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29.04.13

Monetarisierung ist nicht optional: Was Startups vom Fall Quote.fm lernen können

Mitte April gaben die Gründer von Quote.fm bekannt, ihr Startup aufgrund Geldmangels abgeben zu müssen. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, die Monetarisierung zu lange aufzuschieben.

Einer meiner absoluten Lieblingsdienste der letzten Jahre ist, wie regelmäßige Leserinnen und Leser wissen werden, Quote.fm . Ich verwende die Anwendung des Hamburger Startups sowohl als Später-Lesen-Service für von mir im Netz gefundene, längere Artikel als auch als Discovery-Werkzeug, um von anderen Nutzern empfohlene, lesenswerte Onlinetexte zu entdecken. Als täglicher Nutzer war ich durchaus leicht geschockt, als ich Mitte April im Quote.fm-Blog über den Abgang der Gründer lesen musste - auch wenn ich in den Monaten zuvor schon ein wenig das Gefühl bekommen hatte, dass die Weiterentwicklung und auch die Außenkommunikation des jungen Unternehmens ins Stocken geraten war.

Weil es den Gründern Marcel Wichmann, Martin Wolf und Philipp Waldhauer nicht gelungen war, eine notwendige Finanzierungsrunde abzuschließen, seien sie gezwungen, ihren Dienst abzugeben. Eine Weiterführung im Teilzeitmodus sei keine Alternative, da sie dies laut eigener Aussage nicht mit ihren hohen Qualitätsstandards vereinbaren können würden. Erfreulicherweise hatten sie aber auch eine gute Nachricht: Die ebenfalls aus Hamburg stammende Kommunikationsagentur Elbdudler wird Quote.fm weiterbetreiben. Sie war es auch, die den drei jungen Norddeutschen mit einer Seed-Runde in nicht genannter Höhe das notwendige Startkapital verschaffte - und jetzt augenscheinlich zwar nicht weiter in das bestehende Gründer-Team investieren, aber das Projekt immerhin nicht ganz aufgeben möchte. Leider hat das Quote.fm-Team nicht auf unsere Anfrage aus der letzten Woche zu weiteren Hintergründen reagiert, und auch die Macher von Elbdudler haben sich bisher nicht zu der Übernahme und den weiteren Plänen geäußert. Aber als leidenschaftlicher Quote.fm-User und genauer Beobachter des Startups lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, meine Sicht auf das vorläufige Scheitern darzulegen.

Fehlende Monetarisierung

Nach meiner Beurteilung sind Wichmann, Wolf und Waldhauer an diesem sicher in ihren Augen nicht optimalen Punkt angelangt, weil sie beim Aufbau von Quote.fm nach dem von heutigen Webgiganten in der Anfangsphase gerne genutzten Prinzip "Anwenderwachstum vor Umsatz" verfahren sind. Da Quote.fm auf der Vernetzung von Inhalte kuratierenden und empfehlenden Nutzern basiert und damit auf eine kritische Masse angewiesen ist, existiert für diese Strategie auch in der Tat ein gutes Argument. Doch um auf diese Weise erfolgreich ein eines Tages wirtschaftlich erfolgreiches Angebot errichten zu können, benötigt es einen langen Atem und ausreichend Bereitschaft seitens Investoren, immer wieder Kapital nachzuschießen. Doch Geldgeber gehen ein damit verbundenes höheres Risiko nur ein, wenn der ihnen winkende Return on Investment umso größer ist. Bei Quote.fm fehlte die Aussicht darauf. Denn Quote.fm ist ein Nischendienst. Das vergleichsweise langsame Nutzerwachstum signalisiert, dass sich daran auch auf absehbare Zeit nichts ändern wird. 16.000 Mitglieder sind bisher bei Quote.fm registriert. Nach rund anderthalb Jahren des Bestehens keine Zahl, die bei VCs Dollarscheine in den Augen hervorruft.

