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30.09.14Leser-Kommentare

MoviePass: Startup bietet Flatrate für 93 Prozent aller US-Kinos

Abomodelle, die unbegrenzten Zugang zu Medieninhalten bieten, sind gerade sehr in Mode. Das US-Startup MoviePass überträgt die Idee auf Kinobesuche. Bisher mit Erfolg.

Wie gestern erläutert, zeigen die ökonomischen Rahmenbedingungen des Musikstreamings, dass bei einer hinreichend breiten Akzeptanz des All-You-Can-Eat Modells der Gesamtmarkt wachsen kann, selbst wenn die Gruppe der ehemaligen Top-Umsatzgaranten mitunter nun weniger Geld für den Konsum von Musikproduktionen ausgibt als zuvor.

Das US-Startup MoviePass hat das sich daraus ergebende Potenzial erkannt und versucht, das Flatrate-Modell auf den Kinobesuch zu übertragen. Die Idee des Unternehmens ist ziemlich bestechend: Für 30 Dollar pro Monat können Filmfreunde 30 Tage lang jeweils einen beliebigen Streifen täglich in einem Kino ihrer Wahl genießen. Voraussetzung ist, dass das Kino sich an dem Angebot von MoviePass beteiligt. Nach Aussage der Macher sind mittlerweile 93 Prozent aller Filmhäuser in den Vereinigten Staaten an das System angeschlossen. Mit dem gewählten Preis lohnt sich der Service für alle Personen, die Zeit und Lust haben, mindestens zwei Mal im Monat ins Kino zu gehen. Denn Tickets kosten in US-Großstädten rund 12 bis 15 Dollar. Ab dem dritten Kinogang in einem Monat ist die Mitgliedschaft bei MoviePass somit ein echtes Schnäppchen.

Gerade gab das 2011 in New York gegründete Startup eine Finanzierungsrunde in Höhe von 2,2 Millionen Dollar bekannt, an der unter anderem der Filmproduzent Chris Kelly partizipierte. Im Gegensatz zum Streamingmodell im Musikbereich, das sich mit einer lautstarken Opposition konfrontiert sieht, haben die an der Wertschöpfung im Filmsegment beteiligten Akteure erst einmal wenig Grund, MoviePass Steine in den Weg zu legen. Denn im Gegensatz zu Musik handelt es sich bei Kinofilmen nicht um ein Nebenbei-Medium. Nur ein kleiner Teil der MoviePass-Nutzer wird von dem Angebot exzessiv Gebrauch machen können. Andererseits werden manche Abonnenten es trotz anderer ursprünglicher Intentionen nur ein oder zwei Mal pro Monat in ein Filmhaus schaffen. Bisherige Gelegenheits-Kinobesucher, die vielleicht drei bis vier Mal pro Jahr für einen Film das heimische Sofa verlassen, könnten über MoviePass wiederum in Stammbesucher verwandelt werden. Die Chancen, dass das die Mischkalkulation des Startups aufgeht, stehen also nicht schlecht.

Auch die Tatsache, dass Kinos mit dem Verkauf von Snacks und dem Zeigen von Werbespots wichtige Erlösquellen abseits des Ticketsverkaufs besitzen, macht eine Flatrate wie MoviePass ökonomisch attraktiv: Denn mit jedem Kinobesuch erhalten die Betreiber der Filmhäuser die Chance, ihre Umsätze mit MoviePass-Kunden doch noch zu erhöhen. Weil bei MoviePass-Nutzern aufgrund der fehlenden Pro-Film-Transaktion am Ort des Geschehens das Gefühl entstehen kann, Kinobesuche gratis zu erhalten, könnte letztlich gar ihre Bereitschaft zunehmen, sich vor Filmbeginn mit Snacks und Getränken einzudecken.

Aufgrund der natürlichen physischen und zeitlichen Grenzen, die der Zahl der Kinobesuche gesetzt wird (und die MoviePass mit dem Limit auf einen Streifen pro Tag formalisiert), sowie der bewährten sekundären Umsatzpfeiler, dürften Kinos einen fruchtbaren Geschäftsbereich für das Flatrate-Konzept darstellen. Problematisch wird es erst dann, wenn bei jedem Film derartig viele Sitze von MoviePass-Nutzern belegt werden, dass herkömmliche Ticketkäufer abgewiesen werden müssen. In der Praxis ist damit aber lediglich bei seltenen Blockbustern zu rechnen.

In der Aufmerksamkeitsökonomie konkurriert das Kino mit vielen anderen Kanälen und Angeboten der Unterhaltungs- und Medienbranche. Selbst wenn das Kinobusiness mit dem Erlebnisfaktor ein natives Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen hat, schadet es dem Geschäft nicht, eine engere Bindung zwischen Kinos und Zuschauern zu schaffen. Es ist wohl nur eine Zeitfrage, bis sich auch bei uns ein Startup dem Thema annimmt. /mw

Kommentare

  • mccrain

    30.09.14 (13:15:49)

    Gibt es in klein ähnlich bei der Yorck-Kinogruppe in Berlin. http://www.yorck.de/site/gutscheine/kinoabo

  • Martin Weigert

    01.10.14 (15:35:06)

    thx

  • gast

    02.10.14 (14:41:26)

    gibt es auch bei cinemaxx. http://www.cinemaxx.de/Shop/ZeitkartenShop/

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