Entdecken und Empfehlen verwandter Musik. Wem gefällt, worauf er beim Stöbern gestoßen ist, der kann den jeweiligen Song als Download im iTunes Store oder als CD bei Amazon erwerben - die entsprechenden Links flankieren das jeweilige Suchergebnis. Entdeckte Songs lassen sich in einer Playlist ablegen und per Mail, MySpace- oder Facebook-Applikation seinen Freunden und Bekannten empfehlen.

Neben der eigenen Site bietet mufin zudem eine kostenlose Desktop-Software, den mufin MusicFinder (ja, das ist doppelt gemoppelt!). Das Windows-Programm erstellt unter Einsatz der mufin-Technologie Playlisten aus der Musikbibliothek des Nutzers und spielt diese ab. Auch für PC-Nutzer, die ihre Musiksammlung über iTunes organisieren und ungern eine weitere Abspiel-Software installieren wollen, hat mufin etwas zu bieten: mufin für iTunes. Das mit dem Start der öffentlichen Beta-Phase von mufin verfügbare Plugin bringt die mufin-Technologie zu iTunes und tritt damit in Konkurrenz zu Apples eigenem Empfehlungs-Feature Genius .

Während beim Einsatz von Genius Daten mit den Apple-Servern ausgetauscht werden und die Funktion lediglich für im iTunes Music Store erhältliche Songs verfügbar ist, kann das rein klangbasierte mufin für iTunes mit beliebigen Titel angewendet werden - auch mit selbstproduzierter Musik und solcher ohne Künstler- und Songname. Eine Mac-Version von mufin für iTunes ist in Planung.

mufin ist ein wirklich spannender Dienst. Jeder hat Lieblingssongs, von deren Stil er gerne mehr Tracks kennen würde. mufin hilft dabei, diese zu finden. Innerhalb von kurzer Zeit bin ich auf einige mir bisher unbekannte Veröffentlichungen gestoßen, die mir sofort ans Herz gewachsen sind. Etwas enttäuschend ist dagegen, dass mufin die rund vier Millionen indexierten Titel nicht vollständig und in akzeptabler Bitrate abspielt. Der Grund hierfür dürfte vor allem lizenzrechtlicher Natur sein. Wie mufins Marketing Manager Petar Djekic uns mitgeteilt hat, steht das Streaming ganzer Titel definitiv auf der Agenda. 

Für die Zukunft ist auch geplant, Musikern das direkte Hochladen eigener Titel zu erlauben. Dann fungiert mufin nicht mehr nur als Empfehlungswerkzeug für Musikfans, sondern auch als Promotiontool für Interpreten.

Kommentare

  • Casi

    20.11.08 (18:04:19)

    Ich habe ja vor ner ziemlichen Weile schon mal mit mufin experimentiert und mein Ergebnis auch gebloggt. Da das nicht so der Brüller war, hab ich jetzt auf Deinen Beitrag hin noch einmal vorbeigeschaut - vielleicht hat man ja die Suchalgorithmen verfeinert oder ähnliches. Leider aber bleiben bei mir die Ergebnisse ähnlich hundsmiserabel wie vorher auch schon. Da ich vielleicht einen spezielleren Musikgeschmack habe, hab ich eben auch bewusst andere Stilrichtungen gewählt. Beispielsweise hab ich mir vier mal die gleiche Love me do-Version von verschiedenen Alben angehört und es werden jedes Mal komplett unterschiedliche Lieder empfohlen. Schön, wenn man dadurch Lieder finden kann - aber die Ähnlichkeit zum vorgegebenen Titel kann ich in 90 Prozent der Fälle nicht nachvollziehen...

  • bugsierer

    20.11.08 (19:41:40)

    meine erste suchabfrage brachte ziemlich lausige reultate. kann aber daran liegen, dass ich nach joe zawinul suchte. probierte es noch mit miles davis, da war das erste resultat dann eine märchenvorleserin und das zweite eine nummer von chris barber. – na ja, beta halt. aber die idee ist gut. ;-)

  • Marco

    20.11.08 (21:47:06)

    Das ist doch eigentlich nichts anderes als Pandora, oder? Nur mufin ist im Gegensatz zu Pandora in Deutschland nutzbar. Die Ergebnisse von Pandora sollen ja sehr gut sein. Also denke ich mal, dass auch mufins Empfehlungen besser sein können als die von last.fm.

  • Martin Weigert

    21.11.08 (08:54:29)

    Casi und bugsierer, bei mir ging es recht gut mit Rap und elektronischer Musik (House, Techhouse). Marco, soweit ich weiß, erhält man bei Pandora nach der Eingabe eines Songs oder eines Interpreten einen personalisierten Radiostream. Die Technologie dahinter scheint ähnlich zu sein, die Umsetzung ist jedoch etwas anders (oder hat sich das bei Pandora mittlerweile geändert?)

  • bugsierer

    21.11.08 (09:10:44)

    @ martin: genau das ist für mich pesönlich an all diesen musik portalen das problem: sie sind auf die gängigsten jugendgenres ausgerichtget. sobald du da was aus der schublade jazz oder dergl. willst, ist schon ende feuer. was ich ehrlich gesagt manchmal nicht verstehe, weil das ein kaufkräftiges publikum wäre.

  • André Luce

    21.11.08 (10:17:52)

    finde ich lausig bzw. die Ergebnisse meiner Anfragen. Solch ein Pandora System (Algorithmenbasiert) ist meiner Meinung nach einer nutzerzentrierten Systematisierung immer unterlegen, solange dabei ausreichend Menschen mitmachen. Sicherlich mag das noch ein problem sein, aber kein Grund, beim Fraunhofer Institut Geld für diese Entwicklung zu verschwenden. Überlegt mal: alleine die Festlegung der Merkmale anhand deren verglichen wird, muss doch unzureichend sein. Nicht zuletzt fördert so ein System eine Monotonisierung, wirklich interessante Erfahrungen sind nur über nutzerbasierte Systeme möglich.

  • Marco

    21.11.08 (23:46:32)

    @Martin (#4): Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass Pandora auch mit dem Prinzip arbeitet, dass allen Songs Klangeigenschaften zugeordnet werden. Leider kann man Pandora in Deutschland ja nicht nutzen. So könnte man es mit mufin vergleichen. @André (#6): Wieso sollte dieses nutzerzentrierte System besser sein? Beispiel: Du hörst größtenteils Jazz, aber auch ein bisschen Heavy Metal. Andere User hören aber entweder nur Jazz oder Jazz und R&B. Also wirst du nie Vorschläge bekommen, die zum Bereich Heavy Metal gehören. Das Pandora- und mufin-System würde erkennen, dass du zu 10% auch etwas wie Heavy Metal hörst und würde dir so etwas vorschlagen. Oder wo siehst du die Stärken von nutzerbasierten Methoden? Meiner Meinung nach bringen beide Systeme Monotonie.

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