Wichmann, Wolf und Waldhauer zeichnen sich durch eine besondere Liebe zum Detail und ein Faible für Design aus. Ich kann an dieser Stelle nur darüber spekulieren, dass das Trio schlicht kein Interesse daran hatte, zu viel Zeit mit Monetarisierungsfragen zu verbringen. Die Drei glaubten daran, durch ein qualitatives, elegantes und eine Nachfrage bedienendes Produkt sowohl schnell eine signifikante Zahl an Anwendern bei Quote.fm versammeln als auch Geldgeber davon überzeugen zu können, ein ultimativ eine gute Rendite versprechendes Investitionsobjekt darzustellen.

Wenige, aber loyale Nutzer

Als leidenschaftlicher Quote.fm-Anwender weiß und sehe ich, dass der Dienst trotz der vergleichsweise geringen Nutzerzahl einige sehr loyale, Quote.fm täglich einsetzende User hat. 80.000 Artikelempfehlungen von 16.000 Mitgliedern, also immerhin durchschnittlich mehr als vier pro User, sprechen eine deutliche Sprache. Aber Social Discovery und das Kuratieren von Onlinetexten sind einfach (noch) nichts, bei dem Anwender Schlange stehen. Nach meiner Beurteilung hätte ein Special-Interest-Angebot wie Quote.fm in einem sehr frühen Stadium Monetarisierungsbestrebungen erfordert. Die Herausforderung liegt darin, dies zu realisieren, ohne das ohnehin zaghafte Mitgliederwachstum ganz zu ersticken. Ich bin aber überzeugt davon, dass dies mit etwas Fantasie machbar gewesen wäre - und noch immer ist. Die hohe Bindung des harten Kerns der Quote.fm-Community ermöglicht Erlösmodelle, die bei Services für die breite Masse weniger effektiv wären, etwa Aufrufe zum freiwilligen Bezahlen oder Crowdfunding-Kampagnen. Ich hätte liebend gerne für Quote.fm bezahlt, bereichert es doch sehr meinen digitalen Alltag. Auch eine Freemium-Strategie für die iPad-App - das Herzstück von Quote.fm - mit einer abgespeckten Gratis-Variante und einer kostenpflichtigen Vollversion - könnte man ins Auge fassen. Nichts davon garantiert unmittelbaren Erfolg. Man müsste eben experimentieren. Die Macher priorisierten stattdessen die Produktentwicklung in der Hoffnung, sich so mit externer Hilfe weitere Zeit erkaufen zu können. Auch das war ein Experiment. Leider führte es schließlich dazu, dass sie nun nicht mehr in der Lage sind, ihre Vision zu verwirklichen.

"Growth before Revenue" passt wenigen

Die Geschichte von Quote.fm verdeutlicht einmal mehr, wie verführerisch und gleichzeitig gefährlich das Mantra "Growth before Revenue" ist. Wer nach dieser Prämisse verfährt, muss entweder selbst Millionen auf dem eigenen Konto haben und diese aufs Spiel zu setzen bereit sein, oder aber Kapitalgeber in wenigen Sätzen davon überzeugen können, dass ihnen das nächste große Ding durch die Lappen ginge, würden sie nicht sofort einen riesigen Scheck schreiben. Beides traf im Fall Quote.fm nicht zu.

Für eine Monetarisierung von Quote.fm ist es noch nicht zu spät, sofern die neuen Besitzer ihre Intention deutlich machen können, an Quote.fm zu glauben und es nicht einfach vor sich hinsiechen zu lassen. Geld von Usern zu verlangen, würde angesichts der niedrigen Mitgliederzahl nicht unbedingt sofort zum Break Even führen. Doch schon 100 oder 200 zahlende User würden Investoren zeigen, dass Nutzer einen tieferen Sinn in dem Angebot sehen, und dass sie es nicht einfach nur deshalb verwenden, weil es kosten- und werbefrei ist.

Wie oft geschieht es schon, dass einzelne Anwender - wie ich gerade - regelrecht darum bitten, Geld für die Nutzung eines Onlineangebots zahlen zu dürfen?! /mw

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