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06.11.14

Monetarisierung von Amateur- und Hobby-Fotos: Wie EyeEm zum Bildanbieter des 21. Jahrhunderts werden will

Für EyeEm hat sich 2014 zu einem Schüsseljahr entwickelt. Mit dem Launch des Bildrechte-Marktplatzes und einer Distributions-Partnerschaft mit Getty Images können die Hauptstädter deutlich besser als bisher die Ziele des Startups vermitteln. Hobby- und Amateur-Fotografen sollen mit dem Dienst endlich ihre kreativen Schnappschüsse zu Geld machen können.

EyeEm

Als Berlin ab ungefähr 2009 zum internationalen Anziehungspunkt und zu Deutschlands Internet- und Gründer-Hauptstadt aufstieg, entstanden unzählige experimentelle Startups im Web- und später im Mobile-Bereich. Die wenigstens davon existieren heute noch. Doch während in der Hauptstadt mittlerweile die mit besseren Voraussetzungen ausgestattete “dritte Gründerwelle” läuft, entwickelt sich EyeEm, einer der wenigen “Überlebenden” der abenteuerlichen Anfangszeit des “neuen Berlins”, immer besser.

 

Man muss nur auf die Entwicklung der Mitarbeiterzahl schauen, um zu verstehen, dass 2014 für das 2011 entstandene Unternehmen ein ganz besonderes Jahr ist: Noch im Januar hatte die von Florian Meissner, Lorenz Aschoff, Gen Sadakane und Ramzi Rizk gegründete Firma weniger als 20 Angestellte. Heute sind es mehr als 50. Mittlerweile betreibt EyeEm eine Dependance in San Francisco, ganz in der Nähe des Twitter-Hauptquartiers, von wo aus unter anderem der im April rekrutierte ehemalige Flickr-Produktchef Markus Spiering sowie der für die US-Pressearbeit zuständige ehemalige TechCrunch-Autor Drew Olanoff für die Berliner tätig sind.

Im Gespräch mit Pressechef Fabian Heuser - der kürzlich von der Berliner Spieleschmiede Wooga zu EyeEm wechselte - wird schnell deutlich, was den Ausschlag für diese signifikante Aufwärtsentwicklung gegeben hat: Im Frühjahr präsentierte das Unternehmen seinen Bildrechte-Marktplatz und kurz darauf eine Kooperation mit dem Bildagentur-Konzern Getty Images. EyeEm-User, deren Schnappschüsse gewisse Qualitätskriterien erfüllen und die mit der Vergabe von Fotolizenzen Geld verdienen möchten, können ihre Fotos dank der Partnerschaft bei Getty feilbieten. “Bislang mussten Fotografen bei jedem Foto ein Fax an Getty Images schicken. Wir haben das digital gelöst”, erklärt Heuser den vereinfachten Prozess.

Auch wenn Heuser keine Details zu weiteren möglichen Distributionspartnern nennen möchte, lassen seine Ausführungen wenig Zweifel daran, dass EyeEm-Usern in Zukunft über den Market noch weitere Kanäle zur Verfügung gestellt werden sollen, um ihre Hobby-Fotos zu Geld zu machen. Inwieweit auch ein Direktverkauf über den Market geplant ist, lässt Heuser offen. Grundsätzlich erhalten EyeEm-User, die Nutzungsrechte für Fotos verkaufen, 50 Prozent der Einnahmen, die Getty Images an EyeEm weiterreicht. 5.000 EyeEm-User sind bislang mit mindestens einem Foto bei Getty präsent und über die Suche auffindbar. Kürzlich überstieg die Gesamtzahl der EyeEm-Bilder bei Getty die Marke von 100.000. Was Angaben zu den registrierten Nutzern angeht, stehen nach wie vor die erstmals im Dezember 2013 von Forbess verbreiteten und von EyeEm bestätigen 10 Millionen im Raum. Wieviel höher dieser Wert heute liegt, bleibt im Dunkeln.

Der Blick auf EyeEms Aktivitäten im Bildrechte-Markt hilft dabei, zu verstehen, wo das Startup eigentlich hin möchte - etwas, das für Außenstehende, die nicht zur Kernzielgruppe der künstlerisch-kreativen Hobby- und Amateur-Fotografen gehören, nicht unbedingt sofort ersichtlich ist. “Wir glauben, dass nach dem Like noch mehr kommen muss. Wir haben mit EyeEm die Antwort darauf”, sagt Pressesprecher Heuser. Der Dienst habe sich zum Ziel gesetzt, mobilen Hobby- und Amateur-Fotografen bei der Monetarisierung ihrer Werke zu helfen. EyeEm soll für diejenigen den Weg in die kommerzielle Nutzung von Kreativcontent ebnen, denen diese Möglichkeit bislang verschlossen war.

Auf Basis der Initiativen und Aussagen wäre eine Interpretation, dass EyeEm so etwas wie das Getty Images für Smartphone-Fotos werden könnte. Heuser zieht eine andere Beschreibung vor: “Wir wollen der Bildanbieter für das 21. Jahrhundert werden. Ein Ort für neue Fotografie”. Kurz darauf betont er, wie frustrierend das Navigieren in der digitalen Bilderflut noch immer sei. Hier sehe EyeEm großes Potenzial für sich, was auch den Ausschlag für die im Sommer durchgeführte Übernahme des Schweizer Foto-Analyse-Startups sight.io gab.

Heuser betont, dass sich das drei Jahre alte Unternehmen noch ganz am Anfang seiner Mission sehe. Neben dem Getty-Deal sowie Foto-Wettbewerben, bei denen Firmen EyeEm-User auf Crowdsourcing-Basis gegen Belohnungen oder Honorar in Auftragsfotografen verwandeln können, planen die Hauptstädter die Schaffung weiterer Erlösquelle. Bisher zehrt das Startup von den Mitteln aus einer Sechs-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde aus dem vergangenen Jahr. Von konkreten Plänen, die Profitabilität zu erreichen, ist bislang noch keine Rede. Mit den über 100.000 bei Getty angebotenen Fotos aber hat sich die Firma nun ein gutes Fundament geschaffen, um nicht mehr allein auf VC-Gelder angewiesen zu sein. Selbst wenn mit einer neuerlichen Kapitalspritze wohl irgendwann zu rechnen ist.

Gemäß Fabian Heuser hatte EyeEm-CEO Florian Meissner die Idee zu dem Dienst unter anderem deshalb, weil ihm eine unkomplizierte Möglichkeit fehlte, eigene Fotos zu Geld zu machen. Drei Jahre später haben er und seine Mitstreiter dieses Problem im kleinen Rahmen gelöst. Nun gilt es, das Konzept zu skalieren. /mw

Korrekturhinweis: In einer ursprünglichen Version des Artikels war fälschlicherweise zu lesen, dass Nutzer, die Fotorechte über Getty Images verkaufen, 50 Prozent der Einnahmen erhalten, und dass sich EyeEm und Getty den Rest teilen.

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